Die Besten sterben früh? Günter Bannas wurde 74. Ein alter Mann, aber sein Verstand war lebenslänglich topfit. Das erste Mal traf ich ihn Ende der 70er/Anfang der 80er an den Pressetischen der ersten Chaos-Parteitage der Grünen. Ich besuchte sie zur Konkurrenz- und Bündnisbeobachtung für meinen Jugendverband Jungdemokraten und für die Vereinigten Deutschen Studentenschaften (VDS). Meinen damaligen VDS-Vorstandskollegen Ali Schmeißner (“Basisgruppen”), der bei den Grünen kräftig mitkungelte, warnte ich vor dem “FAZ-Spion”, der sich schweigend immer wieder zu Kungelgruppen im Parteitagsplenum gesellte.

Ali, mit dem ich mich menschlich gut, politisch aber immer nur sehr schlecht verstand, machte – für mich war das eine Premiere – ein Gesicht, das erstaunte Dankbarkeit für den Hinweis verriet. Das amüsiert mich lebenslänglich 😉

Wie wenig später nachzulesen war, hatte Günter Bannas im Gegensatz zu seinen Kolleg*inn*en immer alles verstanden. Das war bei den Grünen jener Zeit ein beachtliches Kunststück und machte den Autor zu einer exklusiven Informations- und Erklärstelle.

Bannas’ Intelligenz und Auffassungsgabe war konkurrenzlose Spitze. Das erwies sich Anfang der 80er auch bei seiner durchweg fairen Beobachtung und Berichterstattung zur Friedensbewegung. Bei der Trauerfeier des Bonners Mani Stenner hielt der bekennende Rheinländer sogar eine Trauerrede.

Ein Missionar war er nicht. Das zeichnete seinen Journalismus aus und hob ihn heraus. Bei der FAZ, und in der Herde des Hauptstadtjournalismus. Dieser Typus, den er mustergültig verkörperte, ist hierzulande mit ihm ausgestorben. Rechtzeitig, um das Folgende nicht mehr miterleben zu müssen? Möglich, aber zum Glück nicht sicher.

Der Nachruf von FAZ-Herausgeber Berthold Kohler ist paywallfrei.

 

Über Martin Böttger:

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