Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Autor: Reinhard Olschanski / Gastautor (Seite 10 von 12)

Teilmobilisierung: Putins Drahtseilakt

Der amerikanische Thinktank ISW analysiert die angekündigte russische Teilmobilisierung und kommt zum Schluss, dass es unterm Strich wenig Auswirkungen auf die russische Kriegsführung haben wird. Aufgrund des Zustands des rekrutierungsfähigen Personals wird es die russische Kampfkraft weder unmittelbar steigern noch auch im nächsten Jahr signifikante militärische Auswirkungen haben. Weiterlesen

„Roboterhafte Bemühungen”

Die russische Entscheidungsfindung auf dem Schlachtfeld weiterhin fragwürdig“ (US-Thinktank „ISW“)

Dass die Kampfkraft der russischen Armee nur noch von der strategisch-taktischen Schwäche ihrer Führung unterboten wird, verwundert schon seit vielen Wochen. Gegenwärtig führt diese Armee vor allem begrenzte Symbolangriffe durch, um ein Schauspiel für Kriegsunterstützer zu bieten (riecht die Symbolik schon nach „Ardennenoffensive“ 1944/45?). Große Teile des russisch besetzten Nordostens der Ukraine, die Putin ja eigentlich „befreien“ wollte, hat er dagegen wohl schon aufgegeben. Sie dürften demnächst wirklich befreit werden – und zwar von den russischen Okkupanten. Weiterlesen

Reconstruct the West

„Der Westen“ (also jetzt nicht Grönemeyer/Bochum/NRW) steht von verschiedenen Seiten kulturell-politisch auf der Abschussliste. Einerseits von Populisten und Autokraten/Theokraten-Bündnissen (Russland, China, Iran …), die sich im Moment zumindest medial präsentieren. Andererseits – und um einiges ernsthafter – von einem Postkolonialismus, der weitgehend (aber nicht immer und in jedem Detail) zurecht kritisiert, dass viele zentrale Länder des Westens zwar Liberalismus, Freiheit und Demokratie predigten, aber die heftigsten Autokratien/Diktaturen unterstützten, solange diese ihnen nicht gefährlich werden konnten – von der Aufarbeitung des eigenen Kolonialismus ganz abgesehen. Weiterlesen

Sprache und Krieg

Das Rad des Seins und die russische Angst vor dem Kontrollverlust

Hier unten findet sich in voller „Schönheit“ der heutige Lagebericht des russischen Verteidigungsministeriums zum Ukrainekrieg. Er sieht genauso aus, wie die 200 vorhergehenden Lageberichte seit dem 24. Februar. Es ist der Form nach eine spätsozialistisch-bürokratische Auflistung der eigenen planmäßigen Erfolge an diesem Kriegstag. Die Form soll strenge und geradezu unterkühlte Sachlichkeit suggerieren: hier steht man auf der Seite der „Fakten“, nicht der „Hysterie“ – das ist Botschaft. Es ist eine Sprache der modernen, zweckrationalen, an Wissenschaft, Technik und Bürokratie orientierten Kontrolle. Weiterlesen

„… denn der Teufel duldet Russland nicht den Marienthron …“

Russland zwischen Allmachtsphantasie und militärischem Debakel

Einige von denen, die in Russland überhaupt mitkriegen, was in der Ukraine gerade geschieht, drehen völlig frei. Tatsächlich bahnt sich wohl die Alternative an:

– Russischer Rückzug oder totaler Krieg.

In der bisherigen Form läuft die „Spezialoperation“ jedenfalls auf ein Debakel für ihre Urheber hinaus. Die Alternative einer großen russischen Mobilmachung wäre jedoch noch unberechenbarer. Der imperiale Angriffskrieg wäre dann für die Mehrheit der Russen nicht nur ein Nebenbei-Faktor abends im Fernsehen, sondern ein bestimmender Alltagsfaktor. Weiterlesen

King Cool?

Long live Charles III

Ich hätte ja Stein auf Bein geschworen, dass Queen Elizabeth II. locker die 100 plus X schafft. Bin deshalb auch überrascht und unvorbereitet, was dieses meiner Erwartungshaltung nach frühe Ableben angeht. Vielleicht hat die Queen (ihr Körper/Soma/Psyche … ?) sich gesagt, dass es nach dem Abgang des einstweilen größten Feinds des Empires, PM BoJo, nun wirklich mal gut ist. Weiterlesen

„Chiara“

oder auch: Scorsese, De Niro, Al Pacino und das wirkliche Leben

Gerade auf Mubi (eine Streaming-Plattform, die ich allen empfehle, die Netflix-müde sind) den italienischen Film „Chiara“ gesehen (2021). Es ist einer der Filme auf halbem Weg zwischen TV und Kino, der in der Produktion wohl drei bis vier De Niro-Tagesgagen kostet (Robert ist übrigens einer meiner absoluten favourites, durfte bei der Berlinale mal in der zweiten Reihe hinter ihm sitzen (-:). Weiterlesen

Ist es Ihnen aufgefallen?

Zum RBB-Skandal

Besetzungsfragen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind etwas hoch Politisches. In den vielen Stunden Sendezeit, die es dazu jetzt gab, wurde hauptsächlich über Rückenmassagegeräte in Audi-Limousinen, vermeintliche Dienstessen und teure Parkettfußböden geredet.

