Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Köln (Seite 11 von 12)

Abenteuer im VRS (II)

Gestern schon wieder auf Abenteuerreise nach Köln. Fahrkartenkauf am Adenauerplatz überhaupt kein Problem. Verkehr über die Kennedybrücke trotz Schienenbauarbeiten auch nicht. Zugerreichen am Hbf. auch nicht. Das weite Rausfahren der Züge am Bahnsteig ist gewöhnungsbedürftig, zum Entzerren der Fahrgastmassen in der Rushhour aber sinnvoll, während der Bauarbeiten am Hbf. Baufortschritt ist für den Laien nicht wirklich sichtbar, naja es waren Osterferien.

In Köln Übergang zur U-Bahn, Breslauer Platz. Wer hatte den Stadtplanern und Architekten wohl was in den Kaffee getan? Oder was haben die geraucht bei der letzten Platzrenovierung? Weiterlesen

Abenteuer im VRS

Zu doof zum Sozialbetrug habe ich vor einigen Wochen mein Jobticket zurückgegeben. Es erlaubte zu äusserst preisgünstigen Bedingungen (rund 50 €/Monat) die Nutzung des öffentlichen Regionalverkehrs. Gestern war ich zum BVB-Gucken in Köln verabredet. Spannender als das traurige Spiel die Rückreise:
1. U-Bahnhaltestelle Venloer Str./Gürtel: Automat nimmt kein Papiergeld (meine Fahrkarte kostet 7,80), meine EC-Karte auch nicht.
2. U-Bahn: Automat in der Bahn: dito
Knapper Übergang am Bhf. West zur Mittelrheinbahn nach Bonn, am späten Abend gibts nur noch stündliche Verbindung nach Bonn, ich nehme als Abkürzung den Behindertenaufzug direkt vom U-Bahnsteig zum DB-Bahnsteig, der beim Umbau zur Barrierefreiheit um 50 m verlegt worden ist.
3. Auf dem DB-Bahnsteig: kein Automat. Doch: einer für Getränke.
4. in der Mittelrheinbahn: kein Automat. Ab Bhf. Süd erscheint eine, wie heisst das heute?, früher sagten wir: Schaffnerin. Hinter Kalscheuren ist sie bei mir: ich bitte um Kaufgelegenheit einer Fahrkarte. Geht nicht.
5. Ich beschreibe ihr meine Erlebnisse wie oben. Sie meint, im Bhf. West gebe es einen Fahrkartenautomaten, an anderer Stelle, an der ich nicht vorbeigekommen sei. Sie schreibt eine “Störmeldung”, notiert sich meine Reisepassdaten und meine Anschrift.
6. In Bonn kaufe ich mir eine Busfahrkarte, Kurzstrecke Adenauer-Platz.
Wie wird es weitergehen? Ich werde berichten.

Update 17.5.: Letzte Woche erhielt ich per Schnecken(Brief)post eine Mahnung der Firma “Trans Regio AG”, das ist die Firma, die sich hinter dem Begriff “Mittelrheinbahn” verbirgt, über 75 €. 60 € “erhöhtes Beförderungsentgelt” plus 15 € Mahngebühr. Ich widersprach per E-Mail, dass ich bisher nie eine Forderung erhalten hatte, für die gemahnt werden könnte, mit kursorischer Darstellung obigen Sachverhalts. Heute reduzierte die Trans Regio AG auf dem Kulanzwege ihrer Forderung per E-Mail auf 7,80 €, also den Fahrpreis, den ich sowieso – vergeblich – zahlen wollte. Geht doch. Alles wäre einfacher, wenn die Zugbegleiterin mir eine Fahrkarte hätte verkaufen dürfen.

Für und Wider zu “Pulse Of Europe”

Vor einigen Wochen berichtete mir eine gute Freundin von einem Zusammenstoss am Fusse des Kölner Doms mit ein paar Europa-Verrückten. Sie, Betriebsrätin in der Kulturwirtschaft, ehrenamtlich in der Flüchtlingssolidarität aktiv, habe sie u.a. gefragt, ob sie noch nie was von der Verarmung in Griechenland oder ersaufenden Flüchtlingen im Mittelmeer gehört hätten. Ich recherchierte nach ihrem Bericht ein wenig im Internet, welche Sekte das gewesen sein könnte, und stiess so zum ersten Mal auf “Pulse Of Europe”.

