Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Zeitungen (Seite 19 von 31)

Danke, Jürgen Habermas

Es tut doch gut, dass Jürgen Habermas (95) sich einmal mehr zur Lage in Deutschland, Europa und der Welt äußert. Auch wenn sein Text, wie Reinhard Olschanski heute im Beueler Extradienst schreibt, an manchen Stellen unentschieden und mäandernd wirkt. Nicht alles, was er in der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende schreibt, muss man mögen, auch seinen Stil nicht, aber sein Plädoyer für ein politisch starkes Europa angesichts eines unzuverlässig gewordenen Partners jenseits des Atlantiks kann gar nicht ernst genug genommen werden, denn die allseits geforderte militärische Einheit und Stärke Europas ohne die gleichzeitige Abgabe von politischer Souveränität der Mitgliedstaaten an eine reformierte und demokratisierte EU und wird entweder nicht funktionieren oder zu einem allgemeinen Primat des Militärischen führen, vor dem einem (oder einer) nur grauen kann. Es wäre eine Art Militärputsch von oben. Weiterlesen

Habermas „Appell für Europa“

Mit seinem „Appell für Europa“ in der SZ vom Wochenende (Paywall) setzt Jürgen Habermas die Reihe seiner spätestens seit dem Ukrainekrieg eher durchwachsenen politisch-zeitgeschichtlichen Einlassungen fort. Der gute und richtige Gedanke in seinem Text ist, dass Europa spätestens nach der offensichtlichen Spaltung des Westens durch den Trumpismus geopolitisch auf sich alleine gestellt ist und deshalb bei Strafe seiner Marginalisierung politisch und auch militärisch einig und stark reagieren muss. Weiterlesen

Gutes Essen eingemauert

In Bottrop (!) hat ein indisches Restaurant eröffnet. Aber wohl nicht ausreichend investiert. Denn die WAZ (Funke-Mediengruppe) hat den entsprechenden Bericht digital eingemauert. Und in Bad Ragaz gibt es ein Restaurant mit drei Michelin-Sternen zu rezensieren, in bewährter Qualität von Jakob Strobel Y Serra in der FAZ – eingemauert. Die FAZ-Eigen-PR dürfen dagegen wir alle lesen. Weiterlesen

Made in USA

Wie Sie wissen, glotze ich, wie 85 Mio. Deutsche, keine TV-Talkshows. Aus einer wurde mir nun von einem Angehörigen der kleinen Minderheit der Glotzer*innen berichtet, dass es dort einen Streit gegeben habe – ja, sowas soll es dort in Ausnahmefällen noch geben – ob das, was sich in den USA politisch gerade abspielt, Faschismus sei. Ich weiss das nicht, kann Ihnen aber Quellen empfehlen, die Sie für Ihre eigene Meinungsbildung heranziehen können. Weiterlesen

Gute Arbeit

Nicht alles, was keine Straftat ist, ist auch ok – aber was tun?

Kürzlich kursierte in meinem Freund*innen*kreis die sehr gründliche SZ-Recherche zum #metoo-Fall „MdB Gelbhaar/Berliner Grüne/RBB“. Neben den bekannten Tatsachen, dem Versagen der grünen Aufarbeitung und dem Versagen des RBB-Journalismus, enthielt die SZ-Story auch Aussagen zahlreicher Frauen, die zwar nicht Opfer von Straftaten, aber sehr wohl von übergriffigem Verhalten im Rahmen eines krassen Machtgefälles waren. Nach der Lektüre dachte ich: sehr gute Arbeit von Lena Kampf, Vivien Timmler und Ralf Wiegand. Nur schade, dass sie eingemauert war. Weiterlesen

Krieg

Krieg musste ich in 68 Jahren zum Glück nie persönlich erleben. Grosseltern und Eltern haben darüber nicht geschwiegen, sondern berichtet und erzählt. Nicht nervend, nicht besserwisserisch, sondern so, dass ich schon als Kind eine bildliche Vorstellung bekam. Dazu kamen dann Kino, TV, Literatur etc. In Deutschland leben nicht mehr viele, die es erlebt haben. Das ist den veröffentlichten Diskussionen und dem Mediengelabere mehr anzumerken, als es gut sein kann. Der gute Florian Rötzer/overton macht nun eine Reportage eines russischen Journalisten zugänglich. Weiterlesen

Mediendiät

Orwell heute – intrigante geheimdienstliche Durchstechereien heissen jetzt „Recherche“

Sie lesen hier ja sowieso freiwillig. Wenn Sie sich für die Gründe meiner persönlichen Mediendiät interessieren, bleiben Sie dran. Hier folgt ein aktueller Anlass für die Diät, ein Hinweis auf die Diagnose, sowie am Schluss – zu – wenige Gegenmittel. Bei mir persönlich endet das heute Abend dann wieder beim Fussball (der Herren, die Bundesliga-Damen waren gestern fast genauso langweilig). Weiterlesen

Meine Verehrung

Starke Frauen – mit und ohne Frauentag

Vor einiger Zeit starb plötzlich und unerwartet mein Beueler Friseur. Über Jahrzehnte hatte ich mich an ihn gewöhnt. Das fiel mir leicht. Er beherrschte sein Handwerk exzellent (Meisterprüfung) und war wie ich Experte für alles des Vereins für Leibesübungen von 1900 Borussia Mönchengladbach. Eine gesunde Basis für eine gute Geschäftsbeziehung. Nun waren meine Haare wieder lang, und ich stand blank da. Mein Ausweg war dann Cindy Ramin, leider keine Borussia-Expertin, aber das Leben ist grösser als der Fussball – das Reden wurde nicht langweilig. Und das Produkt auf dem Kopf geriet tadellos. Das Besondere an dieser Frau: der Mut und die Tapferkeit in diesen Zeiten eine selbstständige Existenz aufzubauen. Weiterlesen

Vorher – nachher

Jürgen Trittin wusste es vorher. Die politische Substanz des White-House-Theaters vom vergangenen Wochenende war nicht geheim. Und wer genügend Intelligenz besitzt, wie es Jürgen zweifellos hat, konnte weder überrascht noch schockiert sein, sondern es in der politischen Substanz vorhersagen. Das hat Jürgen Trittin in den Blättern getan, die seinen Text freilich erst nach dem Wochenende online stellten: „Europas Stunde der Wahrheit – Warum Appeasement gegen Trump nicht weiterhilft“. Einige Dummköpfe in deutschen Medien haben das selbstverständlich nicht gelesen. Lesen ist eine Schlüsselqualifikation. Nicht alle verfügen über sie. Weiterlesen

Sie verstehen immer noch nicht

Ex-Jungdemokrat Lars Quadfasel versucht sich in der Jungle World an einer zeitgemässen Klassenanalyse, gesteht aber selbst den begrenzten Erfolg seines Versuchs ein: „Die »professional managerial class« soll schuld am Erfolg der Maga-Bewegung sein: Wut auf die Tugendpächter – Donald Trumps Wahlsieg sei auch als Votum gegen die Macht der »professional-managerial class« zu verstehen, heißt es in Teilen der US-Linken. Diese habe mit ihrem Moralismus das liberale Establishment gekapert und die Arbeiterklasse abgestoßen.“ Weiterlesen

Würstchen

„Würstchen“ sind es, die uns die nächsten vier Jahre in dieser Republik regieren sollen. Das meint nicht nur Leo Fischer, den ich in dieser lesenswerten MDR-Altpapier-Kolumne von René Martens gefunden habe, der sich rechtschaffen aber vergeblich an diesem höchsten Beueler Feiertag um Humor bemüht: „Wenn Würstchen zum Messer greifen – Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion attackiert im Stil der AfD unliebsame Medienorganisationen. Jeff Bezos sieht die ‚Washington Post‘ als sein persönliches ideologisches Megaphon.“ Weiterlesen

Mächtige und Trottel

Wer war schuld? – Manche versuchen sich mit der Antwort selbst zu verdummen

Albrecht v. Lucke/Blätter ist ein regelrechtes Kunstwerk gelungen: „Merzens Zeitenwende: Putin und Trump gegen Europa“. Der Mann ist zweifellos gescheit, und seine nicht zu bremsende Beredsamkeit bei Moderator*inn*en deutscher TV- und Radioanstalten gleichermassen beliebt und gefürchtet. Die Kunst in seinem Beitrag besteht in der absoluten Freiheit von jeglichem politökonomischem Hintergrund – keine Ausleuchtung, keine Ableitung. „It’s the economy, stupid!“ hat es nie gegeben. Auf diese Weise verkörpert sein Text die Demoralisierung der deutschen demokratischen „Mitte“. Auch wenn er zweifellos nicht so dumm ist, wie das meiste, was am Wahlabend verschwätzt wurde. Weiterlesen

