Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Lesebefehle (Seite 35 von 133)

Keinen Fehler auslassen

Die Berliner Regierungsparteien spielen “Blinde-Kuh” mit Bonner Regierungsbehörde für … es ist ja nur Datenschutz

Es wäre ein Fall für unsere Oberbürgermeisterin, die ihre Ex-Kolleg*inn*en im Bundestag fragen könnte, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben, mit einer Grundsatzfrage (ehemals?) grüner Programmatik Teppichhändler-Deals zu machen. … Sorry, ich will Teppichhändler nicht unzulässig diffamieren … Und die arme Katja hat gewiss genug Ärger am Hals. Es geht “ja nur um Datenschutz” – da lässt sich immer was finden, was “wichtiger” ist … Das alles dachte ich, als ich in der abgelaufenen Woche diese Heise-Meldung von Falk Steiner las. Weiterlesen

Zwei Lenins zum Preis von Einem

Deutungsstreit einst und heute

Wladimir Iljitsch Uljanow ist vor 100 Jahren totgegangen. Über ihn wurden so zahllose Mythen verbreitet, dass es ihn auch für mich interessant machte: warum tun die das? Hatte ihn der deutsch-wilhelminische Imperialismus benutzt? Und/oder unterschätzt? Warum hat ihn die deutsche Arbeiterbewegung lieber zusammen mit ihrer herrschenden Klasse als Gottseibeiuns bekämpft, statt sich mit ihm gegen die herrschende Klasse zu verbünden? Zweifellos gab es nicht nur schlechte Gründe dafür … Zwei von mir geschätzte Autoren, Robert Misik/taz und Reinhard Lauterbach/Junge Welt kommen noch heute zu sehr gegensätzlichen Bewertungen. Weiterlesen

FAZ-Medienkritik – und anderswo

Was ist wichtiger als Messi?

Sach- und Fachkunde an (von mir) unerwarteter Stelle, nicht nur über Fussball, sondern auch über Medienökonomie, freut mich immer besonders. Christopher Meltzer/FAZ: “Weltfussballer der Fifa: Warum die Messi-Wahl kein Aufreger ist – Ist die nächste FIFA-Auszeichnung für den Argentinier ein Grund zur Empörung? Im Gegenteil: Das ist moderner Fußball.” (mit Safari vermauert, mit Firefox paywallfrei). Gibt es nichts Wichtigeres? Doch. Weiterlesen

Daily Good News

Obwohl in Beuel wieder klassisches Depressionswetter ist, startete ich in den Montag (!) wie auf Drogen. Das muss am gestrigen Fussball gelegen haben (+ einer sizilianischen Involtino, die in meinem Kühlschrank aufs heissmachen wartet): die zweitschlechteste Abwehr der ersten Liga leistete über zwei Halbzeiten engagierte und erfolgreiche Arbeit, 3:1 gegen einen VFB Stuttgart, der schon stärkere Gegner mit ansehnlichem Fussball an die Wand gespielt hat – Borussia-Fans wissen, was ich meine. Der von deutschen Medien ignorierte Africa-Cup bietet weitere Sensationen. Deutsches Fernsehen bietet lediglich schöne Stimmungsbilder von den ivorischen Strassen und Plätzen, sowie dürren Datenjournalismus. Weiterlesen

Wohltuend informativ

Katajun Amirpur im FR-Interview

Hinten im Feuilleton vergraben erscheint bei der FR ein hochpolitisches Interview mit der Kölner Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur. Michael Hesse hat es mit ihr geführt: “‘Der Wille zum Umsturz ist ungebrochen’ – Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur über die Sorge des Iran, in einen Krieg mit Israel und den USA hineingezogen zu werden, die Lebendigkeit der Protestbewegung der Frauen und die Rolle der Minderheiten.” Da ist alles ausgeleuchtet, was Sie zu dem Kriegsabenteuer, dem die Bundesregierung so gerne beitreten möchte, wissen müssen. Weiterlesen

Feministisch dekonstruiert

Charlotte Mullins’ beeindruckend leicht erzählte Geschichte der Kunst räumt auf mit der Männerzentriertheit der Kunst

Eine Kunstschule für Frauen. Weil es in ihrer Heimat keine Ausbildung für Künstlerinnen gab, griff Elisabetta Sirani 1660 in Bologna zur Selbsthilfe. Die Malerin, 1638 geboren, starb mit 27 Jahren und hinterließ über 200 Gemälde. In kunsthistorischen Lehrbüchern muss man lange nach der Künstlerin suchen, die gern weibliche Helden aus Antike und Bibel als Motiv wählte. Im 17. Jahrhundert überstrahlt das Licht Guido Reni alles und alle. Bezeichnenderweise liegt Sirani heute in dem Grab ihres Bologneser Zeitgenossen. Weiterlesen

