Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: DLF (Seite 10 von 43)

Drehbuch und Intendanz

mit Update 20.11.

Desinformationsgesetz – Attentat – Krieg oder Wahlen? – ist das Erdogan-Drehbuch

Sonntag ist hierzulande Tatort-Zeit. Der wurde gestern in die Tagesschau vorgezogen. Dort sahen wir Chefermittler Recep Tayyip Erdoğan bei der harten Ermittlungsarbeit. Ermittlungsarbeit? Der Supermann hatte schon fertig. Polizei? Staatsanwaltschaft? Braucht der nicht. Weiterlesen

0,2%

Freidrehende Medienchefs … und -chefinnen

Die gute Nachricht zuerst. Der TV-Kanal “Bild-TV” des Springerkonzerns erreichte in seinem ersten Jahr bei der “werberelavanten Zielgruppe” der 14-49-jährigen (eine Erfindung von Helmut Thoma) einen Marktanteil von 0,2%. Das ist noch weniger als die gedruckte Version, die zum Ende dieses Jahres unter 900.000 verkaufte Exemplare fallen dürfte. Wenn der Asi Julian Reichelt den Springerkonzern auf diese Weise ärmer gemacht haben sollte, dann ist das die erste gute Seite, die ich an dem Kerl entdecke. Weiterlesen

Spirituelles Covid-Virus

Mein Freund Michael Kleff, derzeit in New York den Midterms entgegenzitternd, hat mehrmals an deutsche Rundfunkintendanten geschrieben, um sich über überbordende Religionsprogramm zu beschweren. Er steht damit in guter liberaler Tradition. In den 70ern haben wir bei den Jungdemokraten über “Liberalismus und Christentum” debattiert, diese ideologisierte Ebene aber lieber verlassen, und uns pragmatisch auf “Kirche und Staat” konzentriert, und damit sogar phasenweise Mehrheiten auf FDP-Parteitagen gewonnen. Für mich persönlich war dieses Agendasetting, 1972 von Ingrid Matthäus medienwirksam personalisiert, der Grund den Jungdemokraten beizutreten. Weiterlesen

Ihr seid der Stau!

Ja, es ist erregend. Und alle erregen sich. Nur wenige dekonstruieren diese Erregung. Ein Anfang gelingt Stefan Niggemeier/uebermdien (und paywallfrei): Die unmögliche Debatte um den Tod einer Radfahrerin – Hat ein Protest auf der Autobahn die Rettung einer verletzten Frau verhindert? Der Fall sorgte für heftige Schuldzuweisungen in Medien und Politik. Die haben sich als voreilig herausgestellt. Und nun?” Niggemeier bleibt in der ihm eigenen professionellen Art fachlich sachlich. Ich möchte hier zuspitzen. Weiterlesen

Iran / China

mit Update abends

Die FAZ hat die aktuellen Iran-Analysen ihres Leistungsträgers Rainer Hermann digital eingemauert. Ihm zufolge “ist die Islamische Republik leer”. Den Menschen hat sie ausser Repression nichts zu bieten. Allerdings sei sie bis an die Zähne bewaffnet. Der entscheidende Faktor seien die sog. “Revolutionswächter”: “Ihre Streitkräfte gehören zu den größten weltweit, sie sind mit einem umfassenden Waffenarsenal und Millionen Freiwilligen ausgestattet, betreiben einen gefürchteten Geheimdienst, kontrollieren die Medien und die Hälfte der Wirtschaft.” Weiterlesen

Auf- und Abstiege

mit Update 13.10.

Aufsteiger*innen unserer Zeit sind zweifellos die Aufständischen im Iran. Jacobin bringt ein Interview mit einer anonymisierten Aktivistin, das nach meiner unmassgeblichen Kenntnis wohlinformiert und von politischer Reife geprägt ist: Massenproteste im Iran: »Keine Mullahs, kein Schah, nur Demokratie« – Seit dem gewaltsamen Tod von Jîna Mahsa Amini sind im Iran heftige Proteste gegen das Regime ausgebrochen. JACOBIN hat mit einer iranischen Aktivistin darüber gesprochen, welche Form der Solidarität hilfreich und welche hinderlich ist.” Interview mit Parandeh geführt von Sayeh Javadi, Übersetzung von Thomas Zimmermann. Weiterlesen

