Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Autor: Norbert Reichel (Interview) / Demokratischer Salon (Seite 40 von 72)

This Land is (y)our Land

Ein Gespräch mit dem Radiojournalisten Michael Kleff über Politik in der Musik

„Der Swing als Welthaltung. Nicht die preußischen Achtelnoten, nein, es gab eine Hinwendung zu übergebundenen Triolen, die eine neue Dimension in das rhythmische Gefüge einzubringen imstande waren. Das war sexy. Sexy war auch die Gitarre. Es entstand eine globalisierte Jugendkultur, verwurzelt im Blues der Sklaven Amerikas und aus den Neuansätzen der Folkbewegung vor allem durch Woody Guthrie. Ein kultureller Aufbruch (….).“ (Hans-Eckardt Wenzel in seinem Vorwort zu dem von ihm gemeinsam mit Michael Kleff herausgegebenen Buch „Kein Land in Sicht – Gespräche mit Liedermachern und Kabarettisten der DDR, Berlin, Ch. Links Verlag, 2019) Weiterlesen

Reiche machen Deutschland arm

Der Staat weiß nicht, wie viel die Reichsten besitzen. Mindestens 1.400 Milliarden Euro nennen 200 Super­reiche ihr Eigen – Eigentum, das sie laut Grundgesetz verpflichtet. Ein wichtiges Argument, die Vermögenssteuer wieder einzuführen und die Erbschaftssteuer grundlegend zu reformieren

Die reichste Familie in Deutschland ­konnte sich jahrelang verstecken. Seit die Vermögenssteuer 1997 abgeschafft ­wurde, weiß der Staat nicht mehr, was die Begüterten so alles anhäufen. Und weil es den Leuten hinter dem Pharmakonzern Böhringer-Ingelheim nicht ­passte, dass alle Welt von ihren 50 bis 100 Milliarden Euro Kenntnis erhält, unter­sagten sie dem Manager Magazin, sie in der jährlich veröffentlichten „Reichstenliste“ aufzuführen. Mindestens zehn ­weiteren Milliardären ist es ebenso gelungen, unterm Radar der öffentlichen Wahrnehmung zu bleiben. Weiterlesen

Nur Mut!

Millionen Menschen gehen für die Demokratie auf die Straßen, jetzt müssen wir sie auch im Alltag, auf der Arbeit, in jedem Betrieb verteidigen

Es scheint, als hätte nur der eine berühmte Tropfen gefehlt. In einer Potsdamer Villa findet Ende November 2023 ein geheimes Treffen von Rechtsextremisten, auch aus höchsten Ebenen der AfD, statt. Ein Reportage-Team des Recherche-Netzwerks Correctiv ist vor Ort, schneidet die Gespräche mit und veröffentlicht Mitte Januar 2024 die Deportationspläne, die die Anwesenden in der Villa schmiedeten. Laut diesen sollen Millionen hierzulande Lebende mit Migrationshintergrund, selbst wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, abgeschoben werden können. Tatsächlich spricht die AfD in ihrem Grundsatzprogramm seit Jahren von der sogenannten “Remigration”. Doch in welchem Ausmaß sie sich die Zwangsausweisung von Menschen vorstellt, das hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Weiterlesen

Brennelementefabrik

Nein zum Ausbau der Brennelementefabrik – keine Geschäfte mit Rosatom!

Trotz Abschaltung aller AKW in Deutschland: die Produktion von Brennelementen in Lingen/Emsland durch die Firma ANF geht unvermindert weiter. Im März 2022 beantragte ANF zudem eine Produktionserweiterung, um auch Brennelemente russischer Bauart herstellen zu können. Zukünftig sollen damit AKW in Osteuropa versorgt werden. Dazu wurde bereits im Vorfeld eine Kooperation mit dem russischen Staatskonzern Rosatom geschlossen, womit der Kreml direkten Zugriff auf die hiesige nukleare Infrastruktur bekäme. Weiterlesen