Was die Welt besser macht

… ist immer gut – Zur schwindenden Bündnisfähigkeit

Es ist eine beliebte Debatte, ob etwas “gut genug” ist. Nora Guthrie, eine erfahrene linke Kulturmanagerin in den USA und meine Beueler Nachbarin, kennt hitzigste nächtelange Debatten, die sie Pragmatismus lehrten. Jeder Schritt, der die Welt besser macht, ist gut. Egal, wie gross oder klein er ist. In diesen Zeiten kehrt Noras Gedanke in meinem Kopf immer wieder, wie ein Ohrwurm (an einigen besitzt sie lukrative Urheber*innen*rechte). Wie kommichdrauf? Florian Rötzer/overton gab einen nützlichen Hinweis auf etwas Nützliches. Weiterlesen

Woanders is auch besch…eiden

UK / Frankreich

Die gute Annette Dittert nutzt die Blätter offenbar, um dort all das Wichtige unterzubringen, was nicht in ihre Tagesschau-Aufsager passt. Die Tagesschau interessiert sich bekanntlich wenig für fremde Länder. Und wenn etwas wirklich eine andere Kultur ist, dann sind es diese merkwürdigen Inselvölker, zumal wenn sie eine lange Imperialismus-Geschichte haben. Frau Dittert informiert uns also wieder hier: “Die Tories vor dem Aus – Camerons Rückkehr und das Elend Rishi Sunaks”. Weiterlesen

Der “Elefant im Raum” ist die A-Bombe

Im abgelaufenen Jahr hatte ich ernsthaft erwogen, im Kino “Oppenheimer” zu sehen, habe es dann aber nicht geschafft, gemischt mit nicht genug Lust und Drang ihn unbedingt zu sehen. Wenn ich nun den befreundeten Autor Detlef zum Winkel, hier bei bruchstuecke lese: “Oppenheimer in der Unterhaltungsindustrie: Legenden übernommen und verstärkt”, dann bin ich froh darum. Wenn ich seiner Kritik folge, enthält der Film alles, was ich an Filmen hasse. Weiterlesen

Naomi Klein hat wieder ein Buch fertig

Aufgrund vergangener Bestseller konnte Naomi Klein sich die Gründung eines mittelgrossen Sachbuchfabrikations-Unternehmens leisten. Wenn dann ein neues Werk fertig ist, gilt es wieder eine internationale PR-Kampagne durchzuziehen. In der hat sie bei Hanno Hauenstein/FR ein längeres Interview abgeworfen: “Naomi Klein im Interview: ‘Die deutsche Erinnerungskultur hat eine eingefrorene Qualität’ – Die Autorin und Umweltaktivistin Naomi Klein über das schwierige deutsch-israelische Verhältnis, die Singularität des Holocaust und ihr Buch zu Verschwörungstheorien”. Weiterlesen

Absichtslos Sensibilität für die Natur schaffen

Robert Fleck denkt über Kunst und Ökologie nach. Sein überzeugend geschriebenes Buch ist Pflichtlektüre für den Kunstbetrieb und ein Augenöffner für interessierte Laien

Tomatensuppe auf Vincent van Goghs Sonnenblumen. Beim Thema Kunst und Ökologie schnellen im kollektiven Bewusstsein zumeist Bilder wie die der zwei Frauen auf, die im Oktober 2022 zwei Dosen „Heinz“-Tomatensuppe auf den Publikumsmagneten von Londons National Gallery warfen. Die Kli­ma­ak­ti­vis­t:in­nen kommen in Robert Flecks jüngstem Buch mit dem sachlichen Titel „Kunst und Ökologie“ nur am Rande vor. Darin zeigt der Professor für Kunst und Öffentlichkeit an der Kunstakademie Düsseldorf, dass der Diskurs über die beiden Bereiche der Kunst und der Ökologie und ihr Verhältnis zueinander eine längere Geschichte hat, als es der Londoner Kamikaze-Populismus suggeriert. Weiterlesen

Leseperlen: BND-Berlin, Hochwasserschutz

Zunächst ist den Kolleg*inn*en von Netzpolitik.org herzlich zu gratulieren, Sie haben auch im abgelaufenen Jahr wieder über 1 Mio. € Spenden gesammelt und können also weitermachen. Sie leisten in Sachen Grundrechts- und Datenschutz Vorbildliches, ein Vorbild für Onlinejournalismus. Suchen Sie mal, ob ich über die irgendwas zu meckern hatte. Ich kann mich an nichts erinnern. Zur Jahreswende berichtet Chefredakteurin Anna Biselli, wie sie mal in Berlin um ihren Nachbarn Bundesnachrichtendienst (BND) herumgelaufen ist. Weiterlesen