Die Bahn gibt auf

Was heisst “Verkehrsverbund”? Wundersame Bahn CXXVII

Als ich heute morgen mit dieser Radionachricht aufwachte, dachte ich: haben die keine neuen Nachrichten? Laut der SZ ist die Störung mittlerweile angeblich “behoben”. Es gab Zeiten, da konnte ich in 1 1/2 Stunden von Bonn bis Essen reisen. Laut Bahnfahrplan schafft mann es in dieser Zeit mit Bummelzügen von Beuel nach Ehrenfeld und zurück. Kein Luxus (obwohl genauso teuer), aber berechenbar. Weiterlesen

„Kritikloser Systemtransfer“

Wie die Öffentlich-Rechtlichen in den Osten kamen – Seit 32 Jahren gibt es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Ostdeutschland. Die Politikwissenschaftlerin Sylvia Dietl zieht ein kritisches Fazit.

Am 3. Oktober 1990 wurden Hörfunk und Fernsehen der DDR in sogenannte Einrichtungen überführt, um am 1. Januar 1992 schließlich in das öffentlich-rechtliche System der BRD integriert zu werden. Die Politikwissenschaftlerin Sylvia Dietl studierte damals an der Universität Mannheim. Für sie ist der Tag der Deutschen Einheit bis heute ein „historischer Wendepunkt, ein Tag der Freude“.

In ihrem kürzlich erschienenen Buch „Transformation und Neustrukturierung des DDR-Rundfunks im Prozess der Wiedervereinigung Deutschlands“ ist ihr Fazit trotzdem kritisch. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Anstalten kommen nicht gut weg. Im Gespräch erklärt die Autorin, warum das so ist und bietet geschichtliche Hintergründe zu aktuellen Korruptionsdebatten. Weiterlesen

Chefs und Vasallen

Reinhard Olschanski sieht Russland unter dem Putinregime auf dem Weg zum “Vasallenstaat”. Er stützt sich dabei auf eine Analyse aus dem britischen Guardian, der – international betrachtet – zu Qualitätsmedien zu zählen ist, und übrigens gut mit dieser Sache klarkommt, die den deutschen Verlagen so schlimme Schmerzen macht: dieses Internet. Ein Leser wies mich heute auf einen Guardian-Text von 2014 (Krim-Annektion) hin, den Consortium News jetzt quasi als Wiederholung bringt. Weiterlesen

Wer ist Chef?

Mensch oder Technik? Die Kunst forscht

Ein alter Streit, ein alter Machtkampf. Wird der Mensch die Herrschaft über seine Technologien behalten? Oder abgeben (müssen)? Einerseits falschgestellte Fragen. In einer Klassengesellschaft sind es wenige Herrschende, die bestimmen, was erforscht, programmiert und produziert wird. Und viele, die sich dem ausgesetzt sehen. Wenn demokratische Medien sie nicht mit Faktenwissen ausstatten, neigen sie zu quasireligiösen Betrachtungen, als sei die Technik “böse”, und nicht der Klassenfeind. Es gäbe viel zu forschen, was die Technik der IT-Monopole mit den Menschen macht. Weiterlesen

Selbstbesoffen

mit Update 21.9.

Wieviele sind “alle”? 5 von 83? Ich hatte in Mathe ‘ne 5, aber so doof bin ich auch wieder nicht. Nach Ansicht der was-mit-Medien-Leute in Deutschland haben alle, aber wirklich alle auf der ganzen Welt, die ein TV haben, um Elizabeth Windsor getrauert, und wollten demzufolge “alle” den zu ihrer Bestattung veranstalteten Karnevalszug von London sehen. Und das den ganzen Tag. Was für ein Eigentor. Weiterlesen

Rückschlag für Überwachungsstaat

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten. Aber wenn sie immer häufiger von Gerichten kommen, stimmt was mit den anderen Staatsgewalten nicht. Der Europäische Gerichtshof hat zur “Vorratsdatenspeicherung” gesprochen. Der DLF macht es sich einfach, und verweist auf ein bereits gestern gesendetes Feature von Peggy Fiebig. Ich empfehle die aktelle Berichterstattung der Kolleginnen von netzpolitik.org.: Anna Biselli berichtet, Constanze Kurz kommentiert. Weiterlesen

