Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 60 von 61)

Kunstmuseen – Dynamik des Verbergens

von Wolfgang Hippe

Buchrezension: Walter Grasskamp „Das Kunstmuseum. Eine erfolgreiche Fehlkonstruktion“ 185 S., München 2016, Beck Verlag

Die Kulturpolitik hierzulande ist wesentlich auf Institutionen fixiert – den Rahmen der Debatten setzen in aller Regel die stets hervorgehobenen angeblich „weltweit einzigartigen“ Kulturlandschaften etwa des Stadttheaters oder der Museen. Folgerichtig ist der Diskurs wesentlich von den entsprechenden Lobbys geprägt und kreist regelmäßig um die „Abhängigkeit von der öffentlichen Hand“. Schon deshalb verdient ein Buch Aufmerksamkeit, das für sich beansprucht, „eine lobbyfreie Theorie des Kunstmuseums zu erproben“. Zu beachten ist dabei die Formulierung „erproben“. Weiterlesen

Türkei

Es gibt ein neues ambitioniertes Magazin namens “Renk”, vorgestellt in der taz.
Ingo Arend treibt sich lieber in Istanbul als in Berlin rum. Das kann ich nachvollziehen. Hier sein aktueller Rumtreiber-Bericht aus der Kunstszene, die sich nach dem Putschversuch in einem Kontrollvakuum freier bewegen kann als gedacht.
Diesen Eindruck macht auch eine vom Goethe-Institut mitinspirierte Initiative namens Actopolis, die sich an vielen Orten, u.a. in Ankara betätigt. Beeindruckende Bildsprache, auch aus dem Ruhrgebiet.
Lalon Sander erinnert an das Barbarentum des Weissen Mannes, der eben immer genau weiss, wovon er spricht.
Und der Slawe Trojanow versucht, zu befürchten ist: weitgehend vergeblich, uns Germanen die Sache mit der Angst noch mal zu erklären.

Ägäis-Inseln Samos & Lesbos: Flucht und Kunst verbindet

Vor einigen Wochen berichtete Ingo Arend in Deutschlandradio und taz von einem spannenden Kunstprojekt der solventen Schwarz-Foundation (nicht mit den Lidl-Eigentümern zu verwechseln) auf der griechischen Ägäis-Insel Samos. Erstaunlich, welche interessanten Initiativen die spannungsgeladene politische Situation auf Solitären wie den Ägäis-Inseln auszulösen vermag. Wie anders die Atmosphäre im Vergleich zum politischen Klima hierzulande, und das, obwohl die sozialen Probleme in Griechenland schon vor Ankunft der Flüchtlinge viel härter waren und sind als bei uns.
Ein Brennpunkt der Flüchtlingspolitik in Griechenland ist die Insel Lesbos, nördlich von Samos ähnlich nah vor der türkischen Westküste gelegen. Aus Molivos/Mithymna, einem der schönsten Orte der ganzen Ägäis, dessen auf Tourismus gebautes “Geschäftsmodell” aktuell ökonomisch zusammengebrochen ist, wehren sich die Menschen jetzt ebenfalls gemeinsam, in diesem Fall mit klassischer Musik. In der FR berichtet Wolfgang Bauernfeind über das “Molyvos International Music Festival”.
Ich habe beide Inseln mehrmals für private Urlaube besucht, in den 80ern und 90ern. Einen Parlamentswahlkampf, es war der erste Wahlsieg von Andreas Papandreou/PASOK, erlebte ich als journalistischer Beobachter für die damalige Tageszeitung “Die Neue” mit. Was daraus bis heute wurde, ist ein anderes Kapitel. Wer einmal auf Samos und/oder in Molivos/Lesbos war, wird es nie vergessen können. Die schönsten Bilder lagern auf der “Festplatte” im Kopf. In Molivos hatte ich eindeutig das schönste aller Privatpensionszimmer, die ich jemals bewohnt habe. Wenn es Ihr Urlaub zulässt: fahren Sie hin! Die Gastgeber*innen werden es Ihnen herzlich danken, und Sie selbst werden lebenslange Erinnerungen mitnehmen.

