Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Medien (Seite 93 von 281)

Sprache des geistigen Bürgerkriegs

Professor Münkler, Demokratie à la carte und die Sprache des geistigen Bürgerkriegs

Herfried Münkler ist ein Professor, der die Öffentlichkeit sucht. Der bis zu seiner Emeritierung im Herbst 2018 an der Humboldt-Universität in Berlin lehrende Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt „Politische Theorie und Ideengeschichte“ gehört zu den wenigen, die über Fachkreise hinaus bekannt sind. In Büchern und Talkshows, in Interviews und Podcasts verbreitet er seine Erkenntnisse und seine Sicht der Dinge zu wichtigen Themen aus Geschichte und Gegenwart.

Was er sagt, ist nicht immer von der Garantie der Wissenschaftsfreiheit des Grundgesetzes gedeckt, aber immer von der Garantie der Meinungsfreiheit. Er macht grosszügig davon Gebrauch. Das ist sein gutes Recht. Weiterlesen

Völkermord ff.

Der Völkermord in Ruanda 1994 war – möglicherweise, wissen wir alles? – das mörderischste Ereignis seit dem Kampf gegen und dem Sieg über den deutschen Faschismus 1945. Ich war seinerzeit Politprofi, und das geworden, weil ich breitflächig politisch interessiert war. Mein Zivildienst bei der Anti-Apartheid-Bewegung 1976-78 hatte meinem politischen Horizont sehr gut getan. Dennoch war das Ereignis ein Überfall auf das Bewusstsein politisch denkender Menschen in Mitteleuropa. Mir war niemand aufgefallen, der*die öffentlich wahrnehmbar davor gewarnt hätte. Es war ein blinder Fleck der herrschenden Weltsicht. Weiterlesen

They made (US-)America great

mit Update 9.8.

Es gibt wieder verfügbare und sehenswerte Dokumentarfilme. Bis in die Gegenwart liebt deutsche Medienöffentlichkeit Projektionen aller Art auf die, die unsere Eltern nach dem Sieg über den deutschen Faschismus und darauf folgenden Hungersnöten mit Schokolade versorgten. Mich, geb. 1957, hätten sie damit auch gekriegt. Noch dankbarer bin ich den britischen Besatzern, die uns öffentliche Medien schenkten. Ob wir diese Geschenke gegen ihre Feinde verteidigen werden? Wie wurde dieses „America“ das, was es heute ist? Darum geht sein innerer selbstzerstörerischer Kampf. Beispielhaft sind in den Mediatheken zwei zu sehen, die zu verehren ich bereit bin. Weiterlesen

Toxische Beziehung

Der BVB und die Hochbegabten (Fussball der Herren)

Dazu zunächst ein Seitenblick auf den Frauenfussball. In England, Frankreich und Spanien haben es die global orientierten Spitzenvereine mit einer gewissen Spätzündung verstanden, und investieren. Die europäische Champions League beherrschen sie in beiden Genders. Deutschland ist dagegen ein Spätentwickler. Erst vor wenigen Jahren frass Eintracht Frankfurt den 1. FFC Frankfurt und war – pardauz – mit dem Einstieg sofort Erstligist – und ernsthafte Konkurrenz für die Konzerne aus dem süddeutschen Raum und an dem niedersächsischen Hauptbahnhof, an dem die ICEs immer vergessen anzuhalten. Ganz anders die „Strategie“ des Fussballkonzerns aus dem westfälischen Raum. Weiterlesen

Keine Lust

Wollen Sie noch über die Coronapolitik diskutieren?

Ich nicht. Die Pandemiekrise hat vieles zugespitzt, was vor ihr schon angelegt war. Die Krise und den Qualitätsverlust der Politikberatung zum Beispiel. Das ist keine neue Erkenntnis. Ich habe dazu, beginnend vor 20 Jahren im Freitag – der fast alles eingemauert hat, ich habe aber keine Lust, ihn deswegen zu verklagen, der Verleger ist mir an Finanzreserven überlegen – und seit 10 Jahren hier im Extradienst publiziert. Die Rechthaberei über dies und das bei Corona – da bin ich nicht dabei. Damit will ich die Notwendigkeit einer fachlichen Aufarbeitung nicht bestreiten. Und Sie dürfen sich gerne damit beschäftigen – zumindest, wenn Sie nichts Besseres zu tun haben. Dazu bieten sich aktuell folgende Gelegenheiten: Weiterlesen

Leben in Sicherheit

Ist das ein Grundbedürfnis? Oder sogar ein Grundrecht? Auf jeden Fall ist es ein Politikum. Politik, die das nicht liefert, wird – und das mit kontinuierlich beschleunigter Geschwindigkeit – abgewählt. Und wo nicht gewählt wird, verliert sie Vertrauen und Legitimation. Immer weniger aktive Politiker*innen begreifen diese banalen Grundsätze – Fachkräftemangel. Entsprechend ist eine Beratungsindustrie von Denkpanzern gewachsen, die sich damit beschäftigen, Politiker*innen zu beeinflussen. Klappt super. Von Berlin aus z.B. sind die höchstens noch am Wochenende zuhause an der demokratischen Basis – und das auch immer seltener. Weiterlesen

Kein 0,1 – aber ehrenvolles 0:1

Meine Fussballkneipe vor der Haustür schenkt keine 0,1-Portionen Wein aus – auch nicht in der Verlängerung. Das ist optimierbar. Mit seiner Bemerkung, Frauenfussball sehe gelegentlich „wie Zeitlupe“ aus, konnte der Thekenkollege bei uns, Michael Kleff und mir, auch nicht landen. Wir konnten mit der intimen Kenntnis unserer privaten Archive aufwarten: wer sich Männerfussball der 70er bis 90er Jahre anschaut, gewinnt den gleichen Eindruck. Bei den Frauen fallen weniger Tore aus 30 Metern Distanz – dafür müssen sie „mehr spielen“ (alte Trainerweisheit, Horst Hrubesch wird sie kennen), wie beim Tennis. Das sieht bei den Frauen auch interessanter aus. Weiterlesen

Die Welt da draussen

EU-Europa und seine Massenmedien wollen immer weniger darüber wissen. Darum hier eine weitere mikroskopische Bemühung, das zu kompensieren.

Nigeria

Allein dieses Land ist halb so gross wie die EU, viermal so gross wie Südafrika, und von islamistischem Terrorismus mehr belastet als EU oder USA, aber noch lange kein Grund, ihm Medienaufmerksamkeit zu schenken. George Hallermayer/Junge Welt hat sich in Frankreich ein wenig eingelesen: „Massenproteste in Nigeria: Nigerias Jugend auf der Straße – Massenproteste richten sich landesweit gegen neoliberale Reformen von Präsident Tinubu. Doch dahinter stehen Kreditzwänge von IWF und Weltbank“ – hier gab es schon vorhergesagte Ähnlichkeiten zu Kenia. Ist das wichtig? Weiterlesen

Crowdstrike, der Kanzler und die Klimakleber!

Der Bus ist rammelvoll, da bemerke ich so ein warmfeuchtes, fast angenehmes Gefühl an meinem rechten Bein und noch bevor ich realisiere, was passiert ist, geht die Tür auf und das Ferkel, was mich angepisst hat, springt raus.