Meine Freundin beruhigte ich danach: keine Evangelisten, auch keine rechten Spinner, vermutlich nur etwas verwirrte Bürger*innen, die sich nicht genug in die komplexe widersprüchliche Materie vertieft haben, aber auch nichts Böses im Schilde führen.

Seitdem sind die Aktionen dieses Vereins von Woche zu Woche größer geworden und viele haben sich bereits kritisch an ihnen abgearbeitet. Weiterlesen

Über Barbarossaplatz

Es ist jetzt vier Tage her, dass ich den TV-Film gleichen Namens gesehen habe. Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Spielfilm mich gedanklich so lange beschäftigt hat. Sowohl beim Versuch, seine Geschichte und seine Figuren zu verstehen; als auch bei der Überlegung: wie finde ich das? Ist das gut? Oder sehr gut? Die Geschichte ist zu widersprüchlich und gebrochen, als dass ich in fanartige Begeisterung ausbrechen könnte. Ich denke immer noch darüber nach. Kann ein Film überhaupt eine bessere Kritik bekommen?

Die ARD versenkte den Film am Dienstagabend um 22.45 h in der DVB-T-Umschaltzeit, die letzte Viertelstunde war für mich per TV nicht empfangbar. Ich habe sie mir dann in der Mediathek angesehen. Bravo: dort wird der Film nicht 7 Tage sondern drei Monate vorgehalten, weil er eine WDR-Eigenproduktion ist. Dann müssten sie ihn aber im Juni auch eigentlich gar nicht rausnehmen.

Wo soll ich anfangen, um das Besondere dieses Films zu beschreiben? Das Köln-Bild, Weiterlesen

Sack Reis im Saarland umgefallen

Das Saarland wird immer gern für Größenvergleiche herangezogen, wenn unbekannte Weltgegenden charakterisiert werden sollen. Bei uns in NRW hat sich in Bezug aufs Saarland eingebürgert: kleiner als Köln.
Wenn es nicht so wäre, müsste man jetzt von tektonischen Verschiebungen in der CDU sprechen. Die Saarländerin, deren Namen so schwer zu merken ist, wie der des letzten SPD-OB-Kandidaten in Bonn (erinnern Sie sich etwa noch?), hat klarer gewonnen, als in irgendeinem anderen CDU-Landesverband. Obwohl – oder weil? – sie die unübertroffen beste Freundin der Bundeskanzlerin überhaupt ist. Wird das die angeschwollene Merkel-Kritik in der CDU verstummen lassen? Da können wir angesichts der “Größe” des Saarlandes beruhigt sein: für Unterhaltung wird weiter gesorgt.
Kommen wir zur Linken. Oskar Lafontaine hat seine Wahlprozente nun nahezu halbiert, verglichen mit der vorletzten Landtagswahl kurz nach seinem SPD-Austritt. In ihm und seiner Gattin personifizieren sich zwei Probleme der Linken: ohne politische Erfolgsperspektive gibt es keine Mobilisierung an die Wahlurne. Und wenn dann in der Flüchtlingspolitik noch AfD-affine Signale gegen die Politik der eigenen Partei gesendet werden, wirkt das wie Mobilisierungssabotage. Gut, im Saarland wäre Lafontaine zu einer Koalition gnädig bereit gewesen. Aus einem klassischen Politmachoreflex: keine*r kann Verhandeln/Dealen ausser ich. Alles Mist, es sei denn ich habe ihn selbst gemacht.
Die Grünen – vergessen wirs. Im Saarland war der Landesverband noch nie von traditioneller Clanwirtschaft zu unterscheiden. Schon bei Beginn meines politischen Engagements in den 70er habe ich gelernt: die Verrückten sammeln sich immer im Saarland und in Westberlin (bei allen Parteien und Verbänden).

Demokratie und Türkei-Diktatur

Falsch gemacht, was man falsch machen kann?

