Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

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Fans können Journalismus

Mal keine Produktpräsentation: Max Eberls viele Seiten

Geht doch. Was deutsche Sportjournalist*inn*en kaum noch schaffen, übernehmen die Fans eben selbst: eine kritische, recherchierte, differenzierende Berichterstattung und Kommentierung. Die Produktpräsentierer*innen der TV-Anstalten und konzerneigener “Fachpresse” sind eben, wie der Manager Max Eberl, auch nur Teil eines – so das Selbstbild – funktionierenden Systems, das sich nicht mehr daran juckt, was in der Welt da draussen vorgeht. Also Teil des Problems, nicht der Lösung. It’s the economy, stupid! Weiterlesen

50 Jahre Ziel verfehlt

Ist Entwicklungshilfe zweitrangig? Anfang Juli hat die Regierung den Entwurf des Bundes­haushalts 2023 verabschiedet. Mit Ausnahme der rüstungs-, energie- und inflationsbeding­ten Stei­gerungen finden wir nur einen auffälligen Punkt: Die Gelder für Entwicklungshilfe werden erheblich gekürzt. Statt 12,35 Mrd. € wie im Vorjahr gibt es diesmal nur 11,08 Mrd. €, das ist eine Kürzung um 1,27 Mrd. bzw. 10%. Auffallend ist dass die Zuschüsse an in­ternationale Organisationen fast halbiert werden (507 Mio. statt 1 Mrd. €). Weiterlesen

Was kommt als Nächstes?

“Wer weiß, was noch alles passiert.“ Christa ist besorgt. Morgens um zehn vor sieben ist die Welt nicht mehr so in Ordnung wie bei Johannes Mario Simmel. Gut, die Vögel zwitschern, die Sonne kriecht langsam über die Wolken und das hektische Neukölln ist noch herrlich ruhig. Aber die historischen Zäsuren beuteln auch unseren kleinen Trupp, der sich täglich im Morgengrauen vor dem Columbia-Bad trifft. Erst die Pandemie mit dem Ticketzirkus und dem dämlichen Im-Kreis-Schwimmen, dann der Ukrainekrieg, zuletzt die Queen. Hätten wir überstanden. Aber dass die Freibäder nicht mehr beheizt werden, trifft selbst Hardcore-Schwimmer wie uns. Weiterlesen

Selbstbesoffen

mit Update 21.9.

Wieviele sind “alle”? 5 von 83? Ich hatte in Mathe ‘ne 5, aber so doof bin ich auch wieder nicht. Nach Ansicht der was-mit-Medien-Leute in Deutschland haben alle, aber wirklich alle auf der ganzen Welt, die ein TV haben, um Elizabeth Windsor getrauert, und wollten demzufolge “alle” den zu ihrer Bestattung veranstalteten Karnevalszug von London sehen. Und das den ganzen Tag. Was für ein Eigentor. Weiterlesen

Rückschlag für Überwachungsstaat

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Aber wenn sie immer häufiger von Gerichten kommen, stimmt was mit den anderen Staatsgewalten nicht. Der Europäische Gerichtshof hat zur “Vorratsdatenspeicherung” gesprochen. Der DLF macht es sich einfach, und verweist auf ein bereits gestern gesendetes Feature von Peggy Fiebig. Ich empfehle die aktelle Berichterstattung der Kolleginnen von netzpolitik.org.: Anna Biselli berichtet, Constanze Kurz kommentiert. Weiterlesen

Online last

Einige schlechte und wenige gute Beispiele für deutschen Onlinejournalismus

Den Beueler Extradienst gibt es jetzt sechs Jahre öffentlich, inkl. nicht öffentlicher Übungsphase 8 Jahre. Geld ist keins geflossen, weder rein noch raus. Es war nicht furchtbar und es ging. Seine grösste Zierde sind die unbezahlten Autor*inn*en, die schreiben, weil sie es für richtig halten und/oder weil es ihnen Spass macht. Mir auch. Umso mehr elendigliche Gefühle überwältigen mich, wenn ich das Treiben der Profis betrachte. Einige aktuelle Beispiele. Weiterlesen