So ähnlich muss ich mir das vorstellen, wenn Microsoft in der Chefetage eines großen Unternehmens predigt und deren Sicherheitsstrategie erklärt. Denn bevor aus der IT-Abteilung ein leises „Ja, aber….“ zu hören sein könnte, hat der CEO den Vertrag unterschrieben. Sicher ist sicher, denn der hat soeben aus dem Munde des Verkäufers gehört, dass nur Microsoft genügend Schutz im Wilden Westen des Internets ermöglichen kann, die eigene IT sei damit hoffnungslos überfordert, bei den ganzen Kriminellen, sagt der Verkäufer. Weiterlesen

Rassismus in der DDR – eine notwendige Debatte

Vor einigen Monaten erschien hier der Beitrag „DDR-Geschichte mal wieder falsch – Haus der Kulturen der Welt: Aktuelle Ausstellung zeigt die DDR-Geschichte mal wieder negativ und falsch – Das Haus der Kulturen der Welt will mit seiner Ausstellung ‚Echos der Bruderländer‘ die Lebensrealität von Migranten in der DDR abbilden. Unser Autor übt Kritik.“ von Ulrich van der Heyden aus dem Open-Source-Ressort der Berliner Zeitung. Der Text war mit einer Creative-Commons-Lizenz ausgestattet, die ich gerne für debattierwürdige Beiträge nutze, auch wenn sie von meiner eigenen Meinung abweichen. Nun gibt es Widerspruch zu van der Heydens Beitrag. Weiterlesen

Asoziale

Rand- und Problemgruppe unserer Zeit – wie gehen andere Kulturen damit um?

Wir hier in Deutschland haben die FDP. nicht wirklich unbesiegbar, aber für die deutsche Demokratie reicht das als Problemaufgabe. Hier zum Beispiel das grösste Land der Welt, Indien:

Catharina Hänsel/Jungle World: „In Indien feierte die Milliardärs­familie Ambani über Monate eine opulente Hochzeit: Party des Jahres – Die opulente Hochzeitsfeier der indischen Milliardärsfamilie Ambani erregte im Juli auch aufgrund der prominenten Gäste internationale Aufmerksamkeit.“ Wenn Sie nun meinen, schlimm dieses Indien – schon seine Kinder mussten herhalten, wenn ich als Kind meinen Teller nicht leeressen wollte – dann müssen Sie wissen, was hierzulande darüber gedacht wird. Weiterlesen

Schuldig für Journalismus, keine Opfer durch WikiLeaks 

Das Spionagegesetz bedroht die Pressefreiheit, nicht der Deal.

„Ich habe als Journalist gearbeitet und habe meine Quelle ermutigt, Informationen zu liefern die als geheim galten, um diese Informationen zu veröffentlichen. Ich glaube, dass das First Amendment diese Handlung schützt, aber ich akzeptiere, wie geschrieben, dass es eine Verletzung des Spionagegesetzes darstellt.“ Mit diesen Worten erklärte Julian Assange im US-Bundesgericht in Saipan sein erzwungenes Geständnis. Schuldig als Journalist, für Dinge, die alle investigativen Journalist*innen tun. Weiterlesen

Rechtsstaatlich grenzwertiger Deal

Der „größte Gefangenenaustausch der Geschichte“ zwischen Ost und West, an dem die deutschen, US-amerikanischen und russischen Verurteilten als Nutzniesser beteiligt werden, ist rechtsstaatlich höchst umstritten und zweifelhaft. Dass in Zeiten des „Kalten Krieges“ und bis heute Spione ausgetauscht und Diplomaten gegenseitig ausgewiesen werden, gehört zum diplomatischen Spiel auf internationaler Ebene.  Dass aber zu jahrzehntelanger Haft verurteilte Mörder auf diesem Wege freigepresst werden können, hat eine neue Qualität. Die Frage nach der Rechtstaatlichkeit eines solchen „Deals“ muss deshalb gestellt werden. Weiterlesen

Keine*r wirft Hirn vom Himmel

Deutsche Medienbesitzer*innen – der Neoliberalismus erlaubt Dummheit grenzenlos

Als der deutsche Faschismus 1945 endlich geschlagen war – wie wir heute wissen, nur vorläufig – war eine der besten Ideen der westlichen Besatzer*innen, neben Privatlizenzen für nichtfaschistische Verleger*innen zu erteilen, die Erfindung öffentlich-rechtlicher Medien, die gleichzeitig staatsfern und regierungsunabhängig organisiert werden sollten. Das hat eine nun 75-jährige bürgerliche Demokratie am Leben gehalten, mit allen Stärken und Schwächen, über die zu diskutieren eine Demokratie ja da ist. Dieser bewusst marktunabhängige Teil des Mediensystem muss aus heutiger Sicht zur Daseinsvorsorge dieser Demokratie gezählt werden. Weiterlesen

