Leider tritt bei mir eine kleines, aber mächtiges Zeitproblem auf und selbst mit Verspätung gelang es mir nicht, dran zu bleiben. Deshalb sind noch zwei Wochen Pause sinnvoll. Noch eine Anmerkung zu w-social, weil es im Fediverse einige Beiträge dazu gab, die ich aus meiner Perspektive zwar umfänglich unterstütze und die auch richtig sind – und nun kommt das aber …
Mein Hinweis auf w-social hatte – ohne dass es ausgebreitet wurde – andere Gründe.
Mit Verweis auf den Intelligenzzwang (siehe Wochenrückblick 17. Mai) war im Grunde angedeutet, wo das Problem liegt. Wir veröffentlichen alles auf X, als sei es Gesetz.
Alle Medien zitieren zuvörderst, was auf X gepostet wurde, gar auch Reaktionen werden mit Blick auf X verfasst. Ministerien und Regierungen nutzen es, X wird quasi zu einer offiziellen Quelle. Im Ergebnis unterstützen wir mit unserem Geld ein System, von dem auch hier viele nicht überzeugt sind.
X werden wir nicht mit einer europäischen Lösung in die Knie zwingen, aber für X könnte eine europäisches Loch entstehen. Allerdings müssen wir uns den Erfolgen von X stellen – und die sind nicht dort zu finden, wo sich über das Fediverse eine neue unabhängige Kultur entwickelt.
Organisationsformen wie X folgen einem harten kapitalischen Kurs, das beginnt nicht beim Inhalt, sondern wird durch Kapital gesteuert. Wer den Erfolg im Vergleich zu X sucht, muss auch für Werbekunden attraktiv sein.
Eine Plattform, die mit Kapital ausgestattet und DSVGO-konform antriitt, könnte, bei hoher Akzeptanz und großem Unterhaltungswert, in Europa etwas erreichen. Wenn w-social in Europa die Dreckschleuder X ablöst, würden nicht nur die Steuereinnahmen hier bleiben, sondern Beschwerden nach DSVGO behandelt und nicht so, wie es ein Trump oder Musk wünscht.
Und JA, das Fediverse ist die unabhängigere, dezentrale Lösung und es ist und bleibt höchst erstrebenswert, es weiter auszubauen. Eine wirkliche Alternative, die auch von großen Unternehmen und Regierungen/Behörden gesehen wird, ist es bislang noch nicht. Wenn wir schnell eine Alternative aufbauen wollen, dann müssen wir von dem lernen, was uns die Nordamerikaner eingebrockt haben. Insofern scheint es sinnvoll, den Weg von w-social zu begleiten, kritisch zu unterstützen und nicht gleich alles in Bedenken zu ertränken.
Bis demnächst auf diesem Bildschirm – dann geht es alternativlos um Google …

ich benutze X nicht, warum soll ich dann w-social nutzen? Und wenn ich das richtig verstehe, geht es nicht um Qualität bei w-Social, sondern nur um Kohle? Soll ich das verwerflich finden?
Nein, es ist nicht verwerflich, warum soll es verwerflich sein, wenn die Masse den Oligarchen einen grundsoliden Wohlstand finanziert!
Nur sollte das vielleicht Europa zugute kommen, so aber finanzieren wir die nordamerikanischen Abenteuer, die einerseits Kapitalkraft der Masse nutzt, um damit gigantische KI-Factories aufbaut, die wir hernach gegen bare Münzen nutzen müssen, weil wir keine funktionsfähigen Alternativen zu bieten haben.
X mögen wir nicht ablösen können, ob w-Social finanzstark genug den Hut in den Ring wirft, kann ich nicht beurteilen, aber auch wenn es teuer ist, es kommt uns teuer zu stehen, wenn wir es nicht zumindest versuchen!
Was übrigens Google vorbereitet, kommt einer endgültigen Übernahme des Internets gleich.
Über Qualität kommen wir an dieser Stelle nicht weiter, denn es zählt Finanzkraft und der Vorsprung, mit dem wir erpresst werden.
Frage: Wer hat WhatsApp auf dem Smartphone gelöscht? Könnte als normative Kraft des Faktischen durchgehen, weil es alle sorgenfrei benutzen.
Das nehmen wir alles hin, ohne die Konsequenzen zu bedenken, ich hab ja nix zu verstecken, höre ich dazu immer wieder. Das stimmt, Du bist auch ohne WhatsApp nackt im Haufischbecken.
Liefern wir uns doch gleich ganz aus, tut ja nicht weh.
… kostot aber unsere Menschenwürde, unsere Freiheit, ganz ohne einen Überwachungsstaat und letztlich leidet auch der Gute Geschmack, wenn alles Mainstream KI- generiert serviert wird. Wir haben uns nicht dagegen gewehrt, sind mitgelaufen – erinnert mich an die Nazi-Schergen im Dritten Reich, waren alles nur Mitläufer, wie später in der DDR.
Was können wir also tun? Nichts, wir haben ja nichts mehr zu verstecken.
Besser ich höre auf, alles weitere könnte die Bevölkerung verunsichern…
Lieber Christian Wolf, das Problem ist doch zum einen, dass die demokratischen “Leitmedien”, die noch unsere Demokratie verteidigen und sie noch nicht zum Sturm der Populisten freigeschossen haben, “X” behandeln, als wäre es dpa, Reuters oder afp und nicht Musks Organ – und es ständig zitieren – mag der Inhalt es noch so gelogen sein.
