Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 40 von 61)

Rätsel der Zeitgenossenschaft

Der Soziologe Heinz Bude wurde als Gründungsdirektor des Kasseler Documenta-Instituts vorgestellt – und präsentierte schwungvolle Visionen.
Insider wussten es schon länger, aber erst vergangene Woche gaben die documenta und die Universität Kassel bekannt, dass der 1954 geborene Heinz Bude, dort seit 2000 Professor für Makrosoziologie, „Gründungsdirektor“ des neuen documenta-Instituts werden soll. Spätestens durch sein Essay zur „Generation Berlin“ ist der Wissenschaftler zu einem der markantesten Intellektuellen Deutschlands geworden. Weiterlesen

Künstler fordern Mitsprache

Diskussion am 19. August im Frauenmuseum
Bildende Künstler, also vor allem Bildhauer und Maler, spielen in der politischen Diskussion selten eine Rolle. Ihre Medien sind Farbe, Leinwand, Papier oder Holz und Stein, weniger die geschliffenen Worte in der Politik. Immerhin, am 19.8.2020 ab 18 h werden die Bildenden Künstler*innen in Bonn, auf Einladung des Frauenmuseums mit den kulturpolitischen Sprechern der in Bonn zur Wahl stehenden demokratischen Parteien über ihre Situation und ihre Forderungen diskutieren.
Zwei Online-Diskussionen gab es bereits mit den Kandidatinnen zur Oberbürgermeister-Wahl, Lissi von Bülow, SPD und Katja Dörner, MdB, Bündnis 90 Die Grünen. Weiterlesen

Sauds pfeifen im Wald

Gastronom*inn*en von Plattformen gequält
Die Altstadt von Beirut war schon vor der Explosionskatastrophe weitgehend “niedergelegt” worden. Vom ehemaligen Regierungschef Rafiq Hariri und seinem folgsamen Erben Saad. Seine Baufirma Solidere entwickelte er zu einem zweifelhaften Zwitter zwischen Baukonzern und staatlicher Ordnungsbehörde, auf diese Weise das Vakuum ausnutzend, das der ebenfalls von ihm geführte Staat langjährig hinterlässt. Pragmatisch, wie ein erfolgreicher Bauunternehmer zu sein hat, Weiterlesen

Kompensation untersagter Vergemeinschaftung

berlin viral – Soll das Gesundheitsamt sie zwei Jahre lang an Bäume binden?
Schemenhaft nur zu erahnende Gesichter im Halbdunkel, die Augen auf ein fluoreszierendes Display gerichtet, die Kappe tief ins Gesicht gezogen. Wer sich zu Beginn des Coronozäns nicht nur auf nächtliche Spaziergänge machte, traf meist auf personale Konstellationen wie diese. Menschen, die sich in Hauseingänge, Parkecken oder Bushaltestellen drückten, immer auf der Hut vor neugierigen Passanten, Nachbarn oder den zirkulierenden Ordnungskräften. Die Pandemie zwang alle zurück in eine rudimentäre Öffentlichkeit, die mitunter die Form einer filmreifen Proto-Verschwörung annahm. Weiterlesen

Teil eines Kreislaufs

Kunst und Ökologie – Mit seiner Ausstellung „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ wirbt das Kunsthaus Dresden für ein symbiotisches Verhältnis von Natur und Zivilisation
Hitzewelle in Sibirien; die Insekten in aller Welt sterben aus; der deutsche Wald im Dürre-Stress. Kein Tag vergeht, der uns nicht vor Augen führt, dass das Verhältnis der Zivilisation zur Natur mehr als nur aus den Fugen geraten ist.

Zwar sollen die Deutschen inzwischen nur noch halb so viel Restmüll entsorgen wie 1985, heißt es. Trotzdem scheint alles immer katastrophaler zu werden. Kann da ausgerechnet die friedliebende Kunst einen Ausweg aus dieser tödlichen Mesalliance weisen? Weiterlesen

Dampf muss abgelassen werden

Die Borniertheit gegenüber Volksbelustigungen, ob am Ballermann oder in der Berliner Hasenheide, nimmt in alarmierendem Ausmaß zu. Man kann aber eine Bevölkerung nicht dauerhaft zur „Vernunft“ zwingen
Es gibt viele Freizeitaktivitäten, auf die ich ohne jedes Bedauern für den Rest meines Lebens verzichten kann. Der Besuch der Stehkurve eines Fußballstadions gehört dazu oder der eines Heavy-Metal-Festivals, etwa in Wacken. Es zieht mich auch nicht an den Ballermann, und ich komme gut ohne Karneval klar. Massenveranstaltungen sind einfach nicht mein Ding. Waren sie übrigens nie, auch nicht, als ich 20 war. Weiterlesen

