Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 34 von 61)

Enteignen

Omma, gib Dein Häuschen ab – das gehört jetzt alles dem Sozialismus! So ähnlich wollen CDU und FDP in Berlin jetzt wahrscheinlich in den Berliner Wahlkampf ziehen. Gewinnen werden sie ihn damit nicht. Beine stellen tut sich der rot-rot-grüne Berliner Senat immer noch selbst. Jetzt muss er sich zu über 340.000 Unterschriften verhalten, das doppelte des erforderlichen Quorums, die die Enteigung des Konzerns Deutsche Wohnen fordern, der sich bereits vorsorglich unter die Fittiche der noch grösseren aber kaum weniger berüchtigten Vonovia begeben hat. Weiterlesen

Mediathekperle: Kein Straf-Jazz

Macht Helge sie alle platt?
Die Erstausstrahlung hatte ich verpasst. Wie wahrscheinlich die meisten. In meinem Alter ist Mitternacht zu spät. Und nach einmal Schlafen hat mann dann auch schon wieder vergessen, es in der Mediathek zu suchen. Jetzt habe ichs doch gesehen: wie Helge Schneider Ina Müller an die Wand getalkt hat. Ich hatte schon 2009 gewarnt, dass Ina in der ARD zu lieb wird. Wenn dann noch Wechseljahre und Altersmilde dazukommen … Weiterlesen

Der Frittenkrieg

von Gaby Küppers
Kolumbien und die EU auf dem Schlachtfeld der WTO

Der Frittenkrieg begann in Kolumbien weit vor der heftigen Rezession des Kartoffelabsatzes infolge der Corona-Pandemie und noch viel früher als die tödliche Repression, mit der die kolumbianischen Sicherheitskräfte in diesen Tagen auf massive Proteste aus der Bevölkerung antworten. Es ist ein von langer Hand geplanter Krieg, der mit starkem Geschütz geführt wird. Mit juristischem Geschütz, in Stellung gebracht vor der Welthandelsorganisation WTO. Genau genommen geht es nicht einmal um die Kartoffeln, sondern um Absatzmärkte. Das wiederum ist bei Kriegen fast immer der Fall. Weiterlesen

Ösis total abgedreht: “Hotel Rock’n Roll”

Vermutlich haben Sie gestern, wie fast alle, den Fussball der guten Deutschen gegen die bösen Ungarn geguckt. Da haben Sie was verpasst. Die Ösis sind zwar fussballerisch, seit sie 1938 ihrer ungermanischen Talente beraubt wurden, stark limitiert. Aber beim Filmen bleiben sie stark überlegen. Sie sind halt verrückter und können weit besser spinnen. Der Beweis gestern auf 3sat: “Hotel Rock’n Roll” (2016). Weiterlesen

Ein liberaler Sozialdemokrat

Dr. Herbert Schnoor ist tot. Er war SPD-Innenminister in Nordrhein-Westfalen und er war durch und durch Demokrat, Antifaschist und liberal. Im Rahmen der sozialdemokratischen Parteidisziplin, versteht sich.  Herbert Schnoor hat früh erkannt, dass sich die Polizei in einer demokratischen Gesellschaft demokratisch verhalten muss. Unter seiner Schirmherrschaft entwickelte der Bonner Polizeipräsident Kniesel (FDP) die Deeskalationsstrategie, die von den Friedensdemonstrationen 1981 bis in die 90er Jahre einen friedlichen Ablauf sämtlicher Demonstrationen in der damaligen Bundeshauptstadt garantierte. Freilich nicht ohne den politischen Gegenpart, den unvergessenen Manfred “Mani” Stenner vom Bonner Friedensbüro. Aber auch die Bürger*innen merkten etwas, ich konnte das als NRW- und Baden-Württemberg-Doppelstaatsbürger klar erkennen. Weiterlesen

Von der Zierpflanze zum Grundnahrungsmittel

von Laura Held & Gert Eisenbürger
Der schwierige Siegeszug der Kartoffel in Europa

Die Kartoffel, diese merkwürdig geformte Knolle, hat ganze Großreiche ermöglicht, weil sie die Grundversorgung der (armen) Bevölkerung auch auf kargen Böden sicherstellte, vom Inkaimperium über Preußen und Russland bis Britannien. Doch es brauchte zwei Jahrhunderte, bis sich die Knollen aus den Anden in Europa durchsetzen konnten. Weiterlesen

Kartoffeln

von Informationsstelle Lateinamerika
Kartoffeln gelten hierzulande als das „deutscheste“ aller Lebensmittel. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden sie in fast allen Familien bei nahezu jeder warmen Mahlzeit gegessen, sei es gekocht, gebraten, püriert, als Klöße oder als Reibekuchen. Vor dem Winter haben die Familien zentnerweise Kartoffeln „eingekellert“, die dann bis zur Ernte der ersten „neuen Kartoffeln“ im Frühsommer reichten. Auch wenn die braunen Knollen durch die Konkurrenz anderer „Sättingungsbeilagen“ aus Getreide wie Nudeln, Reis, Bulgur, Couscous und inzwischen sogar Quinoa oder Amaranth nicht mehr ganz so häufig in deutschen Küchen anzutreffen sind wie früher, sind sie immer noch allgegenwärtig, weswegen die Deutschen von Jugendlichen aus einigen migrantischen Communities gerne auch mal als „Kartoffeln“ bezeichnet werden. Weiterlesen

