Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 28 von 62)

Rheinische Selbstermächtigung

30 Jahre Arsch huh, Zäng ussenander!

1992 brannten in Deutschland schon mal Flüchtlingsheime in Ost und West. “Anders” als weiss und deutsch aussehende Mitmenschen sahen sich in Lebensgefahr. CDU, CSU und die von Björn Engholm und Oskar Lafontaine angeführte SPD bereiteten die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl (Art. 16 Grundgesetz) vor. Im Bundestag gab es zu jener Zeit keine Fraktion, die dagegen Widerstand leistete oder überhaupt Opposition artikulierte. Heute kennen wir – aus anderen Zusammenhängen – die Begrifflichkeit “Kipppunkt”. Die Furcht engagierter Demokrat*inn*en war genau das. Weiterlesen

Liebe

Für fast alle echten Fussballfans gilt, dass sie – irgendwann – mit ihrem Verein länger zusammen sind, als mit irgendeinem anderen geliebten Menschen. Bei mir ist es Borussia Mönchengladbachseit 1965, Regionalliga West. In dieser langen Zeit habe ich viele Spieler, Trainer und Funktionäre erlebt, viele geliebt, manche auch eines Tages gehasst (“Loddar” z.B.). Damals 1965 hatte ich den seinerzeit 21-jährigen Günter Netzer für mich entdeckt: Krafteinsatz kompensieren und einsparen durch “Übersicht”. Das bewährte sich auch in der Politik. Doch nur wenige wurden und werden noch heute so geliebt, wie Hans Meyer, der in der abgelaufenen Woche 80 wurde. Weiterlesen

Weltherrscher & Dietl

mit Update nachmittags: warum es hier keine Opposition gibt

Wollen Sie wissen, wer die Welt beherrscht? Es ist keine Verschwörung. Und es gibt keine Zentrale. Das ist ja gerade das Problem, warum wir bis heute nicht sicher vor einem Dritten Weltkrieg sind. Einen groben Überblick gab gestern ZDFinfo. Das ist der Sender, wo sonst immer irgendwas mit Hitler läuft (“Hitler geht immer” wissen sie auch bei Spiegel oder Stern). Eingekauft hat das ZDF die drei Folgen bei einem mittelgrossen US-Streamingdienst namens CuriosityStream. Nach meinem oberflächlichen Eindruck erzählen sie dort die Narrative der US-Liberalen, mit all ihren Ambivalenzen. Weiterlesen

Buchmesse oder Buchmasse?

Ein Rundgang in knapp zwei Stunden – Die Frankfurter Buchmesse kann überfordernd sein, wenn man sie zu ernst nimmt. Schriftsteller und Filmemacher Dietrich Brüggemann wagt den ironischen Blick.

Es schüttet. Also nehme ich nicht das Rad, sondern die S-Bahn. Dass die Leute auf dem Fahrrad keine Bücher lesen, ist erfreulich, war aber schon immer so. Dass sie auch in der Bahn keine Bücher lesen, ist vergleichsweise neu. Sie glotzen in ihre Handys. Schrecklich. Das sei hier gleich festgestellt, damit diejenigen, die einen Grund suchen, diesen Text nicht weiterzulesen, einen bekommen. „Du garstiger Kulturpessimist!“, sollen sie ausrufen, „von Leuten wie dir wurde jede technische Neuerung stets als Untergang des Abendlandes verteufelt, auch das von dir hochgeschätzte Buch“! Was heute das Smartphone ist, war nämlich vor 150 Jahren der „Schundroman“, mit dem höhere Töchter ihre Väter zur Verzweiflung trieben! Weiterlesen

Funken einer alten Glut

Im KW Institute for Contemporary Art arbeitet sich Christopher Kulendran Thomas an der gescheiterten Geschichte der tamilischen Befreiungsbewegung auf Sri Lanka ab – mit postdigitalen Mitteln

Ein junger Künstler lehnt sich zurück in den blauen Sitz eines Busses. Er philosophiert über Kant, die Menschenrechte, die Geschichte seines Landes. An dem Fahrzeug zieht die Landschaft Sri Lankas vorbei, später Bilder von Galerien in Colombo, der Hauptstadt der Insel im Indischen Ozean. Weiterlesen

Lars Vogt gestorben

Pianist, Dirigent, Gladbach-Fan

Anfang letzten Monats starb kurz vor seinem 52. Geburtstag Lars Vogt, einer der großen deutschen Gegenwartspianisten. Er war Gladbach-Fan wie ich. Vielleicht hätte man sich mal auf der Tribüne begegnen können? Aber das ist das eher Unwichtige.

