Beuel: Kampf auf Leben und Tod – das muss nicht sein

Seit ich diesen Blog betreibe, am 1.9. sind es zehn Jahre, warne ich vor den Verkehrsverhältnissen auf dem Schwarzrheindorfer Rheindeich, der Kennedybrücke und anderen Wegen Beuels. Von der Medienöffentlichkeit und der von ihr vor sich her getriebenen Politik weitgehend unbeachtet bleiben die Verkehrskonflikte, die den veralteten Autoverkehr längst hinter sich gelassen haben.

Nun kämpft zum ersten Mal ein Opfer dieser Konflikte um ihr Leben. Die Frage “muss es erst Tote geben?” hat sich damit beinahe beantwortet.

Tatsache ist, dass sich Fussgänger*innen und motorisierter Verkehr nicht vertragen. Rennräder und ihre mehrheitlich männlichen Fahrer sind dabei in ihrer Geschwindigkeit dem motorisierten Verkehr gleichgestellt. Sie fahren auch mal 70 – weil sie es können. Mit der Strassenverkehrsordnung hat das selbstverständlich nichts zu tun.

Vernunftappelle haben noch nie was genutzt. Die Reichweite von Regeln ist leider ebenfalls so begrenzt, wie es ihre Kontrolle ist. Am Ende hilft nur ebensolche Kontrolle verbunden mit empfindlichem Bussgeld. Und dass sich das rumspricht.

Ein erster Schritt dazu sind freilich Regeln. Eine müsste theoretisch und praktisch lauten: Trennung von Fuss- und motorisiertem Verkehr aller Art. Ausnahme: ÖPNV, der von hochqualifizierten und stressresistenten Fahrer*inne*n gesteuert wird – die nette und junge Busfahrerin des 640 am Samstagmorgen von Schwarzrheindorf Schule Richtung Beuel City war so eine.

Auf der Kennedybrücke und am Rheinufer müssen die Flächen für Räder und Geher*innen baulich getrennt werden. In der Friedrich-Breuer-Strasse sind alle Gäste der Fussgänger*innen und müssen sich entsprechend verhalten, wie es z.B. in “Shared Spaces” normal ist: mit Schrittgeschwindigkeit.

Fünf Jahre Rot-Rot-Grün in Bonn (2020-25) waren untätig geblieben. Ob der Bonner CDU-OB aus Beuel irgendwas davon kapiert? Ich fürchte: nein. Was nun?

Was fährt überhaupt noch? – Wundersame Bahn CCLV

Die Hiobsnachrichten über den Verkehr in dieser Stadt reissen nicht ab. Die herrschende Kommunalpolitik strebt – wie die Bundesregierung – danach, diesen Zusammenbruchs- und Klimawandelprozess zu beschleunigen statt zu bekämpfen. Die “beste” Nachricht ist vielleicht noch, dass in den letzten Ferientagen am Konrad-Adenauer-Platz phasenweise gar kein Stau mehr zu sehen war. U.a. weil, wie der ADFC meldet, der Radverkehr über die Kennedybrücke sich mehr als verdoppelt hat. Und zwar ohne mich; mir ist da zu voll und zu viel Hektik der aufs Rad umgestiegenen Porschefahrer.

Wer dagegen in Beuel gar nicht mehr fährt, ist die Deutsche Bahn, und zwar – geplant! – bis kurz vor Weihnachten. Und Überraschung! In der durchgentrifizierten Bonner Südstadt klagen sie jetzt über den Güterzuglärm – eine Schadenfreude, auf die wir Beueler*innen gerne verzichten täten. Denn ihr Ende ist absehbar, oder?

Was demnächst vielleicht/wahrscheinlich auch nicht mehr fährt, sind die Stadtbahn-/U-Bahnlinien, weil die Kölner*innen ihr Wagenmaterial noch in diesem Monat wieder selber brauchen. Und das Bonner Waggonmaterial bis dahin nicht fertigrenoviert ist. Auf Schienen fährt dann von und nach Beuel nur noch die Strassenbahn 62 (und vorläufig auch die umgeleitete 61), weil für die noch rechtzeitig neue Fahrzeuge gekauft und geliefert wurden.

Was dagegen “pünktlich” zum Ferienende zwei Wochen lang (geplant!) auch nicht mehr fahren soll, ist der deutschlandticketrelevante RE5 von Koblenz ins Ruhrgebiet. Er wird gar nicht erst umgeleitet (wie der RE1 von Aachen), weil mutmasslich die Gleiskapazitäten dafür nicht ausreichen (danke Herr Mehdorn ff., und natürlich die fabulöse Bundesregierung!).

Unsere ehemalige OB und ehemalige Berliner WG-Kollegin des heutigen NRW-Landesverkehrsministers könnte vielleicht realistisch abschätzen, wie lange der noch Spass an seinem Job in diesem stillgelegten Bundesland hat. Sein Amtsvorgänger 2017-21 hingegen soll noch grosse Pläne haben. Manche sind da ganz schmerzfrei …

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger