Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 58 von 61)

Bürgeraktien für regionale Biolebensmittel im Rheinland

von Sven Johannsen

Die Regionalwert AG Rheinland gibt Bürgerinnen und Bürgern, Institutionen, Stiftungen und Unternehmen die Möglichkeit, Geld sinnvoll, rentabel und nachhaltig in der Region anzulegen. Gemeinsam investieren wir in ökologische Projekte in der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Der direkte Kontakt zu Bauern, Verarbeitern und Händlern, direkt vor unser Haustür – die Regionalwert AG Rheinland ist das Werkzeug dafür. Die Regionalwert-Gemeinschaft gestaltet ihre Region aktiv mit. Ökologisch, unternehmerisch und sozial.

Mit ihrer Beteiligung an der AG übernehmen Konsumenten gemeinsam Verantwortung für Anbau, Verarbeitung und Vermarktung ökologischer, regionaler Lebensmittel. Unsere Aktionärinnen und Aktionäre freuen sich über eine Rendite aus nachhaltiger Landwirtschaft und hochwertigen Lebensmitteln. Hergestellt von Bauernhöfen und Betrieben, die mit Tieren, Menschen und Umwelt vernünftig umgehen.

Interessierte Menschen haben bis zum 12. Juli 2017 die Möglichkeit, die neuen Aktien unser Kapitalerhöhung zu zeichnen.

Mehr Infos gerne unter 0221 – 677 709 87 und auf www.regionalwert-rheinland.de

Hidir Eren Çelik, die Macht des Schreibens

Das Wort als friedliches Mittel für die Menschlichkeit
von Giorgia Sogos

Rezension von: Hidir Eren Çelik: Ich stehe vor deinen Toren

In seinem neuen Gedichtband “Ich stehe vor deinen Toren. Gedichte zu Flucht, Vertreibung, Krieg und Frieden (2017)“, im Free Pen Verlag erschienen, lässt der Autor Hidir Eren Çelik seinen Gedanken über die aktuellen Probleme unserer Gesellschaft durch seine Poesie freien Lauf. Schon im Titel des Bandes konkretisiert sich das Bild des Flüchtlings, dessen Darstellung in unseren Ländern und Städten eine Wirklichkeit geworden ist, auf der verzweifelten Suche nach einer Zuflucht. Das gleichnamige Gedicht “Ich stehe vor deinen Toren” präsentiert sich daher als eins der wichtigsten Leitmotive dieser Sammlung, die aus 60 Gedichten besteht. Gegenüber dem Hilferuf eines fremden Menschen aus der Ferne bleibt der Dichter nicht gleichgültig, mittels eines Einfühlungsprozesses übernimmt er dieses Unbehagen, und so wird er selbst der Fremde. Weiterlesen

Istanbul-Biennale: Jenseits des binären Codes

von Ingo Arend

Ein weißer Quader, wie aus dem Bilderbuch des architektonischen Minimalismus. Darinnen ein Labyrinth verschachtelter Räume, das Ganze aufgestellt in einem öffentlichen Park. „Cruising Pavillon“ nannte das Künstlerpaar Elmgreen & Dragset 1998 seine Installation im dänischen Aarhus. Mit ihr visualisierte es das Paradox, dass die schwule Subkultur ihre intimen Räume oft genug dadurch gewinnt, dass sie „straighte“ Kontexte umfunktioniert.
Die Chance, dass die beiden Künstler im Herbst ein ähnliches Werk in Istanbul aufstellen, ist denkbar gering. Für ein so doppelbödiges wie anstößiges Werk ist das kulturelle Klima in der Türkei derzeit vermutlich zu angespannt. Aber die frappierende Dialektik, mit der das Künstlerpaar gern arbeitet, könnte ihnen bei ihrem aktuellen Job von Nutzen sein. Anfang September eröffnen die beiden nämlich die 15. Istanbul-Biennale – diesmal als Kuratoren.

