Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Autor: Martin Böttger (Seite 50 von 381)

Qualitätsabstieg?

Der Spiegel – nach meiner persönlichen Erinnerung als Jungdemokrat Ende der 70er Jahre war er schon immer so. Aber heute schlagen die Erregungspegel höher aus. Erregung ist der Sprit der Aufmerksamkeitsökonomie. Und die Zeiten, in denen Medieneigentümer*innen zuhause ihre Milliarden zählen und paradiesische Spesen bezahlen konnten, wie es mir ein befreundeter Ex-Express-Redakteur regelmässig aus dem vorigen Jahrtausend erzählt – diese Zeiten sind vorbei. Die Milliarden machen jetzt die Herren des Internet. Und die deutschen Oligarch*inn*en haben alle Gelegenheiten dieser neuen wilden Zeit verpennt. Weiterlesen

Passend gemacht

Feudalismus und Faschismus

Habe ich es im Bett gehört, und weigerte mich danach aufzustehen? Oder fiel mir die Espressotasse aus der Hand? Als ich in den DLF-Nachrichten das hier hörte: “Nun kündigte Zuckerberg auch an, zahlreiche inhaltliche Beschränkungen bei Themen wie Migration und Geschlechterfragen aufzuheben, um die ‘freie Meinungsäußerung wiederherzustellen’.” Meinungsfreiheit regelt also Mr. Zuckerberg. Und mir hatten sie in der Schule erzählt, die stünde in der Verfassung. Weiterlesen

Nachworte

“Fall Mischke” / Ukrainekrieg / Agrarwende

Maren Urner, kürzlich beruflich vom Rheinland nach Westfalen gewechselt (warum nur?), zähle ich zu den überdurchschnittlich klugen und gleichzeitig wenig geschwätzigen Medienwissenschaftler*innen. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich selbst auch gar nicht so bezeichnet, sondern als Neurowissenschaftlerin. Jedenfalls hat sie jetzt im Spiegel (Paywall) wieder was überdurchschnittlich Kluges gesagt, für das der aufgeblasene “Fall Mischke” nur Anlass und Symptom war: Weiterlesen

Es geht auch konstruktiv

Helmut Lorscheid gibt keine Ruhe: Petitionen in Sachen Bahn – FahrgastvertreterInnen in den Bahn Aufsichtsrat / Wiederöffnung der Bahnhofshalle in Beuel” (216. Folge “Wundersame Bahn”).

Martin Singe macht aufmerksam auf “Ernst Friedrich: ‘Krieg dem Kriege’ – 100 Jahre Anti-Kriegs-Museum Berlin”. Und Petra Erler auf “Die toten Kinder von Gaza”.

Am 30.12. habe ich bei meiner Krankenkasse der “Elektronischen Patientenakte” widersprochen, und traf dort meinen Freund und Leser Klemens Roloff mit dem gleichen Anliegen. Wir bedanken uns bei Christian Wolf für seine sachdienlichen Hinweise: Die ePA 3.0 ein Laborrattenexperiment? – Vorab: diesmal mit einer Handlungsempfehlung für verantwortungsvolle Ärzte und Ärztinnen – kommt am Schluss!”

Die ARD machte sich selbst dieses Jahresende zum Winterlochthema: “Aus dem Skiurlaub zurück? – Schäubles Tochter auf dem Weg nach oben”. Jetzt wird nach den Schuldigen gesucht. Für Unterhaltung ist also gesorgt.

Lektüreempfehlungen meinerseits: “Wo ist der Fortschritt?” (mit meinem Tipp für Trump) und “Klicken Katastrophen nicht mehr?” (Schwarzes Meer, Rotes Meer, Ghana, China).

Jojo-Wetter im Rheinland, letzte Nacht war es warm, jetzt windet es (Sturm war in Beuel noch nicht), was sollen nur die Vögel denken? Auf nichts können sie sich in ihrem kurzen Leben verlassen. Das wünschen sich die Herrscher der Weltsysteme auch für uns, damit das Beherrschen leichter fällt. Ihren Reichtum wollen sie nicht abgeben, aber ihre Angst. Rheinpegel Bonn 483cm.

Freundliche Grüße

Martin Böttger

Klicken Katastrophen nicht mehr?

Damals bei der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 haben einige wenige, und auch nur für kurze Zeit, versucht, die hiesige Öffentlichkeit damit zu beruhigen, dass “das bei uns” aufgrund hiesiger grossartiger deutscher Wertarbeit “selbstverständlich” überhaupt nicht passieren könne. Das zog nicht, haben die Betreffenden selbst schnell gemerkt. Und seitdem erfolgreich auf Spielverzögerung gesetzt: bis zum politischen Beschluss eines Atomausstiegs dauerte es noch 27 Jahre (und brauchte dafür noch einen japanischen GAU). Jetzt verseucht russisches Öl das Schwarze Meer. Werden sie es wieder versuchen? Alles der Putin, könnte bei uns nie passieren? Wir wissen es besser. Weiterlesen

Aus dem Skiurlaub zurück?

