Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Medien (Seite 119 von 252)

Zu wertvoll für Parkplätze

Mediathekperlen aus der ARD-Themenwoche “Stadt.Land.Wandel”
Normalerweise hasse ich sog. Themenwochen öffentlicher Medien. Weil sie meistens mit dem Ausfall bzw. der Ersetzung der journalistischen Alltagsarbeit verbunden sind, die ich für mein Geld von ihnen erwARTE. Schnell stellt sich ausserdem ein Gefühl der Übersättigung an dem gewählten Thema ein. Dieses Mal war das bei mir weniger ausgeprägt. Dank der folgenden Beispiele. Weiterlesen

Ist Friede Springer unrechtmässig?

Und interessiert sich die Ampel ernsthaft für gemeinnützigen Journalismus?
Da bleibt Satire mal wieder macht- und sprachlos. Der Springerkonzern will für seine nicht wenigen Beschäftigten (16.000) Liebesbeziehungen jetzt meldepflichtig machen, nur weil sich einer seiner leitenden Angestellten beweiskräftig als Arschloch hat überführen lassen. Steffen Grimberg/taz und seine Mitbewohnerin weisen zutreffend darauf hin, dass Friede Springer unter diesen Bedingungen gar nicht möglich, sondern Friede Riewert hätte bleiben müssen – was zu einem völlig anderen Verlauf der Machtkämpfe in der Familie und ihrer Konzernanteile geführt hätte. Weiterlesen

Angst vor der eigenen Nichtigkeit

(Kapitalistische!) Aufmerksamkeitsökonomie: Glasgow, Meta, Frankreich, “Cancel Culture”, Spiegel & Gates
Sibylle Berg ist darüber schon lange hinweg. Ich übe noch. Aufregung und Ärger zeigen uns, dass wir noch am Leben sind. Besser als anders. Wenn alles egal ist, ist es das (menschliche) Leben auch. Es ist also nicht egal, was die Weltgemeinschaft – organisiert in der UNO – in Glasgow veranstaltet und debattiert. Im Gegenteil. Wenn Ihnen “das alles” zuviel ist, lesen Sie wenigstes Wolfgang Pomrehn/telepolis – der fasst das Wichtigste zusammen. Weiterlesen

Wer braucht Medienkritik?

Medienjournalismus war schon immer stark von Selbstreferentialität belastet. Davon zeugen die kaum zählbaren Besprechungen der TV-Talkshows, die meisten davon so überflüssig wie die Shows selbst. Medienpolitik dagegen bleibt weitgehend unsichtbar. Die Politiker*innen und Konzerne, die sie klandestin betreiben, wollen es so. Und nur wenige, oftmals nirgendwo angestellte “freie” Journalist*inn*en bemühen sich um Aufklärung der Öffentlichkeit. “Zapp” (NDR) gehörte dazu, und läuft linear nur noch monatlich. Die “Medienkorrespondenz” gehörte dazu, und wird von der Katholischen Kirche jetzt dichtgemacht. Weiterlesen

Es bleibt heiss

Wer verbrennt sich an Wirecard noch die Finger (oder mehr)?
Rainer Winters hat mal zwei Jahre (2011-2013) getan, was ich 15 Jahre (1990-2005) gemacht habe: für eine grüne Landtagsabgeordnete gearbeitet. Sein Lebenslauf erschreckt und erschlägt mich einigermassen. Es fehlt eigentlich nur, wann er mit wem geschlafen hat. Wie kann er sich nur an all die Einzelheiten erinnern? Was ist mit ihm los? Hat er sich “zu viel” mit der Wirecard-Affäre beschäftigt? Weiterlesen

WDR-Blamagentrend

Mai Thi Nguyen-Kim war vielleicht kein Einzelfall. Das ZDF hat sie gelockt, ob nun Bayern- oder BVB-artig überlasse ihr Ihrem Urteil. Es setzt seine Strategie jetzt mit Nemi El-Hassan fort. Und geniesst still. Fritz Pleitgen hatte einst mit Funkhaus Europa (heute: Cosmo) den Grundstein gelegt für einen Talentschuppen von was-mit-Medien-Menschen mit Migrationsgeschichte. Doch der Sender von heute kommt damit nicht mehr klar. Seine Führungskräfte scheinen unqualifiziert und unfähig im Umgang mit den dazugehörenden Konflikten. Weiterlesen

