Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Autor: Gastautor:innen (*) (Seite 45 von 65)

Reservate des schlechten Geschmacks

Von André Dahlmeyer, Nomadensportstudio
In Brasilien startet die „Todes-Copa“

Überall in Brasilien gehen die Menschen mit Pappschildern auf die Straße, auf denen Dinge stehen wie „Copa Nein! Impfung Ja!“ Es nützt alles nichts. Gestern um 23 MESZ wurde mit dem Spiel zwischen Gastgeber Brasilien und Venezuela die 47. Copa América angetreten (Ergebnis: 3:0 für Brasilien), die ursprünglich erstmals in ihrer 105jährigen Geschichte in zwei Ländern ausgetragen werden sollte. In Kolumbien kam der Staatsterrorismus dazwischen, in Argentinien der Sensenmann.
Dem deutschstämmigen brasilianischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro ist das wurscht. Weiterlesen

Theologie des Automobils

Warum ich immer noch Auto fahre, fragen kopfschüttelnd meine alten Freunde. Wo doch Qualitäts-Politiker*innen und Qualitäts-Wissenschaftler*innen nachdrücklich raten, umzusteigen auf Busse und Bahnen, mindestens aber aufs Velo. Alle Achtung vor Qualitäts-Politiker*innen und Qualitäts-Wissenschaftler*innen. Alle Liebe auch zu meinem eigenen alten echten Gary-Fisher-Bike. Trotzdem verlasse ich mich lieber auf meine theologische Bildung. Und die sagt mir klar: Wer Auto fährt, lebt gesünder. Wer Auto fährt, wird älter, so steinalt wie ich inzwischen bin – viel älter als jene meiner Freunde, die sich aus lauter fatalem Qualitäts-Aberglauben in die öffentlichen Verkehrsmittel pferchen liessen. Weiterlesen

Immenser Erfolg

von André Dahlmeyer
Immenser Erfolg für das argentinische Volk: die Copa América 2021 wird nicht in Argentinien gespielt!!!

Ich ziehe meinen Hut. jetzt wird die Conmebol (Balltretverband Südamerikas mit Sitz in Asunción), auch Corrumbol genannt, wegen Corrupción, die Chose sicher an die Yanquees verscherbeln,auch Bolsonaro lauert schon. Hauptsache der Rubel rollt. Menschenleben sind ein Anachronismus. Mein Flitzebogen bleibt spitz.
Das hungerleidende Argentinien verzichtet auf 30 Millionen grüne Froschhaut. Weiterlesen

Tränen auf dem Fußballfeld

von Gert Eisenbürger
Aus guten Grund: Südamerika-Meisterschaft 2021 wird nicht in Kolumbien stattfinden

Tränen sind auf dem Fußballfeld nichts Besonderes. Wenn ein Endspiel verloren geht, wenn das eigene Team absteigt oder den Aufstieg verpasst, beginnen gestandene Fußballspieler, häufiger auch mal zu weinen. Auch bei einem Spiel der Gruppenphase der Copa Liberadores (Südamerikapokal, vergleichbar der europäischen Champions-League) zwischen dem argentinischen Vertreter River Plate Buenos Aires und dem kolumbianischen Club Atlético Juniors am 12. Mai in Barranqiulla, wo die Atlético Juniors zuhause sind, flossen zahlreiche Tränen. Allerdings weinten die Spieler beider Teams, und das schon während des Spiels. Für die feuchten Augen waren auch keine fußballerischen Gründe verantwortlich, sondern das Tränengas, das kolumbianische Sicherheitskräfte gegen Demonstrant*innen außerhalb des Stadions einsetzten und das durch den Wind in die Arena getragen wurde. Weiterlesen

Angela Merkel, Wladimir Putin und der Permafrost

Update 8.6.: s. unter dem Text
von Antje Vollmer
Angela Merkel misstraut Wladimir Putin zutiefst. In den Jahren ihrer Kanzlerschaft ist das deutsch-russische Verhältnis erkaltet. Was bedeutet das für Europa?

Es wird Zeit, Bilanz zu ziehen über Gelungenes und Nichtgelungenes, über innenpolitische und außenpolitische Verortungen am Ende der Ära Merkel. Wo stehen wir jetzt nach 16 Jahren?