Sein Tod schmerzt mich auch deshalb besonders, weil ich immer wusste, dass er gut ist und ihn sozusagen im inneren Inventar hatte. Das heißt, dass ich mich irgendwann einmal dringlicher mit seinen Sachen beschäftigen müsste, aber es ja nicht eilte – so denkt man. Außerdem war er eine Art Antistar, der sich nicht via Glamour aufs Auge drückt und wichtig macht. Weiterlesen

Humorlose Humorkritik

Bei Thomas Knüwer ist Böhmi an den Falschen geraten – Und noch humorloser: USA in Afrika

Rechtschaffen verzweifelt hat Adorno-Schüler Dieter Bott seit Jahren eine Humorkritik der (Neuen) Frankfurter Schule (= Titanic) an der heute-Show gefordert. Thomas Knüwer ist kein Adorno-Schüler, sondern vom Handelsblatt ausgebildet (aber wie Dieter eingewanderter Düsseldorfer). Und so wie er hat noch keine*r das ZDF Magazin royale auseinandergenommen. Er versteht zwar vielleicht nicht so viel von Adorno, aber eine Menge von digitaler Kommunikation – und von Wein. Weiterlesen

Sadness

Ich mag Kreuzfahrten. Auch wenn sie klimapolitisch böse sind. Und das meine ich nicht ironisch. Die gesamte Schifffahrt auf der Welt ist ein politischer Skandal – ökologisch und sozial schlimmster unregulierter Kapitalismus. Bei mir ist es aus finanziellen Gründen schlicht so, dass ich mehr von Kreuzfahrten träume, als ich sie mache. Zumal ich die schiffgewordenen Shopping-Malls hasse wie die Pest, kleinere Schiffe, die noch wie Schiffe aussehen, bevorzugen würde. Aber die sind noch teurer. So blieb es bei einer Hurtigruten-Fahrt im Jahr 2012, auf Kosten meines 80 werdenden Vaters. War eine schöne Sache, empfehle ich seitdem weiter. Weiterlesen

Der Cracker ist tot

Robbie Coltrane ist gegangen – er gab mir den Glauben an gutes TV zurück

Für mich war die Hauptrolle seines Schauspielerlebens Dr. Eddie Fitzgerald. Das ZDF strahlte diese Filme gegen die sonntägliche ARD-Talkshow aus, die damit für mich auf immer gestorben war. Diesem Fitzgerald hätte ich seinerzeit nicht noch weitere knapp 30 Lebensjahre prognostiziert. Er sah sehr krank aus, und gerade darum finster entschlossen, die verbliebene Zeit exzessiv zu geniessen. Vorbildlich. Weiterlesen

Linksliberal

Robert Misik und ich haben nur eine kleine Differenz

Es ist, glaube ich, schon ein paar Jahre (Jahrzehnte?) her, dass ich mich selbst als Linksliberalen bezeichnet habe. Heute, bei der Lektüre von Robert Misiks taz-Kolumne war mir, als könnte ich zu dieser alten Gewohnheit zurückkehren. Sowohl bei Antritt meines Zivildienstes 1976 als auch beim Ergattern meines Jobs beim Komitee für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit (1987) profitierte ich von der Fremdeinschätzung als Linksliberaler – ich sollte der Erweiterung des Bündnisspektrums dienen, und tat es auch. Weiterlesen

Zwischen Repression und Selbstbehauptung

Ist zeitgenössische Kunst in der Türkei noch oder wieder die Domäne der kritischenIntelligenz? Die Frage stellt sich derzeit mehrmals in Istanbul

„Wir werden ihre Zungen herausschneiden. Wir werden ihre Köpfe zermalmen.“ Recep Tayyip Erdoğan war nicht zimperlich. Als sich die Pop-Sängerin Sezen Aksu im Sommer in einem Song über den Propheten Adam lustig machte, drohte der türkische Präsident mit körperlicher Vergeltung.

Der Mob, der sich nach der Drohung vor dem Haus der Diva der türkischen Musik zusammenrottete, bekam Aksus Zunge nicht. Der Vorfall markierte aber die Spielräume der Kunst am Bosporus. Weiterlesen

Schon gegessen?

Und: wie der “Boulevard” Diskursmacht übernimmt

Die Launigkeit von Helmut Höge schätze ich sehr. Seine lose Endlosserie über “die lustige Tierwelt” hat bei der Jungen Welt, dort leider meistens hinter Paywall, eine Entsprechung unter “Wirtschaft als das Leben selbst”. Heute erfreut er uns mit seiner Erforschung der Krokodile, die uns, seit wir Kleinkinder waren, aus dem Kasperle-Theater bestens bekannt sind: Die wollen doch nur spielen – Die lustige Tierwelt und ihre ernste Erforschung (155): Krokodile werden von menschlichen Horrorgeschichten verfolgt.” Weiterlesen

Generation Lord

Wer ist Friedrich Merz wirklich?

