Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Journalismus (Seite 3 von 6)

Rundfunk-Reste

Manche meinen, Radio stürbe noch schneller als lineares TV. Die Zukunft seien Podcasts. Ich bin Ü60, also ein fauler Sack. Radio hat mich sozialisiert, insbesondere was das Politische betrifft, selbstverständlich auch die Musik. Mein Erzieher war der WDR, bei dem bin ich aber ausgezogen, wie es heute üblich ist, in fortgeschrittenem Alter. Irgendwann wollen die ja sogar das ganze UKW abschalten. Ich höre immer noch Radio, mit einem Sony-Receiver, den ich Anfang der 80er Jahre für viel Geld auf Rat meines technikaffinen jüngeren Bruders bei Radio Pawlak in Essen erworben habe. Japanische Wertarbeit – das Ding läuft immer noch tadellos. Wenn die UKW plattmachen, bin ich wahrscheinlich raus. Weiterlesen

Wer rettet investigativen Journalismus?

mit Update 21.1.
Und wer lenkt ihn? – Ein teilweise spannendes Buch versucht Forschungslücken zu füllen
Das Buch, von dem ich hier schreiben werde, liest sich wie “trocken’ Brot”. Wissenschaftler*innen haben die Beiträge verfasst, und kein*e journalistische*r Ghostwriter*in hat es in flüssige Lesbarkeit übersetzt. Auch kein*e Layouter*in. Als Sehbehinderter (Kurzsichtigkeit + Alters-Weitsichtigkeit) brauchte ich eine gute Leselampe und schob die Gleitsichtbrille rauf und runter. Dafür wurde ich in hier zu erwähnenden Einzelfällen inhaltlich reich belohnt. Es geht um René Möhrle (Hg.) u.a.: Umbrüche und Kontinuitäten in der deutschen Presse – Fallstudien zu Medienakteuren von 1945 bs heute”, Gutenberg 2020. Weiterlesen

Journalismus Netz Staat

Sortieren sie sich nach dem “Sturm aufs Kapitol” neu?
Ich habe ja schon zugegeben, dass es ein bisschen putzig war, sich über ARD und ZDF zu erregen. Sind die (noch) wichtig? Vorübergehend vielleicht Ja. In dieser Zeit des Eingesperrtseins oder des sich-freiwillig-einsperrens mag die Faulheit an der Fernbedienung die Bildschirmarbeit besiegen, spätestens an den langen dunklen Abenden (haben Sies gesehen? Gestern Abend und heute Morgen hatte der Beueler Himmel wenige Minuten eine andere Farbe als dunkelgrau!). Es geht beim globalen Medienmachtkampf um ganz andere Rädergrössen, als die öffentlichen deutschen Anstalten. Weiterlesen

The Winner Is …

… Wissenschaftsjournalismus
Der famose René Martens/MDR-Altpapier kommt zu diesem klaren Urteil. Ich kann das von meiner individuellen Seite bestätigen. Spätestens mit dieser vermaledeiten Pandemie gehören Forschung aktuell/DLF (täglich 16.30 h) und nano/3sat (werktäglich 18.30 h) zu meinem täglichen Medienprogramm, sofern ich zuhause bin. Und das bin ich derzeit ja leider fast durchgehend. Wie schön, dass ich noch Essen holen darf.

Für Beteiligung gemeinnütziger digitaler Publisher

Offener Brief von Markus Beckedahl u.a. (s.u.)
Die Bundesregierung will Tageszeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblätter in den nächsten Jahren mit 220 Millionen Euro fördern. Mit dem Geld solle die „Medienvielfalt und -verbreitung“ gefördert, der Journalismus gestärkt und der „dringend gebotene Transformationsprozess im Bereich der Abonnementzeitungen“ befördert werden. Weiterlesen

Journalismus

mit Update 7.12.
Sind Ü-60-jährige wie ich in ihrer Lebenszeit von (gutem) Journalismus verwöhnt worden? Manchmal, und immer öfter, ist mir heute so. Armin Wolf habe ich hier schon selbst oft genug gelobt. Der Spiegel feiert ihn mit und berichtet entsprechendes aus den asozialen Netzwerken. Dabei macht der Mann nur seine Arbeit (der Spiegel verzichtete auf diese Verlinkung, warum nur?).
Sebastian Kurz, den ich selbst redlich hasse, wagt sich immerhin in so ein Auswärtsspiel, Weiterlesen

Spiegelei

„Ein gutes Spiegelei. Was braucht man? Erst mal brauchen wir eine gute Landbutter. Dann brauchen wir ein frisches Ei. Und dann müssen wir das Ei reinschlagen – ich persönlich mag es gern mit einem Rand – und dann nur das Eiweiß leicht mit Salz bestreuen. Und wenn man es ganz gescheit machen will, dann tue ich nur das Eiweiß rein in die Pfanne – muss natürlich dem Durchmesser genau entgegenkommen – und gebe den Dotter roh drauf und lass ihn nur erwärmen. Und ein bisschen Fleur de Sel. Hauch Pfeffer.“ So Eckart Witzigmann in einem DLF-Kultur-Feature von Carola Zinner. Weiterlesen

