Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Beuel & Umland (Seite 46 von 123)

Der Mensch als Wolf und die Wölfe

In meiner Schulklasse war etwa ein Drittel aus Kirchhellen. Ein Speckgürtel-Dorf mit ersten Anklängen ans Münsterland. Meine Mitschüler*innen von dort waren keine Bauerndeppen-Kinder, sondern hatten eher besserverdienende Eltern, die die dort verfügbaren Grundstücke zum Eigenheimbau nutzten. An eine besonders vermögende kann ich mich gut erinnern, zeitweise sass sie direkt neben mir, die hatten einen Pool im Partykeller. Wenn die Bude sturmfrei war, absolvierten wir da die eine oder andere lustvolle Orgie. Das war Kirchhellen in den 70ern. Weiterlesen

Seveso in Leverkusen?

Schon der verharmlosende Name “Chempark” ist ein Skandal: der Ort, wo vorgestern eine Giftgasexplosion bisher unbekannten Ausmaßes stattfand, ist eine extrem gefährliche chemische Giftstoff-Verbrennungsanlage. In den siebziger Jahren wurden solch gefährliche Substanzen auf Hochtemperatur-Verbrennungsschiffen mitten auf See verbrannt, die Fische mit den Abgasen die aufs Meer niedersanken, vergiftet. Inzwischen ist das verboten und deshalb stehen diese Verbrennungsöfen mit vielfacher Rauchgaswäsche und -Filterung mitten in unseren Städten – die in Leverkusen etwa neunhundert Meter vom nächsten Wohngebiet entfernt. Weiterlesen

2290 Jahre Fahrradfahren

Der DGB hat sich im Sommerloch mal nützlich gemacht. Er publizierte die Anwendung der Grundrechenarten auf die Fahrradkuriere von Lieferdiensten mit dem Vorstandsgehalt einer der asozialen Plattformen, in diesem Fall Delivery Hero, das hier angeblich unter dem Namen Foodpanda auf den deutschen Markt wolle. Auch die Restaurantbesitzer*innen, die ernsthaft erwägen, diese Blutsauger an sich ranzulassen, können beim DGB ausrechnen, wie lange sie arbeiten müssen, um auf das Jahreseinkommen ihres Geschäftspartners zu kommen. Weiterlesen

Wundersame Bahn LXX

Eine neue Verbindung ganz im Norden und eine Lektüreempfehlung für die weite Reise
Der mutmasslich berühmteste Bahnreisende der bisherigen Menschheitsgeschichte war Владимир Ильич Ульянов. Doch auch er musste aus einem der Legende zufolge “verplombten” Wagen aus- und nach einem Fussmarsch über Eisflächen umsteigen. taz-Korrespondent Reinhard Wolff verheisst nun in seiner fabelhaften Geschichte “Grenzüberschreitender Bahnverkehr – Auf Lenins Spuren”, dass das nach weit über 100 Jahren verbessert werden soll. Weiterlesen

Dauereinsatz

Angela Merkel kennt den rasiermesserscharfen Grat, der Gehöriges von Unangemessenem trennt. Bis in die Kleiderordnung hinein beherrscht die Kanzlerin beim öffentlichen Auftreten die subtilen Gesten – angesichts der Katastrophe, des Leids und der Opfer dieser Tage. Zwei Besuche hat sie den heimgesuchten Gebieten abgestattet: Den ersten in Adenau in Rheinland-Pfalz, Hand in Hand mit der SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer, den zweiten in Bad Münstereifel in Nordrhein-Westfalen im Beisein Armin Laschets, des Ministerpräsidenten und CDU/CSU-Kanzlerkandidaten. Weiterlesen

Kein Wahlkampfthema?

Der Immobilien-Irrsinn wühlt das Bundesland Berlin auf – und Millionen Mieter*innen. Sonst niemand?
Diese Woche bin ich zum Blumengiessen beauftragt. In einer Wohnung in direkter Beueler Rheinuferlage. Donnerstagabend sass ich dort auf einem Dachgeschoss-Balkon. Es ging mir dabei so ähnlich, wie einst im 38. Stock des Kölner Colonia-Hochhauses: lecker Wein, geiler Ausblick, beruhigend tuckernde Schiffsmotoren. Wer dort jeden Tag wohnen “muss”, für die*den ist das vielleicht “nur” noch eine Fototapete. Eine sehr Gutaussehende. An der Ahr und im Erftkreis versinken sie im Schlamm, und “wir” hier haben es so dermassen gut. Wie kann das sein? It’s the economy, stupid! Weiterlesen

Wahlkampf? Olympia?

Haben “wir” nicht “andere Sorgen”? Ja klar. Schlamm bekämpfen, Existenzen retten, Obdachlose unterbringen. Und dabei Virus-Ansteckung vermeiden (Inzidenz Bonn: 17, steigend; Rheinpegel dagegen fallend). Dennoch gehen diese Kelche nicht an uns vorüber. Wird es einen Bundestagswahlkampf geben? Zu bemerken ist er allenfalls an den sich häufenden Politiker*innen-Schwärmen auf Trümmerlandschaften. Sie stören bei der Arbeit. Aber sie schaffen Medienaufmerksamkeit. Das ist nicht (ganz) wertlos. Weiterlesen

Gamechanger “Schuldfrage”?

