Der Absturz der CDU in Sachsen-Anhalt sowie der Aufstieg der AfD bis knapp zur absoluten Mehrheit markieren einen Einschnitt in der Geschichte unserer Demokratie. Und der wird nachwirken, vielleicht auch als „Tag, an dem Conny Adenauers Christdemokratie starb“. Rechts von der rechten Mitte sind jedenfalls die Leinen los, die Merz-CDU schafft es nicht mehr, hier demokratisch zu integrieren – was Merkel noch einigermaßen gelang.

Die AfD holte ihre Stimmen hauptsächlich aus dem Bereich der bisherigen Nichtwähler und dann auch von der CDU. Die CDU büßte in fast alle Richtungen ein, auch in Richtung Grüne und SPD, was sicher auch ein taktisches Wahlverhalten von Unionswählern war, um eine demokratische Mehrheit zu retten – immerhin!

Für die Linkspartei ist das BSW-Problem wieder aufgebrochen, wo 15.000 Stimmen hingingen. Gleichzeitig entschieden sich 12.000 Wähler dieser Partei für die AfD. Also viele Abgänge in Richtung der Populisten.

Auffallend sind noch die Stimmengewinne der Grünen aus allen Richtungen außer von der AfD, wo die Schnittmengen ja traditionell die Geringsten sind. Die Grünen sind offensichtlich keine schlechte Bank für diejenigen, die politischen Populismus ablehnen.

Über Reinhard Olschanski / Gastautor:

Avatar-FotoGeboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.