Die Selbsttötung der FDP

Vor vierzig Jahren hat die damalige F.D.P. die sozialliberale Reformkoalition verlassen und den politischen Liberalismus beerdigt. Am 18. September 1982 endete, was mit dem Versprechen Willy Brandts “Wir wollen mehr Demokratie wagen” 1969 begonnen hatte. Der wahre Erosionsprozess hatte schon viel früher begonnen, spätestens auf den Kieler Parteitag der F.D.P. 1977 wurde klar, dass der soziale, antiklerikale  Liberalismus Karl-Herrmann Flachs,  Lieselotte Funckes, Helga Schuchardts und Theo Schillers von Neoliberalen untergraben worden war. Vom programmatischen Ausbluten nach der “Wende” hat sich die FDP bis heute nicht erholt. Der Artikel wurde vom Autor mit zahlreichen Zwischenüberschriften und einigen erläuternden Ergänzungen gegenüber dem Original aktualisiert und ergänzt, an einigen Stellen auch gekürzt.  

Das Ende liberaler Reformen – die Geburtsstunde der Grünen.

Jungdemokraten hatten im “Leverkusener Manifest“ die Strategie der “Zwei Wege” formuliert. Weiterlesen

Fans und Buzzynezz

Wenn der Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum und zahlreiche Konzern- und “Plastik”-Vereine derzeit fussballerisch abkacken, kann nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Meint jedenfalls die Mehrheit der eingebetteten Journalisten, deren Arbeitsvertrag sie von Sportjournalismus befreit und mit Produktpräsentation beauftragt. So u.a. gestern in Mönchengladbach. Weiterlesen

„Roboterhafte Bemühungen”

Die russische Entscheidungsfindung auf dem Schlachtfeld weiterhin fragwürdig“ (US-Thinktank „ISW“)

Dass die Kampfkraft der russischen Armee nur noch von der strategisch-taktischen Schwäche ihrer Führung unterboten wird, verwundert schon seit vielen Wochen. Gegenwärtig führt diese Armee vor allem begrenzte Symbolangriffe durch, um ein Schauspiel für Kriegsunterstützer zu bieten (riecht die Symbolik schon nach „Ardennenoffensive“ 1944/45?). Große Teile des russisch besetzten Nordostens der Ukraine, die Putin ja eigentlich „befreien“ wollte, hat er dagegen wohl schon aufgegeben. Sie dürften demnächst wirklich befreit werden – und zwar von den russischen Okkupanten. Weiterlesen

Reconstruct the West

„Der Westen“ (also jetzt nicht Grönemeyer/Bochum/NRW) steht von verschiedenen Seiten kulturell-politisch auf der Abschussliste. Einerseits von Populisten und Autokraten/Theokraten-Bündnissen (Russland, China, Iran …), die sich im Moment zumindest medial präsentieren. Andererseits – und um einiges ernsthafter – von einem Postkolonialismus, der weitgehend (aber nicht immer und in jedem Detail) zurecht kritisiert, dass viele zentrale Länder des Westens zwar Liberalismus, Freiheit und Demokratie predigten, aber die heftigsten Autokratien/Diktaturen unterstützten, solange diese ihnen nicht gefährlich werden konnten – von der Aufarbeitung des eigenen Kolonialismus ganz abgesehen. Weiterlesen

“Wir haben diesen Blick auf die Welt”

Die Bundesaussenministerin lässt sich in der FAZ-Paywall mit der Schlagzeile „Unsere Waffen helfen, Menschenleben zu retten“ profilieren. Da bin ich persönlich doch erleichtert, dass der Bundeskanzler persönlich zur UN-Vollversammlung anzureisen gedenkt. Ich gehöre nicht zu seinen Fans, war auch keiner, als ich ihn noch persönlich kannte. In der Regierungskoalition scheint er geradezu eine Speerspitze des Realismus zu sein. Was selten ist, ist wertvoll. Darum sollten Sie sein DLF-Interview von diesem Wochenende nicht versäumen. Weiterlesen

