Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 29 von 61)

Wundersame Bahn CXIV

Ich bin ja, was das Thema Bahn und ÖPNV anbelangt, in der Perspektive meines Herausgebers sozusagen der Pinguin des “Extradienst” unter den ganzen gerechten Kängurus, die sich hier für die Verbannung des Automobils einsetzen. Aus gegebenem Anlass möchte ich eine Geschichte meiner Besucherin aus Berlin beisteuern, die am vergangenen Freitag versuchte, per Deutsche Bahn AG von Bonn nach Berlin zu fahren. Sie ist gesundheitlich gehandicapt, sollte sich trotz Impfung keinesfalls mit Corona infizieren und derzeit auch keine Gewaltmärsche absolvieren. Eine solche Reise dauert fahrplanmässig per ICE  5 Stunden von 12.20 bis 17.20 – aber lesen Sie selbst:

Weiterlesen

Kunst mit Badehose und Ketchup

Ein schimmelndes Croissant auf einem Klumpen blassroter Johannisbeeren, darunter braune Erde. Grashalme ragen aus dem schwiemeligen Grund in dem kleinen Kubus auf einer weißen Säule, von den Glaswänden rinnt Kondenswasser.

„Wardscher Kasten“ hat die Künstlerin Isa Melsheimer ihre Installation genannt, die ein paar hungrige Besucher auf der Terrasse des kleinen Imbisses im Berliner Sommerbad Humboldthain ratlos beäugen. Weiterlesen

Von Berlin nach Nizza

Mein Selbstversuch mit vielen Verspätungen – Der Bruder will nach Frankreich. Doch unser Autor, 69 Jahre alt, fliegt nicht mehr. Er bucht eine Zugreise – und lernt, wie kompliziert die Verkehrswende ist. Wundersame Bahn CXI

Mein Bruder fragt mich Ende Januar, ob ich mit ihm in Korsika eine Woche wandern würde. Eine gute Idee, finde ich, eine schöne Insel, aber ich wollte doch nicht fliegen. Also schlage ich vor, nach Südfrankreich zu fahren, in den Seealpen soll es auch schön sein zum Wandern. Wir einigen uns schnell auf die erste Juniwoche, mein Bruder bucht einen Flug. Von Köln/Bonn nach Nizza für 90 Euro, hin und zurück. Ich könnte ja vorher aus Berlin für 60 Euro zu ihm fliegen, schlägt er vor. Weiterlesen

Schnellzug nach Samarkand

Was man auf einer Reise durch Usbekistan erleben kann – Die Seidenstraße hat längst Schienen. Mit bequemen Zügen lässt sich Zentralasien bereisen. Unser Autor hat Welterbe-Stätten und Wüsten besucht. Wundersame Bahn CX

Die meisten Entdeckungsreisen nach Zentralasien beginnen in Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans. Taschkent besticht architektonisch durch eine Melange aus Denkmälern des Mittelalters mit islamischer Prägung, aus Moderne mit Hochhäusern chinesischer Bauunternehmen und der Tradition von neoklassizistischer Sowjet-Architektur.

Im Zentrum der Stadt sind im Hast-Imam-Komplex unterschiedliche Gebäude auf engem Platz vereinigt: zwei Moscheen, zwei Medresen, so heißen die Koranschulen, und ein Mausoleum. Weiterlesen

Im Tor: Alina Schwermer

Reporter am Spielfeldrand: Friedrich Küppersbusch – After Show: Regine Sylvester

Als ich aufs Jungen-Gymnasium gewechselt war, wurden die Schüler im Sportunterricht in vier Leistungsniveaus aufgeteilt. Auf der einen Fussballfeldhälfte spielte A gegen B, Auf der anderen C gegen D. Ich war knapp in C gelandet. Und weil ich für nichts anderes zu gebrauchen war, wurde ich ins Tor gestellt. Vorteil: weil meine Mannschaft die Bessere war, hatte ich wenig zu tun, das Spielgeschehen spielte sich überwiegend in der gegenüberliegenden Hälfte ab. Ich hatte Zeit es lesen zu lernen. Wenn der Ball dann doch mal auf mich zu kam, war er meistens drin. Weiterlesen

Zeitreise

Zwischen Sozialstudie und intimer Introspektion: In Hamburg, Köln und Berlin fotografierte Ergun Çağatay türkisch-deutsches Leben 1990. Das Museum Europäischer Kulturen zeigt jetzt seine Bilder

„Weg mit dem rassistisch-sexistischen Ausländergesetz.“ Eine Phalanx von sieben Frauen trägt ein Banner mit diesem Slogan vor sich her, hinter ihr strömen Menschen zu einer Demonstration. Wären da nicht die Kleider und Frisuren, man hielte das Schwarz-Weiß-Foto für eine aktuelle Protest-Aufnahme.