Dass sie zweitens die Datenkrake Whattsapp in ihren Bürgerbeteiligungs-Sendungen bevorzugen, anstatt der DSGVO entsprechend “Signal” oder “Threema” nutzen, empfehlen und damit ein Stück Europäischer Verantwortung für die Demokratie unterstützen, wie es ihr gesetzlicher Auftrag ist. Eigentlich müßten die Landesaufsichtsbehörden für Datenschutz WDR, SWR, NDR, DLF und allen anderen Sendern diese Reklame für Whattsapp verbieten, den in den Nutzungsbedingungen der Sender steht nichts davon, dass Anrufer bei ihrer Beteiligung an Sendungen des ÖR-Rundunks Gefahr laufen, dass der META-Konzern ihre Anrufe den bereits vorhandenen Konsumentenprofilen hinzufügt. Das ist nichts anderes, als Anstiftung zum Datenmißbrauch.
Und die Kritik an Deiner Darstellung von”W” war, wie ich sie verstanden habe, dass Dein Bericht null Recherche über die Initiatoren, Hintergründe und Geldgeber beinhaltete, sondern sich quasi auf die Widergabe von deren Pressemeldungen beschränkte. Das hat mit kritischer Aufklärung, für die wir auf dem “Extradienst” alle ehrenamtlich arbeiten, weniger zu tun. Schon die Vorstellung von “W” am Rande oder um das Davoser Treffen internetionalen Kapitals und Konzerne hätte zumindest eine kritische Recherche gerechtfertigt. Dass die schwedischen Kapitalgeber den Namen Greta Thunberg unautorisiert genutzt haben sollen, lässt mich zumindest stutzen.
Vollends unverständlich finde ich, dass “W” Klarnamen der Nutzer:innen verlangen will – diese Position ist nicht illegitim, ich habe sie auch schon vertreten – aber man muss sich im Klaren sein, dass dann Whistleblowern oder Insidern, oder iranischen oder russischen Oppositionellen diese Plattform verwehrt ist.
Und der angeblich nur einmal bei der Anmeldung benutze Klarnamen- und Datensatz, der dann gelöscht werden soll, wirft jede Menge Fragen auf: Etwa, wie dann die Nutzung benachbarter oder kooperierender Plattformen gemanagt werden soll, die die Initiatoren anstreben oder wo denn dann die Logindaten liegen sollen oder gehostet werden. Damit sie nicht doch irgendwann für personalisierte Werbung und die Bildung von Interessenprofilen genutzt werden. Denn gezielte, personenscharfe Werbung ist doch das Argument, mit dem Zuckerberg und co.der konventionellen Presse Werbekunden abspenstig gemacht und eine ganze Zeitungslandschaft in Deutschland und Europa dezimiert haben und dies täglich fortsetzen. Ich empfehle hierzu: Wolfgang Lieb in “Uns das Grundgesetz aneigenen” Band 2, S. 65-101.
Deshalb wäre eine von den öffentich-rechtlichen Medien betriebene,finanzierte und demokratisch durch die Rundfunkgremien kontrollierte Plattform die bessere Alternative. Das Lob für “W” ist nicht durchdacht, falsch und voreilig. Ist “W” erst einmal in der Welt und wird mangels besserer und lauter schlimmerer Alternativen gepusht, besteht die reale Gefahr, einen Europäischen Tech-Konzern zu schaffen, der den gleichen Manchester-kapitalistischen Prinzipien folgt, wie seine US-Vorbilder. Es ist wie bei der KI: Wir müssen ERST eine gesellschaftliche Diskussion führen, BEVOR wir Empfehlungen aussprechen und nicht fragwürdige Alternativen aufgreifen, nur weil sie halt mal da sind.
Dass ich mir trotzdem ein wirklich soziales Netzwerk/Plattform wünsche, ist überhaupt keine Frage. Aber “W” kann es nach dem, was bisher bekannt ist, einfach nicht sein!
Also wäre die Aufgabe, über Rundfunkräte und Rundfunkkommissionen, öffentlichen Druck und Petitionen, Journalistenverbände und Gewerkschaften sowie SPD und Grüne, Linke und CDU-Sozialausschüsse sowie gesellschaftlichen Partnern bis zu den Kirchen diese Kooperation der ÖR-Medien mit Datenkraken zu bekämpfen, die Aufsichtsbehörden einzuschalten, “W” kritisch zu hinterfragen und eine breite gesellschaftliche Diskussion anzustoßen, wie wir uns gegen die US-Oligarchen und Antidemokraten zur Wehr setzen können, ohne uns eine eigene Spielart dieser undemokratischen Oligopole an den Hals zu schaffen. Anstrengend? Ja, aber so geht Demokratie!
Und nach etwas: Du glaubst offensichtlich, dass die Gründung einer Europäischen Plattform, die letztendlich nach ähnlichen profitmaximierenden Prinzipien wie ihre US-amerikanischen Vorbilder funktioniert, nur ein paar Datenschutzbestimmungen etwas mehr achtet, das Problem gelöst werden könne. Das ist ein fataler Irrtum.Es geht nicht darum, die bösen Oligarchen gegen liebe auszutauschen, es geht darum, eine Plattform zu schaffen, die keine Oligarchen als Eigner hat und die demokratisch und verfassungsrechtlich verankert ist.