Frische Feigen

von Walter Benjamin

Im Deutschlandfunk erinnerte eben die Autorin Brigitte Baetz an den deutschen Flüchtling Walter Benjamin. Vor 76 Jahren starb er in der Nähe von Port Bou in den Pyrenäen. Seit 6 Jahren sind seine Werke urheberrechtsfrei. Hier ein Großartiges, an das ich jedes Mal denke, wenn ich im Bioladen vor dem Obstregal stehe. Und trauere, dass unsere Eltern und Großeltern so einen Autor vertreiben liessen.

Der hat noch niemals eine Speise erfahren, nie eine Speise durchgemacht, der immer Maß mit ihr hielt. So lernt man allenfalls den Genuß an ihr, nie aber die Gier nach ihr kennen, Weiterlesen

Bliesgau, Georgien, Resteessen, Milchviehhaltung – neues Slowfood-Magazin

Die Slowfood-Bewegung, der ich angehöre, isst eine globale Bewegung, die sich für die Erhaltung bedrohter Tier- und Pflanzenarten, für die Regionalität von Essen und Trinken und seiner Produktion, und für das Recht auf Genuss einsetzt. Es war kein Zufall, dass sie in Italien gegründet wurde, dessen politische Linke nie so genussfeindlich war wie die Deutsche, sie ist aber heute weltweit organisiert, wie aktuell bei Messe und Kongress Terra Madre – Salone Del Gusto in Turin politisch und genussvoll sichtbar wird.
Nun ist die neue Ausgabe 05/2016 der deutschen Mitgliederzeitschrift erschienen (noch nicht aber hoffentlich zügig online), 100 Seiten fett (Fett ist ein wichtiger Geschmacksträger!), mit einer Fülle nur scheinbar abseitiger Themen, z.B.:
– Genussreise ins Bliesgau (das liegt im südlichen Saarland) Weiterlesen

Worum Beuel Endenich beneiden muss

Auf dem Rückweg von der Bundesagentur für Arbeit oben auf dem Berg in Duisdorf, machte ich für eine Mittagspause Station in Endenich bei Sarah Monteiro-Gashi im Bistro Mademoiselle. Und was soll ich sagen: obwohl ich Sarah schon viele Jahre kenne, war es ein kleines kulinarisches Erweckungserlebnis.

Kennengelernt haben wir uns auf dem Marktplatz in Bonns City, wo Sarah mit Hilfe ihrer Mutter, Birgit Alexander-Monteiro, im Hauptberuf Gleichstellungsbeauftragte bei der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit), einen Espresso&Crepes-Wagen betrieb. Ich lernte die beiden kennen, als sie anlässlich einer Freiluftveranstaltung Bärbel Höhn, MdB und ehemalige NRW-Landesministerin Weiterlesen

Im Aldi-Sonderangebot: Ideologie

Vor kurzem wies ich an dieser Stelle auf die Ideologiepoduktion durch prominente Fußballtrainer hin. Zu ihnen hat sich jetzt auch Aldi gesellt. Es lügt nicht nur, es produziert auch Ideologie. Und lässt wesentliche Bestandteile der Wirklichkeit mutwillig weg.

Stellen Sie sich als Stimme in diesem Werbespot mal keine süsse Kinderstimme, sondern den frisch geschiedenen Gerhard Schröder (nee, der ist zu teuer, nehmen wir Elmar Brandt von den WDR-Mitternachtsspitzen) vor, mit dem gleichen Text. Weiterlesen

Kunst – Essen-Werden & Bonn

Ein feines Statement in dieser Zeit setzt eine private Hausgemeinschaft in Essen-Werden.

