Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 31 von 57)

Kartoffeln

von Informationsstelle Lateinamerika
Kartoffeln gelten hierzulande als das „deutscheste“ aller Lebensmittel. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden sie in fast allen Familien bei nahezu jeder warmen Mahlzeit gegessen, sei es gekocht, gebraten, püriert, als Klöße oder als Reibekuchen. Vor dem Winter haben die Familien zentnerweise Kartoffeln „eingekellert“, die dann bis zur Ernte der ersten „neuen Kartoffeln“ im Frühsommer reichten. Auch wenn die braunen Knollen durch die Konkurrenz anderer „Sättingungsbeilagen“ aus Getreide wie Nudeln, Reis, Bulgur, Couscous und inzwischen sogar Quinoa oder Amaranth nicht mehr ganz so häufig in deutschen Küchen anzutreffen sind wie früher, sind sie immer noch allgegenwärtig, weswegen die Deutschen von Jugendlichen aus einigen migrantischen Communities gerne auch mal als „Kartoffeln“ bezeichnet werden. Weiterlesen

Theologie des Automobils

Warum ich immer noch Auto fahre, fragen kopfschüttelnd meine alten Freunde. Wo doch Qualitäts-Politiker*innen und Qualitäts-Wissenschaftler*innen nachdrücklich raten, umzusteigen auf Busse und Bahnen, mindestens aber aufs Velo. Alle Achtung vor Qualitäts-Politiker*innen und Qualitäts-Wissenschaftler*innen. Alle Liebe auch zu meinem eigenen alten echten Gary-Fisher-Bike. Trotzdem verlasse ich mich lieber auf meine theologische Bildung. Und die sagt mir klar: Wer Auto fährt, lebt gesünder. Wer Auto fährt, wird älter, so steinalt wie ich inzwischen bin – viel älter als jene meiner Freunde, die sich aus lauter fatalem Qualitäts-Aberglauben in die öffentlichen Verkehrsmittel pferchen liessen. Weiterlesen

Eine Welt jenseits der Staaten

Das Friedrichshafener Zeppelin-Museum versteht sich als Museum neuen Typs. Seine jüngste Schau dreht sich um die Grenzen von Staatlichkeit
Eine schmale Glasröhre, gefüllt mit nichts weiter als klarem Wasser, auf schwarzem Grund an einer Betonwand befestigt: Nevin Aladağs Werk „Border Sampling“ wirkt auf den ersten Blick unscheinbar und minimalistisch. Das kleine Objekt hat es freilich in sich. Die Kanüle hat die Künstlerin vor ein paar Jahren mit Wasser gefüllt, das sie bei einer Recherche mit Seeforschern an der tiefsten Stelle des Bodensees gewonnen hat. Weiterlesen

Krankheit Frausein?

Es soll immer mehr Männer geben, die ähnlich leiden. Unzufriedenheit mit der eigenen Unvollkommenheit. Wer bestimmt, wie Vollkommenheit, Perfektion aussieht? Das ist schon einer der schweren Denkfehler, dass das mit Aussehen zusammenhängen soll. Sicher, das Aussehen spricht zu uns, noch bevor der Mund aufgemacht wird. Jede*r wird in Sekundenbruchteilen abgecheckt. Es hat Bedeutung. Doch die Bedeutung, die es im realexistierenden Konkurrenzkapitalismus hat, macht die Mehrheit der Menschen, nicht ausschliesslich aber weitgehend identisch mit Frauen, krank, schwer krank. Es gibt Gegenwehr. Sie schreitet voran. Eine, die das repräsentiert ist die Australierin Taryn Brumfitt. Gestern lief ihr Film Embrace – Du bist schön auf ARTE. Nur eine Woche Mediathek. Kapitalistische Verwertung hat Vorrang vor Empowerment.

