Reinhard Olschanski macht sich Gedanken, wie “der Westen … vor die Lage” komme: “Nach Butscha”. A. Holberg entgegnet ihm in den Leser*innen-Kommentaren mehr als doppelt so lang. Mir persönlich ist das zu sophistisch, aber dass der Extradienst ein Ort von Debatte ist, ist sein Sinn. Ich wage es mit der wahrlich nicht sehr steilen These: “Krieg ist Verbrechen”.

Es gibt da etwas, was mir Angst macht. Das sind die, die ich am besten kenne: “Unsere”. Was treibt sie an? Wo wollen sie hin? Ich weiss es nicht mehr. Vor mir entstand am Wochenende folgendes Bild: ein faschismusverdächtiger Botschafter, mit einem Medienkonzern im Bunde, der kaum links von ihm operiert, und der massive US-Geschäftsinteressen verfolgt, treibt die Überreste politischer Klasse in der Hauptstadt nahe der polnischen Grenze vor sich so weit her, dass sich “unser” Staatsoberhaupt zu einer Entschuldigung genötigt fühlt. Mein Freund und Gastautor Dieter Bott schrieb heute dazu:

“C -SO ein GROSS-MANN und schlaumeier wie PUTIN und seine religiösen
und finanz-kräftigen kameradschaften im OSTEN —konnten mich nicht
täuschen —-ich habe mir nichts von ihnen versprochen–und auch
nichts erwartet ——- —-

ABER auch UNSERE westlichen und landeseigenen KLEIN- FORMATE -wie
-die stählerne stracke–FDP -zimmermann aus düsseldorf —oder
ehemals geheime-dienst-aufsichts-beamte (guantanamo) wie
frank-walter-steinmeier haben mich kalt gelassen — “.

Was mich nicht kalt lässt, ist, wenn die deutsche herrschende Klasse ein weiteres Mal in einen Krieg hineingeht, dieses Mal aber nicht “schuld daran”, nicht einmal “dabei gewesen” sein will. Dann allerdings ist es schon zu spät – seit 1945 ist Atomzeitalter.

Alexander Kluge sagte heute in der 3sat-Kulturzeit: “Es hat in der Welt nie einen Friedensschluss gegeben, in dem man sich nicht den Kopf des Gegners zerbrochen hat.” So ein weiser Mann. Wo sind die, die das heute tun? Meine Bitte an sie wäre, sich mal öffentlich zu äussern – nur damit wir wissen, dass es sie gibt …

Es gibt mitten unter uns sowie ganz in unserer Nähe Menschen, die Krieg nicht nur aus Medien, sondern aus eigenem Erleben kennen: die, die beim Zerfall Jugoslawiens dabei waren. Ilija Đurović gab ihnen heute eine Stimme in einem “Open-Source”-Text der Berliner Zeitung: “Wenn der Krieg vorbei ist”.

Christian Wolf setzt seine Ratgeberserie für Ihre digitale Souveränität und Sicherheit fort: “Vollgas aus Russland …” Ich habe das Glück, für diese Dinge einen fachkundigen Maschinisten zu haben. Aber die sind heutzutage selten, und Christians Texte finden mit Recht grosses Interesse. Dank an den Autor und an Sie als Leser*innen.

Das auch an Ulrich Horn. In seiner Nachbetrachtung zur Saarlandwahl “Klein-Klein ganz groß” verleiht er uns einen Schlüssellochblick ins Innenleben der CDU. Kein schöner Anblick, aber Teil der Wahrheit. Wenn Sies spassiger mögen, nehmen Sie Leo Fischer/Jungle World. Sarkasmus ist in diesen Tagen ein elementares Lebensmittel.

Mein Rat an Sie: zerbrechen Sie sich vor dem Einschlafen den einen oder anderen Kopf Ihrer Gegner*innen. Fangen Sie damit in Ihrer unmittelbaren Nähe an. Es lohnt sich.

Freundliche Grüße
Martin Böttger

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net