Die größte außenpolitische Hypothek besteht darin, dass während Merkels Kanzlerschaft das deutsch-russische Verhältnis in die Zone ewigen Permafrostes abgedriftet ist. Noch ist das kein Thema und auch im kommenden Wahlkampf werden andere Fragen auf der Agenda stehen. Aber auf die Zukunft Europas wirft diese Tatsache düstere Schatten. Weiterlesen

Rüstungsgroßprojekte

von Jürgen Wagner
Milliardenpoker des Verteidigungsministeriums

Die Wunschliste von Politik und Militär ist lang, weshalb noch vor den Wahlen im September 2021 eine ganze Reihe von Rüstungsprojekten durch den Bundestag geschleust werden sollen. Hierfür übermittelte das Verteidigungsministerium (BMVg) bereits im Februar eine Liste mit 51 sogenannten 25-Millionen-Vorlagen. Dabei handelt es sich um Vorhaben, die den besagten Betrag übersteigen und denen der Verteidigungs- und Haushaltsausschuss deshalb gesondert zustimmen muss. Schon damals wurde allerdings über eine weitere Aufstellung mit Rüstungsprojekten berichtet, die auf – vorsichtig formuliert – wackliger Finanzgrundlage stünden. Weiterlesen

„Der größte Feind der Erkenntnis …

… ist die Illusion des Wissens.“*
von Gert Samuel

Für viele nicht mehr ganz so junge Menschen jähren sich in diesen Tagen die Abiturprüfungen in Gestalt runder Jahreszahlen. Nicht alle denken dabei mit Freuden an die Fächer Physik, Chemie oder Biologie zurück. Wie spannend diese Fächer für damalige Schüler*innen hätten sein können, auch das vermittelt das Buch von Fabian Scheidler. Vor allem finden wir darin viele Anregungen für einen notwendigen gesellschaftlichen Wandel, um der fortschreitenden Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu entgehen sowie die planetarische Krise zu überwinden.
Energie ist die Grundlage für alle Entwicklung auf dieser Erde. Die Fusion von Wasserstoff zu Helium in der Sonne ist die primäre Energiequelle sämtlicher Lebensprozesse. Weiterlesen

Genug ist genug? Richtungswechsel jetzt!

Gemeinsame Stellungnahme aller deutschen Fanorganisationen
Die Ereignisse der letzten Tage zeigen: Keine Entwicklung im Fußball muss einfach hingenommen werden. Vereine und Verbände stehen dem Gebaren von sogenannten “Top-Clubs” nicht machtlos gegenüber. Erneut wurde die Reaktion von Fans in ganz Europa unterschätzt. Erstmalig schlossen sich auch Trainer:innen, Spieler:innen und Politiker:innen in dieser Intensität den Protesten an.

Doch die Super-League-Pläne waren nur die Spitze des Eisbergs. Weiterlesen

Mosambikanische Vertragsarbeiter:innen

von Christine Bartlitz, Isabel Enzenbach

Für Entschädigungszahlungen – Offener Brief an die Bundesregierung

Mehr als 17.000 mosambikanische „Vertragsarbeiter:innen“ kamen zwischen 1979 und 1989 in die DDR. Grundlage war ein Abkommen zwischen der DDR und der Volksrepublik Mosambik „über die zeitweilige Beschäftigung mocambiquanischer Werktätiger in sozialistischen Betrieben“. Der Herbst 1989 bedeutete für viele von ihnen ein jähes Ende ihres Aufenthalts. Sie verloren ihren Arbeitsplatz, ihre Unterkunft kämpften mit verstärktem Rassismus. Viele Betriebe, ehemalige Kolleg:innen, Nachbar:innen taten alles, um sie möglichst rasch aus dem neuen Deutschland zu vertreiben. Viele kehrten, ohne ihre verbliebenen Rechte wahrnehmen zu können, zurück nach Mosambik. Als sie dort ankamen, fanden sie ein von zwölf Jahren Bürgerkrieg zerrüttetes Land vor und waren um die versprochenen finanziellen Rücklagen betrogen worden. Weiterlesen

Intensivpatientin Pflege

von Marion Lühring und Petra Welzel
Gesundheitswesen — Immer mehr Pflegekräfte kehren ihrem Beruf den Rücken zu

Die Politik hat viel versprochen und fast nichts gehalten. Es wurde geklatscht, verdient haben andere, nicht die Pflegekräfte. Ein paar CDU-Politiker haben sich dabei noch die Taschen vollgestopft, sie kassierten sechsstellige Provisionen für die Vermittlung von Maskenverkäufen. Für die Pflegebeschäftigten gibt’s nur warme Worte, aber keine Entlastung. So verliert der Pflegeberuf weiter an Anreiz. Weiterlesen

Theater Marabu zu den Ruhrfestspielen

vom Theater Marabu/Christiane Müller-Rosen
Die Musiktheater Produktion des Beueler Theaters Marabu „Hast du schon gehört?“ ist eingeladen zu den Ruhrfestspielen 2021.

