Der AfD-Wahlkampf des Springer-Konzerns

Von , am Samstag, 10. August 2019, in Fußball, Medien, Politik.

Ich lese kein “Lügenblatt” (Copyright: Dietrich Kittner). Und interessiere mich auch kaum für den DFB-Pokal, den unwichtigsten Wettbewerb des Profifussballs. Darum bin ich gestern etwas kurz angebunden über den Fall Springer-Konzern gegen einen Schwarzen hinweg gegangen. Erst der taz-Kollege Johannes Kopp öffnete mir Augen und Hirn. Dass die taz seine Darstellung im Sportteil vergräbt, spricht nicht dafür, dass Viele in ihrer Redaktion die politische Brisanz des Zusammenhangs verstehen.
Seit Tagen führen die Revolvermedien des Springer-Konzerns also eine publizistische Kampagne gegen einen angeblichen schwarzen Bilderbuchflüchtling des Hamburger SV. Das dabei angewandte Gutmenschen-Marketing ist etwas, was die Revolverjournalisten am meisten hassen und bekämpfen, weil es ihnen ihrerseits vor Augen führt, was sie für Arschlöcher sind (ich werde mich im Folgenden wohl noch öfter in der Wortwahl “vergreifen”).
Johannes Kopp/taz hat den Rassismus-Diskurs im deutschen Fussball schön auf den Punkt gebracht, aktualisiert und zusammengefasst. Was ich völlig übersehen hatte, ist, dass der HSV morgen um 18.30 h im DFB-Pokal zum Auswärtsspiel in Chemnitz (!!) anzutreten hat. Während in Schalke der Boss rassistisch hetzt und die Fans protestieren, ist es in Chemnitz umgekehrt: Verein und Stadt kämpfen gegen faschistischen Mob, der in der Tat teilweise aus unserem schönen Westen anreist, um im Osten “befreite Gebiete”, für Dunkelhäutige/Schwarzhaarige weiträumige “No-Go-Areas”, zu erobern. Das ist ein integraler Bestandteil der AfD-Strategien für die drei ostdeutsche Landtagswahlen, mit der wichtigsten am 1. September in Sachsen, wo Chemnitz liegt, mit einem potenziellen AfD-Sieg in Sichtweite. Es wäre sehr überraschend, wenn morgen Abend in Chemnitz “nur Fussball” gespielt wird.
Die Springermedien haben unmissverständlch klar gemacht, auf welcher Seite sie dabei stehen. Daran schliessen sich einige politisch wichtige Fragen an.
Leidet die Milliardärin Friede Springer an dem Treiben ihrer Angestellten in ähnlicher Weise, wie ihr verstorbener Ex-Mann? Was tut sie dann dagegen? Und in welcher Weise wird sie dabei von ihrer Freundin, der Bundeskanzlerin, unterstützt? Was hat ihr Freund und Stallbursche, der in Nordkorea-Angelegenheiten so scharfe Analytiker und gesprächige Publizist Mathias Döpfner dazu zu sagen?
Meine These: für Angela Merkel ist das die Sintflut “nach ihr”. Da will sie nicht “dabeigewesen” sein. Frau Springer geht es wahrscheinlich ähnlich. Was bleibt als Hoffnung? Dass die Heuschrecke KKR etwas schneller macht als sonst, und den Laden so auseinandernimmt, dass möglichst wenig übrig bleibt. Gut, dass ich nicht 40 Jahre jünger bin. Sonst würde ich noch zum Gewalttäter (natürlich nur gegen Sachen) …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.