Die gezielte Taktlosigkeit des Mächtigen

Daß ich, nach meiner ersten Reportage, Henri Nannen vorgestellt worden sei, wage ich nicht zu behaupten. Ich wurde ihm, im Gegenteil, regelrecht vorgeführt. Auf dem “Affenfelsen” an der Alster in Hamburg, wo der Stern lange Zeit gemacht wurde, empfing er mich in einem Ledersessel mit so mächtiger Rückenlehne, und sein Bauch, zur Sessellehne passend, wölbte sich unterm Hemd so mächtig vor, daß mir schien, ich trete nicht vor einen modernen deutschen Illustriertenchef, sondern vor einen altjapanischen Kriegsherrn. Weiterlesen

Neoliberalismus stärkt Rechtsextremismus

In den letzten Wochen waren weit über eine Million Menschen auf den Straßen, um gegen die menschenverachtende Politik der AfD zu demonstrieren. Was für ein großartiger Erfolg! Wer auf einer dieser Demos war, der hat beobachtet: Es dominieren Plakate und Parolen, die sich auf emotionale oder moralisierende Weise mit der AfD auseinandersetzen. Diese Haltung teile ich auch. Dennoch habe ich Plakate und Transparente vermisst, die auch eine politische Analyse des Rechtsrucks ansprechen. Weiterlesen

Moderne Wirtschaftsberichterstattung?

Kurzfassung der Studie – Wie Podcasts auf Spotify und in der ARD Audiothek über Wirtschaft sprechen
Auf einen Blick

– Podcasts gewinnen im Bereich der Wirtschaftsberichterstattung an Relevanz.

– Das Angebot auf Spotify ist mit 656 Wirtschafts-Podcasts deutlich größer als das der ARD-Audiothek (28 Angebote).

– 60 Prozent der Spotify-Podcasts werden von Unternehmen produziert, 27 Prozent von Medienakteur:innen. Weiterlesen

Wie mit Schandtaten umgehen?

Einmal habe ich Kölns grössten Komödianten, den alten Willy Millowitsch, in seinem Theater erlebt. Nach seiner Gewohnheit unterbrach er sich selbst mitten in der Komödie mit einer rheinischen Lebensweisheit. Und er hob seine Stimme: „(forte) In jedem Leben kommt einmal die Stunde der Wahrheit. (fortissimo) Und dann heisst´s lügen, lügen, lügen!“ Obwohl alle verstanden hatten, was er meinte, erhob sich das gesamte Publikum, Männer und Frauen, zur gemeinsamen rauschenden Ovation. Weiterlesen

Wider den Diskurs der Negativität

Die Januarausgabe 2024 des Demokratischen Salons enthält neben dem Editorial mit dem Titel „Wider den Diskurs der Negativität – Tocqueville, die Thermodynamik und das Dreikörperproblem“ acht neue Texte:

– „Das Reh im Palais“, ein Gespräch mit Shelly Kupferberg über ihre Erzählung „Isidor“ und die Geschichte ihrer Familie, die aus Galizien nach Wien kamen, deren Welt von den Nazis zerstört wurde und zum Teil in Israel überlebte. Weiterlesen

Zerrissen und verzweifelnd

Ein Gespräch mit Lamya Kaddor über ihre Reise nach Israel und Gaza

„Die gegenwärtige Krise in der Welt, im Nahen Osten oder in Israel / Palästina dreht sich nicht um die islamischen Werte und bestimmt auch nicht, wie einige Rassisten behaupten, um die arabische Mentalität. Es geht um den alten Kampf zwischen Fanatismus und Pragmatismus, zwischen Fanatismus und Pluralismus. Beim 11. September ging es nicht einmal um die Frage, ob Amerika gut oder schlecht ist, ob der Kapitalismus bedrohlich oder notwendig ist, ob die Globalisierung gestoppt werden sollte oder nicht. Es geht um den typisch fanatischen Anspruch: Wenn ich der Meinung bin, dass etwas schlecht ist, dann zerstöre ich es, zusammen mit allem, was es umgibt.“ (Amos Oz, Wie man Fanatiker kuriert – Tübinger Poetik-Dozentur 2002, Frankfurt am Main, edition suhrkamp, 2004) Weiterlesen

