“Social”-Media-Verbote oder Bonner Stadtbahnen: heisser gekocht als gegessen

Achja, die Verbieter*innen. Es wäre ja auch das erste Mal, dass sich Politik von Wissenschaft irritieren lassen würde. Und vom wahren Leben da draussen. Tut sie ja beim Klimaschutz auch nicht. Egal ob nah oder fern. Australien ist geradezu optimal weit weg, wird aber als “Vorbild” verzweifelt herangezerrt. Es ist aber nur das, was für Australien gehalten wird: seine Politiker*innen. Die Australier*innen, die jungen vor allem, lassen sich hingegen von ihren Politiker*innen nicht irritieren. So haben dann alle ihre Ruhe, bzw. was sie wollen.

Martin Holland/heise: Australien: Die ‘Coolen’ ignorieren Social-Media-Sperre, viele kommen zurück – Laut einer Umfrage wächst der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die Australiens Social-Media-Sperre umgehen. Wer sich daran hält, gilt eher als ‘uncool’.”

Das erinnert mich an meine Schulzeit in den 70ern in Gladbeck. Die interessanten Leute standen in der Raucherecke, bzw. im Winter im vernebelten Raucherzimmer. Als lebenslänglicher Nichtraucher – und Geschäftsführer der Schülervertretung – wollte (und musste) ich lieber mit ihnen reden. Es waren auch die schöneren Frauen, die meisten älter als ich, weil sie öfter hängengeblieben waren … 😉

Der Verbotspolitik und ihren Behörden geht es um symbolische Bestätigung ihrer eigenen Existenz. Das halten sie – und grosse Teile der alten Medienöffentlichkeit – für “handeln”. Die meisten Menschen wissen es besser. Das aber interessiert die so wenig, wie ihre tatsächliche Wirksamkeit (s.o.).

Bonner Stadtbahnen

Zaghaft kommt ans Licht, was ich mit meiner persönlich-individuellen Feldforschung nur ahnen konnte. Die Instandhaltungspraxis der Stadtwerke Bonn war nicht nur in ihrer Belegschaft und unter den betroffenen Fahrer*inne*n umstritten, sondern ist es auch in der Fachwelt.

Jörn Seidel/WDR hat es herausgefunden: Straßenbahn-Ausfälle in Bonn: Wie sicher sind die Stadtbahnen in NRW? – Sind die Straßenbahnen in NRW sicher? Bei den meisten Stadtbahnen in Bonn gibt es gerade akute Zweifel. Ein Experte spricht von einem ‘Warnruf der Technik’.”

Tapfer versuchte Frau Wenmakers/SWB das gestern in der WDR-Lokalzeit “professionell” wegzumoderieren in dem erkennbaren Trachten, uns nicht “unnötig zu verunsichern”. In der Tat halte ich so wenig von Panik wie sie. Ich zweifle nicht am guten Willen und der Fachkenntnis der SWB-Beschäftigten. Sondern an der Verkehrspolitik, die unser städtisches Unternehmen nur unzureichend mit Fachkräften, Material- und Werkstattqualität ausstattet. Die Haushaltsberatungen sind aktuell vertagt, weil die ratlosen Kommunal-Politiker*innen keinen Ausweg mehr finden, ausser alles vor sich herzuschieben. Bedanken Sie sich bei Wolfgang Schäuble und der ihn deckenden Angela Merkel für die über deutscher Infrastruktur schwebenden “Schwarze Null” – ein wahrlich passender Begriff.

Woran ich zweifle, ist die professionelle Qualität unserer und anderer Milliardärsleute Medien, die immer erst “Hurra!” schreien, wenn es zu spät ist. Denn daran kühlen sie ihr aufmerksamkeitsökonomisches Mütchen. Anders würde es nur Kapital und Arbeit kosten. Was ich vor 12 Jahren im Krankenhaus erfuhr, das hätten sie auch rausfinden können, wenn nur Einzelne von ihnen ihre Arbeit gemacht und dafür Geld und Ressourcen von ihren Chefs bekommen hätten. Das ist mindestens so arm, wie die Stadtwerke Bonn.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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