Leider ohne Schmitz’ Katze

24 h Nürburgring
Heute um 15.30 startete wieder das bekloppteste Autorennen der Welt – die 24 Stunden Nürburgring. Einen Tag und eine Nacht rasen über 100 Verrückte über die 25,578 km lange Nordschleife inklusive Grand-Prix Strecke. Vom 560 PS GT3 Boliden bis zum historischen Opel Manta der 80er jahre ist alles dabei. Hier gilt noch das bei Olympia völlig verratene Motto: “Dabeisein ist alles” – und die Fans goutieren das. Das Wetter ist der unbekannte Faktor dieses Rennens, denn trotz Juni kann es alles geben: vom Sonnenschein über schwüle Hitze bis zum Gewittersturm, Wolkenbruch und Eisregen. Wenn nötig, in einer Runde. (aktueller Einschub: das Rennen wurde heute gegen 21.30 wegen Nebel und Regen bis 5:00 unterbrochen -Nachtrag: bis etwa 10.30 am Sonntag). Dieses Jahr fehlt bei diesem Kultereignis Sabine Schmitz, die, ohne jemals Feministin gewesen zu sein, nicht nur in diesem Machosport alle Rekorde als Frau gebrochen hat, sondern ganz Generationen von Benzinmännern das Fürchten gelehrt hat. Weiterlesen

Lockup?

Nach einem maladen Post-Impftag inkl. Dauerregen kehrte heute das Leben in Beuels Zentrum zurück. Darum entschloss ich mich, eh alles wieder abgepfiffen wird, die Angebote unserer City voll auszukosten. Am Haltestellendreieck Adenauerplatz grölte ein mittelalter Mann über den ganzen Platz, als hätte er es auch nicht mehr erwarten können. Das Publikum war nicht irritiert, hatte genug zu erledigen.
Bei mir kam auch noch ein Lottogewinn hinzu, den ich anschliessend für zwei Stücke der unübertrefflichen Schoko-TARTE von Kathy Schaefer-Matijevic, der Köchin und Konditorin vom Bistro Odeon verprasste. Weiterlesen

Von Dylanologie zu “American Pie”

Tag der ausgehenden (???) Pandemie, Inzidenz in Bonn 78, über 50% erstgeimpft, über 15% komplett, Aussengastronomie erlaubt – aber niemand hat dem Wetter bescheidgesagt. Was bleibt also, ausser zu lesen und sich in Gedanken zu verlieren? Es gibt Vieles, was dümmer wäre, als das. Also lese sogar ich etwas über Mr. Dylan, der mir persönlich immer fremd geblieben ist. Am meisten “überzeugte” mich, wenn er sich der (Medien-)Öffentlichkeit entzog, statt sich ihr zu präsentieren oder prostituieren. Dass er das in seinen späten Jahren zum neuen Branding entwickelt hat, das hat selbst mein Interesse erweckt. Weiterlesen

Lee Evans / Franco Battiato

mit Update 4.6.
Un’ in Ehrenfeld sin’de Wölfe! Oder wars nur ein grosser Fuchs?
Die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko waren meine ersten Fernsehspiele, schwarz-weiss selbstverständlich. Leichtathletik war die Königsdisziplin, damals. Sogar das Massaker von Tlatelolco war mir ein Begriff und als 11-jähriger prägte sich mir bereits die Schmerzfreiheit der IOC-Mafia (“The games must go on!”) ein, die sich immer wieder, imgrunde bis heute, wiederholen sollte. Weiterlesen

Fett geworden? Ihr Ernährungsratgeber

Haben Sie sich die Pandemie schöngetrunken? Ich habe gestern in einem der zahllosen Ratgeberbeiträge der Medien gehört, dass ich sogar optimale Darmkrebsprophylaxe betreibe: täglich ein Glas Rotwein! Lesen Sie ausserdem die Porträts von 90- oder 100-jährgen in Ihrer Lokalpresse. Von denen erfahren Sie in der Regel: täglich ein Schnäpschen! So berichtete es mir einst auch unser verstorbener Bezirksbürgermeister, der solche Jubilar*inn*e*n zu ehren hatte, was ihm grosse Freude bereitete. Bei ihm wars leider täglich mehr als ein Bier, und mehr als eine Zigarette. Heute steht alles unter der Hauptfrage: wie kann ich mich und mein Leben optimieren? Das ist exakt der Fehler. Weiterlesen