Das grosse Versagen

Die sog. „vierte Gewalt“ – und der gegenwärtige Stand ihres Abschiffens

Jaja, vieles an diesem Wahlkampf war schlimm schlecht. Die Parteien und ihre Spin-Doktor*inn*en halten uns Wähler*innen für dümmer als sich selbst. Wurde es jemals deutlicher gezeigt? Ja, eigentlich in jedem Wahlkampf. Wie gut, dass wir Meinungs- und Pressefreiheit haben, dass das wenigstens angemessen öffentlich kritisiert wird. Wird es das? Weiterlesen

Noch mehr Stroh

FAZ-Guerillas kritisieren ihre Redaktion

Oft ist die Wahrheit einfacher als die Stimmungsmache. Eine Schauspielerin (und Model), von der ich persönlich noch nie etwas gehört habe, Marie Nasemann, lässt auf Instagram, wo ich nie war oder sein werde, wissen: „Ich kann euch sagen, dass ich mich schon lange nicht mehr sicher fühle“, sieben „gewaltvolle sexuelle Übergriffe“ habe sie selbst (35) erlebt. „Die Täter waren alle by the way weiß … Deutsche Frauen werden von deutschen Männern umgebracht. Frauen mit Migrationsgeschichte von Männern mit Migrationsgeschichte und durcheinander … Gewaltvolle Männer … Aber ein Ansatz wäre, dafür zu sorgen, dass es in Deutschland ausreichend Therapieplätze gibt.“ Dä. Weiterlesen

Wiederholung als Farce

Es geht auch ohne Hitler-Vergleiche

Ist das nun der Erfolg gegen das AfD-Agendasetting? Friedrich Merz, der mal versprochen hatte, diese neofaschistische Partei zu „halbieren“, hat es nun geschafft, sich selbst zum Thema zu machen. Ein laues publizistisches Lüftchen war ihm durch einen SZ-Mitarbeiter vergönnt, der ihn in einem asozialem Medium privat als „Führer“ titulierte, was zu einem Sturm in der Redaktion dieser einst führenden deutschen Tageszeitung führte. Treffender dürfte ein Vergleich mit früheren Totengräbern eines vormals demokratischen deutschen Konservatismus sein: ich denke da an die Herren Brüning oder Papen. Weiterlesen

Abbitte

Kürzlich habe ich ein Buch lästerlich erwähnt, das offenbar doch nicht so schlecht ist, wie ich befürchtet habe. Es geht um Alexander Teske „Inside Tagesschau“. Dabei darf es durchaus beunruhigen, dass der rechtsradikale Kopp-Verlag einen Spitzenplatz bei den Suchmaschinentreffern erobert; herausgebender Verlag ist Langenmüller. Ich nehme zwar nichts von von meiner Einschätzung im Fall Gelbhaar zurück. Hier aber zugängliche Quellen zu Herrn Teske. Weiterlesen

Brandmauer weg – Merz Verfassungsfeind?

Friedrich Merz stellt zum wiederholten mal unter Beweis, dass er mit dem Grundgesetz und der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) auf Kriegsfuß steht. So forderte er gestern nicht nur die Schließung der Grenzen  – auch für Menschen, die Asyl beantragen wollen, was der EMRK und der Verfassung zuwiderläuft. Er forderte auch, dass „die Bundespolizei Haftbefehle beantragen“ können soll. Das und vieles mehr möchte er in der kommenden Woche in den Bundestag einbringen und auch gemeinsam mit der AfD nach Merheiten suchen. Weiterlesen

Weder Arbeits- noch Gewaltenteilung

Selbst jede Menge vernünftiger Menschen, auch hier im Blog, vertritt immer wieder die – legitime – Meinung, Medien seien eine „vierte Gewalt“. Die Stelle im Grundgesetz, die das in der hiesigen Staatsverfassung vorsieht, habe ich immer noch nicht gefunden. Und keine*r zeigt sie mir. Und selbst wenn es so wäre: der Verfassungswirklichkeit hat es nie entsprochen, und entfernt sich immer weiter davon. Weiterlesen

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