Arme Schweine

In einer Hinsicht ist es merkwürdig still um sie geworden. Im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit steht dank des Bauernverbandes, dass sie sich in den Ställen stauen, und am Menschenrecht auf Sterben gehindert werden. Sie müssen weiterleben, werden dicker und dicker, und haben noch weniger Platz, also sowieso schon für sie vorgesehen ist. Die Seuchenwellen, denen sie nicht zuletzt durch diese Haltung ausgesetzt sind, sind dagegen aus den Schlagzeilen verschwunden. Weiterlesen

Ein Spartakus-Moment

Die Sklav*inn*en erheben sich

Spartakus? Die Älteren (und die Schwulen) kennen den gleichnamigen Sandalenfilm. Ob es ihn wirklich gegeben hat? Jedenfalls hat es seine Überlieferung in die Neuzeit geschafft. In der westdeutschen BRD gab es sogar einen mehrere Jahrzehnte politisch relevanten Studentenverband, der sich romantisierend nach ihm benannt hatte. Wahrscheinlich handelte es sich in der Antike um eine marodierende Bande, über die das Römische Reich, eine klassische Sklavenhaltergesellschaft, längere Zeit die Kontrolle verloren hatte. Weiterlesen

Beschneidungsabend

Mann lernt nie aus
Gestern abend kümmerten sich zwei öffentlich-rechtliche Sender ungewöhnlich ausführlich mit der Körperpolitik rund um die menschlichen Geschlechtsorgane. Uli Schauen, der mir als Gewerkschaftsaktivist für die Nöte der zahllosen “freien” Mitarbeiter*innen vor Jahren ein Begriff war, beschäftigte sich in einem DLF-Feature mit Kampagnen für die Jungen-Beschneidung in Afrika, vorgeblich zur Aids-Prävention. Der medizinische Sinn dieser Kampagnen war und ist umstritten. Der politische Sinn dahinter wird dagegen erkennbar. Weiterlesen

Türkische Kunst in der Krise

Istanbuler Sammlung der Moderne – Im September soll der Neubau des Mimar-Sinan-Museums eröffnen. Doch wichtige Exponate befinden sich nach wie vor bei Präsident Erdoğan.
Kaum war er zurück, ist er auch schon wieder weg. Als in Istanbul vergangenen Sommer die Nachricht die Runde machte, Vasif Kortun würde neuer Chefkurator des Mimar-Sinan-Museums für Malerei und Skulptur, war die Kunstszene elektrisiert.

Der 1958 geborene Kunsthistoriker bahnte in den 90er Jahren der kritischen türkischen Kunst den Weg und avancierte zum „Power Broker“ dieser Szene. Der Aufstieg Istanbuls zur neuen Kunstmetropole war wesentlich auch sein Verdienst. Weiterlesen

Städte aus der Dose

Viele Stadt- und Dorfzentren, Fussgängerzonen, dieses Gefühl hat fast jede*r schon mal geäussert, “sehen irgendwie alle gleich aus”. Wie kommt das bloss? Es hat was mit Skaleneffekten in der kapitalistischen Ökonomie zu tun: je mehr vom Gleichen produziert wird, umso billiger die Herstellung, umso höher wenn nicht die Profitrate, so doch die Profitsumme. Aber selbstverständlich liegt es auch am Mangel von etwas besonders teurem: der Fantasie.
Die Entertainmentindustrie hatte ich schon als halbwüchsiger TV-Glotzer in Verdacht, dass sie ebenfalls das Ziel verfolgt, unsere Fantasie einzufangen und einzuzäunen, in industriell gefertigten Klischees. Weiterlesen

Pearl Jams »Gigaton«

von Gert Samuel
Es hätte alles so schön werden können: Endlich, nach fast sieben Jahren des wartens kam Anfang Januar 2020 die Nachricht zum Erscheinen des neuen Albums der Gruppe aus Seattle. Für den 27. März 2020 wurde der Verkauf von „Gigaton“, das elfte Studioalbum von Pearl Jam, angekündigt. Zudem gab die Band die Tourdaten für die Konzerte in Nordamerika bekannt – vom 18. März in Toronto bis zum 19. April in Oakland. Die Termine für die Europatournee standen schon seit Dezember 2019 fest: Weiterlesen