Hündin, Bildungsministerin, Königin

von Britt Weyde
Weiblicher Aufbruch und Durchbruch im Funk

Die Sache bleibt ambivalent, jetzt, wo die Männermacht im Funk langsam aufgeknackt wird. Wo verorten sich die zahlreichen, mitunter sehr erfolgreichen, Frauen im Funk? Ermächtigte Feministin oder aufgebrezeltes Sexpüppchen, oder vielleicht gar beides? „Es gibt keinen totalen Bruch mit sexistischen Vorstellungen im Funk, genauso wenig aber ein hundertprozentiges Reproduzieren“ sagt die Sozialwissenschaftlerin Carla dos Santos Mattos in der Publikation „Funk: Qual é o role?“. Es gebe Brüche und Kontinuitäten, häufig gleichzeitig und miteinander verwoben. Der weibliche Aufbruch im Funk hat vor etwa 20 Jahren begonnen. Und bereits für eine Menge Kontroversen gesorgt. Weiterlesen

Baile Funk

von Informationsstelle Lateinamerika
Nichts liegt im Moment ferner, als über euphorische Tanzpartys nachzudenken, auf denen sich Tausende von Menschen dröhnenden Bässen hingeben, wo sie schwitzen, sich aneinander reiben, in waghalsigen Choreographien zu überbieten versuchen, flirten, sich berauschen und den Alltag ausschalten. Allein die Vorstellung davon ist nach über einem Jahr Pandemie Eskapismus pur. Aber wir haben die Challenge angenommen, einen Schwerpunkt über DIE brasilianische Partykultur schlechthin zu erstellen: Baile Funk. Weiterlesen

Märchen statt “Humorkrimi”

Verschönern Sie sich Ihr Wochenende mit Denys Arcands “Der unverhoffte Charme des Geldes” (ARTE)
“Wenn die Programmplanung das alleine entscheiden könnte, würde jeden Abend eine Abfolge ‘Tagesschau’, ‘Tatort’, Talkshow, ‘Tagesthemen’ gesendet, und zwar nur diese Sendungen. Weil alles andere irritiert und ist lästiger, also, irgend so einen Dokumentarfilmer auf dem Hals zu haben, der mal jahrelang an einem Produkt arbeitet, das ist einfach lästig. Also, das läuft im Grunde wie geschmiert. Und es ist ein bisschen eine mentale Prostitution von allen Beteiligten, weil jeder etwas davon hat: die Moderatorinnen werden bekannt, die Produktionsfirmen verdienen gut, die Gäste werden prominent, wenn sie es nicht schon sind – also, das ist so ein System, eine Versicherung auf Gegenseitigkeit, die ziemlich gut funktioniert. Weiterlesen

Geschlechterkrieg

Starke Frauen lassen sich das Schöne nicht von doofen Männern vermiesen
Nicht nur blond, sondern auch von ziemlich “kleinem” Wuchs – und Frau. Ist so jemand ernstzunehmen? Das zu fragen ist ein mittelgrosser bis grosser Fehler mittelalter bis alter Politikmänner. Und es gibt eine, Michael Bauchmüller/SZ hats gemerkt, die das unbarmherzig als Waffe einzusetzen weiss: Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Ihren späteren Gatten lernte sie an dem Tag kennen, an dem Oskar Lafontaine als Bundesfinanzminister zurücktrat; wir hörten es im Taxi auf dem Weg zum Düsseldorfer Hbf., nach einem göttlich-oppulenten Menü. Mich hat es immer mit ansteckender Freude erfüllt, mit ihr befreundet zu sein. Weiterlesen

Strassenbahn als Stadtwerbung

Wundersame Bahn LXIII
Als Kind bin ich im Wirkungsbereich der “Vestischen Strassenbahnen” aufgewachsen. Ausgerechnet diese Gesellschaft war diejenige im Ruhrgebiet, die die Strassenbahnen 1982 rückstandsfrei abgeschafft und durch Busse ersetzt hat. Die meisten Städte im Ruhrgebiet vergruben die Strassenbahn seinerzeit unter die Erde und nannten sie U-Bahn. Der Urbanität ihrer Städte sowie den städtischen Haushalten, die mit vervielfachten Unterhaltskosten belastet werden, haben sie damit irreparablen Schaden zugefügt. Schön zu sehen war das gestern in diesem Schmuckstück des MDR (von Tom Kühne und Steffi Lischke) über die Stadt Halle. Weiterlesen