Mit „Utopie und Unruhe“ haben die Ruhrfestspiele die diesjährige Festspielsaison, in der die Ruhrfestspiele ihr 75. Jubiläum begehen, überschrieben. Das Programm umfasst 90 Produktionen mit rund 210 Veranstaltungen. Beteiligt sind mehr als 650 Künstler*innen aus rund 20 verschiedenen Ländern, darunter u. a. aus Frankreich, Polen, Belgien, Griechenland, Spanien, Großbritannien Deutschland, Japan, dem Kongo, der Elfenbeinküste, den Niederlanden, Indien, Australien, der Slowakei, Schweden, der Schweiz und der Türkei. Weiterlesen

EU und China

von Peter Wahl
mit der Verhängung von Sanktionen gegen China, hat die EU sich jetzt auf spektakuläre Weise der US-Strategie angeschlossen, und dazu beigetragen, die Eskalationsschraube in dem sich anbahnenden neuen Kalten Krieg um eine weitere Drehung anzuziehen. Bemerkenswert ist allerdings die chinesische Reaktion. Sie war nämlich asymmetrisch und weicht von der bisherigen Linie ab. Weiterlesen

Kreuziget ihn nicht!

Hosanna! Hosanna dir Rainer Maria Kardinal Woelki! Hosanna dir in Berlin. Hosanna dir in Köln!

Was hat Woelki nicht alles getan, um als Erzbischof von Berlin unter den deutschen Bischöfen die Pole Position kirchlicher Fortschrittlichkeit zu besetzen? Hat er nicht die offizielle Bischofs-Residenz an der Sankt-Hedwigs-Kathedrale verschmäht und im Arbeiterviertel Wedding eine ärmliche Etagenwohnung bezogen? Hat er nicht die Lesben und Schwulen zum offenen Gespräch eingeladen? Hat er nicht endlich damit begonnen, die Sankt-Hedwigs-Kathedrale konzilskonform umzuformatieren? Hat er nicht soviele Berlinerinnen als möglich in so hohe katholische Positionen als möglich berufen? Hat er nicht für sich selbst keinen „Geheimsekretär“ mehr bestellt, sondern eine echte Berlinerin als ganz moderne „Büroleiterin“? Hosanna dir in Berlin! Weiterlesen

Wenn Politik Presse macht

Vorwort von Jupp Legrand / Otto Brenner Stiftung
Gastbeiträge von Politiker*innen in ausgewählten Tageszeitungen

„Der Gastbeitrag ist ein ambivalentes Genre“, schrieb René Martens in der Medienkolumne Das Altpapier Mitte Januar anlässlich einer Veröffentlichung des Ex-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg in der FAZ: Einerseits könnten Gastbeiträge immer wieder das „Positionen-Portfolio einer Zeitung“ sinnvoll ergänzen, so Martens, „in unguten Fällen“ würde hingegen „ein Text ins Blatt gehoben, der die üblichen redaktionellen Prozesse nicht überstanden hätte“. Der Gastbeitrag von zu Guttenberg ist ein Beispiel für einen solchen Fall, da er sich nicht nur wie ein Lobbypapier der Finanzindustrie – genauer gesagt: des gescheiterten Konzerns Wirecard – liest, sondern tatsächlich auch auf einem solchen beruht. Weiterlesen

Gedanken zur Machtfrage

Der folgende Beitrag erschien im Buch “Grundrechte verwirklichen – Freiheit Erkämpfen” – 100 Jahre Jungdemokrat*innen  im Academia-Verlag 2019, hg. von Roland Appel und Michael Kleff. Der Autor war von 1973-1974 Bundesvorsitzender der damaligen Jugendorganisation der FDP, er trat 1982 aus und war langjähriger Vorsitzender der Liberalen Demokraten, heute ist er in der Partei “Die Linke” aktiv. Der vorliegende Text entstand 2003.