Schäubles Tochter auf dem Weg nach oben

mit Update 6.1.

Christine Strobl, im Hauptberuf ARD-Programmdirektorin, ist wieder auf Arbeit, und lässt sich von dpa und FAZ zum “Fall Mischke” zitieren. Das zeigt, dass sie von Papa Wolfgang Schäuble nicht wenig gelernt hat. Für die Jüngeren: Wolfgang Schäuble war der langjährige Bundesfinanzminister, dem wir grosse Teile der gegenwärtigen Infrastruktur unserer Republik zu verdanken haben. Und nicht nur wir: die meisten Regierungen von EU-Mitgliedsländern hat er zu ähnlicher Haushalts-, Wirtschafts- und Sozialpolitik erpresst. An der irren “Schuldenbremse” freilich, die noch heute Klimaschutz und Infrastrukturinvetitionen ausbremst, war er nicht alleine schuld. Weiterlesen

Wo ist der Fortschritt?

Anlässlich des neuen Vierteljahrhunderts präsentiert Albrecht v. Lucke/Blätter ein Panoptikum der politischen Grusel dieser Welt: “Die Zeit der Monster und die Ära der Verheerung”. Wer will das lesen? Clickbaiting ist was Anderes. Ich ertappe ihn bei einer politisch relevanten Auslassung, die gegenüber der Türkei nicht ganz fair ist: “Wie vor hundert Jahren wird der Krieg auf europäischem Boden wieder global geführt, diesmal allerdings mit nordkoreanischen Soldaten, iranischen Drohnen und chinesischen Dual-Use-Gütern, neben den diversen Formen hybrider Kriegsführung.” Weiterlesen

Agendasetting

Das ist die zentrale Politikdisziplin: “Agendasetting entscheidet”. Ist weder schwer zu erklären, noch scher zu verstehen. Dennoch bricht immer wieder herdenartige bewusstlose Hektik aus, an der die Autokraten dieser Welt – und die sind alle hier ganz in unserer Nähe – immer wieder ihre diebische Freude haben. Zu dem dort behandelten Thema “Sicherheit” auch Roland Appels Kommentar: “Union auf Geisterfahrt ohne ideologische Brandmauer – Grundrechtseinschränkung und Rassismus als Politikkonzept” Weiterlesen

Sensationserfolg und Eigentore

netzpolitik.org / ARD (mit zwei Updates 4.1.) / BRD

Zuerst die gute Nachricht. Wie jedes Jahr ist es den Kolleg*inn*en von netzpolitik.org am letzten Tag des Jahres gelungen, ihr Spendensoll für den Betriebsetat des Folgejahres zu erfüllen: knapp 400.000 €. Das ist in dieser Form und diesem Umfang nach meiner Kenntnis auf dem deutschen Medienmarkt einmalig, und für ein derartiges netzpolitisch-kritisches Magazin mit klarer Orientierung für Menschen- und Bürger*innen-Rechte sensationell. Mein Glückwunsch und meine Dankbarkeit für dieses unersetzliche Engagement. Weiterlesen

Richtungsweisend

Ich hasse Jahresrückblicke. Die sie verbreitenden Medien spiegeln Arbeitskontinuität nur vor, weil sie sie mit recyceltem Altmaterial füllen. Doch auf positive Ausnahmen möchte ich Sie hinweisen. Die finden Sie hier beim MDR-Altpapier. Zwei möchte ich hervorheben, die ich persönlich qualitätsgeprüft habe, und die präzise Medienmacht- und Diskursverschiebungen analysieren, an denen wir auch im neuen Jahr zu kauen haben werden. Weiterlesen

Auf dem Weg zum Superstar?

Wie Alwara Höfels “mit Muddi” reist / Instagram-Pest

Valentin Holch war mir als letzter Produzent von “Neues aus Büttenwarder” aufgefallen. Eine Serie, die ich für ihren wortkargen filosofischen Tiefgang immer lieben werde. Nicht nur frühere Produzenten, auch zahlreiche Ensemblemitglieder, sind leider weggestorben (Jan Fedder, Hans Kahlert, Sven Walser). Holch ist als Produzent und Drehbuchautor nun was Neues eingefallen, das geeignet ist, für die schon gut beschäftigte Alwara Höfels einen Karrieresprung zu realisieren: “Reisen mit Muddi”. Weiterlesen

Agendasetting entscheidet

Roland Appel hat hier zurecht die Bewusstlosigkeit der ARD-Aktuell-Redaktion gegeisselt. Sie vollzieht nur nach, was die verbliebenen Regierungsparteien SPD und Grüne an Bewusstlosigkeit demonstrieren. Daniel Leisegang/netzpolitik: Vorratsdatenspeicherung: Eine zweifache Farce – Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt will Rot-Grün die Vorratsdatenspeicherung einführen. Mit evidenzbasierter Sicherheitspolitik hat das nichts zu tun. Die Bundesregierung erfüllt vielmehr die Wünsche des Sicherheitsapparates und lenkt vom Versagen der Behörden ab.” Weiterlesen

Durchwachsen

… zeigt sich der Beginn des neuen Vierteljahrhunderts. Roland Appel hat Tagesschau24 geguckt, und es war nicht gut, was er sah: “Vorverurteilung durch Tagesschau24?”. Ich habe einen Leserkommentar ergänzt.