Worüber nicht geredet wurde war die Frage, wie solche personelle Besetzungen und Fehlsteuerungen wie beim rbb überhaupt zustande kommen. Vom System der „roten“ und „schwarzen“ Freundeskreise, das letztlich entscheidet, war keine Rede. Warum nicht? Weiterlesen

Rettet den „Spiegel der Seele“

Daniel Kehlmann beklagt die „Maskierte Gesellschaft“

Oh Gott, auch das noch. Daniel Kehlmann ist eigentlich ein pfiffiger Autor, gut gefördert von wichtigen Teilen des Feuilletons außerdem. Zweimal habe ich ihn allerdings totalen Quatsch reden hören. Einmal vor ein paar Jahren mit einem Von-oben-herab-Vortrag zur Eröffnung des Brecht-Festivals in Augsburg. Und heute – mit dieser sehr fremdartigen Feder in der FAZ. Stramm auf FDP-Linie fordert Kehlmann die allgemeine Corona-Durchseuchung unserer Gesellschaft (schon mal auf die Sterberaten in den Intensivstationen geschaut?). Weiterlesen

Autoritarismus – Extraktivismus – Zombieindustrialismus

Der traditionelle Industrialismus ist in vielen entwickelten Ländern bereits Geschichte. Die alten Industrien schrumpften. In den entwickelten Ländern künden oft nur noch rust belts von ihnen. Teile der Produktion wurden in den globalen Süden verlagert. Gleichzeitig dehnte sich der nicht-industrielle tertiäre Sektor aus. Und die verbliebenen Industrien veränderten mit der Automatisierung und Digitalisierung ihr Gesicht. Die industrielle Welt ist in einem tiefen Umbruch – eine Situation voller Chancen und Probleme. Weiterlesen

50 lange Sekunden

Erdogan lässt Putin warten

Nach 16 Jahren Merkel-Sachlichkeit und -Unaufgeregtheit hatte man in Deutschland fast vergessen, dass Weltpolitik vor allem eine Sache des Prestiges ist. In den kleinen Prestigekämpfen (z.B.: „Wer lässt wen warten …“) werden Rangfolgen ausgekämpft und dargestellt. Das ist auch, aber weitem nicht nur ein Spiel von überkandidelten Egos. Es geht auch um die Rangfolge von Staaten. Weiterlesen

Tanz den Dobrindt-Limbo!

Kaum jemand kommt in Sachen politisches Niveau so tief runter wie Alexander Dobrindt. Auch unter der tiefsthängenden Limbostange tanzt er noch hindurch. Nur einmal musste er sich geschlagen geben, nämlich im innerparteilichen DSDSV-Wettbewerb der CSU („Deutschland sucht den schlechtesten Verkehrsminister“), und zwar seinem Parteikollegen Andreas Scheuer. Weiterlesen

BoJo-Regierung vor dem Ende?

Das Schiff, das sinkt und stinkt, einen nicht recht weiterbrinkt

Zwei Johnson-Minister, die lange das Spiel des BoJo mitgespielt haben, sehen für sich offensichtlich keine Zukunft mehr an der Seite des Clown-Darstellers unter den Premierministern. Das könnten recht deutliche Signale für ein Ende der Ära Johnson sein. Überfällig wäre es allemal. Weiterlesen

Ukraine-Krieg – aktueller Stand

Es wird viel spekuliert, was die gegenwärtigen „Erfolge“ der russischen Truppen in der Ukraine zu bedeuten haben. Viele Militärexperten, wie z.B. das ISW sowie der gut informierte russisch-nationalistische Militärblogger Strelkov, haben übereinstimmend darauf hingewiesen, dass die Ukraine im Augenblick nicht etwa um einen unmittelbaren Sieg über die russischen Truppen in der Luhansker Region und anderswo kämpft, sondern vielmehr systematisch versucht, die besonderen Vorteile der „Defensive“ auszunutzen, die darin bestehen, den Angreifer schwächen und zermürben zu können. Das ist offensichtlich zu einem guten Teil gelungen. Weiterlesen

Antonio Gramsci jetzt bei der FDP?

Wer (so wie ich) als Endmoräne von 1968 groß geworden ist und intellektuell in die 1980er Jahre hineinwuchs und auch nicht unmittelbar auf Foucault oder Derrida anspringen wollte, hatte wenig Auswahl bei der Suche nach geistigen Vorbildern. Da waren noch übrig: Walter Benjamin – und mit ihm das, was noch interessant war an der Frankfurter Schule – oder auch Antonio Gramsci, der der westdeutschen Linken damals etwas mehr zu versprechen schien als die SPD, aber auch etwas anderes als der dogmatische Realsozialismus-Marxismus. Weiterlesen

Große Führer – große Tische

Vladimir Putin ist ja bekannt für seine besondere Tischkultur. Beim Gipfel der “Kaspischen Fünf” wollten die anderen dem Nachfolger des Großen Peter an der Tischkante wohl nicht näher kommen als 20m – also nicht ganz so nah an den Vladimir Vladimitrowitsch heran. Dazwischen Luft.

Die russische Armee ist heute von der Schlangeninsel geflüchtet, angeblich als Goodwill-Zeichen gegen den Welthunger. Weiterlesen

Der „Papst“ des Machtrealismus zum Ukrainekrieg

John J. Mearsheimer gilt als der wichtigste aktuelle Vertreter des sogenannten „Machtrealismus“, einer Theorieströmung, der man historisch Macchiavelli und Carl Schmitt und aktuell in Deutschland Herfried Münkler zurechnen kann.

Der Machtrealismus geht davon aus, dass in der Politik vor allem Imperien und Hegemonialmächte zählen, und kleinere Länder (auch die sehr große Ukraine) eine nur eingeschränkte Souveränität haben sollen. Das sei so, weil das einfach „realistisch“ sei, immer schon so war, in der Natur des Menschen angelegt sei oder in den Konkurrenzbedingungen des Staatensystems. Weiterlesen

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