Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Autor: Gastautor:innen (*) (Seite 65 von 65)

Mythos Twitter

von Jupp Legrand / Otto-Brenner-Stiftung

In „#MythosTwitter – Chancen und Grenzen eines sozialen Mediums“ vergleichen Mathias und Wolfgang König Erwartungen und Realität des sozialen Netzwerkes. Wie sieht es aus mit der Hoffnung, mittels Twitter in das Zeitalter der digitalen Demokratie und der herrschaftsfreien Kommunikation einzutreten? Wird die polarisierte Rollenverteilung zwischen Sprecher*innen und Zuhörer*innen aufgebrochen?

Das OBS-Arbeitspapier des Forscherteams der Universität Landau untersucht die Publizitätsstrukturen dreier verschiedener Hashtags und zieht ein ernüchterndes Fazit. In keinem der drei Fälle findet sich ein dem Idealtypus angenäherter herrschaftsfreier Diskurs, die „klassischen“ Gatekeeper sind stets notwendig, um einem Hashtag größere Popularität zu verleihen: Journalisten bzw. etablierte Medien sind auch in der Twitter-Kommunikation die zentralen Akteure, eine gleichberechtigte Kommunikation zwischen allen Nutzern scheint (noch) Illusion. Die Studie verweist damit auf die Notwendigkeit, einen vorsichtigeren Umgang und kein idealisierendes Bild von Twitter zu pflegen – gerade auch bei Medienmachern.

Nach dem Referendum: Was nun, Kolumbien?

von Michael Paetau

Der Schock sitzt tief. Die Mehrheit der Kolumbianer haben sich gegen den zwischen der Regierung und der FARC-Guerilla in Havanna ausgehandelten Friedensvertrag ausgesprochen. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von ca. fünfzigtausend Stimmen fiel die Entscheidung. Bei einer Wahlbeteiligung, die man nicht anders als enttäuschend bezeichnen kann. Zwar sind 37% für kolumbianische Verhältnisse gar nicht so schlecht, bei einer derart wichtigen Entscheidung aber zu wenig.

Und bei der Wahlbeteiligung wird in einigen Medien denn auch mit Erklärungsversuchen für das Desaster angesetzt. Weiterlesen

Das spanische Puzzle – nach den Regionalwahlen in Galicien und Baskenland

von Klaus Dräger

Mit den Erfolgen der anfangs linkspopulistischen Podemos und der neo-liberalen (angeblichen) Anti-Korruptionspartei Ciudadanos seit der Europawahl 2014 ist das vormalige Zweiparteien-System in Spanien aufgebrochen worden. In den Jahrzehnten zuvor wechselten sich die Volksparteien – rechts-konservative Partido Popular (PP) und die sozialdemokratische PSOE – an der Regierung ab. Seit den Parlamentswahlen im Dezember 2015 kam in Madrid aber keine Regierungsmehrheit zustande, auch Neuwahlen im Juni 2016 änderten daran nichts.

Zwar hatte die PP unter ihrem noch kommissarisch amtierenden Ministerpräsidenten Mariano Rajoy bei der Wahl im Juni 2016 nochmals deutlich zugelegt. Doch scheiterte ihr Versuch im August 2016, mit C’s und der bürgerlichen Regionalpartei Coalición Canaria eine Minderheitsregierung zu bilden. 170 Abgeordnete des spanischen Parlaments stimmten für Rajoy als Ministerpräsident, die nötige absolute Mehrheit von 176 Stimmen wurde verfehlt. PSOE, das ‘linke’ Bündnis Unidos Podemos (UP) und andere stimmten dagegen. Sie wollten eine ‘alternative Option’ zu Rajoy offen halten. Weiterlesen

Spanien: Unidos Podemos – Probleme und Perspektiven der Confluencia

von Klaus Dräger

Die Parlamentswahl in Spanien am 26. Juni 2016 verlief für die europäische ‘radikale Linke’ enttäuschend. Podemos, Izquierda Unida (IU), die Grünen (Equo) und lokale und regionale Kräfte aus sozialen Bewegungen waren erstmals landesweit in einem gemeinsamen Wahlbündnis angetreten – Unidos Podemos (Gemeinsam können wir’s). Eine ‘confluencia‘ (Zusammenfluss) der oppositionellen sozialen und politischen Strömungen jenseits der PSOE sollte so Kräfte bündeln und dadurch mehr Mandate erreichen, weil das spanische Wahlrecht größere Formationen begünstigt.