„A good neighbour“ – das Thema, das die beiden zum Motto der Biennale erkoren haben, hat ein gemischtes Echo hervorgerufen. Weiterlesen

Kapitalismus kills Wein

Wieder einmal ist die FAZ dafür zu loben, dass sie ein Problem überhaupt aufgreift, und dafür zu kritisieren, dass sie wieder zu kurz springt. Der deutsche Wein, und nicht nur der, ist in Gefahr. Die Monopolisierung des Lebensmitteleinzelhandels ist sein potenzieller Mörder. Es ist systemisch nicht anders vorgesehen, als als Lebensmitteleinzelhändler Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka Milliardenumsätze zu machen. Das funktioniert nur über grosse Massenverkäufe, über Standardisierung und Industrialisierung, um “gleichbleibende Qualität” garantieren zu können. Das Produkt Wein wird so den gleichen Tod sterben, wie es aktuell das Bier schon tut. Gleichheit ist der Tod des Weines.

Die Faszination des Produktes Wein lebt davon, dass – da ähnelt er der Welt insgesamt – er ständig faszinierende Neuentdeckungen anbietet, Neuentdeckungen die in sehr vielen Fällen mit neuen Qualitätssteigerungen verbunden sind. Wer mal guten Wein getrunken hat, mag keinen schlechten mehr. Weiterlesen

Hasret – noch eine Istanbul-TV-Perle

Vor wenigen Tagen lobte ich hier schon ein Istanbul-Filmchen, das der NDR im Nachtprogramm versenkte. Das hat vorgestern auch ARTE getan, mit “Hasret”. Eine recht poetisch und in Teilen dichterisch-surreal geratene Wahrnehmung dieser spektakulären Stadt. Dichterisch-surreal nicht nur in der erzählten Geschichte sondern auch und gerade in der Bildsprache. Kritisch anmerken würde ich auch hier wieder, dass die Macher um einiges zuviel um sich selbst kreisten, obwohl ich das andererseits auch gut nachempfinden konnte, als Fremder in Istanbul.
ARTE hält die Filme in der Regel 7 Tage in der Mediathek, sie haben also von heute an noch 5 Tage Zeit. Vielleicht verlängert sie sich ein bisschen durch Wiederholungstermine. Der Film lief bereits im Kino, erhielt – gut angelegte – Fördermittel der Filmstiftung NRW, Lindenstraßen-Produzent Geissendörfer produzierte mit, ein starker Bündnispartner mit guten Beziehungen für die Filmmacher.

ila / Slowfood

Die neue Ausgabe der Zeitschrift ila (Informationsstelle Lateinamerika in Bonn) hat das Schwerpunktthema “Alter in Lateinamerika”. In einem Beihefter geht es um die Auswirkungen von Freihandelsabkommen, und Gert Eisenbürger hat ein Buch von Leo Löwenthal von 1949 entdeckt, dessen Lektüre uns noch heute im Widerstand gegen Trump helfen kann.

Die neue Ausgabe des Slowfood-Magazins legt uns das Berchtesgadener Land ans Herz, befasst sich mit den Debatten um Veganismus, Vegetariertum und Fleischessen, portätiert als “Foodhero” die Kölner Konditorin Lea Leimann (z.Z. Patissière im “Ox und Klee”), und Carlo Petrini weist auf die Willkommenspolitik des Libanon hin und fragt: “Wie können wir in Europa auch nur daran denken, Mauern und Absperrungen für Migranten zu bauen?”

Olivotti 50

Der General-Anzeiger widmet heute dem Beueler Eiscafe Olivotti ein sympathisch-menschelndes Porträt. Gerne werden dabei ein paar weniger schöne ökonomische Fakten weggelassen, die ich als Stammkunde ergänzen möchte. Das Unternehmen hätte die 50 Jahre wahrscheinlich nicht durchgehalten, wenn es nicht ein “Familienbetrieb” wäre, der ausserdem das Haus besitzt statt es mieten zu müssen.

Hätte es in Beuel einen Bürgerentscheid darüber gegeben, würde mit Sicherheit Olivotti den Pavillon auf dem Rathausvorplatz bewirtschaften. Allein: die Mietforderungen waren utopisch hoch, es hätte sich niemals gerechnet. Also zog dort in 30 Meter Entfernung ein direkt konkurrierendes bundesweit expandierendes Franchiseunternehmen aus Geseke ein.