Der türkische Diktator im Wartestand, Erdogan tut alles, um sich mittels eines fragwürdigen Referendums an die absolute Macht zu putschen. Vieles, was er in den letzten Jahren inszeniert hat, erinnert an die Vorgänge in Deutschland vor und nach der Machtergreifung der Nazis. Nein, ich vergleiche den Gernegroß vom Bosporus nicht mit Hitler und seine AKP ist keine NSDAP, aber sie ist möglicherweise ähnlich menschenfeindlich wie die spanischen Faschisten des Franco-Regimes. Sie unterhalten Schlägertrupps und bedrohen in SA-Manier anders Denkende. Erdogan ist anders als Franco auch ein Völkermord – in diesem Falle an den Kurden – durchaus zuzutrauen. Sein Vorgehen gegenüber den kurdischen YDP-Truppen im Norden Syriens und die Einsätze der türkischen Armee in Diyarbakir sprechen Bände. Erdogan sind zur Erlangung der absolutistischen Macht in der Türkei alle Mittel recht. Und nicht zuletzt dank der verlogenen Verzögerungstaktik der EU beim Beitrittsprozess der Türkei konnte Erdogan seit einigen Jahren gegenüber seinen Anhängern erfolgreich argumentieren, man wolle in der EU ja eigentlich keine Türkei. Er kann sich dabei auf eine breite konservative Wählerschaft stützen, die autoritäre Politik und Staatsformen befürwortet. Und trotzdem hat Erdogan Angst, er könne das Ziel, die Türkei in eine Quasi-Diktatur zu verwandeln, nicht erreichen. Weiterlesen

Noch 8 Punkte bis zum Klassenerhalt

Erstmals steht Borussia Mönchengladbach auf einem passenden Tabellenplatz: 8. Das wichtigste Saisonziel ist klar vor Augen – um am Ende vor dem FC Köln zu landen, muss noch 1 Punkt aufgeholt werden.
Jetzt nur nicht abheben. Für einen sicheren Klassenerhalt braucht man 40 Punkte, fehlen noch 8. Danach kann man seriös die Planung für die neue Saison verfolgen; je früher umso besser.
Heute wurde der finanziell klar überlegene Gegner aus der Metropole Ruhrgebiet mit dem Sponsor Gazprom im Rücken fussballerisch klar beherrscht. Bei 43% Ballbesitz erreichte die Borussia ein Torschussverhältnis von 19:7. Ähnlich wie in der Vorrunde gegen den FC, nur dass das seinerzeit scheisse ausging. Bei diesem FC-Spiel stolperte Fabian Johnson bisweilen über seine eigenen Beine und wurde von eigenen Fans beschimpft, heute machte er zwei Tore. Sichtbarer kann das segensreiche Wirken von Trainer Hecking nicht werden.
Noch zweimal muss gegen diesen Gegner in den nächsten Tagen gespielt werden, in der Kür Europa-League. Ihn zu unterschätzen, das ist ja wohl der Trainer vor, und dass er die Mannschaft derzeit “erreicht”, ist gut zu sehen. Ein Weiterkommen in diesem Wettbewerb würde ein bisschen Trinkgeld in die Kasse spülen, und könnte auf einen feinen Marketingerfolg auf dem europäischen Markt (“The German Team” als Ersatz für den im Englischen unaussprechlichen Stadtnamen) führen.
Träumerei. Jetzt muss geklärt werden, was mit Eberl ist.

Update nach dem ZDF-Sportstudio: “Momentan zu 100%” bleibt Eberl mit diesen eigenen Worten in Gladbach, nachdem er attestiert hatte “Die Fragen werden kreativer.” Schöne Formulierungen, die der wachsenden Eberl-Astrologie weiter Nahrung geben.

Köln – Bergamo

Eine beliebte Nummer des Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, der auch privat ein lustiger netter Kerl sein kann, geht so: er steht vor einem bekannten großen Luftbild von Köln am Ende des 2. Weltkriegs, zu sehen ist die riesige Trümmerwüste mit dem unversehrten Dom in der Mitte. Kommentar von Becker: “Die U-Bahn ist fertig!”
Angedroht ist das in Köln ja jetzt erst für 2023, also ein paa Jahre ham’wer noch.
Angespielt wird damit auf den Einsturz des Kölner Stadtarchivs an der Severinstrasse in der Südstadt im Jahr 2009. Andreas Rossmann, der landeskundigste NRW-Korrespondent der bundesweiten Blätter (FAZ) kommentiert nun einen weiteren Einsturz des Kölner Stadtarchives, nämlich den, den ihm die lokale Bürokratie beibringt.
Es ist eine Parabel für einen Systemfehler, der weit über Köln hinaus, und weit über Kultur hinausreicht. Diese Bürokratien sind kaum noch steuerbar, schon gar nicht für ehrenamtliche Amateurpolitiker*innen, wie sie auf kommunaler Ebene die Regel sind. Hier liegt ein tieferer Grund für das Scheitern auch bei größeren Aufgaben; es ist unsere Bürokratie, die “das nicht schafft”.