Reform oder Reparatur

Hilferufe als Klopfzeichen aus dem Maschinenraum der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten

Abstract: Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) in der Kritik steht, ist nicht neu. Zu große Regierungsnähe, parteipolitische Einseitigkeiten, mangelnde Ausgewogenheit des Programms, Überbürokratisierung und selbstherrliche Führungskräfte, teilweise mit ausgeprägter Selbstbedienungsmentalität – diese Themen begleiten mich, seit ich vor 40 Jahren meinen ersten Beitrag für den WDR produzierte. (1) Doch bis zur Affäre Schlesinger galt, was Johannes Ludwig im Februar 2009 eine ehemalige Führungskraft des Öffentlich-Rechtlichen sagen ließ: »Das wird an denen abprallen«. Und: »Die Öffentlich-Rechtlichen glauben es sich leisten zu können.« (Ludwig 2009: 6) Die Causa Schlesinger hat für Erschütterungen gesorgt, die an den öffentlich-rechtlichen Hierarch*innen nicht einfach mehr so abprallten. Weiterlesen

Zärtlichkeit zeigen

Wenn Trump zurückkommt, seid ihr in Europa geliefert

Klaus Martin Schwab hat heute enthusiastisch Staatspräsident Javier Milei beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt. Falls Sie sich die Reise ins Reich der Schattenwirtschaft nicht leisten konnten, hier einige Kostproben der Rede Mileis (der Saal war voll wie seit Aeonen nicht). Fuer uns in Argentinien nichts Neues, fuer Sie weiss ich nicht. Weiterlesen

Konzerne im Klimacheck

‚Integrated Business Reporting‘ als neuer Ansatz der Unternehmensberichterstattung – Kurzfassung der Studie
Allgemeiner Kontext zur Studie

Laut Umweltbundesamt lag der Anteil der Wirtschaft (inklusive Landwirtschaft) 2022 am Gesamtausstoß von Treibhausgasen in Deutschland bei rund 60 Prozent. Dieser hohe Wert steht im Missverhältnis zu der geringen Bedeutung, die Umwelt und Klima bislang im deutschen Wirtschaftsjournalismus spielen. Zwar greift der Wirtschaftsjournalismus inzwischen grundsätzlich Nachhaltigkeitsthemen auf. In erster Linie handelt es sich jedoch um Einzelaspekte (zum Beispiel klimafreundliche Technologien) oder einzelne Ereignisse (beispielsweise Greenwashing-Skandale). Was dagegen fehlt, insbesondere in der Unternehmensberichterstattung, ist eine stärker systematische Herangehensweise auf Basis messbarer Parameter. Dies würde die Voraussetzung dafür schaffen, dass Wirtschaftsjournalist:innen – analog zur Bilanz-Berichterstattung – auf fundierter Zahlenbasis und mit vergleichender Perspektive regelmäßig über Nachhaltigkeit und Klimaschutz berichten können. Weiterlesen

Neue Gentechnik

Wenn Wissenschaft auf EU-Kommission und Interessen trifft
I.

Am 11. Dezember ist die EU-Kommission im Agrarministerrat mit ihrem Vorschlag gescheitert, den grössten Teil neuer gentechnischer Verfahren so zu behandeln, als handle es sich bei den dadurch entstehenden Pflanzen um das Ergebnis natürlicher Auslese oder konventioneller Züchtung. Diese Pflanzen sollen in Zukunft ohne Prüfung und Zulassung, ohne Kontrolle und Kennzeichnung überall angebaut werden dürfen. Weiterlesen

Hilflosigkeit in Handeln verwandeln

Es könnte alles ganz anders sein – Plädoyer für einen kritisch-konstruktiven Journalismus

Neulich verlor ich auf dem Weg zur Arbeit die Verbindung zur Welt. Es war in der U-Bahn, ich scrollte wie jeden Morgen durch die Tagesschau-App. Krieg in Gaza, heftige Gefechte in der Ukraine, Wohlfahrtsverbände in Deutschland warnen vor Kollaps, die Klimakrise. Es war, gemessen an der Nachrichtenlage dieser Zeit, noch nicht einmal ein besonders schrecklicher Tag. Und doch war etwas anders. Mich überkam ein Gefühl der Leere, das ich bislang selten gespürt habe. Weiterlesen