Altlasten

Wer den Verkrustungen zwischen SPD und FDP und auch denen von FDP und Grünen nachspüren will, sollte sich den Ereignissen vor 40 Jahren zuwenden. Am 17. September 1982 zerbrach in Bonn die sozialliberale Koalition. Die Regierung von SPD und FDP, von Willy Brandt und Walter Scheel, die 1969 das Ende der Ära Adenauer markierte und die mit überbordendem „Mehr Demokratie wagen“ startete, war nach langen Querelen nicht mehr lebensfähig. Differenzen in der Wirtschafts- und Haushaltspolitik, innerparteiliche Auseinandersetzungen über Außen- und Sicherheitspolitik (Stichwort: Nato-Doppelbeschluss) verstärkten das persönliche Misstrauen zwischen den Leuten an der Spitze – zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher, dem FDP-Vorsitzenden. Weiterlesen

Wundersame Autobahn 1

Mein Herausgeber und viele Freund*innen wissen um meine Leidenschaft zum Autofahren. Natürlich gibt es auch rationale Gründe – ich muss bei Fernreisen wie der letztwöchigen – nach Berlin nicht nur zusätzliches Gepäck mitführen, das meine Gesundheit erfordert, ich habe auch mobiles Büro und Material für eine Veranstaltung des Radikaldemokratischen Bildungswerks und meine Co-Vorsitzende als Mitfahrerin transportiert. So begaben wir uns völlig entspannt auf die Strecke Bonn-Berlin. Ohne Zeitnot, einen Tag vor der Veranstaltung. Weiterlesen

Mehr Mäßigung führt zum Scheitern

Interview mit Professor Luis Felipe Miguel von der Universität Brasília

Die Veröffentlichungsliste von Luis Felipe Miguel, Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Brasília, auf der Website von Demodê (Forschungsgruppe für Demokratie und Ungleichheiten) ist gelinde gesagt beeindruckend. Miguel ist Koordinator dieser Forschungsgruppe und ein geschätzter politischer Analytiker. Deswegen ist er ein vielgefragter Interviewpartner, gerade auch vor den Wahlen in Brasilien. Umso erfreulicher, dass er Zeit für ein Skype-Interview mit der ila fand. Weiterlesen

Fritz Pleitgen gestorben

mit Update nachmittags

In seiner Amtszeit als WDR-Intendant und meiner als stellv. Mitglied des WDR-Rundfunkrates hatten wir eine Meinungsverschiedenheit über den “Beckmann-Vertrag”. Ich konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der entscheidenden Rundfunkratssitzung teilnehmen, und sandte ihm meine begründete Ablehnung zu. Es gab nicht wenige Gegenstimmen wg. der hohen Dotierung, aber er kam durch. Damit flanschte sich die ARD für lange Zeit an die DFL an. Beckmann und Bundesliga wurden von Sat1 abgeworben. Obwohl es unnötig gewesen wäre, schrieb mir der Mann einen mehrseitigen Brief (analog, auf Papier) zurück, warum er für richtig hielt, was ich falsch fand. Ein Gentleman im besten Sinne. Weiterlesen

Expliziter Rassismus

Und eine Ideologie der Gleichgültigkeit – Die afrobrasilianische Bevölkerung nach vier Jahren Bolsonaro

Brasilien ist das Land mit der größten schwarzen Bevölkerung außerhalb Afrikas. Vermutlich leben nur in Nigeria mehr schwarze Menschen als in Brasilien. In Nigeria wird aber nicht von Negros/Negras (Schwarzen) gesprochen wie in Brasilien, sondern von Nigerianer*innen. „Schwarze“ ist eine Erfindung der sogenannten „Weißen“, ebenso wie die Bezeichnung „Weiße“. In der durch die Versklavung afroamerikanischer Menschen geprägten Gesellschaft Brasiliens ist die Hautfarbe bis heute ein entscheidender Faktor dafür, wie Menschen leben und welche Möglichkeiten sie haben oder nicht haben. Weiterlesen

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