Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Südamerika (Seite 14 von 24)

Baile Funk

von Informationsstelle Lateinamerika
Nichts liegt im Moment ferner, als über euphorische Tanzpartys nachzudenken, auf denen sich Tausende von Menschen dröhnenden Bässen hingeben, wo sie schwitzen, sich aneinander reiben, in waghalsigen Choreographien zu überbieten versuchen, flirten, sich berauschen und den Alltag ausschalten. Allein die Vorstellung davon ist nach über einem Jahr Pandemie Eskapismus pur. Aber wir haben die Challenge angenommen, einen Schwerpunkt über DIE brasilianische Partykultur schlechthin zu erstellen: Baile Funk. Weiterlesen

Kleine Geschichte des Baile Funk

von Adriana Facina und Dennis Novaes
Aus der Favela, über die Favela, für die Favela

„Ein außergewöhnlicher Sound“, so wirbt das Soundsystem Cash Box 1974 für den potenten Klang seiner Musikanlage. In den 1970er Jahren kommt die Jugend aus den Vorstädten und der Peripherie von Rio de Janeiro zu Tanzveranstaltungen, wo die Musik aus leistungsstarken Boxen dröhnt, was die Bässe der Soul- und Funk-Beats schwarzer US-amerikanischer Künstler*innen unterstreicht. Der Sound ist laut, und er ist schwarz, die Tänze dazu sind voller Schwung und Energie, Hüftbewegungen stehen im Vordergrund. Weiterlesen

Record-verdächtige Medienkonzentration

von Gaby Küppers
Fromme Botschaften als Vehikel für Macht und Profit

„Mit dem Zweiten sieht man besser“, wirbt ein öffentlich-rechtlicher Sender in Deutschland. Auch in Brasilien gibt es ein Zweites, ein Zweitgrößtes, besser gesagt. 2021 ist das der evangelikale Sender Record TV. Vor ihm liegt nur der Erzfeind in Sachen Quoten und Quanten, das O Globo-Imperium. Im Vergleich zu den Privaten ist Brasiliens erst 2007 in der Regierungszeit Lulas und der sozialdemokratischen Arbeiterpartei PT ins Leben gerufene staatliche Medienunternehmen EBC mit TV Brasil, Nachfolger des Bildungssenders TVE Brasil, ein Zwerg. 2011 stand RecordTV noch an fünfter Stelle. Nicht einmal zehn Jahre später ist er der einzige Medienkonzern Brasiliens, der im rückläufigen Anzeigenmarkt des Krisenjahrs 2020 8,3 Prozent zulegte. O Globo verlor dagegen vier Prozent. Geht es um evangelikalen Durchmarsch oder um schnöden Profit? Weiterlesen

Der American way of belief

von Laura Held
Die protestantische Mission in den Amerikas

Im Bielefelder Transkript Verlag erschien 2020 das Buch „Die protestantischen ‚Sekten‘ und der Geist des (Anti-)Imperialismus“ des Religionssoziologen und evangelischen Theologen Heinrich Wilhelm Schäfer. Es behandelt ein immens wichtiges Thema, ohne das die evangelikalen und neopfingstlichen Bewegungen in Lateinamerika nicht zu verstehen sind: die seit mehr als hundert Jahren währende Missionstätigkeit protestantischer Kirchenleute aus den USA in Lateinamerika, deren politische Einflussnahme, die Reaktionen darauf und die Rückwirkungen eines durch die lateinamerikanische Realität, vor allem durch die Migration, sich verändernden Protestantismus in die USA. Weiterlesen

EU – in der Nato zerlegt?