Online last

Einige schlechte und wenige gute Beispiele für deutschen Onlinejournalismus

Den Beueler Extradienst gibt es jetzt sechs Jahre öffentlich, inkl. nicht öffentlicher Übungsphase 8 Jahre. Geld ist keins geflossen, weder rein noch raus. Es war nicht furchtbar und es ging. Seine grösste Zierde sind die unbezahlten Autor*inn*en, die schreiben, weil sie es für richtig halten und/oder weil es ihnen Spass macht. Mir auch. Umso mehr elendigliche Gefühle überwältigen mich, wenn ich das Treiben der Profis betrachte. Einige aktuelle Beispiele. Weiterlesen

“Wir haben diesen Blick auf die Welt”

Die Bundesaussenministerin lässt sich in der FAZ-Paywall mit der Schlagzeile „Unsere Waffen helfen, Menschenleben zu retten“ profilieren. Da bin ich persönlich doch erleichtert, dass der Bundeskanzler persönlich zur UN-Vollversammlung anzureisen gedenkt. Ich gehöre nicht zu seinen Fans, war auch keiner, als ich ihn noch persönlich kannte. In der Regierungskoalition scheint er geradezu eine Speerspitze des Realismus zu sein. Was selten ist, ist wertvoll. Darum sollten Sie sein DLF-Interview von diesem Wochenende nicht versäumen. Weiterlesen

“Le Mépris” – gleich bei ARTE

mit Update 15.9. und 16.9.

Ich weiss: ein TV-Tipp für einen Filmstart in wenigen Minuten ist einigermassen schwachsinnig. ARTE hat heute wegen des Todes von Jean-Luc Godard sein Programm geändert, und sendet sein Meisterwerk “Le Mépris” um 20.15 h, ohne Mediathekangebot! Doch hier werden Sie geholfen. Das Youtube-Angebot verlangt lächerlicherweise eine Altersverifizierung, als wenn das ein Schmuddelporno ist. Ist es nicht. Folgen Sie den genannten Quellen (DLF-Lange Nacht, Hans Schmid/telepolis), dann begreifen Sie. Weiterlesen

Bitterfeld und Hamburg

Beispiele zur Distanz des Politmedien-Karussells von der Gesellschaft

In Bitterfeld war ich in meinem Leben ein einziges Mal – durchgefahren. Am Bahnhof öffnete ich das Abteilfenster und blickte raus. Alle meine Vorurteile bestätigten sich optisch. Ein Privatbahnveranstalter bediente damals die Strecke Berlin-Köln auf Nebenstrecken durch Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen, in denen ich im Leben nie war und nie wieder hinkommen werde. Über Siegburg gelangte ich wieder nachhause. Weiterlesen

Kommunikationskompetenz

Was kann Gerhart Baum, was alle andern nicht können?

“Politik ist die Kunst der Kommunikation.” Diesen intellektuell wahrlich nicht überambitionierten Satz prägte eine Freundin von mir, die eine PR-Agentur für Politik und NGOs betreibt. So einfach dieser Satz ist, so selten ist seine Feststellung in der Praxis zu entdecken. Und nun der Vergleich zwischen 1972 und heute. Die deutschen Medien sind heute voll mit Erinnerungen an das Olympiaattentat 1972 in München. Ich war 15, und habe darum nicht viel Erhellendes dazu beizutragen. Dennoch: die bis heute anhaltende deutsche Peinlichkeit hatte Wurzeln in der damaligen Politik. Das grosse Rätsel ist geblieben, warum niemand ausser einem 89-jährigen Fähigkeit und Kompetenz zeigte, das adäquat zu bearbeiten. Weiterlesen

Winnetou-Opium

Wieder hab’ ich nicht aufgepasst. Die wollen mir meinen Winnetou wegnehmen? Wie gemein kann mann denn sein? “Der Schatz im Silbersee” war der erste Film, den ich als Kind im Kino gesehen habe, in der “Schauburg” in Gladbeck, seit vielen Jahrzehnten geschlossen. Erst danach habe ich die Bücher gelesen (nicht alle, aber einige). Und siehe: die waren – wie immer – besser als die Filme. Und nun haben kluge Menschen – weitgehend unbemerkt von breiter Öffentlichkeit – bewiesen, dass der Springerkonzern ganz Deutschland … nein, fast alle deutschen Billigmedien an der Nase herumführen kann. Weiterlesen

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