Sicherstes Land der Welt

Es ist hier, und zwar mehr draussen als zuhause
Die meisten Gewalttaten geschehen zuhause. Opfer und Täter (weit weniger Frauen) sind mehrheitlich Angehörige der gleichen Familie. Der gefährlichste Ort für Sie und mich wird auch noch durch das Grundgesetz geschützt. Auch die meisten Unfälle passieren im eigenen Haushalt. Wenn Sie also Angst um Ihre Sicherheit haben, verlassen Sie lieber ihren Fernsehsessel. Dann wird Ihnen auch weniger Angst gemacht. Das behaupten nicht die üblichen Verdächtigen. Weiterlesen

Entgleist im Europaparlament

Edit Policy: Beim Digital Services Act, dem Gesetzesvorhaben der EU zur Regulierung von Online-Plattformen, gehen die gefährlichsten Vorschläge vom Europaparlament aus.
Es ist ein bekanntes Muster der Netzpolitik – die EU-Kommission macht einen Vorschlag, der die digitalen Grundrechte bedroht. Die Zivilgesellschaft mobilisiert daraufhin Proteste und setzt auf das direkt gewählte Europaparlament, um das Schlimmste zu verhindern. Doch ausgerechnet beim Digital Services Act, dem wichtigsten Gesetzesvorhaben der EU zur Regulierung von Online-Plattformen, gehen die gefährlichsten Vorschläge nun vom Europaparlament selbst aus, nachdem der Gesetzesentwurf der EU-Kommission erstaunlich grundrechtsfreundlich ausgefallen war. Offenbar hat das Europaparlament aus dem Debakel um Artikel 17 der Urheberrechtsrichtlinie nichts gelernt. Weiterlesen

Von Russland lernen? – Lieber nicht

Es gibt linke Medien, die finden den russischen RT-Medienkonzern schon deswegen gut, weil er “anders” als die hiesigen herrschenden Medien arbeitet und berichtet. Diese Erkenntnis ist jedoch nicht hinreichend, um Vertrauen zu entwickeln. Sie ist lediglich Ausweis der Tatsache, dass sich die Betreffenden von binärem Denken und entsprechenden Weltbildern so wenig trennen wollen, wie die, die sie als Gegner*innen bekämpfen. Es gibt linke Beispiele, die mehr aus der Geschichte lernen. Weiterlesen

Keine Mediathekperle: Apocalypse

Die Jüngeren kennen es vielleicht nicht. Nicht den Film. Nicht den Krieg. Die menschliche Antikriegsbewegung hat vielleicht mit der Beendigung des Vietnamkrieges ihren grössten Sieg errungen. Weil die Betreiber die Kontrolle über die Bilder verloren hatten. Es war ein Krieg mit Pressefreiheit, vielleicht der letzte dieser Art. Seitdem stirbt bei Kriegen, schon bei ihrer Vorbereitung, immer als erstes die Wahrheit. Das Dokument, das diesen Kontrollverlust am eindrucksvollsten zeigt, ist Francis Ford Coppolas Apocalypse Now Redux Final Cut, der heute um 21.45 h auf ARTE gezeigt wird. Weiterlesen

Kommende Wahrheitsministerien

Der alte Florian Rötzer bleibt in der Rente wie ich nicht ruhig, sondern lässt uns an seiner Weitsichtigkeit teilhaben. Die ist ja jüngeren Nachfolgern oftmals so nicht vergönnt. So hat er nun eine Zusammenstellung von Projekten veröffentlicht, mit denen Milliardär*inn*e*n bestimmen wollen, was wahre Information ist, und was unwahre. Seine Bitternis teile ich. Aber es ist nicht nur schlecht. Es ist auch eine Frage, was öffentliche Kräfte aus solcher Engagementbereitschaft der Superreichen machen. Mann nennt es Medienpolitik. Weiterlesen

Mediathekperle: Jemen

Es gibt den Film schon seit mindestens Februar. Vielleicht hat ihn das ZDF damals irgendwann nach Mitternacht versendet. Ich kannte ihn noch nicht, und entdeckte ihn erst gestern auf ZDFinfo. Wenn ich gestern schrieb, dass Sie beim Uwe-Seeler-Film vermutlich eine Träne verdrücken, dann sollten Sie hierfür eine Packung Taschentücher bereitlegen. Denn trotz der “grössten humanitären Katastrophe” des Jemen-Krieges werden Sie Beispiele sehen, wie die Menschen nicht nur überleben, sondern den zivilen Kampf gegen Krieg, Hass und Dummheit aufnehmen. Weiterlesen

Glasgow / Spiegel / Haugen vs. Meta

Nur wenige erklären es. Adam Tooze/Blätter (Übersetzung Steffen Vogel) tut es. Wie kompliziert geht es bei der Klimakonferenz ins Glasgow zu? Und weit darüber hinaus. Es gibt neben den fundamentalen Konflikten zwischen den Atom- und Grossmächten die Wirtschaftskriege, mit zahlreichen Kampfpaarungen, von denen der Konflikt zwischen den USA und der EU auch und gerade nach Trump einer der bedeutendsten ist. Während deutsche Medien Putin und Xi Jinping für ihre Abwesenheit geisseln – immerhin haben die Herren daduch eine Menge CO2 gespart – erklären sie die alles überlappenden ökonomischen Konflikte kaum. Adam Tooze tut es. Danke. Weiterlesen

Besonders schlau oder bescheuert?