Es hat versucht, den Winter durchzuhalten. Die Olivotti-Belegschaft macht dagegen regelmässig von Ende Oktober bis Anfang Februar die klassischen Eisdielenferien. Das strukturiert mir als Kunde jedes neue Jahr. Besonders liebenswert finde ich die schon historisch zu nennende alte Einrichtung. Das Gegenteil von hipp, schön, dass es sowas noch gibt.

Und wann man dort hingehen kann, ohne dass es überfüllt ist – leider kaum Aussenplätze, dafür aber Auspuffgase an der Bushaltestelle und Ampel – werde ich hier selbstverständlich nicht verraten.

Beyoglu oder Erdogan – wer stirbt zuerst?

Vor gut 10 Jahren entsandte mich die Böll-Stiftung zu einem “Friedenskongress” in einem Hotel am Taksim-Platz in Istanbul. Ein ursprünglich vorgesehener Grüner MdB war kurzfristig ausgefallen. Ich war noch nie dort, in der ganzen Türkei nicht. Ich schrieb mir eilig ein Eingangsstatement, die spätere MdB und studierte Anglistin Katja Dörner übersetzte es mir in Windeseile in professionelles Englisch – aus dieser Konferenzsprache wurde es simultan ins Türkische übersetzt. Ich gewann die Sympathie von über 90% des Kongresspublikums mit meinem Plädoyer für Menschen- und Bürgerrechte, die nicht für angeblich “höhere” Ziele instrumentalisiert werden dürften – wie ich es seinerzeit z.B. bei Oskar Lafontaine erkannte, was für merkliche Verstimmung bei der ebenfalls auf dem Podium agierenden Linken-MdB und Ex-Trotzkistin Christine Buchholz sorgte.

Nach der Veranstaltung gruppierte sich eine kleine Menschentraube von Grünen-Sympathisant*inn*en um mich, u.a. ein älterer Herr, der sich als auf Bürgerrechte spezialisierter Rechtsanwalt vorstellte und mir anbot, mir noch ein wenig von der Stadt zu zeigen. Es wurde eine durchzechte Nacht in Beyoglu daraus, Weiterlesen

Feminismus

Fangen wir mit dem Sex an, weil das die meisten interessiert. Sensation: Frauen, die mit Frauen schlafen, haben öfter einen Orgasmus, als die, die mit Männern schlafen. Ist jetzt schon, 2017, rausgekommen. Wie konnte es so weit kommen? Siegmund Freud könnte schuld sein, und viele weitere Männer, die diese Art Wissenschaft beherrscht haben.
Dann noch das Langweilige, Politik. Anne Wizorek beschreibt die Ausgangslage zum 8. März. Weltweit setzen sich Frauen in Bewegung, Frauenverächter Trump sei Dank. Und hier? Soll sich die Bundeskanzlerin drum kümmern?
Wer bis hierhin weitergelesen hat, bekommt noch einen Sondertip: Barbara Schweizerhof. Sie war in den meisten meiner Freitag-Artikel die wunderbare betreuende Redakteurin. Jetzt ist sie bei epd-Film, und schreibt gelegentlich für die taz, aktuell über Jodie Foster und Viola Davis. Wir waren mal gemeinsam bei Vincent Klink essen, das ist quasi die Garantie für einen schönen Tag. Dieser gesellschaftliche Blick, den Barbara Schweizerhof auf gute und schlechte Filme hat, und dabei eine so uneitle und kooperationsfähige solidarische Redakteurin ist, das ist ein großes Geschenk für guten Journalismus.

