Die öffentlichen Darstellungen des “mĂ€chtigsten Mannes der Welt” ergehen sich hierzulande darin zu beschreiben, wie irre der Mann sei. Diese Darstellung ist falsch. Sie fĂ€llt auf die Überbringer*innen zurĂŒck. Das System, fĂŒr das diese vorgebliche Witzfigur steht, ist weit intelligenter und moderner, als die meisten seiner Konkurrent*inn*en zusammen. OberflĂ€chlich auch fĂŒr die DĂŒmmsten – ausser die US-Demokrat*inn*en, und zwar dort sowohl zentristische als auch linke – zu erkennen, wie der Mann sich auf das Impeachment-Verfahren freut. Damit ist der potenziell gefĂ€hrlichen gesellschaftspolitischen Verankerung von konkurrierenden Politikkonzepten und -strategien der Stecker gezogen.
Die Zerlegung Linker und Liberaler auch in anderen Weltregionen aufmerksam studierend und analysierend, hat das Trump-Regime auch die Wirksamkeit des “Antisemitismus”-Knochens erkannt, wenn er in eine Zusammenballung von ein paar Linken und Liberalen nur spektakulĂ€r genug hineingeworfen wird. Es ist nicht nur ein Problem fĂŒr die GlaubwĂŒrdigkeit linker Zionist*inn*en, sondern fĂŒr alle Linken und Liberalen. Das Trumpregime weiss lĂ€ngst, dass es nicht um “Argumente” geht. “Wahr” und “unwahr”, “richtig” und “falsch” ist völlig egal – und darum ist es so wundervoll, andere nur ausgiebig damit beschĂ€ftigen und – Vorsicht, das ist jetzt nur eine Metapher – als politische Bewegung oder gar Organisation in die Luft jagen zu können. Frauke Sreffens/FAZ hats kapiert, ausserdem hier eine ergĂ€nzende Darstellung von Florian Rötzer/telepolis.
Liberale Medien im demokratischen Europa sollten sich einer grĂŒndlichen Selbstuntersuchung unterziehen. Wie blöd kann mann eigentlich sein, solchen Knochen hinterherzujagen? Ich gebe zu: Deutsche als Nachfahren der faschistischen Verbrecher sind ein Sonderfall. Es ist aber nĂ€here ÜberprĂŒfung wert, ob deutsche Parteien, Kommunen, Medien, Hochschulrektor*inn*en dem Trumpregime als Vorbild dienen, oder ihm nicht vielmehr bewusstlos hinterherdackeln. Denn was sie eint, ist, dass ihnen der Knochen furchtbar unangenehm ist, und sie ihn, der so unbarmherzig an Deutschland klebt, zĂŒgig, schmerz- und verantwortungsfrei wieder loswerden wollen. FĂŒr politisches Interesse an JĂŒdinnen und Juden (vorbildlich: Steffens, s.o.) bleibt keine Zeit, im Notfall hat die israelische Regierung eine Adresse und Telefonnummer.
Es ist nicht beruhigend, wie sie gleichzeitig andere Untaten beschweigen, nur weil das eine oder andere Opfer so unsympathisch wirkt. Diese Sympathie und Antipathie ist schliesslich ebenfalls in erster Linie eine mediale Konstruktion. Das hat der alte Orwell, ĂŒbrigens selbst ein eifriger Antikommunist, alles schon gewusst und geschrieben. Wir hatten das in den 70ern sogar in der Schule. Was machen die da heute eigentlich?