Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Radio (Seite 8 von 23)

Klittert Deutschlandfunk die Geschichte?

In der Regel gilt der Deutschlandfunk, zumindest was historische Dokumentationen oder Reportagen betrifft, als zuverlässige Quelle. Mit seiner Sendung zur Geschichte des Volkszählungsboykotts von Autor Norbert Seitz hat er jedoch einen Beitrag gesendet, der, wäre es ein Film, die “Goldene Himbeere” des schlechtesten Machwerks des Jahres verdient hätte.  Der Bericht strotzt vor falschen Informationen, Verdrehungen der Zusammenhänge und grenzt an Geschichtsklitterung. Weiterlesen

Nato und Bergpredigt

Mein Freund Peter Wahl hat sich oft wenig Freunde gemacht. Als ehemaliger DKP-Beauftragter für Antiimperialismus liebte er die beinharte, erbarmungslose Analyse von politischen Kräfteverhältnissen. Die liebe ich auch, bin aber persönlich weit harmoniesüchtiger als er. Das Schöne an meiner Variante ist, dass ich so mehr Freund*inn*e*n gewinne, für Peter ist “viel Feind, viel Ehr”. Jeder wie er will. Sein Damaskus-Erlebnis war die AKW-Katastrophe von Tschernobyl 1986, in der damaligen Ukrainischen Sowjetrepublik. Da erkannte er, dass er von seinen Genossinnen und Genossen, die mehr von der Atomtechnik verstanden als er, jahrzehntelang belogen worden war. Weiterlesen

Medienbellizismus I.

Es ist die Aufgabe des Journalismus und der unabhängigen Medien, die Politik kritisch zu hinterfragen, ihre Gründe für Handeln oder Nichthandeln aufzudecken und über Zusammenhänge und Hitergründe aufzuklären. Dazu gehört Unabhängigkeit und – außer in den Kommentaren – Enthaltung von Wertung, das Ethos, die Dinge von beiden Seiten zu sehen. In der Ukraine-Krise – oder besser Russland-NATO-Krise ist eine bedenkliche Tendenz des Journalismus zu beobachten, insbesondere in den öffentlich-rechtlichen Medien wie ARD, ZDF und Phoenix, besonders aber im Deutschlandfunk, die zunehmend Partei ergreift, und zwar für Eskalation und Intervention. Weiterlesen

Abgesoffen

Weinstein, ukrainisches Grubenwasser und weitere Mediathekperlen
Nun schon drei Jahre alt, aber weiter hochaktuell geblieben, ist eine von der BBC koproduzierte Dokumentation über den gefallenen Filmproduzenten Harvey Weinstein, die 3sat gestern ausstrahlte und bis 11. März in der Mediathek verfügbar ist. Vieles wird ausgeleuchtet. Der Mann fand sich selbst hässlich (ich würde ihm zustimmen) und zerstörte das Leben zahlreicher junger Frauen. Um das zu stoppen, entschlossen sich einige seiner Opfer, öffentlich zu sprechen. Sie fanden leistungsstarke Bündnispartner*innen in der Medienbranche. Weiterlesen

Kein Mangel an Wissen

mit Update 23.2.
Mediathekperlen: Raoul Peck/ARTE, Anstalt, Begräbnis, Wasser, “Kulturbahnhof” Beuel
Das Gute an der Lebensform bürgerliche Demokratie ist, dass – bisweilen unter grösseren Anstrengungen – ein grosser Wissenserwerb möglich ist. Das fortexistierende Problem dieser Lebensform ist geblieben, warum dieses Wissen nur recht geringfügige Konsequenzen nach sich zieht. Das blieb bei mir als Leitfrage hängen, nachdem mich gestern Raoul Pecks vierstündiger Doku-Essay “Rottet die Bestie aus!” in seinen Bann gezogen hatte. Der Autor war in den 90ern zwei Jahre Kulturminister von Haiti, bis heute extremst geplagt von Rassismus, Armut und Naturkatastrophen. Weiterlesen

Hallo DLF, jemand zuhause?