Zombie-Ideen von Alphamännern

Wenn ihre Machtfelle wegzuschwimmen drohen, versuchen sich Alphmännchen damit zu verteidigen, dass es sich um Biologie, Natur und genetisches Erbe handele. Sie können aber nicht Naturwissenschaft ins rhetorische Geschäft führen, weil deren Erkenntnisse über elefenbeintürmischen Determinismus längst hinaus sind. Rebekka Hufendiek, Philosophin, weiss sie darauf hinzuweisen, dass aus der Tatsache, dass etwas in der Natur vorkomme, unzulässig gefolgert werde, dass wir es nicht verändern könnten – und auch nicht verändern sollten. “Denn wir manipulieren ja nun an unserer ‚Natur‘ die ganze Zeit.” Weiterlesen

Streitfall Vermögenssteuer

Defizite in der Medienberichterstattung
von Hendrik Theine und Andrea Grisold / Otto Brenner Stiftung
8 Zusammenfassung und Fazit

Welches Bild wird von der Vermögens- und Erbschaftsbesteuerung durch Massenmedien in der öffentlichen Diskussion gezeichnet und befördert? Welche Politikmaßnahmen werden als positiv, welche als schädlich und kontraproduktiv erachtet? Wer kommt als ExpertIn zu Wort?
Aus der Perspektive der Kritischen Politischen Ökonomie, d. h. aus einer kritischen, die Funktion der Medien würdigenden, Position werden in diesem Forschungsprojekt die Rolle und die Standpunkte von Massenmedien zu neuen (oder oftmals auch: in früheren Zeiten bereits durchgeführten) Formen der Verteilungspolitik untersucht. Weiterlesen

Medienmäzen Google

von Ingo Dachwitz und Alexander Fanta / Otto-Brenner-Stiftung

Wie der Datenkonzern den Journalismus umgarnt: Zusammenfassung und Ausblick

Diese Studie widmet sich dem Verhältnis zwi­schen deutschen Nachrichtenmedien und dem Technologie­-Konzern Google. Spätestens seit dem Jahr 2015 fördert das Unternehmen die Branche in Europa mit mehreren hundert Millionen Euro. Zugleich ist Google Technolo­gie-N und Geschäftspartner sowie wirtschaft­licher Konkurrent vieler Verlage. Dabei besteht ein klares Spannungsverhältnis zwischen den Rollen Googles als Förderer, Partner, Mitbewer­ber und Objekt der Berichterstattung. Zentrales Anliegen der Arbeit war es, die Auswirkungen dieses Beziehungsgeflechts auf die journalis­tische und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Medien zu untersuchen. Weiterlesen

Zentrum der Subalternität

Der Westdeutsche Rundfunk
Kennen Sie dwdl.de? Nee? Nur was-mit-Medien-Leute kennen das. Deswegen könnte es vielleicht auch nur eine warnende Leuchtrakete sein. Die Frage ist nur, ob die aus den Chefbüros im WDR in Köln überhaupt gesehen werden kann. Hoch genug sind sie in den Hochhäusern platziert. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung: mit Atemschutzmaske und Gleitsichtbrille ist die Sicht begrenzt. Immerhin gibt es längst Software, die sehbehinderten Menschen Texte auch vorlesen kann. Der Schreck müsste Intendant und Programmdirektor in Haupt und Glieder fahren. Weiterlesen

Wettbewerbsverzerrung

Ich darf ja hier nicht über den 1. FC Köln schreiben (grins), also schreib ich über Corona. FC-Fans sind ja ohnehin eine leidgeplagte Spezies, wahrscheinlich gibt es deshalb im linksrheinischen Rhein-Siegkreis, wo ich wohne, so viele. Wer seit Jahrhunderten mit Kappes und Brombeerwein sowie als Handwerker reich geworden ist – immerhin gehört die Region zu den wohlhabendsten NRW’s – kann sich die Fahrstuhlmannschaft als Maskottchen leisten und mit Gelassenheit ertragen. Das monatelange hin und her um Geisterspiele war ja schon schlimm genug. Aber was sich die Kölner Verwaltung am vergangenen Wochenende geleistet hat, toppt alles.  14,5 Stunden vor Anpfiff erfuhren Club, Spieler, und Zuschauer, dass es nu nix wird mit dem Wiedereinzug ins Stadion. Weiterlesen

Nachrichten-Konjunkturen

“FinCEN-Files” – Geschäftsmodelle stehen gutem Journalismus im Weg
Vorweg, was alles gut ist. Wenn 200 Journalist*inn*en aus 70 Ländern (welche Verschwörungstheoretiker*innen haben nur wieder den Soros in den Wikipedia-Eintrag reingeschrieben?) sich zusammentun, um dem global agierenden Grosskapital hinterherzurecherchieren ist das gut. Und besser, als wenn sie gegeneinander konkurrieren und sich von Spindoktor*inn*en instrumentalisieren lassen würden. Wenn sie im konkreten “FinCEN”-Fall internationalen Grossbanken (inkl. der “Deutschen”) und der Geldwäsche krimineller Oligarchen diverser Länder auf die Finger gucken, und das damit verbundene Staatsversagen diverser Länder aufdecken, ist das gut. Weiterlesen

