Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 25 von 62)

Von der Männerwelt verraten

Astrud Gilberto: Sie starb verarmt, in einer Wohnung mit ihren Katzen – Unser Autor ist großer Fan von Astrud Gilberto. Ihre Geschichte ist, wenn man recherchiert, viel weniger ruhmreich als ihr Hit „The Girl from Ipanema“.

Am 18. März 1962 versammelten sich im A&R-Studio in Manhattan wichtige musikalische Namen. Stan Getz, João Gilberto und Antônio Carlos Jobim bereiteten sich auf die Aufnahme eines Albums vor, von dem man sich einen großen Erfolg versprach. Zu diesem Zeitpunkt ist Stan Getz bereits einer der besten amerikanischen Saxophonisten, sicherlich der größte „Lyriker“ unter ihnen, der Schöpfer dessen, was Klugscheißer „Cool Jazz“ oder „West Coast Jazz“ nennen werden. Weiterlesen

Keine Revolution ohne Lieder

Der Sound des Estallido in Chile

Im Oktober 2019 begann in Chile der sogenannte „Estallido social“, die soziale Explosion. Fünf Monate lang, bis zum Beginn der Pandemie, nahmen sich die Menschen trotz aller Polizeigewalt die Straßen und Plätze, um ein anderes Chile und eine neue Verfassung zu fordern. Der Aufstand war auch eine Explosion von Kreativität. Die Demonstrationen waren von Live-Musik und Performances begleitet, und die Wände füllten sich mit Graffiti und Street-Art. Hunderte Songs wurden im und über den Aufstand geschrieben. Weiterlesen

Stadtrundfahrt im Dunkeln

Ehrenfeld ist immer eine Reise wert – Wundersame Bahn CLIV

Jetzt im gefühlten Sommer – was gibt es Schöneres, als mit klugen, netten, attraktiven Menschen laue Abende mit bester kulinarischer Begleitung im immer “brodelnden” Kölner Stadtteil Ehrenfeld zuzubringen? Um Mitternacht ist der Bahnsteigbetrieb im Bahnhof Ehrenfeld lebhafter als zu tageshellen Arbeitszeiten. Wenn dann die Regionalbahn aus Mönchengladbach vor der Zeit eintrifft – dann kann wieder irgendwas nicht stimmen. Weiterlesen

Leicht und schwer

Ein leichter Mediathektipp – und schwere digitalpolitische Lektüre

In meinem Frendinnenkreis reagieren sie mittlerweile schon etwas angestrengt, wenn ich schon wieder von “Doppelhaushälfte” schwärme. Darum fange ich jetzt gar nicht erst damit an, sondern empfehle Ihnen

Wiebke Hollersen/Berliner Zeitung: ‘Doppelhaushälfte’: Kann öffentlich-rechtliches Fernsehen so gut sein? – Im Brandenburger Speckgürtel knallen auch in der zweiten Staffel der Serie zwei Lebensentwürfe aufeinander. Das muss man sehen. Vor allem wegen eines Mannes.” Weiterlesen

Nackter Zauber in Gefahr

FFK-Strand in Montenegro: Auf dieser Insel muss der nackte Zauber gerettet werden – Die Deutschen brachten die FFK-Kultur nach Montenegro. Unser Autor hilft dabei, dass sie nicht ausstirbt. Sie ist in Gefahr.

Der deutsche Radikalkonservatismus, der im Nationalsozialismus seinen Höhepunkt erreichte, „half“ nicht nur Jugoslawien, sich in einer nationalen Widerstandsbewegung zu organisieren, aus der es 1945 hervorging, sondern ermöglichte es auch, dass sich das neu geschaffene sozialistische Jugoslawien kurz nach dem Krieg in ein FKK-Paradies verwandelte, eines der größten der Welt, das vor allem bei Deutschen beliebt war. Weiterlesen

WM-Vorbereitung

Ich weiss ja nicht, ob Sie es wissen, aber dieses Jahr ist schon wieder WM. Dies Jahr wird es besonders hart. Anstosszeiten zwischen 6 und 12 Uhr – ja richtig, morgens. 20. Juli bis 20. August, d.h. da könnte es schon hell sein. Denn die WM ist in Australien und Neuseeland. WM der Frauen. Seit der EM voriges Jahr, bei der Deutschland in Wembley, wie schon 1966 bei den Jungs, erst im Finale durch eine Schiri-Fehlentscheidung verloren hat, wissen wir: in der Glotze laufen Frauenspiele besser als die von den überbezahlten Jungs. Aber läuft die WM in der Glotze? Bei mir ja. Weiterlesen

Märchen

Aktuelle Mediathekperlen

mit Update

Ist der Saarländische Rundfunk doch noch für was gut? Beim ARD-Tatort kam er nach Max Palu ja kaum mehr auf die Beine. Aber mit einer Spielfilmproduktion der “in one media”, die gar nicht im Saaarland, sondern in Leipzig zuhause ist, wo auch die Aussendrehs stattfanden, hat er unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit im ARD-Nachtprogramm eine kleine Perle platziert: “Julia muss sterben” (verfügbar bis 12.8.). Weiterlesen

Das Ende der Glühbirne

„Ich bin weit weg von Politik“, sagt Timur Celik. Mit melancholischem Alltagsrealismus ist der Maler zum Chronisten des Erdoğan-Regimes geworden. Ein Atelierbesuch am Hermannplatz kurz vor den türkischen Wahlen

Eigentlich begann alles mit einem Zufall, elf Jahre ist es nun her. Eine Glühbirne in Timur Celiks Atelier direkt an der Ecke von Neuköllns Hermannplatz war zerplatzt und lag auf der Werkbank.

„Ich schaute sie mir an“, erzählt der Maler, „und dachte: Alles hat seine Zeit, auch die Glühbirne. Sie wird nicht mehr produziert werden. So wird es auch der AKP ergehen.“ Weiterlesen

Höhepunkte der Information

Best of 5. Mai 2023: Essstörungen, Medienvertrauen

Miriam Schaptke, eine Volontärin der Funke-Mediengruppe, schreibt klüger, als viele ihrer älteren Studien abschreibenden Kolleg*inn*en. Zwar sind die Internetseiten dieser Verlagsgruppe regelmässig mit Werbe- und Datenmüll überladen, aber Frau Schaptkes Text ausnahmsweise mal nicht – wie es die Konkurrenz zu dieser Studie fast ausnahmslos getan hat – digital eingemauert: Magersucht: Zahl der Essstörungen massiv gestiegen – Die Zahl der Mädchen und jungen Frauen mit einer Essstörung hat laut einer Studie stark zugenommen. Das hat vor allem einen Grund.” Was Schaptke schreibt, ist nicht nur richtig und wichtig. Und erfreulich komplexer als dieser Teaser-Text (“einen Grund”). Weiterlesen

Noch keine Erdbeeren! – Besser nicht!

mit Update nachmittags

Mediathektipps: sehr Ernstes und was zum Ausgleich

Ich bin selbst Erdbeeren-Abhängiger. Aber meine Geschmacksnerven sind noch nicht abgestorben. Und mein politisches Bewusstsein auch nicht. Spanische Erdbeeren rühre ich auch im Bioladen seit Jahren nicht mehr an. Die dürfen zwar keine Pestizide überschüttet kriegen – aber Wasser brauchen sie alle, und davon viel. Gleich zu Beginn erklärt von “Markt”/WDR. Wenn wir diese Agrarindustriepolitik nicht bekämpfen, können wir den ganzen Klimaschutz gleich sein lassen. Weiterlesen

“Bubenstück” Vogelgrippe

Kurz vor dem Mittagessen hat es mir den Appetit verdorben. “So gelingt dem Fleischkapital das Bubenstück, die von ihm zu verantwortende Seuche in den Dienst der ursprünglichen Akkumulation zu nehmen.” Das schreibt Michael Kohler/Junge Welt: H5N1: Der nächste Seuchenzug – Die Vogelgrippe könnte sich zur Pandemie auswachsen. Sie beschleunigt jedenfalls das artensterben und nähert sich dem Menschen”. Weiterlesen

Roma – Casa del Jazz

Das Beste, was aus Mafia-Millionen werden kann

Die Casa del Jazz in Rom, direkt am Ardeatinischen Tor und unweit der Caracalla-Thermen gelegen, ist inzwischen – ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster – der coolste Jazz-Club Europas. Und das u.a. wegen der Lage in einer Riesenvilla mit Park. Aber auch aufgrund ihrer Geschichte. Es handelt um ehemaligen Mafia-Besitz, der vom italienischen Staat konfisziert und einer sinnvollen kulturellen Nutzung zugeführt wurde. Weiterlesen

Mikrogeschichte geborgen

Die Ausstellung „Überlebenswege“ im August Bebel Institut zeigt nicht nur „Zeugnisse über den Völkermord an den Armenier*innen“, sondern erinnert auch an den Anteil der nach Griechenland geflohenen Ar­me­nie­r*in­nen am antifaschistischen Widerstand in Athen

Ein verbeulter Löffel, an der Spitze etwas abgekaut, am Stiel­ende trägt er die Prägung des deutschen Reichsadlers, der in seinen Fängen ein Hakenkreuz hält. Viel mehr erinnert nicht an Krikor Tschilingirian. Der 1897 in Cerrah in der Region Bursa geborene Mann gehörte zu den vielen Flüchtlingen, die 1922 ihre Heimat in Richtung Griechenland verließen. Nach dem Sieg Atatürks im Türkisch-Griechischen Krieg flohen nicht nur türkische Griechen, sondern auch die letzten Armenier:innen, die den Völkermord im Osmanischen Reich überlebt hatten, nach Westen. Weiterlesen

Is Trump over?