Ein kluger Mann, klüger als die meisten deutschen Radioredakteur*inn*e*n, hat (laut Wikipedia) vor langer Zeit geschrieben: „Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. […] Ein Mann, der was zu sagen hat und keine Zuhörer findet, ist schlimm daran. Noch schlimmer sind Zuhörer daran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat.“
Heute morgen musste ich genervt “meinen” Stammsender verlassen. Die sind mittlerweile ein bisschen abgedreht. Weiterlesen

Wechselnde Mäzene

Audiothekperlen zu den Dichtern Moliére und Fühmann
Die Feuilletons sind voll mit beiden. Ich will hier nicht verbergen, welche meine Perlen waren.
Unübertroffen wie immer ist Extradienst-Gastautor Hans Conrad Zander, der dem Monsieur Moliére sein WDR-Zeitzeichen widmete (15 min). Wie immer bei Zander, spielt die Katholische Kirche eine – mal ganz wertfrei formuliert – bedeutende Rolle. Selbst der absolutistische “Sonnenkönig” war bündnisstrategisch gezwungen, mit dem Erzbischof im Einvernehmen zu herrschen. Weiterlesen

Amnesieclub

Sagen, was ist
Die Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag des Spiegel nehmen noch kein Ende. Ulrich Gutmair/taz versucht dabei die Riesenkraterlücke zu füllen, die der Spiegel in seiner lückenhaften Eigenbeschreibung hinterlässt. Er nimmt dabei, so wie ich, auf die Arbeiten Bezug, die Lutz Hachmeister geliefert hat. Aber so, wie die taz vorzugsweise immer nur wieder auf sich selbst verlinkt, erwähnt er nur Hachmeister-Texte, die in der taz erschienen sind. Das sieht etwas billig aus. Inhaltlich liegt Gutmair aber komplett richtig. Weiterlesen

Klassearbeit

Audiothekperle: Medienjournalismus – geht doch
Die herrschende Geschichte ist die Geschichte der Herrschenden. Dazu hat sie einen Konter gesetzt, bravo: Brigitte Baetz/DLF erinnert an vergessene Journalisten der Weimarer Zeit, die zu Opfern des rechten Terrors wurden. Ihre verdienstvolle Arbeit erinnerte mich an vergleichbare Arbeiten Roland Appels über die Linksliberalen jener Zeit. Völlig unverständlich ist mir, warum der DLF ihr Manuskript nicht zum Nachlesen online stellt. So “müssen” Sie es sich anhören (Audio 24 min). Eine Strafe, die in diesen ruhigeren Tagen gut auszuhalten ist und nicht dümmer macht.

Kommende Wahrheitsministerien

Der alte Florian Rötzer bleibt in der Rente wie ich nicht ruhig, sondern lässt uns an seiner Weitsichtigkeit teilhaben. Die ist ja jüngeren Nachfolgern oftmals so nicht vergönnt. So hat er nun eine Zusammenstellung von Projekten veröffentlicht, mit denen Milliardär*inn*e*n bestimmen wollen, was wahre Information ist, und was unwahre. Seine Bitternis teile ich. Aber es ist nicht nur schlecht. Es ist auch eine Frage, was öffentliche Kräfte aus solcher Engagementbereitschaft der Superreichen machen. Mann nennt es Medienpolitik. Weiterlesen

Haseloff – CDU – Rundfunkfreiheit

Die CDU hat ein massives Problem im Osten: Es fehlt an verfassungspolitischer Substanz und die Abgrenzung nach rechts fällt schwer. Reiner Haseloff ist Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und Physiker. Er ist ein relativ erfolgreicher ostdeutscher Politiker, aber er hat nicht verstanden, oder will nicht verstehen, welche wohl ausgewogenen Zuständigkeiten zwischen Politik und öffentlich-rechtlichen Medien Einflussnahmen unterbinden sollen. Das gilt für die Gewaltenteilung ebenso wie für die Struktur und Rolle der demokratischen Öffentlichkeit, ohne die eine Demokratie nicht funktionieren kann. Das hat der Mann wohl nicht gelernt, denn er ist im Biotop der Blockpartei CDU in der DDR seit 1976 groß geworden. Ob er versteht, dass dieses öffentlich-rechtliche System unabhängiger Medien heute weltweit durch populistische Bewegungen, Trump in den USA, Billag-Initiative in der Schweiz, die AfD in Deutschland, durch FPÖ, PIS, Orban bedroht ist, lässt er sich nicht anmerken. Weiterlesen