Theologie des Automobils

Warum ich immer noch Auto fahre, fragen kopfschüttelnd meine alten Freunde. Wo doch Qualitäts-Politiker*innen und Qualitäts-Wissenschaftler*innen nachdrücklich raten, umzusteigen auf Busse und Bahnen, mindestens aber aufs Velo. Alle Achtung vor Qualitäts-Politiker*innen und Qualitäts-Wissenschaftler*innen. Alle Liebe auch zu meinem eigenen alten echten Gary-Fisher-Bike. Trotzdem verlasse ich mich lieber auf meine theologische Bildung. Und die sagt mir klar: Wer Auto fährt, lebt gesünder. Wer Auto fährt, wird älter, so steinalt wie ich inzwischen bin – viel älter als jene meiner Freunde, die sich aus lauter fatalem Qualitäts-Aberglauben in die öffentlichen Verkehrsmittel pferchen liessen. Weiterlesen

Eine Welt jenseits der Staaten

Das Friedrichshafener Zeppelin-Museum versteht sich als Museum neuen Typs. Seine jüngste Schau dreht sich um die Grenzen von Staatlichkeit
Eine schmale Glasröhre, gefüllt mit nichts weiter als klarem Wasser, auf schwarzem Grund an einer Betonwand befestigt: Nevin Aladağs Werk „Border Sampling“ wirkt auf den ersten Blick unscheinbar und minimalistisch. Das kleine Objekt hat es freilich in sich. Die Kanüle hat die Künstlerin vor ein paar Jahren mit Wasser gefüllt, das sie bei einer Recherche mit Seeforschern an der tiefsten Stelle des Bodensees gewonnen hat. Weiterlesen

Krankheit Frausein?

Es soll immer mehr Männer geben, die ähnlich leiden. Unzufriedenheit mit der eigenen Unvollkommenheit. Wer bestimmt, wie Vollkommenheit, Perfektion aussieht? Das ist schon einer der schweren Denkfehler, dass das mit Aussehen zusammenhängen soll. Sicher, das Aussehen spricht zu uns, noch bevor der Mund aufgemacht wird. Jede*r wird in Sekundenbruchteilen abgecheckt. Es hat Bedeutung. Doch die Bedeutung, die es im realexistierenden Konkurrenzkapitalismus hat, macht die Mehrheit der Menschen, nicht ausschliesslich aber weitgehend identisch mit Frauen, krank, schwer krank. Es gibt Gegenwehr. Sie schreitet voran. Eine, die das repräsentiert ist die Australierin Taryn Brumfitt. Gestern lief ihr Film Embrace – Du bist schön auf ARTE. Nur eine Woche Mediathek. Kapitalistische Verwertung hat Vorrang vor Empowerment.

Leider ohne Schmitz’ Katze

24 h Nürburgring
Heute um 15.30 startete wieder das bekloppteste Autorennen der Welt – die 24 Stunden Nürburgring. Einen Tag und eine Nacht rasen über 100 Verrückte über die 25,578 km lange Nordschleife inklusive Grand-Prix Strecke. Vom 560 PS GT3 Boliden bis zum historischen Opel Manta der 80er jahre ist alles dabei. Hier gilt noch das bei Olympia völlig verratene Motto: “Dabeisein ist alles” – und die Fans goutieren das. Das Wetter ist der unbekannte Faktor dieses Rennens, denn trotz Juni kann es alles geben: vom Sonnenschein über schwüle Hitze bis zum Gewittersturm, Wolkenbruch und Eisregen. Wenn nötig, in einer Runde. (aktueller Einschub: das Rennen wurde heute gegen 21.30 wegen Nebel und Regen bis 5:00 unterbrochen -Nachtrag: bis etwa 10.30 am Sonntag). Dieses Jahr fehlt bei diesem Kultereignis Sabine Schmitz, die, ohne jemals Feministin gewesen zu sein, nicht nur in diesem Machosport alle Rekorde als Frau gebrochen hat, sondern ganz Generationen von Benzinmännern das Fürchten gelehrt hat. Weiterlesen

Lockup?