Der Inlandsgeheimdienst
Konrad Litschko/taz hat einen Geheimbericht des hessischen Inlandsgeheimdienstes vorliegen, der ursprünglich bis 2134 “geheim” bleiben sollte. Unter dem Druck der empörten Öffentlichkeit hat die schwarz-grüne Landesregierung die Frist auf 30 Jahre gesenkt, bei diesem Papier also bis 2044. Es handelt sich um die Erkenntnisse, die den Sicherheitsbehörden über den NSU-Terror bekannt waren, aber nicht beachtet wurden. Der Inhalt ist an Banalität kaum zu übertreffen. Ist es so “harmlos”? Weiterlesen

Mediathek-Perle: Uwe Seeler

Reinhold Beckmann ist ungefähr in meinem Alter. Er studierte in Köln und jobbte für den WDR. 1990 stieg er ins Privatfernsehen ein und wurde Prominenter. Kirchs SAT1 hatte die Bundesligarechte gekauft, und wurde unter der beständigen politischen Protektion Helmut Kohls ernsthaft gefährlich für ARD und ZDF. Sie bekamen knapp die Kurve. Fritz Pleitgen (WDR) und Jobst Plog (NDR) hatten daran gedreht, wieder ins Fussballgeschäft zu kommen. Und bekamen Beckmann gleich mit. Mittlerweile ist er mit seiner Produktionsfirma beckgroundTV in Hamburg fett im Geschäft. Manches ist richtig gut. Z.B. “Uwe Seeler – einer von uns” (Video 44 min, Mediathek bis 24.1.22). Weiterlesen

Erpressbarer Kanzler?

Weglassungen erregen meine Aufmerksamkeit
Gestern lief auf ARTE eine Wirecard-Dokumentation (halbes Jahr Mediathek). Zweifellos sehenswert. Interessante Zeug*inn*en aus aller Welt. Doch irgendwas erregte mein Missfallen. Die Musik, wie immer, vor allem am Schluss. Der Versuch eine Dokumentation dramaturgisch in eine Held*inn*engeschichte zu verwandeln? Produzentin Gabriela Sperl, geboren in Bad Godesberg, hatte in ihrer Zeit vor ihrer Selbstständigkeit, als sie beim Bayrischen Rundfunk Fernsehspiel-Verantwortliche war, mit einer “Süßholz-Offensive” für TV-Filme öffentliche Prominenz gewonnen. Weiterlesen

Klimajournalismus / Springer-Affäre

mit Update nachmittags: Clickbaiting-Journalismus / VerfG zur Coronapolitik
“Das Thema Klima (wurde) in allen Triell-Fragen nur als Kostenfaktor hingestellt, das meistgenannte Wort war hier ‘teuer’. Das dahinter stehende Narrativ: Klimaschutz bedeute Verbote und Verzicht und koste die Bürger:innen Unmengen an Steuergeldern. … Statt den Politikern auf den Zahn zu fühlen, wie und was sie gegen die Klimakrise zu tun gedenken, skizzieren die Moderationsteams ein seltsames Horrorszenario: in den Untergang führt nicht die Erderwärmung, sondern der Kampf dagegen.” Das schrieb Jürgen Lessat in der Kontext-Wochenzeitung und fasst damit den selbstreferentiellen Schwachsinn des deutschen Oberflächenjournalismus präzise zusammen. Weiterlesen

Bettina Gaus gestorben

Die Guten haben eine weniger. Spiegel-online meldet den Tod von Bettina Gaus. So jung, noch vor der Rente. Sie war nicht nur eine von den Guten, sondern auch im digitalen Umgang ein angenehmer netter Mensch. Bevor ich diesen Blog betrieb, habe ich häufig meine Freund*inn*e*n mit digitalen Lesetipps behelligt. Viele beschwerten sich (“zu viele Emails”). Sie bedankte sich. Ihre Erlaubnis, ihre taz-Kolumnen hier zu übernehmen, kam in weniger als einer Stunde.
Danke für diese gesellschaftlich so überaus nützliche Arbeit.

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