Best of 6./7. April 2023: Trump, Klima, Brasilien, Hühner, Talkshows

Die FAZ leistet sich in der Regel gut qualifizierte USA-Korrespondent*inn*en. Majid Sattar war schon unter Günter Bannas’ Büroleitung einer der Besten in der deutschen Hauptstadtblase. Sofia Dreisbach und Majid Sattar/FAZ: Ein angeschlagener Trump – Donald Trump versucht das Narrativ rund um die Anklage der Staatsanwaltschaft Manhattan im Fall der Schweigegeldzahlungen zu kontrollieren. Doch seine Anhänger bleiben dem Protest fern. Und seine Phrasen wiederholen sich.” Weiterlesen

“Buddies” Reagan und Khomeini

Best of 28. März 2023: Reagan&Khomeini / Mediengetriebene Regierende / Kohl-Akten / Lidl / “Die Bestechlichen”

Markus Kompa war mal “Pirat”, und hat sich in meinem Kopf als eine Art Chef-Interviewer von Martin Sonneborn (“Die Partei”, deren Mandatsträger*innen in Bonn auch mal auf die CDU-Seite wechseln) festgesetzt. Eine seiner Passionen ist der Kennedy-Mord von 1963 (ich war 6, und habe das sehr bewusst mitbekommen). Das schimmert auch in seinen neuesten telepolis-Text hinein: Verdorbene Oktober-Überraschung: Wie die Republikaner Jimmy CARTEr die Wiederwahl stahlen – Ein Politveteran gestand dem sterbenden US-Präsidenten Jimmy CARTEr eine Intrige, die ihm 1980 den Wahlkampf sabotierte. Das sind die Hintergründe, und wie Ronald Reagan davon profitierte.” Weiterlesen

Heuchelei? Oder schlimmer?

Best of 26. März 2023: Superreiche Apokalypseflucht / Absteigende Imperien / Atomkooperation / NSU / Gutes Essen / Patientendaten

In der FAZ-Paywall gab es heute eine sehr lesenswerte Buchbesprechung von Günter Hack über das Buch von Douglas Rushkoff: „Survival of the Richest“. Das Buch kenne ich nicht, Hack empfiehlt es. In seiner Besprechung steht ein zentraler Satz: “Warum sich eine politische Elite, die dazu in der Lage gewesen ist, Megakonzerne wie AT&T zu zerschlagen, so weit selbst aufgegeben hat, dass sie jedem Monopolisten freie Fahrt lässt, erklärt er nicht.” Genau das halte ich für den Kern gegenwärtiger Demokratieprobleme. Die “Guten” werden dümmer, die “bösen” Diktatoren dagegen immer schlauer. Weiterlesen

Trümmermänner, Trümmerfrauen

Best of 23.3.: Kuschaty-NRW-SPD / Habeck / Macron / Wagenknecht / Knüwer / Nguyen

Thomas wer? Kutschaty. Der hat es immerhin zwei Jahre als NRW-Vorsitzender der SPD ausgehalten. Es gab Zeiten, da war so einer der mächtigste Mann in der Partei, weil er den grössten Delegiertenblock bei Parteitagen anführte. Wann war das noch mal? Ich habs vergessen. Jetzt ist er zurückgetreten, und einige Medien versuchen es aufzublasen – dabei wissen ihre Kund*inn*en überhaupt nicht, wer das ist – der Sack Reis in China ist berühmter. Kutschaty wird im Juni 55. Männern in diesem Alter stellen sich Sinnfragen neu. So soll er über eine Personalie gestolpert sein, die Berührung zu Bonn hat: Magdalena Möhlenkamp. Weiterlesen

Gefühllosigkeit & Verrohung

Das Best of 21. März dagegen: Bankenkrise, Klimakrise, Krieg, Frankreich, Helge

Die Bankenkrise betrifft mich bisher nicht. Ich habe schlicht zuwenig Geld. Mittel- und langfristig dagegen? Wer weiss das schon? Michael Maier/Berliner Zeitung sieht, wie sich Machtgewichte von Europa nach Asien verschieben, und könnte damit rechthaben: Warum das Banken-Debakel in der Schweiz erst der Anfang ist – Das Verschwinden der Credit Suisse bringt unangenehme Wahrheiten ans Licht: Der Finanzsektor ist gefährdet, der Westen ist gerade hier angreifbar.” Journalistisch positiv, dass der Autor gute Beziehungen zur Bürgerbewegung Finanzwende pflegt. Fachliche Schwergewichte von Grünen und Linken, wie Gerhard Schick und Fabio de Masi haben sich da zusammengetan. Weiterlesen

Das Bersten der Melone

Das Katastrophische grundiert die Existenz in der Region im Südosten der Türkei, mit der sich die Künstlerin Fatoş Irwen in Fotografien und Videos auseinandersetzt. Zu sehen in der Galerie Zilbermann in Berlin-Charlottenburg.

Eine Frau kauert in einem steinernen Brunnen in der Ecke eines alten Hauses. Ihr Kopf mit langen dunklen Haaren ist nach unten gebeugt. Der nackte Körper wird von einem Feigenbaum hinter ihr geschützt. Der Farbdruck „Çifte Kuyu – Doppelt gut“, auf den Be­su­che­r:in­nen gleich zu Beginn der Ausstellung „Sûr“ stoßen, spiegelt wie im Brennglas die Themen der Kunst von Fatoş Irwen: Der Körper der Frau, Selbstbehauptung im Rückzug auf sichere Orte, die Bedeutung ihrer Heimatstadt Diyarbakır. Weiterlesen

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