Tragen wir nicht mit

Austrittserklärung: Die Asylpolitik der Grünen tragen wir nicht mehr mit – In einem offenen Brief erklären Grünenpolitiker ihren Austritt wegen des EU-Migrationskompromisses. Der Brief im Wortlaut

Wir, eine Gruppe Geflüchteter, die zwischen 2014 und 2016 vor Verfolgung und Krieg nach Deutschland geflohen sind, sehen uns gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu treffen. Wir haben uns entschlossen, aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen auszutreten. Der Grund dafür ist die Asyl- und Migrationspolitik der Parteispitze in der Ampelregierung. Weiterlesen

Mein Verein, mein Viertel

Einen wunderschoenen guten Morgen! Die Politfarce um die Präsidentschaftswahlen im Club Atlético Boca Juniors sind zunächst zu Ende. Trotz katastrophischem Wetter kam es am Sonntag zu einer Rekordbeteiligung der stimmberechtigten Mitglieder, 46.402 „Socios“ der rund 90.000 Mitglieder Bocas stimmten an den Urnen ab, ein nationaler Rekord. Mehr Mitglieder (57.000) konnte vor einigen Jahren lediglich einmal der FC Barcelona mobilisieren. Weiterlesen

Der Krieg und die Linken

Auszug aus dem gleichnamigen Buch des Autors

5. Affekte, Moral und Kriegsschuld

Militärische Gewaltanwendung ist eine extreme Grenzüberschreitung. Es ist daher völlig normal und verständlich, dass sie heftigste Affekte hervorruft, darunter nicht nur Mitgefühl mit den Opfern, sondern auch gesteigerte Aggressionsbereitschaft, Kriegsbegeisterung, Hass und Rachegefühle. Das ist menschlich verständlich und gilt auch für Linke. Erinnert sei an den im zweiten Kapitel zitierten Sigmund Freud, dessen »ganze Libido« zu Beginn des Ersten Weltkriegs der k.u.k. Monarchie gehörte. Weiterlesen

Fachkräftemangel eskaliert

KiTa-Beschäftigte schlagen Alarm

Der Atem der KiTa-Beschäftigten zeichnete weiße Wolken in die klirrende Kälte vor dem Kanzleramt in Berlin. Es ist früh am Morgen des 30. Novembers und noch nicht ganz hell. Der frische Schnee schimmert blau in der aufsteigenden Dämmerung und die roten ver.di-Westen leuchten – doch die eisige Kälte kann die Entschlossenheit der Berliner und Brandenburger Erzieher*innen nichts anhaben. Sie sind hier, um mit einer Mahnwache auf die erschreckenden Zustände für Beschäftigte in Kindertagesstätten hinzuweisen. Weiterlesen

„Die EU wird sich entscheiden müssen“

Innerhalb von nur vier Wochen wurde „Green Border“ in Polen zum meistgesehenen Kinofilm des Jahres 2023. Ein kleines Wunder, denn im Vorfeld hatte die PiS-Regierung den Spielfilm über die Situation an der belarussisch-polnischen Grenze wochenlang mit Hass­kampagnen überzogen, um genau diesen Erfolg zu verhindern

Die ersten Filmbilder zeigen einen Flug über die üppigen Wälder an der Grenze von Belarus zu Polen. Dann wird das Bild auf der Leinwand schwarz-weiß, wie eine düstere Vorahnung der Geschehnisse, die noch im Schatten liegen. Die polnische Filmregisseurin Agnieszka Holland leuchtet ihn aus und zeigt, was dort an der sumpfigen Außengrenze der Europäischen Union (EU) bis heute vor sich geht. Sie erzählt in Green Border die Geschichte einer Gruppe Geflüchteter in drei Kapiteln, aus drei Perspektiven: Die der Geflüchteten, der Aktivisten und der Grenzwächter. Weiterlesen

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