Lokaljournalismus – wann ist Schluss?

Von , am Mittwoch, 20. März 2019, in Medien.

Es gibt Alternativen – Spanien, USA und -trotz Brexit- UK. Aber welche werden sich durchsetzen?
Wenn der Lokaljournalismus untergegangen ist, haben wir in Bonn noch ein bisschen Zeit. Hier wird er 1-2 Jahre später untergehen. Nicht weil “unser” General-Anzeiger so grossartig ist, immerhin nicht so schlecht wie sehr viele Andere, sondern weil die Bonner*innen überdurchschnittlich alt und gebildet sind. Professor Klaus Meier macht sich einen Spass daraus die durchschnittliche Lebenserwartung gedruckter Presse zu errechnen, und hat seine aktuellen Erkenntnisse in Meedia, dem Medienfachdienst des Dieter-von-Holtzbrinck-Konzerns (Handelsblatt u.a.), veröffentlicht. Demzufolge ist 2033 Schluss.
D.h., alle Angestellten von Zeitungen und Zeitschriften, die unter 50 sind, wissen, dass sie mit ihrem Job nicht bis zur Rente kommen. Das ist an sich schon eine Super-Motivation. Oder wie würde es Ihnen dabei gehen? Schnell was Neues suchen, bevor es zu spät ist.
Die Verlagsbesitzer*innen, zwei der reichsten sind milliardenschwere Damen und Freundinnen Angela Merkels, Liz Mohn (Bertelsmann) und Friede Springer, werden sich um die Arbeitsplätze nicht kümmern. Sondern ums “Familienvermögen”. Die Neussers (Bonn) und Brosts (Essen) haben es schon erledigt. Die Neven DuMonts (Köln) sind schon spät dran. Noch früher dran waren 4 der 5 Familien der Süddeutschen Zeitung, die an SWMH verkauften. Nur Familie Friedmann (in Kir Royal spielte einst Ruth Maria Kubitschek die Verlegerin) ist dabei geblieben.
Wie sieht die Suche nach Alternativen zum untergehenden Geschäftsmodell aus? Meier stellt in Meedia Beispiele aus Spanien und den USA vor. Adäquater für Deutschland könnte ein Modell sein, das Monique Hofmann in der ver.di-Mitgliederzeitschrift vorstellt: hier arbeiten die niedergehenden Lokalverleger mit der BBC zusammen.
In Deutschland leiden die Zeitungsverleger selbstverschuldet an falscher politischer Führung. Ihr Vorsitzender ist der Kreuzzügler Döpfner, Boss des Springer-Verlages. Er hat seinen ganzen Verlagsmüll für teures Geld an den greisen Günther Grotkamp (Funke-Mediengruppe) verkauft, und hält sich die verbliebenen sog. Zeitungen Welt und Bild als subventionierte Haustiere; Geld verdient wird mit Anderem. Der repräsentiert deutsche Zeitungsverleger, die, wenn sie noch nicht dement sind, nicht mehr weiter wissen, und sich mit der Identifikation von Feindbildern (Google, Öffentlich-rechtliche Medien, Zeitgeist usw.) beschäftigen, statt mit der Entwicklung von neuem Journalismus.
Merkels Ex-Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, jetzt Intendant in Bayern und ARD-Vorsitzender, wird nicht müde, bei seinen Widersachern um Kooperation zu hausieren. Er ist, wie Döpfner, rechts, aber nicht doof. Die Interessen sind aber bei den beiden nicht gleich. Weiss Herr Wilhelm, was die Interessen seiner Nutzer*innen sind? Da sind Zweifel erlaubt.
In der SZ sagte heute ein Befragter aus der Kulturszene: für das derzeitige öffentlich-rechtliche Angebot sei er nicht bereit mehr zu bezahlen. Werde die journalistische Qualität aber spürbar verbessert, sei er sogar zum Doppelten bereit. Da schliesse ich mich an.

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