Erklärtes Ziel von Unidos Podemos (UP) war, die PSOE als zweite politische Kraft in Spanien zu überholen (sorpasso), um sie dann aus einer Position der Stärke in eine ‘Koalition der Linken’ zu zwingen. Daraus ist nichts geworden, UP kam nur auf den dritten Platz. Im Vergleich zum Wahlergebnis vom 20.12.2015, als Podemos und IU noch getrennt antraten (zusammen 24,3 %), erreichten sie im Bündnis nur 21,1% und verloren rund 1,1 Millionen Stimmen.

Eine nach Schließung der Wahllokale veröffentliche Umfrage der Fernsehsender TVE und TV3 sah die konservative Partido Popular (PP) mit 28,5 % an erster Stelle, Unidos Podemos mit 25,6 % auf dem zweiten Platz, gefolgt von der sozialdemokratischen PSOE mit 22 % und der neo-liberalen Ciudadanos (C’s) mit 11,8 %.

Es kam jedoch anders: Weiterlesen

“Quatsch oder Aufklärung” – Analyse von TV-Satire

von Jupp Legrand/Otto-Brenner-Stiftung

Merkel liegt ganz weit vorne … … wenn es darum geht, durch den Kakao gezogen zu werden

+++ Satire boomt im Fernsehen +++ Die heute show hat inzwischen mehr Zuschauer als das heute journal +++ Die Anstalt mit mehr Wucht als manches Politik-Magazin +++ „Erdogan-Song“ von extra 3 findet weltweit Beachtung +++ politische Themen und starke Personalisierung vorherrschend +++ Wird durch Klamauk auch politisches Interesse geweckt und Aufklärung betrieben? +++ Leisten sich die Sender mit Satire nur gebührenfinanzierte Beiträge zur Steigerung von Politikverdrossenheit? +++
Frankfurt/Main, den 26. September 2016. 51 mal hat sich die heute show des ZDF im ersten Halbjahr 2016 über Angela Merkel lustig gemacht. Damit führt die Bundeskanzlerin das Witze-Ranking klar an vor SPD-Chef Sigmar Gabriel, der 25 mal, und CSU-Chef Horst Seehofer, der 23 mal Zielscheibe des Spottes war. Andere Politiker folgen mit großem Abstand. Das Spitzentrio der deutschen Politik ist auch Spitze darin, durch den Kakao gezogen zu werden. Weiterlesen

Frische Feigen

von Walter Benjamin

Im Deutschlandfunk erinnerte eben die Autorin Brigitte Baetz an den deutschen Flüchtling Walter Benjamin. Vor 76 Jahren starb er in der Nähe von Port Bou in den Pyrenäen. Seit 6 Jahren sind seine Werke urheberrechtsfrei. Hier ein Großartiges, an das ich jedes Mal denke, wenn ich im Bioladen vor dem Obstregal stehe. Und trauere, dass unsere Eltern und Großeltern so einen Autor vertreiben liessen.

Der hat noch niemals eine Speise erfahren, nie eine Speise durchgemacht, der immer Maß mit ihr hielt. So lernt man allenfalls den Genuß an ihr, nie aber die Gier nach ihr kennen, Weiterlesen

Der Mega-Deal – Bayer schluckt Monsanto

von Jan Pehrke

Auf dem globalen Agrarmarkt vollzieht sich ein neuerlicher Konzentrationsprozess. Die größte Transaktion bereitet dabei der Leverkusener Bayer-Konzern vor: Er möchte seinen US-amerikanischen Konkurrenten Monsanto übernehmen. Damit entstände ein marktbeherrschender Mogul, der wichtige Teile der Welternährung kontrolliert.

Die erste größere Konzentrationswelle im Agrar-Bereich begann vor ungefähr 20 Jahren. Den wesentlichen Impuls dafür gab die Gentechnik. Weiterlesen

Glyphosat: Kommt ein Fanal aus Europa? – Signalwirkung einer Wiederzulassung

von Peter Clausing

Zwei Dinge kommen in den Sinn, wenn in diesen Tagen Glyphosat erwähnt wird. Erstens sind es die Tragödien, die sich in den Sojawüsten Südamerikas abspielen. Zweitens ist es die öffentliche Auseinandersetzung um die weitere Genehmigung dieses Pflanzengifts in der Europäischen Union.

Der Stoff gilt als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“, doch während in Europa maximal zwei Kilogramm pro Hektar ausgebracht werden dürfen und mit Bodengeräten gearbeitet wird, werden in Argentinien, Brasilien und Paraguay 10-12 Kilogramm pro Hektar mit dem Flugzeug versprüht. Im Jahr 1996 wurde in Südamerika erstmals gentechnisch veränderte, glyphosat-resistente Soja angebaut. Parallel zum Entstehen der „Sojarepubliken“ kam es zu einem Anstieg der Zahl von Fehlgeburten Weiterlesen

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