Publikumsfiktion & Instant Reality

“News Avoidance” soll das Virus heissen, das mich miterfasst hat, und gesellschaftlich eine ähnliche Verbreitung hat, wie die Nichtteilnahme an Parlamentswahlen. Otfried Jarren hat darüber bei epd-Medien geschrieben und bruchstuecke hat das hier übernommen: “Nachrichten meiden: Viele Ursachen, vielfältige Auswirkungen”. Ich kenne den Autor aus der Zeit, als ich wenige Jahre der Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW angehörte. Weiterlesen

Auf nicht-kriegerischen Zustand angewiesen

Das immerhin habe ich mit der Kommunistischen Partei Chinas momentan gemeinsam. Albrecht (v.) Lucke/Blätter liefert Ihnen und mir eine realitätsnahe Analyse zum neuen Jahr: “Schicksalsjahr 2024 – Putin, Hamas, Trump und die Logik der Zerstörung”. Bemerkenswert ist zu dieser Jahreswende, dass in deutschen Medienapparaten die Spekulationen über einen möglichen Wahlsieg Trumps freigegeben sind. Das liegt sicher auch daran, dass der europäische Teil des militärisch-industriellen Komplexes sich davon grosse Kompensationsvorteile verspricht. Weiterlesen

Die Stirn bieten

Durch Zufall geriet ich dieser Tage an mein Schlusswort des Vorjahres. Ich erschrak, weil ich es fast umstandslos wiederholen könnte. In meinem Freund*inn*enkreis hat es sich eingebürgert, sich ein “besseres” neues Jahr zu wünschen. Das ist wohl schon seit dem ersten Coronajahr 2020 so. Dann las ich heute morgen das im Kicker: “Über ihre Gegenwart und Zukunft, die DFB-Elf und das gesellschaftliche Klima – Schmidt und Streich im Interview: ‘Wir müssen den Hetzern rigoros die Stirn bieten’ – Außergewöhnlich sind nicht nur die langen Amtszeiten von Frank Schmidt (49) und Christian Streich (58). Ein Gespräch, weit über das Trainerdasein hinaus.” Weiterlesen

Keine*r versteht “uns”

Sachdienliche Hinweise aus der grossen bösen Welt da draussen in die deutsche Medienblase

Kürzlich kritisierte Leser Manni Breuckmann meine übertriebene Zuneigung zum Overton-Magazin. Ich entgegnete, dass ich hier wie überall kritisches Lesen empfehle, und sich meine Zuneigung auf von mir freigewählte Autor*inn*en orientiert. In diesem Fall: Roberto De Lapuente (Interviewer) eher nicht, Guan Xin (Pseudonym; Interviewter) dagegen sehr. “»Die Chinesen verstehen Deutschland einfach nicht mehr« – China ist eine Weltmacht – und wartet nicht unbedingt auf moralische Ratschläge Made in Germany. Die Chinesen verstehen nicht, wie es in Deutschland so weit kommen konnte.” Dä. Haben “wir” da was gemeinsam?

Wie sehen “Sieger” aus?

“Die Tabelle lügt nicht” pflegen Fans und was-mit-Medien-Leute, die irgendwas-mit-Fussball machen müssen, zu floskeln. Stimmt aber gar nicht. Überall, wo “Geld” die “Tore” schiesst, ist die Tabelle eine Lüge des Geldes gegen den Sport. Noch komplizierter verhält es sich in der Politik, die was-mit-Medien-Leute gerne sportifizieren, weil sie glauben, nur dann verstehe das dumme Publikum, was ihm erklärt werden soll. Auch diese Sportifizierung politischer und gesellschaftlicher Prozesse – die nie willkürlich “anfangen” und noch weniger irgendwann “enden” – ist selbstverständlich eine Lüge für die Doofen. Weiterlesen

Krisenbogen

Persönlich bin ich der Meinung, die Welt ist nicht schlimmer als in meiner Kindheit (Schwarz-Weiss-Fernsehen, Kennedy-Ermordung, Vietnamkrieg etc.). Wir wissen nur mehr als damals. “Wir” meint nicht die Geheimnisträger*innen von gestern und heute, sondern die frei Wählenden in Ländern, die freie, gleiche und geheime Wahlen abhalten. Damals wie heute ist die Medienmacht nicht so ausgestaltet, wie freie Wahlen, sondern entsprechend den Kriterien ökonomischer und politischer Macht. Das galt damals wie heute. Allerdings hat die Quantität von Information ein Menschen erschlagendes Ausmass angenommen, die nur kleine Minderheiten in der Lage sind qualitativ für sich selbst (oder gar andere) zu sortieren. Weiterlesen

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