Zwei grosse Erzähler

Alt, weiss und sehr altersweise: Pleitgen und Zander
Die hier zu würdigenden Herren stammen aus der Zeit, als ich mich noch am Westdeutschen Rundfunk gerieben habe. Der Eine, Fritz Pleitgen, war 1995-2007 der Boss, und hat in der Zeit “Modernisierungen” eingeleitet, wegen derer ich als Hörer von dem Sender abgefallen bin; bedeutender für die Nachwelt war sein vorheriges und parallel praktiziertes Leben als neugieriger Journalist.
Der Andere, Hans Conrad Zander, ist in diesem Blog bereits als Gastautor aufgetreten. Ihn habe ich in diesem WDR für mich entdeckt. Weiterlesen

Shared Space

Es ist imgrunde wie mit den Wölfen. Knapp 50 Jahre, nachdem “Der weisse Hai” (im Original “Jaws”) die Kinos unsicher gemacht hat, gibt es die süssen Tierchen jetzt wirklich in der Nähe, wo Spielberg den Film seinerzeit gedreht hat. Nora Sobich hat darüber für DLF-Kultur eine unterhaltsame Reportage gemacht, die sie von mir aus gerne noch mal als Beitrag für mare-TV drehen dürfte. Leitende Erkenntnis: die Erde gehört nicht dem Menschen allein. Weiterlesen

Tödlicher Pflegenotstand

Und: Desaster im WDR-Rundfunkrat / Istanbul: der Kanal und die Erdbebengefahr
Keine Sensation, alle wissen es, die meisten verdrängen es. Die Coronapandemie drängte die Wahrheit ein Stückchen weit in der öffentlichen Wahrnehmung nach vorne. Wird es helfen? Ausreichen sicher nicht. Der Pflegereport der AOK legt empirisch offen, wo die grösste Todesgefahr droht: in Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen (hier eine kürzere zusammenfassende FAZ-Meldung). Weiterlesen

Fakenews im ZDF

Renten-Fakes / Emcke-Diffamierung und Eigentore / Wagenknecht-Kritik
Was ist der Sinn von Medien? Wofür werden sie bezahlt? Private Medien werden dafür bezahlt, dass sie Mehrwert für ihre Besitzer*innen produzieren. In Deutschland hat das dafür gereicht, die meisten von letzteren zu Milliardärinnen zu machen (Männer mitgemeint). Soeben hat einer geerbt. Auch bei der Funke-Mediengruppe kauft eine Eigentümerin andere heraus, um unumschränkter herrschen zu können. Muss also was relevantes sein. Warum aber füttern uns unsere, die öffentlichen Medien mit Fakenews ab? Fragen Sie doch mal beim ZDF. Weiterlesen

Lob des (DLF-)Sportjournalismus

Den Fall des gestern kollabierten dänischen Weltklassespielers Christian Eriksen hat DLF-Redakteur Matthias Friebe geschmackssicher kommentiert. Ich hatte zum Glück schöneres zu tun, als diese Katastrophenpartie anzusehen, bekam dann statt des Beginns von Russland-Belgien noch ihre makabre Schlussphase zu sehen. Innehalten, Nachdenken, sich um Wesentlicheres kümmern, das kennt der Brot-und-Spiele-Kapital-muss-zirkulieren-Mechanismus des neofeudalen – von wegen “modern” – Weltfussballs nicht. Weiterlesen

Elfmeterschiessen

Elfmeter kann es auch in Gruppenspielen geben. Elfmeterschiessen als eigenen Spielabschnitt wird es bei der gegenwärtigen EM aber frühestens ab dem 26. Juni, dem Beginn der Achtelfinals, geben. Für Ihre individuelle Dramaturgie ist dabei bedeutend, wann er “drin” ist. Das kann sich insbesondere bei Telekoms “Magenta TV” um eine knappe Minute verzögern. Das haben die Kolleg*inn*en von heise-online getestet. Sie könnten also in Abhängigkeit vom Gebrüll in Nachbars Garten geraten. Mein Kneipenwirt hat auf ein weiteres Pay-TV-Abo dankend verzichtet. Die Telekom-Spiele laufen für ihn und mich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Geheimtipp von mir: Weiterlesen

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