Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: taz (Seite 20 von 47)

Lange Nase für EU und Nato

Eine historische Ironie der Gegenwart ist, dass ausgerechnet das “kommunistische” Regime Chinas sich als schlauer, klüger, pragmatischer, weniger ideologisch verblendet erweist, als die sich demokratisch dünkenden Regimes, die in EU und Nato vorherrschen. Die “One Road – One Belt”– Initative ist nun als “Marketing-Idee” schon 8 Jahre alt. Seitdem sind EU und Nato strategisch gelähmt, wie das Kaninchen gegenüber der Schlange. Ausser moralisierendem Mäkeln fällt ihnen nichts ein. Schon gar nicht in der grössten Krise, die die Welt weltweit gemeinsam empfindet: ausserhalb der EU und der USA wird russisch, chinesisch oder indisch geimpft. Weiterlesen

Nur in Kölle?

Grüne bundesweit erstmals vorne – aber auch besser?
“Jeder Grüne Kreisverband ist besser geführt als dieses Land” soll Robert Habeck gestern laut FAZ gesagt haben. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt müssen solche Ansagen ernstgenommen werden. Erstmals seit Mitte 2019 sind die Grünen wieder Umfragesieger in der “politischen Stimmung” beim Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld GmbH in Mannheim, bezahlt von unserem ZDF-Gebührengeld. Dass das so ist, liegt daran, dass die Stimmung zur deutschen Pandemiepolitik massiv kippt, und das extrem zu Lasten der CDU/CSU geht, der Partei, die noch am meisten Zustimmung zu verlieren hat. Doch was würde besser, wenn es anders wird? Weiterlesen

Die Boomerinnen

Die taz (Antje Lang-Lendorff) interviewte Andrea Paluch. Kennen Sie nicht? Das ist die starke Frau hinter Robert Habeck. Ich kenne viele, die davon träumen mit ihr zu tauschen. Ich habe sie zum ersten Mal gesehen, als sie als Leibwache ihres Gatten zu Ina Müller mitkam. Da besteht immer die Gefahr, dass die über ihn herfällt, mindestens rhetorisch, mit Fragen, die um mehrere Ecken kommen, aber für einen Politiker-Mann ganz schön gefährlich werden können. Weiterlesen

Wenn Politik Presse macht

Vorwort von Jupp Legrand / Otto Brenner Stiftung
Gastbeiträge von Politiker*innen in ausgewählten Tageszeitungen

„Der Gastbeitrag ist ein ambivalentes Genre“, schrieb René Martens in der Medienkolumne Das Altpapier Mitte Januar anlässlich einer Veröffentlichung des Ex-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg in der FAZ: Einerseits könnten Gastbeiträge immer wieder das „Positionen-Portfolio einer Zeitung“ sinnvoll ergänzen, so Martens, „in unguten Fällen“ würde hingegen „ein Text ins Blatt gehoben, der die üblichen redaktionellen Prozesse nicht überstanden hätte“. Der Gastbeitrag von zu Guttenberg ist ein Beispiel für einen solchen Fall, da er sich nicht nur wie ein Lobbypapier der Finanzindustrie – genauer gesagt: des gescheiterten Konzerns Wirecard – liest, sondern tatsächlich auch auf einem solchen beruht. Weiterlesen

Abschließende Gedanken über „Macht“

Mit diesem Text verabschiedet sich Bettina Gaus von der taz. Noch einmal widmet sie sich jenem Thema, das sie bewegt, seitdem sie in den 90er Jahren als Korrespondentin in Afrika arbeitete
Seit 30 Jahren arbeite ich für die taz, seit mehr als 10 Jahren schreibe ich die Kolumne unter der Überschrift „Macht“. Diese wird die letzte sein. Ende des Monats verlasse ich die Zeitung.