Bonn hat es in die FAZ geschafft, das bringt Sonderseiten im Pressespiegel der Bonner Stadtverwaltung. Andreas Rossmann berichtet über zwei Rhein-Ausstellungen, in der Bundeskunsthalle und im Rheinischen Landesmuseum. Rossmann lebt heute als NRW-Feuilletonkorrespondent der FAZ – ja sowas gibt es (noch) – in Köln und liebt, wie ich, das Ruhrgebiet, und obwohl ich dort aufgewachsen bin und er nicht, kennt er es viel besser 😉

Eisbären hellen Stimmung auf

Nachdem meine schlimmsten Voraussagen zum gestrigen Fußballabend alle eingetroffen sind, stellte sich für mich die Frage, wie meiner Stimmung aufgeholfen werden kann. Die artenvielfalt wurde es. Schon länger weisen Ökologen darauf hin, dass die in der Stadt größer ist als auf dem Land. “It’s the economy, stupid!” – das liegt an der Wirtschaft, der Landwirtschaft. Die ist nun schon seit vielen Jahrzehnten auf Standardisierung, Industrialisierung, Renditesteigerung und Kostensenkung ausgelegt, also Kapitalismus, was gestern im Kauf Monsantos durch den Leverkusener Bayer-Konzern (gestern einen 2:0-Vorsprung gegen einen Mittelklassegegner im eigenen Stadion verspielt) gipfelte.

Die artenvielfalt verbindet sich mit Schadenfreude. Der Schaden ist weit genug weg und trifft in dieser konkreten Handelsblatt-Geschichte die bösen Russen. Aber ist das nicht ein netter Scherz der Biologiegeschichte? Nicht nur Füchse und Wildschweine machen es sich in unseren Vorgärten und Hinterhöfen gemütlich, die Eisbären tun es auch. Und sie gehen erst wieder weg, wenn ihnen wieder zugefrorene Eisflächen angeboten werden.

Zum Stimmung-aufhellen hier ausserdem ein Link zur sozialökologischen Problematik der Liebesschlösser-Massen.

Hunger

Die meisten Menschen hungern aus Armut. Das gibt es zwar hierzulande auch. Die Mehrheit der hierzulande Hungernden tun es jedoch, weil sie psychisch daran erkrankt sind. Mehrheitlich Frauen, mehrheitlich aber nicht ausschliesslich junge Frauen. Unter letzteren sind es ein Drittel! Männer sind auch betroffen, zunehmend, aber insgesamt viel weniger.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) widmet dem Thema heute einige Schwerpunktseiten, gut so. Schlecht dagegen, dass sie bisher nicht online gestellt sind. Update: nach 4 Tagen online gestellt. Darum sind sie zur Strafe hier auch nicht verlinkbar. Ich weise stattdessen auf meinen Text zum Thema im Freitag im Jahr 2009 hin. Zwei dort getroffene Feststellungen haben sich seitdem verändert. Das Feuilleton diskutiert heute über das Thema. Und die deutsche Sektion der Slowfood-Bewegung hat sich seitdem erfreulich politisiert.

Gabun füttert Sarkozy durch / Saatgut-Kapitalismus ruiniert unsere Nahrung / Wo es noch schmeckt

In Gabun war gerade Präsidentenwahl. Der Pate Afrikas, “Omar” Bongo ist zwar schon einige Jahre tot, aber es scheint sich trotzdem nichts gebessert zu haben, wie Bernhard Schmid in der Jungle World berichtet.

Warum uns unser Essen nicht mehr so schmeckt, wie in der Kindheit und wie die gesamte Welternährung in Gefahr gerät, nämlich durch den Saatgutkapitalismus, der von immer weniger Konzernen beherrscht wird, steht heute in der SZ. Die Schuldzuweisung (Konzerne sind nicht “böse”, sondern “die Politik”, bei diesem Link einige Tage Paywall) ist zwar zu holzschnittartig, der Stand der Entwicklung wird aber zutreffend beschrieben.

Hier schmeckts noch: La Locanda in Köln weckt Geschmackserinnerungen an Sardinien, Innereien, Bottarga, Milchlamm, Vermentino und Cannonau, Filu Ferru. Dank an die Gastgeber, Super-Abend gestern.

Schlafwagen-Reisen: zwischen Dekadenz und Trash

Eine stark in Erinnerung gebliebene Reise mit einem russischen Schlafwagen unternahm ich in den 90ern. Die DDR war schon abgeschafft, aber der Paris-Moskau-Express existierte noch (das gleichnamige Restaurant in Berlin in Sichtweite der Bahnstrecke gibt es immer noch und ist nach meiner Kenntnis auch immer noch empfehlenswert). Der “Express” bestand aus einem Kurswagen, der an einen bunt zusammengestellten Zug angehängt war. Eine Freundin und ich wollten von Köln nach Berlin. Und ja, der Zug fuhr seinerzeit noch so langsam, dass diese Strecke im Bett schlafend zurückzulegen war. Leider war uns eine Vorreservierung nicht gelungen, so dass wir uns an den Bahnsteig stellten, um mit dem Bahnpersonal zu verhandeln. Das stellte sich als Erfolgsstrategie heraus.