Der gegenwärtige CDU-Vorsitzende bringt eine besondere Saite in mir zum Klingen – etwas, das tief in die innere Zeitrechnung hinabreicht und wohl nur bedingt mit der Person zu tun hat.

Bei Proust war es ein Keksgeschmack, der die Zeit aufschloß. Er führte den Ich-Erzähler zurück in eine jugendliche Welt der Groß-Dandys und des Hochadels. Vielleicht ist Friedrich Merz eine Art Madeleine-Gebäck für Menschen wie mich, die aus der Kleinen-Leute-Welt kommen? Weiterlesen

Eskapismus am Feiertag

ZDFneo – gut gemacht

Während deutsche Politiker*innen – ob nun aus intellektueller Bräsig- oder Bösartigkeit – das im-Krieg-sein zu normalisieren beginnen, und in Brasilien – von deutscher Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – weiter gegen den Faschismus und die Zerstörung menschlichen Lebens auf diesem Planeten gekämpft wird – ist das deutsche Fernsehen die letzte Zuflucht vor dem grassierenden Selbstzerstörungsmechanismus der herrschenden Herrschaft. Das deutsche Fernsehen? Nein. Nicht das Ganze. Aber ZDFneo, der “Barnaby”-Sender. Weiterlesen

And now s.th. completely different

Mal nichts zum Krieg, aber im weiteren Sinne Politik: Willemsen und Lakomy/Balthus

Hinter der digitalen Mauer der FAZ erinnert Harald Staun heute an Roger Willemsen. Warum? Weil der Rechtebesitzer an dessen Arbeit die TV-Werke Willemsens jetzt zugänglich mache – jedoch scheinbar nicht im Netz – Staun hat jedenfalls keinen einzigen Link gesetzt – sondern in irgendeinem Museum im deutschen Osten (Berlin). Pffft. Da denke ich als Leser und ehemaliger Fan von Willemsens Arbeit: verarschen kann ich mich selber. Weiterlesen

Einzigartig?

Die wundersame Bahn (CXXV) jedenfalls nicht

Jede’ Jeck’ is’ anders. Das ist nicht nur eine Volksweisheit. Es ist auch so. Warum glauben das so viele nicht von sich? Darüber grübelt Isolde Charim anscheinend in einem Buch, aus dem die taz einen Auszug dokumentiert. Ich verehre diese Autorin sehr, vor allem für die leider rar gesäte Fähigkeit zu dialektischem Denken, die sie hier erneut demonstriert. Es ist für sie als Autorin sogar zu einem Geschäftsmodell geworden, weil es kaum noch jemand beherrscht. Sei ihr gegönnt. Weiterlesen

Unter der Decke

des Freiheitskampfes gibt es viele Widersprüche zu bedenken

Hatte ich Albrecht von Lucke/Blätter nicht schon mal als Kanzlerinnenberater vorgeschlagen? Als Kanzlerberater ginge er auch. In “Endspiel um die Demokratie: Von Gorbatschow zu Putin” schreibt er präzise auf, was das aktuelle Weltbild der Mehrheit in der Berliner Hauptstadtblase ist. Dort müssen sie jetzt wahrscheinlich eine Wahl wiederholen, weil sie “es” beim letzten Mal nicht gekonnt haben. Weiterlesen

Keine Brötchen backen

Nahezu täglich wird gemeldet, dass die Bäckereien die steigenden Energiepreise nicht mehr verkraften können, dass der Brotpreis sich demnächst verdoppelt und dass es bei gleichbleibender Entwicklung bald keine Bäckereien mehr geben wird. Wer genauer hinschaut, merkt bald, dass das Stimmungsmache ist. Nehmen wir mal eine seriöse Quelle und betrachten die Kostenstruktur einer Bäckerei: 31% für Löhne und Gehälter, 28% für Material, 7% für Mieten und nur 3,3% für Energiekosten. Weiterlesen

Wer ist Chef?

Mensch oder Technik? Die Kunst forscht

Ein alter Streit, ein alter Machtkampf. Wird der Mensch die Herrschaft über seine Technologien behalten? Oder abgeben (müssen)? Einerseits falschgestellte Fragen. In einer Klassengesellschaft sind es wenige Herrschende, die bestimmen, was erforscht, programmiert und produziert wird. Und viele, die sich dem ausgesetzt sehen. Wenn demokratische Medien sie nicht mit Faktenwissen ausstatten, neigen sie zu quasireligiösen Betrachtungen, als sei die Technik “böse”, und nicht der Klassenfeind. Es gäbe viel zu forschen, was die Technik der IT-Monopole mit den Menschen macht. Weiterlesen

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