Mein vorherrschendes Gefühl ist Dankbarkeit. Drei Jahrzehnte lang habe ich tun können, was ich tun wollte, und ich durfte es stets zu den Bedingungen tun, die ich mir wünschte. Ein großes Glück. Ich würde gerne glauben, dass das nur etwas mit Freiheit zu tun hat und gar nichts mit Macht. Wäre gut fürs Selbstbild. Weiterlesen

Halbseidene Erlöserfantasien

Die Erlöser-Erzählung ist mächtig und massenmedienattraktiv. Wenn sie nicht wahr ist, wirkt sie dennoch auf die Wahrheit ein. Und viele können sich daran laben, Geschäftsmodelle darauf bauen. Das ist rund ums Mittelmeer seit mindestens 2000 Jahren bekannt. Selbst wer schon mehrmals auf Erlöserfantasien hereingefallen ist, greift in seiner irdischen Verzweiflung dennoch wieder danach. Besserwissen hat doch noch nie geholfen, oder?
Bevor ich zu Wichtigerem komme, nehmen wir das Beispiel der Mühseligen und Beladenen in meiner Geburtsstadt Gelsenkirchen: S04. Weiterlesen

Wir Kleinbürger*innen

Berg, Misik, Maak
Wir Kleinbürger*innen haben Solidarität nie erlernt. Das war Sache der Arbeiterklasse. Wir waren selbstverständlich immer was Besseres. Schlauer, kreativer, individueller, freiheitsdurstiger, streitsüchtiger. Sibylle Berg/Sp-on und Robert Misik/taz, selbst welche von uns, versuchen sich an der Therapeut*innen*rolle. Wenn sie zu faul sind, das zu lesen, hier eine Zusammenfassung: raus aus den asozialen Medien, und …. Lesen!
Schrieb ich nicht eben noch vom “Schwanzvergleich im Cyberspace”? Wenn Sie nun einen Zusammenhang mit diesem spektakulären, streng-analogen Grossbrand in Frankreich sehen wollen, kann ich Sie kaum daran hindern.

Geimpfte Zeitgeistsurfer?

Anmerkungen zu den Grünen – im Guten und Schlechten – in Bonn und Berlin
Zu Beginn eine gute Nachricht: aus dem General-Anzeiger, ohne Paywall, erfahre ich, dass Annette Standop, Grüne Fraktionsvorsitzende im Rat, geimpft ist. Zur Impfsituation in Bonn informierte OB Katja Dörner heute morgen in WDR5 (Audio 7 min). Annette Standop, ihr Körper und sein Immunsystem. haben schon einige Lebenserfahrung im Kampf ums Überleben. Das kommt ihr natürlich auch in der Politik zugute.
Ein Teilhabeplan als diskursiver Prozess
Dass ich die Lady kennenlernte, habe ich vermutlich Florian Beger zu verdanken. Weiterlesen

Die sich treiben lassen

Ambros Waibel/taz, eingedeutschter Italiener, wundert sich, wohin das weltberühmte deutsche Organisationstalent verschwunden ist. Viele Bundesbürger*innen wundern sich mit. Hätten Sie den Beueler Extradienst gelesen, wäre ihnen zumindest das Wundern erspart geblieben. Italiener wie Deutsche verstehen sich gleichermassen auf unappetitliche Verknüpfungen von Fussballentertainment und Politik. Darum will ich die Sache hier noch mal am Beispiel der Kolumne des hochgeschätzten Kollegen Martin Krauss/taz kurz erläutern.
Zunächst: alles, was Krauss schreibt ist richtig. Es bedarf jedoch zweier Ergänzungen. Weiterlesen

Doch lieber den Södermarkus?