Kapitalismus und Essstörungen

Vor einigen Tagen hatte ich hier schon einmal einen FAZ-Beitrag zu Selbstoptimierung und Essstörungen verlinkt. Ein Bonner Blog-Aggregator kommentierte das mit den Worten, ich hätte mich darüber “aufgeregt”. Aus dem Alter, mich über die FAZ aufzuregen, bin ich raus. Ich finde es sogar lobenswert, dass sich dieses Organ der Herrschenden in diesem Land überhaupt kontinuierlich dem gesellschaftlich relevanten Problem Essstörungen widmet; die meisten tun es nämlich nicht. Darum verlinke ich auch heute gerne ein FAZ-Interview der wahrhaft aufrechten Journalistin Melanie Mühl mit der Schweizer Professorin Dagmar Pauli.
Nichts, was dort ausgeführt wird, ist falsch. Und doch dreht sich da was im Kreis. Frau Mühl fragt: “Welche Rolle spielt das Elternhaus?” Frau Mühl fragt nicht: “Welche Rolle spielt der Kapitalismus / die Gesellschaft / der Konkurrenzkampf?” Im Elternhaus einer betroffenen Person spielen sich – immer! – Tragödien ab, meistens begleitet von extremer Hilflosigkeit; je mehr es in solchen Häusern noch Liebe zueinander gibt, umso schlimmer. Selbstverständlich geben sich die Eltern die Schuld, mindestens die Hauptschuld. So what?

Lob der Handmade-Gastronomie: Sarah & Thierry

An manchem sind wir geizigen Deutschen selber schuld. Beim Essen sind wir so geizig, dass Gastwirte nur bei Getränken eine Chance haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das führt z.B. zu den überteuerten Restaurantpreisen für Wein, vor allem für guten. In Frankreich und Italien sind die Essenspreise auf den Speisekarten angemessener, so dass auch die Getränkepreise zumutbarer gestaltet werden können. Unser Geiz richtet aber weit mehr Schaden an. Er erschwert einen Umbau der Landwirtschaft in Richtung Geschmack, artenvielfalt, Tierschutz und Ökologie, und er begünstigt Monopolisierung und Konzentration in Einzelhandel (die reichsten deutschen Männer waren die verstorbenen Aldi-Brüder) und Gastronomie (Franscheiss).
Zur Begehung eines runden Geburtstages entschloss ich mich zu erneutem aktivem Widerstand. Weiterlesen

Indiens Hindufaschismus / No sex in Japan

Manche, die rätseln, was sich mit diesem Trump entwickelt, sollten mal einen Blick auf Indien werfen. Das frühere Hippie-Wallfahrtsziel hat sich sehr verändert, und nicht alles ist dabei “moderner” geworden. Der jetzige Regierungschef Modi verkörpert eine besonders unappetitliche Version eines machtvollen Bündnisses von Faschismus und Neoliberalismus, ist also ein schönes Vorbild für unsere AfD; wenn er nicht so schwarz wäre. Trump wird ihn ernstnehmen müssen, die Chinesen tun es schon lange, denn er hat auch einen Atomwaffenkoffer.
Japan hat eine Pornoindustrie, um das es seine kalifornischen Konkurrenten beneiden. Merkwürdig, dass deren Wachstum parallel verläuft mit einer epidemisch sich ausbreitenden Unlust an Sex in seiner Bevölkerung. Nicht nur Unlust zur Fortpflanzung, sondern gar keine Lust. Japans Küche, “Essen der Sex des Alters”, ist international immer noch überragend. Aber anscheinend sind alle müde. Die Mitmenschen sind ja sooo anstrengend.

Portugals Drogenpolitik / Graham Nash

Das werktägliche DLF-Magazin “Europa heute”, Sendetermin 9.10 h, ist immer das Zuhören wert. Wir erfahren Dinge aus EU-Mitgliedsländern, über die in der Regel in anderen Medien überhaupt nicht berichtet wird. Unsere Sender und Zeitungsredaktionen sparen das Geld für teure Korrespondet*inn*en lieber ein. Wussten Sie, dass Portugal schon seit über 10 Jahren, also über mehrere Regierungswechsel hinweg, eine Politik der Entkriminalisierung von Drogengebrauch verfolgt? Dem DLF-Bericht zufolge liegt das an einem hartnäckigen fachkundigen Regierungsbeamten.
Um das gleiche Thema Drogengebrauch und seine Illegalisierung kreist das Jungle-World-Interview mit dem 70-jährigen angloamerikanischen Musiker Graham Nash. Er hat mit Crosby, Stills, Nash & Young (hier ein Wikipedia-Link auf deutsch ohne “Young”) sowie den Hollies ein zum Teil unvergessliches Werk hinterlassen, musikalisch und politisch. Beim “No-Nukes”-Konzert 1979, einem der ersten großen Musikereignisse der Anti-Atom-Bewegung spielte er eine wichtige Rolle.