Die Banalität des Guten

Ist der Mensch (“von Natur aus”) gut oder schlecht? Dazu hat wahrscheinlich jede*r eine Meinung, wie zum Wetter. Niemand wird aber durch seine Meinung zum Wetter schon zur*zum Klimaexpert*in*en. Über “den” Menschen meinen wir alles Wesentliche zu wissen, weil wir schliesslich selbst einer sind. Über die meisten anderen informieren wir uns aus recht unterschiedlichen Medien. Die meisten davon bevorzugen die Verbreitung schlechter Nachrichten, weil mit denen mehr Aufmerksamkeit zu erzielen ist. Es kommt ein noch besonders schlechter Grund dazu. Weiterlesen

Denkfaulheit

Fleisch schadet dem Denken
In der “New York Review Of Books” war von Michael Pollan unter dem Titel „The Sickness in Our Food Supply“ eine Betrachtung der US-amerikanischen Ernährungs- und vor allem Fleischindustrie erschienen, die die Blätter in einer Übersetzung von Karl D. Bredthauer unter dem Titel “Das große Schlachten” nun auf deutsch veröffentlicht haben. Als Leser*in lernen Sie hier nicht nur was über die USA. Das ökonomische System ist hierzulande nahezu identisch. Die Verbitterung des Herrn Tönnies, dass sich all seine politischen Freund*inn*e*n der letzten Jahrzehnte jetzt opportunistisch in Luft aufzulösen versuchen, Weiterlesen

Gleichgeschaltet?

Vor wenigen Tagen beschwerte ich mich bei einem Rundfunkratsmitglied über die Tagesschau. Christiane Meier, die in ihrer Jugend bei Küppis ZAK und “Privatfernsehen” gelernt hat, und später sehr lange Hauptstadtberliner-Frondienste für das ARD-Morgenmagazin schob, hat sich vor einiger Zeit endlich einen der heissgeliebten New-York-Korrespondentinnen-Jobs des WDR gesichert. Es gibt noch Gerechtigkeit, dachte ich, und gönnte es ihr. Nun hatte sie der Tagesschau einen Bericht vom UN-Sicherheitsrat geliefert, Weiterlesen

Die Nichts-Merker

mit Update nachmittags
Stuttgart / KarstadtKaufhof / TV-Fußball / Lokaljournalismus
Nach dem Wochenende spielte sich die übliche rechtskonservativ-deutsche Publizitätsagenda ab. Irgendwo randalierte irgendjemand. Darum mehr Polizei, schärfere Gesetze, die Linken sind schuld, Prozess am Hals. Aber irgendwie funktioniert das auch nicht mehr so zuverlässig, wie es all die Jahrzehnte diese (westdeutsche) Republik konstituiert hat. Weiterlesen

Es fehlt was

Rezos Pressekritik
mit Update 4.6.
Der Kerl hats geschafft. Von 0 auf 1. Bis heute 1,8 Mio. Aufrufe, das schafft im Medienjournalismus sonst niemand. Mit weitem Abstand. Und mittlerweile nehmen ihn alle ernst. Willkommen. Der Durchschnitt wird durch ihn auch und gerade qualitativ steil nach oben gezogen. Ich habe mir gestern Abend die Stunde genommen. Nicht alles hat mich begeistert. Weiterlesen

Nachrichten mit Perspektive

von Leif Kramp und Stephan Weichert / Otto Brenner Stiftung
Lösungsorientierter und konstruktiver Journalismus in Deutschland
Zusammenfassung der Befragung, Handlungsempfehlungen und Fazit

Die Welt ist besser, als es die Medien den Menschen glauben machen wollen. Diese Erkenntnis drängt sich als Hauptmotiv derjenigen auf, die in Deutschland bereits konstruktive oder lösungsorientierte Berichterstattung regelmäßig praktizieren. Mit zwölf ausgewiesenen Expertinnen und Experten haben wir intensive Gespräche über Potenziale, Risiken und gelebte Praxis des vergleichsweise jungen Paradigmas für den Journalismus gesprochen. Nachfolgend werden die Analysebereiche zusammengefasst, um darauf aufbauend ein prägnantes Fazit zu ziehen. Weiterlesen

Menschenversuch Bundesliga

Hans-Joachim Watzke, rhetorisch geschickter Dortmunder Fußballfunktionär, sass in der Talkrunde bei “Lanz” im ZDF und tönte Mitleid und Solidarität heischend, als ginge es um die westfälischen und türkischen Kumpel im Schacht  auf Zeche Admiral. Es gehe jetzt dringend darum, dass Fußballprofis endlich wieder ihren Beruf ausüben dürften. Das denkt mein Friseur auch, nur dass er keine Millionen pro Jahr verdient, sondern im Durchschnitt mit 28.000 € Umsatz auskommen muss – so das Friseurhandwerk – pro Jahr. Viele Restaurantbetreibende und Hoteliers denken ähnlich, viele Physiotherapeut*innen und Hebammen auch. Weiterlesen

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