Nach einem maladen Post-Impftag inkl. Dauerregen kehrte heute das Leben in Beuels Zentrum zurück. Darum entschloss ich mich, eh alles wieder abgepfiffen wird, die Angebote unserer City voll auszukosten. Am Haltestellendreieck Adenauerplatz grölte ein mittelalter Mann über den ganzen Platz, als hätte er es auch nicht mehr erwarten können. Das Publikum war nicht irritiert, hatte genug zu erledigen.
Bei mir kam auch noch ein Lottogewinn hinzu, den ich anschliessend für zwei Stücke der unübertrefflichen Schoko-TARTE von Kathy Schaefer-Matijevic, der Köchin und Konditorin vom Bistro Odeon verprasste. Weiterlesen

Von Dylanologie zu “American Pie”

Tag der ausgehenden (???) Pandemie, Inzidenz in Bonn 78, über 50% erstgeimpft, über 15% komplett, Aussengastronomie erlaubt – aber niemand hat dem Wetter bescheidgesagt. Was bleibt also, ausser zu lesen und sich in Gedanken zu verlieren? Es gibt Vieles, was dümmer wäre, als das. Also lese sogar ich etwas über Mr. Dylan, der mir persönlich immer fremd geblieben ist. Am meisten “überzeugte” mich, wenn er sich der (Medien-)Öffentlichkeit entzog, statt sich ihr zu präsentieren oder prostituieren. Dass er das in seinen späten Jahren zum neuen Branding entwickelt hat, das hat selbst mein Interesse erweckt. Weiterlesen

Lee Evans / Franco Battiato

mit Update 4.6.
Un’ in Ehrenfeld sin’de Wölfe! Oder wars nur ein grosser Fuchs?
Die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko waren meine ersten Fernsehspiele, schwarz-weiss selbstverständlich. Leichtathletik war die Königsdisziplin, damals. Sogar das Massaker von Tlatelolco war mir ein Begriff und als 11-jähriger prägte sich mir bereits die Schmerzfreiheit der IOC-Mafia (“The games must go on!”) ein, die sich immer wieder, imgrunde bis heute, wiederholen sollte. Weiterlesen

Fett geworden? Ihr Ernährungsratgeber

Haben Sie sich die Pandemie schöngetrunken? Ich habe gestern in einem der zahllosen Ratgeberbeiträge der Medien gehört, dass ich sogar optimale Darmkrebsprophylaxe betreibe: täglich ein Glas Rotwein! Lesen Sie ausserdem die Porträts von 90- oder 100-jährgen in Ihrer Lokalpresse. Von denen erfahren Sie in der Regel: täglich ein Schnäpschen! So berichtete es mir einst auch unser verstorbener Bezirksbürgermeister, der solche Jubilar*inn*e*n zu ehren hatte, was ihm grosse Freude bereitete. Bei ihm wars leider täglich mehr als ein Bier, und mehr als eine Zigarette. Heute steht alles unter der Hauptfrage: wie kann ich mich und mein Leben optimieren? Das ist exakt der Fehler. Weiterlesen

Hündin, Bildungsministerin, Königin

von Britt Weyde
Weiblicher Aufbruch und Durchbruch im Funk

Die Sache bleibt ambivalent, jetzt, wo die Männermacht im Funk langsam aufgeknackt wird. Wo verorten sich die zahlreichen, mitunter sehr erfolgreichen, Frauen im Funk? Ermächtigte Feministin oder aufgebrezeltes Sexpüppchen, oder vielleicht gar beides? „Es gibt keinen totalen Bruch mit sexistischen Vorstellungen im Funk, genauso wenig aber ein hundertprozentiges Reproduzieren“ sagt die Sozialwissenschaftlerin Carla dos Santos Mattos in der Publikation „Funk: Qual é o role?“. Es gebe Brüche und Kontinuitäten, häufig gleichzeitig und miteinander verwoben. Der weibliche Aufbruch im Funk hat vor etwa 20 Jahren begonnen. Und bereits für eine Menge Kontroversen gesorgt. Weiterlesen

Baile Funk

von Informationsstelle Lateinamerika
Nichts liegt im Moment ferner, als über euphorische Tanzpartys nachzudenken, auf denen sich Tausende von Menschen dröhnenden Bässen hingeben, wo sie schwitzen, sich aneinander reiben, in waghalsigen Choreographien zu überbieten versuchen, flirten, sich berauschen und den Alltag ausschalten. Allein die Vorstellung davon ist nach über einem Jahr Pandemie Eskapismus pur. Aber wir haben die Challenge angenommen, einen Schwerpunkt über DIE brasilianische Partykultur schlechthin zu erstellen: Baile Funk. Weiterlesen

Märchen statt “Humorkrimi”

Verschönern Sie sich Ihr Wochenende mit Denys Arcands “Der unverhoffte Charme des Geldes” (ARTE)
“Wenn die Programmplanung das alleine entscheiden könnte, würde jeden Abend eine Abfolge ‘Tagesschau’, ‘Tatort’, Talkshow, ‘Tagesthemen’ gesendet, und zwar nur diese Sendungen. Weil alles andere irritiert und ist lästiger, also, irgend so einen Dokumentarfilmer auf dem Hals zu haben, der mal jahrelang an einem Produkt arbeitet, das ist einfach lästig. Also, das läuft im Grunde wie geschmiert. Und es ist ein bisschen eine mentale Prostitution von allen Beteiligten, weil jeder etwas davon hat: die Moderatorinnen werden bekannt, die Produktionsfirmen verdienen gut, die Gäste werden prominent, wenn sie es nicht schon sind – also, das ist so ein System, eine Versicherung auf Gegenseitigkeit, die ziemlich gut funktioniert. Weiterlesen

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