Kultur gegen rechts?

von Ingo Arend

Was tun gegen rechts? Über kaum eine Frage streitet der Kulturbetrieb derzeit leidenschaftlicher. Reicht es noch, so das stete Memento, Ausstellungen zu eröffnen, Festivals zu besuchen oder neue Paul-Auster-Romane zu lesen, wenn gerade Demokratie, Europa und Menschenrechte geschleift werden?

Der Fotokünstler Wolfgang Tillmans beschwor dieser Tage pathetisch den „Kairos-Moment“: Historische Aufgabe der Stunde sei es, so der sonst eher zurückhaltende Liebhaber des subkulturellen Faltenwurfs, die libertäre gegen die autoritäre Gesellschaftsordnung zu verteidigen. Muss die Kultur also jetzt Aufstehen gegen rechts?

Nichts gegen Aktionen wie die „EcoFavela“, mit der sich das Hamburger Kampnagel-Theater vor zwei Jahren zur temporären Flüchtlingsunterkunft umfunktionierte. Wie wohl sie ästhetisch hinter Christoph Schlingensiefs „Ausländer raus“-Container zurückfiel. 2000 hatte der Regisseur in Wien Asylbewerber in einen Big Brother-Container gesperrt und das Publikum über deren Schicksal entscheiden lassen. Dennoch ist vor dem Trugschluss zu warnen, Kunst und Kultur ließen sich als schnelle Einsatztruppe gegen den Rechtsruck einsetzen. Weiterlesen

Hunger, Sportsucht&Selbstoptimierung vs. Lebensgenuss

Es ist verdienstvoll, dass sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) zum wiederholten Male dem massenhaften Hungern überwiegend junger Frauen zugewandt hat. Ebenso lobenswert ist es, dabei Positivbeispiele und -vorbilder zu präsentieren. Leider prügeln leitende Angestellte in den Redaktionen ihre Untergebenen dabei immer wieder “Serviceorientierung”, “immer an die Leser denken” und Ratgeberfunktion ein, was in diesem Fall, wie bei der FAS auch nicht anders zu erwarten, zu einem zu kurzen Sprung führt.

Schon das Verkürzen des Problems auf bestimmte böse Medien, in diesem Fall “Instagram”, ansonsten sind z.Z die bösen “Castingshows” beliebtes Objekt von hilflosem Geschimpfe, ist vordergründig und lächerlich. Schliesslich sind wir von Körperbildern in Realität und Fantasie permanent umstellt. Das Gleiche gilt für konkurrenzhafte, wettbewerbsorientierte Vergleiche und Blicke. Von klein an wird uns eingetrichtert, dass wir – in irgendwas – besser sind oder sein müssen als die andern. Das sind keine Einzelereignisse, sondern das hat System. Weiterlesen