„Ikone der Befreiung“

Freda Josephine McDonald / Josephine Baker

Als Freda Josephine McDonald noch weltberühmt war, lernte ich gerade Zeitunglesen. Meine ersten fünf Lebensjahre lebte ich in einer sog. „Mau-Mau-Siedlung“ in Gelsenkirchen-Beckhausen. So genannt, weil dort Kindermassen („Boomer“) unkontrolliert auf der Strasse spielten, und für das sorgten, was Jahrzehnte später „Verkehrsberuhigung“ genannt werden sollte. Die neue Wohnung in Gladbeck-Butendorf lag dann an einer vielbefahrenen Strasse mit umgekehrten Machtverhältnissen zwischen Kindern und Autos. Aber es gab einen Garten nach hinten raus, und einen fetten Sandkasten ganz für mich. In meinem eigenen Kinderzimmer sah es vielfach angeblich aus, „wie bei den Hottentotten“. Weiterlesen

Woanders is‘ auch besch…..eiden

mit Update nachmittags

Freund*inn*e*n fragen mich, warum ich in den letzten Jahren so wenig in Urlaub verreise. Zum einen hat mein Erholungsbedarf stark abgenommen; die Abnahme meines Monatseinkommens wird dadurch mehr als aufgewogen. Durch „Urlaub im Rheinland“ hatte ich schon in meiner berufstätigen Zeit festgestellt, dass es nur sehr wenige bessere Orte auf der Welt gibt. Wenn Götz Eisenberg politisch Lesenswertes zum neuentfachten „Einsamkeits“-Diskurs veröffentlicht, kann ich als Beueler versichern: not my bizzyness. Weiterlesen

Deutsches Fernsehen

„Super-super supported“ – oder eher „geflashed“?

In drei Tagen wurde mein Spaß an Olympia ausgeblasen. Das liegt nicht am Medaillenspiegel oder ähnlichen Spielereien, um Ressentiments gegen dies oder den/die zu erzeugen. Auch über die üblichen Schlagzeilen – Deutschland geschlagen, Deutschland gewinnt, Deutschland vorne – Deutschland hinten -, kann ich hinweggucken, beziehungsweise mit Ohropax nachhelfen. Was für mich nicht mehr erträglich ist, das ist das Gebrabbel und Getue mancher Kommentatoren in den beiden dominanten öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten.

Die Berichterstattung im Rundfunk ist dagegen bestens. Weiterlesen

Das Beste von gestern

US-China-Business, ostdeutsche Kommunen, Grollen im Staatsvolk, Datenschutzgrundverordnung, Spyware, Staatsräson und Antisemitismus, teurer Vier-Fronten-Krieg, Jeremy Corbyn, Paywalls u.v.m.

Es gab viel zu lesen an einem bildschönen Beueler Sommermontag. Da Sie selbst urteilskräftig sind, hier nur stichwortartiges Antippen.

Jörg Kronauer/Junge Welt: „US-China Business Council: Am Tropf des Rivalen – US-Wirtschaftsdelegation in Beijing lotet mit hochrangigen Politikern Perspektiven des US-China-Geschäfts aus“ Haben Sie nie von gehört oder gelesen? Ich auch nicht. Dann lesen Sie zum Thema gleich weiter: Uwe Kerkow/telepolis: „Taiwan unter Belagerung: Beijing zieht die Schlinge zu – Lage spitzt sich zu. Wie regieren die USA, wenn China eine Blockade Taiwans riskiert. Vereinigung mit der Insel weiter Ziel Beijings.“ Weiterlesen

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