Ich entdeckte eine nächtliche ARD-Dokumentation über feministische Bewegungen in Lateinamerika: “Keine Perle? Dann doch”. Weitere Mediathekperlen gibts morgen früh um 8.20 h hier; für eine davon bleiben nur vier Tage Zeit. Weiterlesen

Keine Perle? Dann doch

Danksagungen bitte an die ARD-Mediathek – Zum Feminismus in Lateinamerika

Phönix, Gemeinschaftsprogramm von ARD und ZDF, hatte kürzlich das hier im Nachtprogramm: Zur Hölle mit den Machos – Der Aufstand der Frauen in Lateinamerika – Lateinamerikas Frauen haben die Nase voll – keine Lust mehr auf Macho-Kultur, auf ein konservatives Frauen- und Familienbild. In Argentinien ist ihnen ein Durchbruch gelungen: Abtreibungen sind jetzt legal. Und Frauen auf dem Kontinent schöpfen Hoffnung, dass sich etwas ändern kann. Gleichzeitig formiert sich in Brasilien eine antifeministische Gegenoffensive. Ein Kulturkampf ist entbrannt.” Die Männer können sich schnell wieder beruhigen: Weiterlesen

Auf ein neues Vierteljahrhundert

Die letzte Woche des Jahres haben wir folgendes angeboten:

Ein Sarkasmus-Standardwerk von Heiner Jüttner: “Präventive Folter”, dem Thema angemessen.

Unser bloginterner Klickmeister Christian Wolf: KI in der Medizin …… und der Blutdruck steigt! Fortschritte der KI in der Medizin sind unübersehbar, wir in Europa haben – wie so oft – nichts davon, das sollte sich ändern lassen, die Weichen sind gestellt!”

In “Wechselstimmung – aber wohin?” gibt Norbert Reichel einen Überblick über das aktuelle Monatsprogramm seines Demokratischen Salons.

“Alles vergessen? – Sudan! – Die EU als antihumanitärer Drachenzüchter” ist ein Hinweiss auf den derzeit mutmasslich brutalsten gegenwärtigen Krieg.

Mediathekperle, die unter die im Kino Corona-Räder geraten war: “De Niro, wie ich ihn noch nicht kannte”. Weitere Perlen in “Wer wirft Hirn vom Himmel?”. In diesem Text geht es ausnahmsweise mal um eine ernstzunehmende Spiegel-Story. Und Norbert Reichel reagierte mit “Wann ist die KI ein Mensch?” auf meinen dort formulierten Hilferuf. Leseempfehlungen vom letzten Wochenende: “Alles vergessen”.

Reinhard Olschanski las Grüsse von Wladimir Putin: “Heartfelt Greetings from Vladimir”.

Und zum Jahresende: “Berlin ist zuende”.

Konrad Adenauer sagte: “Man muss doch auch mal das Positive sehen!” Das war für mich das Bloggen. Kommunikation mit Autor*inn*en und Leser*inne*n. Freiheit vom Stress der asozialen Medien. Freiheit vom Stress des Pendelns. Regelmässiges mittägliches Erholen im in vielerlei Hinsicht privilegierten, snobfreien Beuel mit seinen vielen bodenständigen Gastronom*inn*en, von denen nicht wenige meinen Freundeskreis bereichern.

Rheinpegel Bonn 322cm.

Freundliche Grüße

Martin Böttger

Berlin ist zuende

Wie lange werden sie – vor allem die Politik-und Medienblase in Mitte – noch brauchen, bis sie merken, dass sie nicht der Nabel oder gar das Zentrum der Republik sind, sondern der Rand. Über die einstige Bundeshauptstadt Bonn wurde zurecht viel gelästert (“Bundesdorf”). Auch in hiesiger Übersichtlichkeit war das Regierungsviertel ein sozialer Mikrokosmos, der allenfalls über Taxifahrten und Inanspruchnahme von Prostitution und anderen gastronomischen Leistungen mit der Gesellschaft hier draussen verbunden war. Damals konnten ca. 40% der gewählten Politiker*innen abends nachhause fahren. Wenn sie es wollten. Das diente ihrer sozialen Erdung. In Berlin sind es weniger als 10%. Weiterlesen

Alles vergessen? – Sudan!

Die EU als antihumanitärer Drachenzüchter

Mein alter Freund Volker Perthes und der Journalist Jörg Kronauer werden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr. Volker bewegte sich immer an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Publizistik und praxisorientierter Politikberatung. Während das der Stiftung für Wissenschaft und Politik 2005-2020 sichtlich gutgetan hat, stiess er im Sudan brutaler, als es gut sein konnte, an seine Grenzen. Weiterlesen

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