Die CSU ist hier im Westen verrufen, zurecht. In der Merkel-Ära stellte sie mit klarem Abstand die am meisten versagenden Bundesminister (war ‘ne Frau dabei? erinnern kann ich mich an keine). Von ihr gingen regelmässig die aggressivsten Forderungen zur Einschränkung von Freiheits- und Bürger*innen*rechten aus. Der kleine Armin Laschet dagegen betrat als “Integrationsminister” der CDU-Landesregierung Rüttgers 2005-10 erstmals eine grössere politische Bühne. In dem Amt hat er zu vieler Menschen Überraschung nicht alles falsch gemacht. Doch das sind Bilder der Vergangenheit. Weiterlesen

Zweifel

Ist Michael Maier ein Irrer? Ich weiss es nicht, weil ich ihn nie persönlich kennengelernt habe. Mein Hinweis auf seinen Bericht aus dem Wirecard-Untersuchungsausschuss, der ja nicht geheim sondern öffentlich tagte, findet anscheinend recht grosses Leser*innen*interesse, obwohl doch nichts daran im journalistischen Sinne exklusiv ist. Maier ist ungefähr so alt wie ich, hat aber schon ein a.o. wildes Journalistenleben gelebt. Als Leser profitiere ich von dem, was er tut. Heute mit seinem Interview mit Stephan Suschke, einem Theatermacher, der mit Heiner Müller zusammengearbeitet hat, und eine Menge von Bertolt Brecht versteht. Weiterlesen

Folter

Wirecard-Betrug war 2016 entschlüsselt – andere Gespenster machen unbehelligt weiter
Franziska Folter – was für ein schöner Name. Als 26-jährige Sachbearbeiterin der Bundesbank hat sie ein kritisches Analysepapier angefertigt, das bereits die wichtigsten Fragen enthielt, denen derzeit ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mühselig nachgeht. Michael Maier/Berliner Zeitung berichtet über den anscheinend spektakulären Auftritt der Lady. Ich habe allerdings Fragen dazu, die er vermeidet. Weiterlesen

NDR / NYT

Was glotze ich im NDR-Fernsehen? mare-TV, extra3, Zapp und gelegentlich die freitägliche Nordstory, wenn sie Hamburg behandelt. Zapp ist bereits zu drei Vierteln beseitigt. Jetzt machen sie Panorama platt, was René Martens/taz sehr bedauert. Bei mir war dieses Politmagazin im Zuge ihrer allgemeinen Entwertung durch die ARD schon aus dem Blickfeld gefallen. Allenfalls Monitor/WDR beachte ich noch. Alle Magazine leiden darunter, dass wichtigere Politiker*innen einfach nicht mehr mit ihnen sprechen. Weiterlesen

Alles Egomanen ausser isch!

Sisyphos Rummenigge – es gibt auch Beachtenswertes zur Coronapolitik
Die Westfalen haben die Macht im Fussball. Das muss doch jetzt endlich auch mal thematisiert werden. Haben die denn schon alle Medien im Griff? Der Kerl aus Lippstadt (“sexy knees”) ging gestern extra ins ZDF (2 von 85 Mio. haben zugeguckt), um bekannt zu geben, dass er (er sprach von sich im Plural) “überhaupt nicht arrogant” sei. Boah, was für eine Nachricht! Wer wäre ohne das von uns bezahlte ZDF darauf gekommen? Er ist auch überhaupt nicht daran schuld, dass sein Konzern das Corona-Virus in Europa, sogar bis nach Katar verteilt. Das ist die Uefa schuld, und zwar ganz konkret die hier. Weiterlesen

“Fettnäpfchen-Triple” in der Blase

FR und FAZ überholen taz links
Die SZ berichtet heute, dass das Coronavirus gekommen sein könnte, um zu bleiben. Was für eine Überraschung. Also, ich meine damit, dass die SZ das jetzt schon publiziert. Haben Sie irgendwas mitbekommen, dass die Politik dem Rechnung trägt? Irgendwelche öffentlichen Signale, oder gar praktische Konsequenzen? Für entsprechende Hinweise wäre ich dankbar. In meiner Wahrnehmung herrscht seit einem Jahr vor: noch 2, 3 Wochen, dann haben wirs “hinter uns”. Geglaubt habe ich das nie. Weiterlesen