Wir zahlten der russischen Schlafwagenschaffnerin in bar, Weiterlesen

“Schwarze Null” schwächt deutsche Wirtschaft

Diese These wird gut erläutert in der Sascha-Lobo-Kolumne beim Spiegel.

Zur Diskussion über den Journalismus was heutiges von Christoph Kappes und was, wöfür der Autor nichts kann, sehr gestriges über das ZDF.

Ein herber Verlust für das Ruhrgebiet ist, dass es Annika Joeres, einstige Kollegin bei den Ruhrbaronen, in Südfrankreich viel besser gefällt. Kein Wunder: Wetter, Essen und Trinken sind dort einfach besser.
Wie kriminell es dagegen in Frankreichs Arbeitswelt zuging, wird jetzt am Beispiel der France Telecom von Strafgerichten untersucht.

Pause

Ende des Pantheons? Das muss man wohl befürchten. Ich war und bin nicht an den Verhandlungen zwischen Stadt und Pantheon beteiligt. Ich kenne aber daran beteiligte Personen, vorwiegend solche, die sich den Arsch dafür aufreissen, dass es zu einer Einigung kommt, die eine Weiterarbeit des Pantheon innerhalb der Stadt möglich macht.
Die Verzweiflung der Theatermacher ist zu verstehen. Wer mit der Bonner Stadtverwaltung zu tun hat, das wissen viele BürgerInnen, hat es selten leicht. Weiterlesen

Wissler / Vendome

Gestern war ich von einer guten gutverdienenden Freundin zum Abendessen ins “Vendome” (Schloß Bensberg) eingeladen. Ich selbst kann mir solche Lokale nur zum Mittagessen leisten. Denn unser Menü am Abend kostete rund 250 Euro (inkl. allem). Ist das dekadent? Nein. Was dort konsumiert wird, ist Kunst. Die meisten Kunstwerke sind entschieden teurer.
Kochkunst wie die von Joachim Wissler, ist wie die kulinarische Kunst ganz anderer Preislagen, ich nenne Jean-Marie Dumaine
oder Thierry Fournier, ein wertvolles und erhaltenswertes Kulturgut. Es ist vom Aussterben bedroht.
In Deutschland herrscht beim Essen der Geiz. Weiterlesen

Jürgen Roth schreibt den Höhepunkt der spielfreien Tage

Jürgen Roth lernte ich in den 90er Jahren in Erkenschwick kennen. Die damaligen linken Fußball-Fan-Initiativen tagten dort in einer Bildungsstätte der Falken. Dieter Bott stellte uns vor. Dass Roth viel gesprochen hätte kann ich mich nicht erinnern. Er schreibt, und das exzellent.
Zu seinen Fachveröffentlichungen gehören Texte zum Rauchen und zum Biertrinken, oft auf der Wahrheit-Seite der taz oder in der Jungen Welt. Skandalös scheisse bezahlt, so viel ist sicher. Spiegel-online zahlt zwar auch viel schlechter als der unnötige Papier-Spiegel. Immerhin haben sie die Sprachkritik Jürgen Roths erspäht und zu sich gelockt. Was er zum EM-TV schreibt stimmt alles.

Blog under construction

Sie sind zufällig auf dieser Seite. Ich habe bisher niemanden zum Besuch eingeladen. Alles, was Sie hier sehen, war bisher eine Übung. Einladungen zu diesem Blog werden erst noch erfolgen. Wann, ist z.Z. noch nicht absehbar.

Klar ist derzeit bereits: ein Geschäftsmodell wird nicht verfolgt. Da kein Geld verdient wird, wird auch nichts gezahlt. Es gibt nur Texte. Auf Werbung und die Einbindung (a)sozialer (Konzern)Medien wird verzichtet.

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