Wie ein Freigang im Gefängnishof

berlin viral
Das Chlor killt ja das Virus. In der Hoffnung hatte ich mich gewiegt, als das Coronozän langsam, aber sicher ausbrach. Die Schwimmbäder würden sie schon nicht so schnell dichtmachen. Bis zur letzten Minute hatte ich mich in die blauen Bahnen gestürzt. Auch wenn ich mich natürlich gefragt hatte, ob ich wirklich jedes Geländer, jede Türklinke, jede Klobrille anfassen kann, wenn ich die menschenleer gewordenen, gekachelten Hallen betrat. Weiterlesen

Wer bestimmt über die Kunst III

Kunstkommission ohne Künstler
Kunst im öffentlichen Raum und besonders Kunst am Bau wurde in Bonn meist eher freihändig vergeben. Wenn es Ausschreibungen gab – es waren der Erinnerung des Bonner Künstlers Dierk Engelken nach zwischen 1970 und 1980 nur zwei – endeten diese Engelken zufolge „mit bemerkenswerten und für die in Bonn ansässigen Künstler außerordentlich diskriminierenden Ergebnissen.“ Weiterlesen

Weltverbesserung

“Wir kennen unsere Bauern” las ich eben im Prospekt eines Genossenschaftskonzerns, der noch um einiges grösser und fetter als der Corona-Sünder Westfleisch (Umsatz 2017: 2,75 Mrd.) ist: Edeka (Umsatz 2019: 55,7 Mrd.). Als Preisdrücker und Grossmacht des Lebensmitteleinzelhandels sind sie selbst Täter, nicht Opfer, des deutschen Fleischsystems. Nun mag es sein, dass der eine oder andere Edeka-Betreiber individuell anderer Gesinnung ist, das kommt in den “besten Familien” vor. Das ändert meistens leider nichts am verbrecherischen Charakter des Systems.
Wie komm ich drauf? Ich möchte eine weitere Programminnovation des Deutschlandfunks, Weiterlesen

Wer bestimmt über die Kunst II

Wie bereits an dieser Stelle berichtet, lud der Vorsitzende eines Vereins, der sich “Stiftung für Kunst und Kultur e,V.” nennt, Walter Smerling anläßlich der Enthüllung der Skulptur von Stefan Balkenhol im Bonner Hofgarten den anwesenden NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet dazu ein, im Jahr 2030 mit ihm zusammen einen „Walk of modern art“ in Bonn abzuschreiten, mit 17 skulpturalen Stationen. Diese Einladung wirft ja Fragen auf. Wie kommt Smerling, der mit seinen Eskapaden der Stadt Bonn schon mal ein Minus von mehr als einer Million Euro beschert hat, dazu über den Stadtraum zu verfügen? Weiterlesen

Out of Mediathek?

Jobcenter in lustig
Samstagnachmittag. Und kein Fußball. In meiner Kindheit und Jugend im Ruhrgebiet ähnelte das Alpträumen. Rettung war nur durch nächtliche Feten in Kirchhellener Scheunen oder Schwimmbadkellern zu erhoffen. Heute habe ich nicht mehr so reiche Freund*inn*e*n. Gut, wenn es regnet, gibt es eine Perspektive: der ARD-Sender ONE bringt heute zum Bingewatchen die erste und zweite Staffel von The Job Lot.
Wenn Sie britischen Humor hassen, lassen Sie es besser. Weiterlesen

Lieber Maler, male mir!

Die Bundestagsfraktion der Grünen lud zu einer Diskussion über „Kunst in der Coronakrise“. Gestritten wurde im Internet.
„Hört auf zu malen!“ Als der Maler Jörg Immendorff 1966 seine Zunft aufforderte, die Kunst für den politischen Kampf aufzugeben, sorgte das natürlich für Aufsehen. Es folgte ihm aber niemand.

Über 50 Jahre nach dem militanten Slogan könnte es womöglich doch noch zur Malverweigerung kommen. Weniger, weil der böse Kapitalismus, den Immendorff damals bekämpfen wollte, nun noch böser geworden wäre. Schuld ist diesmal ein besonders böses Virus. Weiterlesen

Wer bestimmt über die Kunst?

Kunst im öffentlichen Raum ist in Bonn offenbar weiterhin einem Verein vorbehalten, dessen Namen bereits bewußt in die Irre führt. Er nennt sich „Stiftung für Kunst und Kultur e.V.“. Vereinsrechtler wird das sogleich auffallen und sie werden sich fragen: Was denn nun? Ein Verein oder eine Stiftung?
Es ist ein Verein der sich Stiftung nennt, bestimmt weil sich das so gut anhört. An der Spitze steht jener Walter Smerling, der im Kunstmuseum Bonn mit der Ausstellung „Zeitwenden“ einen für Bonn sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Weiterlesen

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