Darum hier noch was Positives: eine graue Maus der Seria A im italienischen Fußball, Atalanta Bergamo mischt derzeit das Business auf, das neue Udinese. Der Fußball lebt, solange sowas noch möglich ist. Zum Vergleich: hier der neueste Lagebericht aus China.

NRW-Rohrkrepierer Olympia – es ist ein Elend

Aus Schaden wird man klug? Unser Bundesland Nordrhein-Westfalen macht es sich zum Markenzeichen, diese Lebensweisheit zu widerlegen. Nur die Älteren werden sich erinnern: 2003 erlaubten wir uns die Peinlichkeit, eine Olympiabewerbung zu starten, für das Ruhrgebiet, das – Gipfel aller Peinlichkeiten – aber das benachbARTE und in der Ruhrgebietsbevölkerung wegen seiner Schnöseligkeit genauso wie in Köln verachtete Düsseldorf vorschickte, um dann aber direkt in der nationalen Vorausscheidung gegen Leipzsch zu scheitern. International war es sowieso alles komplett aussichtslos. Kapuddeneu.
Ex-Westerwelle-Gatte Mronz traf seinen FDP-Parteifreund Thomas Bach, im Hauptberuf Obermafioso des IOC bei seinem Aachener Reitturnier, erntete ein gnädiges Kopfnicken, und setzt den Floh nun der desolaten landespolitischen Szene, die ja sonst für nichts irgendeine Idee hat, ins Ohr.

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Fußballwochenenden können so schön sein

Was das Auswärtsunentschieden von Borussia Mönchengladbach in Darmstadt wert war, wissen wir jetzt. Spätestens seit gestern. Viele Gladbach-Fans hatten zunächst über das Engagement von Dieter Hecking gemotzt. Sie sind verstummt. Er ist zwar nicht mehr der Jüngste. Aber darum nicht unmodern. Er hat einen klaren Blick für die Wirklichkeit und verzichtet auf große Schnauze und überzogene Eigen-PR. Gestern hat die Borussia zum zweiten Mal auswärts gewonnen, obwohl die zuletzt besten Einzelspieler Raffael (verletzt) und Stindl (Mannschaftskapitän, gesperrt) pausieren mussten. Die Mannschaft funktioniert wieder. Das Mittelfeld mit Kramer und Dahoud blüht förmlich wieder auf. Wenn der Bundestrainer nicht Löw wäre, wären sie heisse Kandidaten…..
Und liebe FC-Fans, Ihr müsst nicht nur wegen der heutigen Niederlage beim SCF – dickes, dickes Kompliment an Christian Streich – jetzt ganz stark sein. Weiterlesen

Fall Amri – Organisierte Unverantwortlichkeit

Hans-Christian Ströbele rang nach der Sitzung des parlamentarischen Kontrollgremiums am vergangenen Montag sichtlich um Fassung. So ein Behördenversagen, an dem niemand Schuld sei, habe er in seinem Leben noch nicht erlebt. Den ironischen Unterton, der an rechtsstaatlichen Galgenhumor grenzte, verstanden nicht alle. CDU-Ausschussvorsitzender und SPD-Obmann ergingen sich in langatmigen Erklärungen, warum der neunzehnseitige, vertrauliche Bericht des Bundeskriminalamts über die Chronologie Anis Amri so überraschend wenig über Verantwortlichkeiten der beteiligten Sicherheitsbehörden enthalte.