Um im Prinzip unfinanzierbare Rüstungsprojekte durchzusetzen, ist keine Argumentationspirouette zu teuer. Eines Tages, prophezeie ich, wird eine neue Kampfflugzeug-Generation aus deutscher Produktion noch als Klimaschutzprojekt verkauft. So weit ist es noch nicht. Aber auch nicht mehr weit davon entfernt. Das Ding heisst FCAS – Future Combat Air System. Das Ding wird (noch) von Deutschland, Frankreich und Spanien betrieben, hat aber einen englischen Namen. Weil es – selbstverständlich – in die gesamte Welt exportiert werden soll. Sofern sie solvent ist.
Die Meldungen über das Schicksal dieses Projekts (dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv) sind aktuell nicht gut, d.h. aus meiner Sicht besonders gut. Weiterlesen

Die Hässlichen

André Dahlmeyer bat mich freundlich, an den 45. Jahrestag des Militärputsches in Argentinien 1976 erinnern. Der ist heute. André schrieb schon 2010 diese Buchbesprechung in der Jungen Welt, die an diesen Vorgang erinnerte. Dort erfahren wir auch die ausgeprägt hässlichen Verbindungen unseres schönen Landes und seiner Regierung, Aussenpolitiker*innen würden es “special relationship” nennen, zu diesem verbrecherischen Vorgang. Wie es auch heute noch Tradition und Sitte ist, sollte ebendort zwei Jahre später eine Fussball-WM ausgetragen werden. Das Wir-sind-wieder-wer-Deutschland gedachte dort seinen 1974 errungenen Weltmeistertitel zu verteidigen, liess sich von alten Nazis im Trainingslager anfeuern, um dann sportlich – Sie erraten es – an den Ösis zu scheitern. Weiterlesen

Unentbehrlich, aber übersehen

von Bettina Reis
Kolumbien: Pandemie, Hunger und die prekäre Situation der Hausarbeiterinnen

Während der Covid-19-Pandemie ist die soziale Ungleichheit wie unter einem Brennglas deutlicher sichtbar geworden, hat sich durch die monatelange Krise aber auch drastisch verstärkt. Hieß es früher: „Wer arm ist, muss früher sterben“, so änderte sich diese Faustregel durch die Pandemie geringfügig: „Wer arm ist, muss eher sterben“ heißt es jetzt, weil das Risiko, an Covid-19 zu sterben, für Wohlhabende und Reiche sehr viel niedriger ist. Dies vertritt der Armutsforscher Christoph Butterwegge in Bezug auf Deutschland. Seine Aussage gilt in gleicher Weise für Kolumbien, allerdings sind dort die sozialen Verwerfungen, von der Corona-Krise verstärkt, noch viel deutlicher ausgeprägt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Situation von Frauen, die in Privathaushalten als Sorgearbeiterinnen beschäftigt sind. Weiterlesen

Heldin in weißer Uniform

von Paula Andrea Lainez Soto (Übersetzung: Bettina Reis)
Kolumbien: Erfahrungen einer ambulanten Pflegekraft in Medellín

Die Corona-Pandemie hat den Blick dafür geschärft, dass die Arbeit des Gesundheits- und Pflegepersonals für unsere Gesellschaften überlebenswichtig ist. Diesen Sorgearbeiter*innen wurde viel applaudiert, manchmal eine kleine Prämie zugestanden und für irgendwann später eine bessere Bezahlung versprochen. Zwischen der moralischen und der materiellen Anerkennung ihrer Arbeit liegen meist Welten. 156 Jahre müsste eine Pflegekraft arbeiten, um das Jahresgehalt eines DAX-Managers zu verdienen, hat Oxfam kürzlich errechnet. In Kolumbien ist die Situation des medizinischen und des Pflegepersonals sicherlich noch schlechter als bei uns. Unsere Autorin beschreibt ihre ernüchternden Arbeitserfahrungen bei einem Pflegedienst in Medellín. Weiterlesen

Gegen die Krise des Systems

von Diana Lilia Trevilla Espinal (Übersetzung: Mirjana Jandik)
Sorge füreinander, für die Gemeinschaft und die Natur

Fürsorge geht weit über das Kümmern um die Familie hinaus und wird im lateinamerikanischen Kontext auch im Zusammenhang mit der Verteidigung von Leben und Territorien diskutiert. Im Kontext jahrhundertealter kolonialer, patriarchaler und kapitalistischer Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnisse, die sich in besonderer Weise auf die Körper der Frauen auswirken, gilt es, gemeinschaftliche Alternativen zu finden. Fürsorge soll dafür aus dem Bereich des Privaten herausgezogen und politisiert werden. Dabei geht es um Sorge füreinander, für die Gemeinschaft und für die Natur. Weiterlesen