Von Prof. Friedrich Neunhöffer

Demokratie heißt, wörtlich aus dem Altgriechischen übersetzt, Stärke des Volkes. Stark ist der, dessen Interessen sich durchsetzen. Ein System ist insoweit demokratisch, als es die Entscheidungsträger zwingt, sich an den Interessen des Volkes zu orientieren. Volk ist dabei durchaus ein parteilicher Begriff. Die Griechen beobachteten in ihrer Modellwelt von Stadtstaaten regelmäßig zwei Parteien: Das Volk (demos, die Vielen) und die Wenigen (die sich gerne selbst als die Besten sahen). Wenn in einer Stadt die Partei des Volkes an der Macht war, so sprachen sie von Demokratie. Diesen Begriff haben wir als Namen für unsere Staatsform übernommen. Weiterlesen

Rebellion oder Untergang!

Buchbesprechung von Gert Samuel
Ein Aufruf zu globalem Ungehorsam zur Rettung unserer Zivilisation

Noam Chomsky sieht die zweifache Bedrohung für den Untergang der menschlichen Spezies in der andauernden Gefahr einer Selbstvernichtung durch die Atomwaffen sowie durch einen extremen Einfluss menschlicher Aktivitäten auf Umwelt. Diese zweifache Gefahr existiere seit dem Ende des zweiten Weltkriegs – mit dem Beginn des Atomzeitalters und dem des Anthropozäns. Weiterlesen

Papst Franziskus im Irak

Die 33. Auslandsreise von Papst Franziskus (5. bis 8. März) bekam schon den Titel „historisch“, bevor sie noch stattgefunden hat. Es war ein langjähriger Wunsch des Papstes und auch sein Versprechen, als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche den Irak zu besuchen. Bedenken wegen der Sicherheitslage wurden in den letzten Monaten wegen der Pandemie noch zusätzlich verstärkt. Aber Franziskus hielt an seinem Plan fest – unterstützt nicht nur von den kirchlichen, sondern auch den staatlichen Autoritäten des Gastgeberlandes. Die Papstreise wurde in europäischen Medien hauptsächlich als Unterstützung für die bedrängte christliche Minderheit im Irak betrachtet. Diese Begründung greift allerdings zu kurz und wird den Intentionen von Franziskus nicht gerecht. Weiterlesen

Nach Corona: Neue Finanzkrise?

von Joachim Braun
Warum das Risiko für neue Krisen gestiegen ist und welche Maßnahmen zur Stabilisierung nötig sind

Die Finanzmärkte sind notorisch instabil. Alle paar Jahre kommt es zu einer regionalen oder gar globalen, mehr oder weniger heftigen Finanzkrise. Die derzeitige Corona-Bewältigungspolitik hat das Potential, eine neue Krise auszulösen.
Eigentlich ist die letzte Krise, die Große Finanzkrise von 2008, noch gar nicht vorbei.
Sie ist von den Finanzmarkt-Akteuren, insbesondere den Banken, die sie im Zusammenspiel mit anderen Akteuren wie etwa den Ratingagenturen verursacht und ausgelöst haben, nur weitergewandert, zu den Staaten, die die Banken „gerettet“ haben, und hängt nun an den Zentralbanken, die mit einer billigen Geldflut die Schuldenlast der Staaten finanzierbar halten, mit den Folgen, dass die Krise noch weiter gewandert ist: Weiterlesen

30 Jahre mediale Spaltung

von Lutz Mükke und Jupp Legrand (Vorwort)/ Otto Brenner Stiftung
Vorwort

Der wissenschaftliche, politische und mediale Diskurs über das „innerdeutsche“ Ost-West-Verhältnis und den Stand des Vereinigungsprozesses hat in den vergangenen Jahren deutlich an Qualität gewonnen. Fragen der Partizipation oder Repräsentation und nach der (Ohn)Macht von Ostdeutschen sind zu zentralen Aspekten geworden. Der anhaltende Unmut über die mangelhafte Teilhabe von Ostdeutschen schlägt sich etwa in Sachbüchern wie „Die Übernahme“ und in Säle füllenden Tagungen wie „Kolonie Ost? Aspekte von ,Kolonialisierung‘ in Ostdeutschland seit 1990“ nieder. Neu daran ist nicht nur der selbstbewusstere Tonfall ostdeutscher Akteure. Sondern auch, dass diese Debatten inzwischen von Teilen des etablierten Politikbetriebs unterstützt werden. Weiterlesen

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