In der Tat ist es bei der Lektüre des Papiers schwer zu erkennen, inwieweit Landeskriminalamt NRW, Verfassungsschutz NRW, Ministerium für Inneres und Kommunales oder die Ausländerbehörden Kleve und Oberhausen, Verfassungsschutz und Landeskriminalamt Berlin, Generalstaatsanwaltschaft Berlin, die dortige Landesausländerbehörde oder Bundesamt für Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt, Bundesanwaltschaft, BAMF oder der Bundesinnenminister nun jeweils für Amri verantwortlich waren. Aber trotzdem ist der Bericht interessant und wirft neue Fragen auf. Weiterlesen

Geisterhaus DuMont

Wie hier schon kommentiert, macht der Kölner Zeitungsverlag DuMont-Schauberg Berliner Konzernteile dicht, um sie anschliessend zu schlechteren Bedingungen für seine Beschäftigten neu zu eröffnen. Manchmal fragt man sich ja, was “die Politik in Berlin” so den lieben langen Tag eigentlich macht. Hier hätte sie ein dankbares Betätigungsfeld: seit Jahrzehnten bekämpfen die Milliardärsfamilien, denen die deutschen Zeitungsverlage gehören, das Tarif- und Arbeitsrecht mit dieser Methode. In der Wirklichkeit schaffen sie damit Machtverhältnisse, wie sie nicht im Betriebsverfassungsgesetz, aber auf lateinamerikanischen Latifundien üblich sind. Es wäre die ureigene Aufgabe des Gesetzgebers, also des Parlaments, die scheunentorgroßen Gesetzeslücken, durch die diese fetten Elefanten spazieren, zu schliessen. Bekannt geworden ist darüber bisher leider nichts.
Stattdessen spielt in der Wirklichkeit des bald ehemaligen Berliner Verlags ein falscher Film, den eine eindrückliche Reportage der Medienjournalistin Ulrike Simon, eine Autorin, die gewöhnlich nicht zu einseitiger Polemik neigt, beschreibt. Der Mediendienst “Horizont”, in dem sie diese Reportage publiziert, wird übrigens von einem ehemaligen Chefredakteur des Hauses DuMont verantwortet.
Simon formuliert die naheliegende spekulative Frage, wann der gleiche Film im Rheinland abgespielt werden dürfte. Fast symbolisch ist das Haus am Bonner Suttner-Platz, in dem sich jahrelang die Bonner Express-Redaktion befand (und auch die BfG, Bank für “gemeine Wirtschaft”), bereits durch Abriss verschwunden.

Tatort – beim WDR geht noch was

Der von mir seit einiger Zeit favorisierte Dortmunder Tatort hat seinen Drehbuchautor Jürgen Werner nach Köln ausgeliehen. Kann das gutgehen: von Westfalen in die ganz andere Kultur des Rheinlandes? Dem Kölner Tatort hat es jedenfalls gutgetan. Wie Jürgen Becker immer so schön sagt: “Es ist furchtbar, aber es geht!” Der Film ist eine Parabel über eine paranoide Gesellschaft. Wer sich Krieg wünscht, bekommt ihn auch. Wer dagegen Frieden will, muss hart arbeiten. So ist das schon immer, als Zeitgenosse und beim Betrachten dieser gelungenen Produktion muss man jedoch immer denken: heute besonders.

Köln-Sylvester II / Algerien / Lebensmittelmonopole / Frankfurter Schule / Autozukunft / Trauern / BVB

Die Sau scheint durchs Dorf durch. Das heisst, dass tatsächliche Aufklärung jetzt erst beginnt. Sebastian Weiermann trägt dazu bei: Sylvester in Köln II.
Unruhen in Algerien. Ach, das haben Sie nicht bemerkt? Ist auch nicht so einfach zu erklären, wie es deutsche Leitmedien lieben würden. Junge Welt und Jungle World versuchen es trotzdem.
Marktwirtschaft? Lächerlich: der globale Lebensmittelhandel ist in der Hand weniger Konzerne, die mit ihren Geschäftsmodellen und Konzernstrategien die Welternährung komplett erobern wollen. Unter Weltherrschaft tuts wohl keiner mehr. Eine Bestandsaufnahme dieser antihumanistischen Front haben mehrere Stiftungen und Organisationen in einem “Konzernatlas” zusammengetragen, der hier heruntergeladen werden kann.
Die Frankfurter Schule ist an mir vorübergezogen. Als mit und gegen sie demonstriert wurde war ich 11. Erst mein Freund und Mitautor Dieter Bott, Hartz-IV-“Kunde” in Düsseldorf, hat sie mir nahegebracht. Er lernte beim echten Adorno, kannte auch seine Frau und langjährige Witwe, deren eigene intellektuelle Beiträge (von wegen “Frau, die den Rücken freihält”) in der Öffentlichkeit nie hinreichend gewürdigt wurden. Weiterlesen