Globalpolitische Konkurrenz

Oder Wahrnehmung globaler politischer Verantwortung? – Zur Geberkonferenz der EU für einen Corona-Impfstoff
War die gestrige Geberkonferenz der EU ein Versuch, sich in der globalpolitischen Konkurrenz zu den USA und China besser aufzustellen? Oder diente die Konferenz tatsächlich dem offiziell proklamierten Ziel einer möglichst schnellen Entwicklung und dann auch global gerechten und ausreichenden Verteilung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus? Anlaß zu Zweifeln gibt es aus mehreren Gründen. Weiterlesen

800 Titel in 40 Jahren

Interview von Gert Eisenbürger/Informationsstelle Lateinamerika mit Petra Kassler von Litprom über die Förderung von Übersetzungen aus den Ländern des Südens
Seit 1980 gibt es in Frankfurt am Main die „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika“ (Litprom). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Präsenz von Autor*innen aus den drei Kontinenten auf dem deutschsprachigen Buchmarkt zu erhöhen. Ein Mittel dazu ist die Förderung von Übersetzungen. Wie das genau funktioniert, woher die Mittel dafür kommen und wer entscheidet, welche Titel gefördert werden, erklärt Petra Kassler im nachfolgenden Interview. Weiterlesen

„Brasilien ist kaputt.”

“Ich kann nichts machen“ – Die bittere Wahrheit: Präsident Bolsonaros Aussage vom 5. Januar 2021
von Luiz Ramalho

„Quebrado“ (kaputt) – das bringt es auf den Punkt. Aber nicht nur das Land ist kaputt, sondern auch seine unfähige und in mehrerlei Hinsicht gefährliche und menschenfeindliche Regierung. Vier Aspekte nimmt unser Autor genauer unter die Lupe: den Impfkrieg, die Außenpolitik, das Nothilfeprogramm und die Ergebnisse der Kommunalwahlen im November. Weiterlesen

Mojito, Strand und Injektion

von Knut Henkel
Neues aus dem Forschungslabor: Der cubanische Impfstoff Soberana02 weckt Hoffnungen

Etwas pathetisch klingt der Name des weit fortgeschrittenen cubanischen Coronaimpfstoffs Soberana02. Auf Deutsch: Souverän02. Vielleicht haben sich Cubas Forscher*innen am russischen Beispiel von Sputnik 05 orientiert. Sicher ist jedoch, dass dieser Impfstoff und weitere Präparate gegen Covid-19 in den letzten Monaten in Havanna entwickelt worden sind. Cubanische Forscher*innen sind somit auf dem besten Weg, Cubas Ruf als Forschungsstandort des globalen Südens aufzupolieren. Weiterlesen

Somalia / Rio / Russland

Es gibt sie noch: Publizistik mit Niveau und ohne Paywall.
Afrika-Korrespondentin unter Pandemie-Bedingungen ist allein schon ein respekteinflössender Schwierigkeitsgrad. Unter solchen Bedingungen Material aus Mogadischu zu ergattern, wow. Ich weiss nicht, ob Bettina Rühl selbst dort war. Vermutlich hat sie Verbindungen genutzt, um Informationen und O-Töne zu beschaffen. Denn nach meiner Kenntnis liegt der Security-Tarif für offensichtliche Nicht-Einheimische in Mogadischu bei 1.000 US-$/Tag. Dafür dürfte das DLF-Honorar kaum ausreichen. Weiterlesen

USA / Russland

Wolfgang Michal/Freitag hält das Geschwätz von der notwendigen “Versöhnung” für ein Stillstands-Plädoyer. nur wenn eine Seite gewinne, werde es Bewegung geben: “War der Trump-Putsch vom 6. Januar ‘der vorläufig markanteste Auftritt einer globalen Bewegung’, die weit Größeres vorhat (wie die Zeit befürchtet), oder war es das letzte Gefecht der Unbelehrbaren vor der unweigerlich beginnenden sozial-ökologischen Transformation?” Weiterlesen