Sehnsüchte

SPD / Schweiz
An Robert Misik schätze ich, dass er vom politischen Träumen nicht lassen will. Seine Art des Träumens ist geprägt von durchaus strengem Realismus, und darum als Kritik am Bestehenden besonders hart. Der Mann weiss, was Dialektik ist. Sein aktuelles Opfer ist, nunja, mal wieder die SPD. Ein leichtes Opfer? Einerseits ja. Misik tritt aber nicht auf sie ein, sondern macht einen ernstgemeinten Therapievorschlag. Er brachte mich sofort ins Grübeln. Was, wenn die SPD so vorgehen würde? Wäre sie für mich dann nicht ein guter Schutz vor der Aussenpolitik, die ich von Annalena Baerbock befürchte? Weiterlesen

Kleine Geschichte des Baile Funk

von Adriana Facina und Dennis Novaes
Aus der Favela, über die Favela, für die Favela

„Ein außergewöhnlicher Sound“, so wirbt das Soundsystem Cash Box 1974 für den potenten Klang seiner Musikanlage. In den 1970er Jahren kommt die Jugend aus den Vorstädten und der Peripherie von Rio de Janeiro zu Tanzveranstaltungen, wo die Musik aus leistungsstarken Boxen dröhnt, was die Bässe der Soul- und Funk-Beats schwarzer US-amerikanischer Künstler*innen unterstreicht. Der Sound ist laut, und er ist schwarz, die Tänze dazu sind voller Schwung und Energie, Hüftbewegungen stehen im Vordergrund. Weiterlesen

Lärm und Langeweile

Wundersame Bahn LXI
Pokal-Halbfinale. Nur gut 5 1/2 Mio. haben noch zugeguckt. Halb so viele, wie heute dem bösen Liefers im Tatort-Münster zugucken werden. Mir war schnell langweilig, ca. nach dem 2:0. Die Pflicht für einen BVB-Fan in den USA zu gucken, um ihm davon berichten zu können, war zuvor entfallen. Er konnte selber gucken, und musste in der 2. Halbzeit verharren, weil er einen Kater hatte, einen echten, auf dem Schoss. Ich kehrte zu 3sat zurück: Thementag “Zuggeschichten”. Weiterlesen

Impf-Nebenwirkungen?

Küppi gab vorgestern in seinem VouTube-Kanal bekannt, dass er “seit zehn Tagen” geimpft sei. Wie schön, dachte ich. Doch dann das: was er heute auf mein Tablet brachte, erfüllte mich mit Sorge. Da stimmt doch was nicht. Was ist mit ihm los? Welcher Impfstoff mag es gewesen sein? Halluzinationen von einem “Oktoberfest in Dubai”. Bricht sich das antibayrische Gen des BVB-Fans Bahn? Das wäre noch die verständlichste Hypothese. Weiterlesen

Gutes aus Dessau

Lotte Lenya – die starke Frau hinter Kurt Weill / Bankraub-Weltrekord in der Türkei / CDU ist überall
Die “Lange Nacht” des DLF bestätigt an diesem Wochenende erneut ihre Spitzenstellung im deutschen Radioschaffen. Beate Bartlewski hat schon 2013 ein spannendes Stück über Lotte Lenya und Kurt Weill abgeliefert. Es wird an diesem Wochenende wiederholt. Und weil eine gute Freundin als schwarzes Mädchen in Dessau aufwachsen musste, und auch in diesem Blog immer wieder mit schlechten Nachrichten von dort malträtiert wurde, hier die gute Nachricht: das Kurt-Weill-Zentrum ist für alle, die es noch nicht kennen, gewiss eine Reise wert. Weiterlesen

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Beueler-Extradienst | Impressum | Datenschutz

Theme von Anders NorénHoch ↑