“Sylvester” / CCC-Kongress / Jahresrückblick

Armin Nassehi ordnet im taz-Interview auf angenehm sachliche Weise das berühmt-berüchtigte letztjährige Kölner Sylversterereignis politisch ein. Er bestätigt damit mein Klischee vom iranischen akademisch gebildeten Flüchtling als Integrations- und vielfach auch Assimilationskünstler in Deutschland. Wenn Sie als Biodeutsche*r die Gelegenheit haben, die Nähe solcher Menschen zu finden, suchen Sie sie! Sie werden von ihnen noch was über Ihr eigenes Herkunftsland lernen.
Lalon Sander informiert über wichtige Referate und Debatten beim CCC-Kongress.
In der Flut der Jahresrückblicke empfehle ich klar den von Friedrich Küppersbusch, wie so oft mit der besten Pointe am Schluss.
Eine gelungene taz-Wochenendausgabe.

Beueler Kleinversorgungsprobleme

Regelmässig besuche ich meine alte Essener Heimat und habe so einen regelmässigen Vergleich städtischer Strukturprobleme: hier in Beuel die bürgerlich-rheinische Puppenstube, dort im Essener Norden die Klassenprobleme, die seit Jahrzehnten ignoriert werden. Zwischendurch besuche ich häufig, nicht weniger kontraststark Freund*inn*e*n in Köln-Ehrenfeld. Während letzteres, einem Wunder gleich, den U-Bahnbau unter der Venloer Strasse in Köln überlebt hat, ist das einst lebhafte Subzentrum Essen-Altenessen darunter in den 80er/90er Jahren verstorben. Es leidet jetzt sogar unter der schlagzeilenträchtigen aber unzutreffenden Diffamierung als “No-Go-Area”. Talkshow-Stargast Guido Reil, einst SPD heute AfD, startete seine Medienkarriere mit der Lüge “Der Essener Norden ist voll!”, obwohl es nirgends in Westdeutschland mehr Wohnungsleerstand gab und gibt als ebendort. Das sind wirkliche Probleme.
Köln-Ehrenfeld dagegen kämpft dagegen, so angesagt zu sein, dass die Preise dort bald für Normalverdiener*innen nicht mehr zu bezahlen sind. Ein von Immobilienspekulanten betriebenes Einkaufszentrum wurde verhindert, der Investor Bauwens-Adenauer soll “verstanden” haben. Der Stadtteil hat fast alles, was man an Köln lieben kann; nur der Dom ist woanders.

Beuel liegt in seiner Entwicklung zwischen Altenessen und Ehrenfeld, bisher und was seine Chancen betrifft, weit näher an Ehrenfeld. Weiterlesen