Menschlicher Abgrund Pandemie

Oder: – im Science Fiction waren die Menschen besser
Seit Entstehen der klassischen Zukunftsromane ist die Virusinfektion durch Außerirdische oder durch Ansteckung aufgrund von Bombenexperimenten verrückter Wissenschaftler eine beliebte Erzählung. Einer der ersten Thriller diese Art ist 1953 der von Jack Arnold gedrehte “They Came From Outer Space” nach einer Geschichte “Meteor” von Ray Bradbury. Im Klassiker “Krieg der Welten“ von H.G.Wells ist die Erde den marsianischen Invasoren hoffnungslos ausgeliefert. Aber auch zur “Corona-Krise” gibt es eine filmische Blaupause: Das “Andromeda-Projekt” USA 1971 zeigt eine Verseuchung der Umwelt und massenhafte Todesopfer durch ein außerirdisches Virus. Weiterlesen

Rückschlag für alte Seilschaften

von Andreas Baumgart
Aufstand der peruanischen Jugend gegen Korruption und die politische Klasse

Peru hat turbulente Wochen hinter sich. Der Sturm hat sich vorerst gelegt und es herrscht wieder etwas Ruhe auf den Straßen und im Parlament. Mit ziemlicher Sicherheit befindet sich das Land nur im Auge des Hurrikans, und schon bald wird wieder ein rauer Wind wehen.

Am 9. November enthob das peruanische Parlament Präsident Vizcarra mit überwältigender Mehrheit von 105 Stimmen bei 19 Gegenstimmen und vier Enthaltungen seines Amtes. Vizcarra wurde „dauerhafte moralische Unfähigkeit“ vorgeworfen, eine verfassungsrechtlich höchst fragwürdige Begründung. Es war der zweite Absetzungsversuch Weiterlesen

Zukunft braucht Perspektiven

von Inga Triebel
Die Stellung von Mensch und Tier im „amerindischen Perspektivismus“ von Eduardo Viveiros de Castro

Der Stellenwert von Mensch und Tier wird seit Jahrhunderten in Alltag und Wissenschaft diskutiert. Einer westlich geprägten Weltanschauung zufolge ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier in dem, was dem Menschen eigen ist, begründet. Der Brasilianer Eduardo Viveiros de Castro entwirft mit seinem Konzept des „amerindischen Perspektivismus“ eine radikale Alternative zur Betrachtung von Mensch und Tier. Grundlage dafür liefern ethnographische Begegnungen mit verschiedenen indigenen Gemeinschaften der Amazonasregion. Weiterlesen

Durchhalten und nicht entmutigen lassen!

von Britt Weyde und Gert Eisenbürger
Zur Lage der Bonner Informationsstelle Lateinamerika (ILA)

Für 2020 hätten wir uns vieles vorstellen können. Aber was dann kam, eine weltweite Pandemie mit vielen Todesopfern, Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen, vergangene und kommende Lockdowns in Lateinamerika wie in Europa – nein, das konnten wir uns wirklich nicht vorstellen.
Wie alle versuchen wir auch in der ila, damit umzugehen. Im März haben wir unsere Redaktions­arbeit und unser Layout weitgehend auf virtuelle Begegnungen und Homeoffice umgestellt. So haben wir es immerhin geschafft, die ila-Ausgaben dieses Jahres regulär rauszubringen. Weiterlesen

Er ist alt und braucht das Geld

Und: Paolo folgte Diego / Fußball abschalten? – passiert schon!
Das habe ich an Francis Ford Coppola – neben seinen genialen Filmen – immer bewundert: wie er die profitgeilen Hollywood-Bosse lang gemacht hat. Es ist neben der Herstellung von Filmen die grösste Regisseur*innen*kunst: der Kunst den Sieg über Rentabilitätsrechnungen zu verschaffen. War es unter diesen Vorzeichen Glück oder Pech? Bei “Der Pate” gingen Kunst und Profit eine glückliche Beziehung ein. Darum “mussten” drei Teile hergestellt werden, Weiterlesen

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