Beuel im Slowfood-Magazin

Es ist fast, als solle alles geheim gehalten werden. Das Slowfood-Magazin möchte nicht, dass ein Blog Texte aus ihm nachveröffentlicht. In der neuen Ausgabe kommt sogar Beuel vor. Und zwar wird bei uns wieder Bier gebraut, nicht wie früher in Oberkassel, das ich seinerzeit aus geschmacklichen Gründen ziemlich verabscheut habe. Sondern da hinten in Pützchen gibt es einen kleinen “Craft-Beer”-Brauer namens “Ale-Mania” (Vorsicht Wortspiel!). Leider gibt es aber sein Bier auf unserer Rheinseite nicht zu kaufen. Als Bezugsquelle wird ein Edeka in der Nordstadt und ein Getränkemarkt in Godesberg angegeben. Als sollten wir als Beueler geradezu vorsätzlich geärgert und an der Nase herumgeführt werden.
Das Slowfood-Magazin gibt es in ähnlicher Weise ausweislich der von ihm selbst veröffentlichten Liste nirgends in Bonn zu kaufen, aber in 2 Läden in Büren, einem westfälischen Kaff, dessen Existenz mir nur durch einen überdimensionierten Abschiebeknast bekannt ist, und sogar im höchsten Hochsauerland. Als wenn es möglichst wenig gelesen werden soll.
Das ist schade, denn es enthält ein weiteres Thema, das unsere Region betrifft: die “Regionalwert AG Rheinland”. Dieses Unternehmen will sich ökonomisch mit der Investition und Förderung von regional erzeugten und wertvollen Lebensmitteln und der Unterstützung ihrer Verwertungsketten von der Erzeugung bis zum Esstisch der Verbraucher*innen kümmern. Am 15.2. um 18 h kommt Vorstandssprecher Sven Johannsen ins Bistro Odeon direkt neben dem Momo-Bioladen in der Hans-Böckler-Str. um dieses Projekt interessierten Menschen persönlich vorzusstellen.
Weitere Themen im Slowfood-Magazin:
Schokolade, Kulinarischer Streifzug durch Bremen, Food-Hero Christoph Hauser, Südliche Lombardei, Rote-Bete-Küche, Kochen-Essen-Identität, und die wie immer politisch anregende Kolumne von Carlo Petrini: Europas Landwirtschaft auf dem Irrweg.

Rassismus: kennen Sie Afrofuturismus?

Ich auch nicht.
Ich kenne “Shaft”. Ein oscargekrönter Spielfilm von 1971, mit Fortsetzungen in den frühen 70ern und einem Revival 2000. Ich weiss von Spike Lee, einem Regisseur, der sich nur sehr mühevoll und kämpferisch gegen den Hollywood-Rassismus durchzusetzen weiss.
Die meisten von uns sind sicher fähig, wenigstens ein halbes Dutzend schwarzer Musiker aufsagen zu können. In der Musik taugen sie als Projektionsfläche unseres “Anderen” verborgenen Ichs. So funktioniert unser Alltagsrassismus.
Schlimmer aber ist in meinen Augen unsere ungebildete Ahnungslosigkeit, das diskriminierende Weglassen wichtiger Teile menschlicher Geschichte und Kultur. Das Deutschlandradio bot gestern zum Afrofuturismus eine seltene Abhilfe, eine Perle des Radioschaffens.
Es ist seltsam, dass wir vom “schwarzen” Kontinent, aber von “weissen” Flecken sprechen, wenn es um Dinge geht, von denen wir nichts wissen….

Kulinarik: macht Georgien jetzt Peru Konkurrenz?

Der Kaukasus ist eine der schönsten Landschaften der Welt. Das weiss ich nicht, weil ich schon dort war, sondern weil ich rund 10 Jahre einen Wohngenossen hatte, der an seinem Fusse aufgewachsen war und in seiner Nähe studiert hatte. Politisch dagegen ist es bis heute eine zurückgebliebensten Weltregionen geblieben, viele Terroristen wachsen dort auf, wo mein Wohngenosse ein aufrechter demokratischer Kommunist geworden war; mit Islamismus kannte er sich als Iraner schon hinreichend aus.
Kann in diesem Umfeld eine gute Küche entstehen? Möglicherweise, mann gönnt sich ja sonst nichts. Peru, seit wenigen Jahren der weltweite Wallfahrtsort aller Gourmets, hat in seiner Geschichte bisher auch nur kurze demokratische Perioden erlebt.
Jetzt wies der an dieser Stelle von mir schon gelobte DLF-“Sonntagsspaziergang” auf Georgien hin. Der Wein von dort hat sich schon lange einen Namen gemacht. Aber wenn man diese Reportage hört ist es zweifelsfrei: die können auch kochen. Wenn sie jetzt noch eine vertrauenswürdige Demokratie hinkriegen – die Eisenbahnen dorthin sind schon gebaut, China steht bereit sie zu beschleunigen und zu modernisieren.

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