Bundestagswahl 2017 – Bonn hat schon gewonnen

Bundeskanzlerin Merkel hat letzte Woche, sie muss ja jetzt auch alles selber machen, die Strategie-PR der Grünen übernommen. Sie seien nicht ihr Lieblingskoalitionspartner, sowas in der Art soll sie gesagt haben. Denn sie hat erkannt: so wie Kretschmann und seine Freund*inn*e*n bei den Grünen es machen, treiben sie Grünen-Wähler*innen zu SPD und Linken. Das würde dazu führen, das Schwarz-Grün keine Chance auf eine Parlamentsmehrheit hätte.
Die NRW-Grünen scheinen mehrheitlich ein Rot-Rot-Grün-Bündnis vorzuziehen. Grüne MdBs werden, ausser in Berlin, nicht dadurch gewählt, dass sie Direktwahlkreise gewinnen, sondern indem ihnen gemäss dem Wahlergebnis Sitze in der Reihenfolge einer “Reserveliste” im jeweiligen Bundesland zugeteilt werden. Diese Reserveliste haben die Grünen für NRW gestern Abend nominiert. Sie wird zwar von zwei “Realos” angeführt, die bei Schwarz-Grün relativ schmerzfrei wären, dann folgen aber zunächst 7 Kandidat*inn*en, die die Weichen lieber nach links stellen würden. Angeführt werden sie von der Bonnerin Katja Dörner, die Platz 3 mit 86% der Delegiertenstimmen eroberte.
Der Kölner Volker Beck schaffte es nicht. Er wird aus dem Bundestag, dem er seit 1994 ununterbrochen angehörte, ausscheiden. Viele Menschen, insbesondere ausserhalb der Grünen, sind traurig darüber. Beck hat im Bereich der Menschenrechts- und Bürgerrechtspolitik, auch für seine Partei, Überdurchschnittliches geleistet. Parteien sind nicht dankbar, auch die Grünen nicht. Das ist auch nicht ihre verfassungsmässige Aufgabe.
Die Jüngeren, die jetzt antreten, könnten das auch. Im Karrieremanagement sind sie mindestens genauso professionell. Die Grüne NRW-Liste war schon im Vorfeld weitgehend durch Bezirksabsprachen geregelt. Jetzt müssen sie gesellschaftlich allerdings endlich mal das Kämpfen lernen. Es gibt da draußen ein Leben ausserhalb der Parteiseilschaften.

Tatort-Paranoia und Medientrash

Ich kenne kaum jemand, der in Ulrich Tukur nicht einen erstklassigen Schauspieler sieht. Hier eine Besprechung der gestrigen Tatort-Folge, in der er wieder die Hauptrolle spielte. Im TV ist der Tatort neben Fußball das letzte Ereignis, das in den Augen der öffentlich-rechtlichen und privaten Einschaltquotenjäger*innen noch “funktioniert”. Ich gestehe: als Zuschauer gehöre ich dazu, neben der Tagesschau das einzige Programmelement, das ich zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung anschaue.
Dieses Sendeformat ist also das Letzte, mit dem das TV massenhaft aufnahmebereite Hirne erreicht. In der Regel immer mit einem Mord, mindestens einem. Weiterlesen

Rassismus bei uns / TV-Unterhaltung tot / Duterte / Realos

Isaiah Lopaz spiegelt mit einem Kunstprojekt den deutschen Rassismus in Berlin (FAZ).
Die deutsche TV-Unterhaltung ist im Eimer, wie sie bei einer Fachtagung in Köln selbst feststellte (FAZ).
Auf den Philippinen regiert nun schon über längere Zeit ein Präsident, der ein Vorbote für Entwicklungen in vielen weiteren, großen und kleinen Staaten sein könnte, wenn wir es einfach so weiterlaufen lassen (Jungle World).
Die Grünen Realos haben “es” vergeigt, meint Franz Sommerfeld; es liest sich ein bisschen wie enttäuschte Liebe, verkennt auch die wichtige Rolle, die Jürgen Trittin bei der Durchsetzung des Präsidenten Gauck gespielt hat, ist ansonsten in der Analyse aber sicher treffend (Carta).

DuMont – wird der Konzern gerettet oder zerdeppert?

Es gab eine Zeit, das ist noch weniger als 10 Jahre her, da war der beste Lokaljournalist in Bonn Thomas Aghte. Er leitete die klitzekleine Bonner Lokalredaktion des “Rhein-Sieg-Anzeiger”, ein lokaler Bonner Ableger des “Kölner Stadt-Anzeiger”, als der noch eine gute regionale Tageszeitung war. Die Zeit ist darüber hinweggegangen, was bedeutet: die Zeitungsverleger in NRW arrondieren schon seit Jahrzehnten untereinander ihre Verbreitungsgebiete, so dass sie jeweils in “ihrem” Gebiet zu Monopolisten werden. Den Boden für das heutige “Lügenpresse”-Gerede haben sie damit bestens gedüngt. Die Verlage Neusser (Bonn, General-Anzeiger) und DuMont-Schauberg (Köln) haben dabei nicht abseits gestanden.
Der Verlag DuMont-Schauberg kommt in diesen Wochen nicht mehr zur Ruhe. Man fragt sich, wie seine Beschäftigten unter den aktuellen Bedingungen Weiterlesen

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