Aufgenommen hat es Ergun Çağatay am 31. März 1990 in der Rostocker Straße in Hamburg, St. Georg. Weiterlesen

Bis zum Endsieg?

Die Agrochemie im Insektenkrieg – schafft Hunger um sich als “Lösung” anzubieten – der Rhein im Zentrum einer globalen Auseinandersetzung

Die Nahrungskette ist ökologisch kaum umstritten. Wirbeltiere inkl. Menschen sind oben – Insekten ziemlich weit unten. Letztere sind derzeit mitten im Aussterben. Verschiedentlich wird bereits die Dezimierung von Vögeln berichtet, die sich von ihnen ernähren. Neben dem Klimawandel ist es die Aggression des Menschen, vertreten durch die Agrochemie, die für artenschwund und kommende Hungersnöte für Mensch und Tier sorgt. Weiterlesen

Mit dem Nahverkehr zur documenta

Pünktliche Züge – ja sowas gibt es / Wundersame Bahn CVII

Nachdem ich für 13 Euro mit dem ICE-Nachtzug von Bonn nach Berlin gefahren bin, um dort u.a. mir die Kunst im Rahmen von “48 Stunden Neukölln” anzuschauen, bin ich mit meinem Bonner VRS-Jobitcket ausgerüstet erst mal paar Tage durch Berlin gedüst und danach auch damit nach Kassel gefahren. Beides fand ohne jegliche Verspätung statt. Und in Kassel haben sich die Stadt und ihre Verkehrsbetriebe auf die Besucher der documenta eingestellt. Weiterlesen

Schlammloch auslöffeln

Was Gutes aus dem documenta-Skandal erwachsen kann

Ein Schweinsgesicht mit Davidsstern. Eine Visage mit Schläfenlocken, Reißzähnen und SS-Runen. Es ist richtig, dass das Werk „People’s Justice“ der indonesischen Künstler:innengruppe Taring Padi auf der documenta abgehängt wurde.

Antisemitismus ist keine „kulturspezifische Erfahrung“, wie das Kollektiv sich verteidigte. Antisemitismus ist ein globales Übel. Er ist immer und überall zu verurteilen, nirgendwo darf ihm ein Podium geboten werden. Weiterlesen

Anstrengung ist der Fehler

Schlafstörungen sind die Falle für Selbstoptimierer*innen

Gestern nachmittag kritisierte ein New Yorker Leser nach seinem frühmorgendlichen E-Mail-Check, ob ich denn “auch mal gute Nachrichten” hätte. Bitte schön: hier ist sie. Ich hole, weil es so schön ist, dafür etwas aus. Lesen Sie vielleicht vorweg meinen Hinweis aus dem April auf die chinesische Widerstandshandlung “Tang Ping – 躺平”, zu deutsch: sich flach hinlegen. Zweifellos keine notwendige Bedingung fürs Schlafen – viele tun es im Sitzen, wenige sogar im Stehen – aber eine für gute Schlafqualität. Weiterlesen

Gutes Timing gegen Biowashing

Und: eine Leseempfehlung zur Reibungshitze zwischen Antisemitismus- und Neokolonialismus-Debatte

Extradienst-Abonnent*inn*en wissen es schon aus dem Newsletter: “mein” Edeka um die Ecke hat seine Bedienungstheke für Fleisch, Wurst und Käse geschlossen. Sind die Veggies jetzt überall? Begründung: “aus wirtschaftlichen Gründen”. Das passt zur Ausbreitung des Veganismus; aber auch zur Einmauerung unserer Republik gegen Einwanderung. Fleischereifachverkäufer*in ist ein Ausbildungsberuf. Das ist teuer: die Ausbildung und erst recht die Weiterbeschäftigung. Weiterlesen

Alternativ: einige Fakten

Europaweit grassierende “Kriegsmüdigkeit” – Fällt jetzt auch noch kolumbianische “Blutkohle” aus? – documenta15