Prantl / Evaristo / Touché

Was für ein Schreck: die ersten Sekunden bei Bewusstsein, die Augen noch gar nicht auf, und aus dem timergesteuert angesprungenen Radio tönt fast durchgehend meine Meinung und Empfindung. Wann hat es das zuletzt gegeben? Es muss die junge Bettina Böttinger gewesen sein. Sie moderierte ein Bonner Radio-Lokalfenster, das es nicht mehr gibt, auf einer WDR-Welle, die es nicht mehr gibt, einen Bonner Lokalpolitiker, den kurz danach verhafteten damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden und Stadtwerkechef in einer Person, Reiner Schreiber – und machte ihn rhetorisch lehrbuchmässig und live auf dem Sender zur Schnecke – das muss damals auch so rund um 7 Uhr herum gewesen sein. Unvergesslich, Pflichtcurriculum für eine gute Journalist*inn*enausbildung.
Heute morgen also Heribert Prantl im DLF. Weiterlesen

Herrjeh, die SPD

Wenn Sie meinen, Sozialdemokratie sei irgendwas von gestern, dann können Sie ja woanders weiterlesen. Zwar hat die SPD Umfragewerte, die die Grünen früher gerne gehabt hätten. Aber sie sind in der Regierung und können Fakten schaffen.
Ich bin in meiner Jugend im sichersten SPD-Bundestagswahlkreis der West-BRD aufgewachsen. Peter Reuschenbach holte 69,2%. Ich hasste sie, diese Kanalarbeiter, Propagandisten von Kohle, Atom und Antikommunismus. Wenn auch nicht alles schlecht war: die Entspannungspolitik, oder die Vermeidung von Massenarbeitslosigkeit durch Frühverrentungen. Doch was damals noch gut war, ist heute leider weg. Oder? Weiterlesen

Somalia / Rio / Russland

Es gibt sie noch: Publizistik mit Niveau und ohne Paywall.
Afrika-Korrespondentin unter Pandemie-Bedingungen ist allein schon ein respekteinflössender Schwierigkeitsgrad. Unter solchen Bedingungen Material aus Mogadischu zu ergattern, wow. Ich weiss nicht, ob Bettina Rühl selbst dort war. Vermutlich hat sie Verbindungen genutzt, um Informationen und O-Töne zu beschaffen. Denn nach meiner Kenntnis liegt der Security-Tarif für offensichtliche Nicht-Einheimische in Mogadischu bei 1.000 US-$/Tag. Dafür dürfte das DLF-Honorar kaum ausreichen. Weiterlesen

House Of Cards – das Original

… kommt bald wieder / Outing eingemauert / Musik öffentlich-rechtlich abgeschaltet
Grösste Freude dieses Jahres: ARTE wird ab dem 12.2. das britische Original des US-amerikanischen Streaming-Busters “House Of Cards” in seine Mediathek heben. Es ist bemerkenswert anders, nämlich wärrie brittisch. Nur Alte werden sich erinnern. Was heute undenkbar erscheint, war Anfang der 90er noch möglich: die ARD übernahm die Miniserie in ihr Hauptprogramm nach der Tagesschau um 20.15 h, unter dem damaligen verdeutschten Titel: “Um Kopf und Krone”. Es ging um nicht weniger als die Macht im Empire. Ian Richardson setzte in der diabolischen Hauptrolle Massstäbe, die – meiner persönlichen Meinung nach – später auch Weltstar Kevin Spacey nur mit Mühe erreichte. Weiterlesen

Ist der Zerfall aufzuhalten?

Zuhause eingesperrt erfreue ich mich an den Erfolgen von Borussia Mönchengladbach und Rot-Weiß Essen. Gleichzeitig weiss ich: es ist nichts wert, es ist bedeutungslos, wenn es sich nicht in öffentlicher Gesellschaft ereignet. Die TV-Glotze ist eine Simulation, schlimmer als Cola Zero oder alkoholfreier Wein. Nervenzerfetzend brüllende Live-Reporter versuchen die Turnhallenatmosphäre zu übertönen.
Die Wirklichkeit sieht so aus. Weiterlesen

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