Die bescheidwissenden Kollegen von German Foreign Policy machen auf eine europaweite Umfrage des “European Council on Foreign Relations” (ECFR) aufmerksam, um dasselbe in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv verschwinden zu lassen. Auf eine Verlinkung zur Originalquelle verzichten sie ganz. Da haben Sie es als Extradienst-Leser*in besser: bitte hier entlang. Kostet nichts, macht weniger als eine Minute Arbeit – warum die darauf verzichten – ich weiss es nicht. Der ECFR ist durchaus vielsagend interessant. Weiterlesen

Es war eine Revolution

In der Ausstellung „Die Form der Freiheit“ rollt das Museum Barberini in ganz großem Maßstab die Geschichte der Abstraktion nach dem Zweiten Weltkrieg auf

„Wir sind aufgewachsen im Nichts, in einer kulturellen und moralischen Wüste. Malen! Ich versuche zu malen, ich habe mir in den Kopf gesetzt, ein guter Maler zu werden, ist das nicht Wahnsinn nach allem, was geschehen ist?“ Nach dem Zweiten Weltkrieg war Winfred Gaul, der Autor des Zitats, verzweifelt. 1928 in Düsseldorf geboren, musste er noch 1944 als 16-Jähriger an die Ostfront. Nach dem Kunststudium schloss er sich 1955 der Künstlerbewegung Informel an, dem europäischen „Zweig“ der Abstraktion. Weiterlesen

Der Pflegeskandal im Krankenhausessen

Und: deutsche Kurzsichtigkeit bei Ukrainekrieg und documenta

Einerseits ist Martin Rückers/Berliner Zeitung Text Fehlende Kompetenz der Ärzte: Wenn Klinikessen krank macht – Im Zweifel kann Krankenhausessen über Leben und Tod entscheiden. Experten warnen vor einer Fehlversorgung. Warum hält auch die Charité an alten Standards fest?” eine erfreulich gründliche Abhandlung. Falls der Verlag ihn noch digital einmauern sollte – ich habe ihn mir gesichert. Er ist zu gut. Weiterlesen

Fakten und Fiktion

Künstler*innen und Geheimdienste – die Fussballmafia ist schon weiter

Neulich verbreiteten Medien eine angebliche neue Freundin eines recht bekannten Fussballmillionärs hier aus dem Westen. Wird eine solche Sau penetrant inszeniert durchs Dorf getrieben, erregt sie mein Misstrauen. Gibt es doch Agenturen, die Fussballprofis mit arrangierten Ehen versorgen und davon blendend leben können. Nur, damit die Jungs nicht in den öffentlichen Verdacht des Schwulseins geraten. Als ich diesen Fakt, um informierte Kommentierungen zu provozieren, im Freundeskreis verbreitete, mit der ironischen Bemerkung, “ich weiss, es gibt Wichtigeres” widersprach mir ein bekennend schwuler Freund: “nein, es gibt nichts Wichtigeres”. Dä. Weiterlesen

9€T-Monatsbestleistung

Wundersame Bahn CIII

Mein heutiger Genuss-Tag war gekennzeichnet von ausgezeichnetem Spargelragout mit Putengeschnetzeltem im Bistro Odeon und dem Film “Die Unbeugsamen” im Ehrenfelder Cinenova. Zu Letzterem rate ich unbedingt zu: er zeigt, wie hart die Frauen in allen Parteien gearbeitet haben, um eine Bundeskanzlerin möglich zu machen und Voraussetzungen für die gegenwärtigen feministischen Kämpfe überhaupt zu schaffen. Die härteste Schule war die CSU. Und ist es. Weiterlesen

Politische Ökonomie der Kirsche

Ein netter Nachbar hat kürzlich einen jungen Kirschbaum in unserem Abstandsgrün gepflanzt und pflegt ihn liebevoll. Bei meinen Grosseltern im Nachkriegsbehelfsheim in Glinde bei Hamburg war er der Schönste im prachtvollen Garten. Und auch im elterlichen Garten (mit Parkausmassen, Etagenwohnung in einer ehemaligen Zechendirektorenvilla), war er der Schönste und Leckerste: der Kirschbaum, und zwar SÜSSkirschen! Mir blieben leider immer nur die, die runterfielen. Die meisten holten sich die Vögel. Weiterlesen

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Beueler-Extradienst | Impressum | Datenschutz

Theme von Anders NorénHoch ↑