Lieber nicht so hastig
Auf dem Bröltalweg hat ein*e Kreidekünstler*in schon komplett Bescheid gewusst: “die Regierung” und “der WDR” tun nix. “Die Merkel” feiert lieber Geburtstag. Solche Bescheidwisser*innen sind bekanntlich in Krisenlagen immer die grösste Hilfe. Den Rücktritt Horst Seehofers vom Amt des Bundesinnenministers fordern wir in diesem Blog schon seit vielen Jahren. Ich formuliere mal so: die aktuelle Krisenlage liefert keinen Grund, davon abzuweichen. Ist aber angesichts des nahenden Wahltermins mittlerweile müssig. Es gibt differenziertere Betrachtungen. Weiterlesen

Die Kanzlerin im Ahrtal

“This is Germany” – “What is your message to the world?” – “Wir müssen uns anstrengen.”
Mir persönlich fällt es schwer, mit angemessenen Emotionen auf die Katastrophen zu reagieren, die sich hier in unmittelbaren regionalen Umgebungen, in der Eifel und Voreifel, im Bergischen Land und im wunderschönen Ahrtal ereignet haben. Entlastet fühle ich mich von guten Nachrichten über massenhafte Solidarität, hier z.B. ein Bonner Hotel, in dem ich gerne sehr gut esse, oder durch exzellente Arbeit guter Journalist*inn*en, die einen höllisch schweren und emotional anstrengenden Job machen. Weiterlesen

Trauernder Bundespräsident – gackernder Laschet

Beim Anblick des heutigen ARD-Brennpunkts wollten viele Zuschauer ihren Augen nicht trauen: Während der Bundespräsident den Opfern der Flutkatastrophe sein Mitgefühl ausdrückte, wörtlich davon sprach, dass der Verlust der lieben Menschen “uns allen das Herz zerrissen” habe und Hilfe versprach, sprach er für den Staat und seine Verantwortlichen – für Bund, Land und Kommunen. Währenddessen hörte der Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der CDU nicht nur gar nicht zu, sondern er hampelte offensichtlich unangemessen gutgelaunt mit einer jungen Dame im Hintergrund dieses Bildes scherzend herum und hatte sichtlich seinen Spaß.

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Trittsichere Malu

Stiefel und Satzbau in der Katastrophenpolitik
Es ist ein grosses Glück für Bonn, dass es bisher (angeblich/scheinbar) kein Todesopfer nach dem Regen der vergangenen Woche gab. Meine ganze persönliche Einschränkung bestand darin, dass ich an einem einzigen Tag nur bis zum Edeka kam. Jedes Einschlafen im warmen Beueler Bett empfand ich als grosses Glück. Denn in vielen Orten, die es zum Teil jetzt gar nicht mehr gibt, bin ich mit meinem Fahrrad ein- oder mehrmals gewesen, insbesondere an der Ahr und dort in Sinzig. Weiterlesen

Zwischen Uckerath und Meckenheim

… soll der DFB-Qatar-Deal gerettet werden
Wenn die Menschen andere Sorgen haben, sind viele “Gelegenheiten” günstig. Unwetter-Todeszahlen steigen mit dem Rheinpegel und den Infektionszahlen (letztere zum Glück derzeit ohne Krankenhausbelegung). Da ist es gut, dass wache Journalistenaugen ihren Job machen, in diesem Fall die von Thomas Kistner/SZ. Demzufolge wird jetzt Weltpolitik mit dem Fahrrad quer durch den Rhein-Sieg-Kreis gemacht. Und wo trifft mann sich da? Genau hier. Weiterlesen

Geisterzüge

Wundersame Bahn LXIX
Der Geisterzug war eine sehr schöne Tradition des Kölner Karnevals. Es ist zu wünschen, dass er eines Tages postpandemisch wiederbelebt wird.
Oft passiert es mir, dass ich draussen Regentropfen abbekomme, und digital nachschaue, ob das sein kann. Ist das wirklich Regen? Oder bilde ich mir das nur ein? Virtuell existiert er möglicherweise gar nicht.
Jetzt vor und während der Regenkatastrophe passierte folgendes: Weiterlesen

Lieb / Hitzetod

Wolfgang Liebs/telepolis Analyse der Macht im Internet erschien mit ihrem zweiten Teil. Gut zusammengefasst, u.a. mit “GAFAM” (Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft) und “FANG” (Facebook, Amazon, Netflix, Google). Lieb dazu: “Die Finanzmonster von Google, Amazon, Facebook und Apple bringen es derzeit zusammen auf eine Börsenkapitalisierung von 5,7 Billionen US-Dollar, was in etwa dem anderthalbfachen des deutschen Sozialprodukts und dem Fünffachen der Kapitalisierung der gesamten deutschen DAX-Unternehmen entspricht.” Weiterlesen

Optimierbar?

Die Dialektik von optimierter Kompetenz und lustvollem Genuss
Nein, es ist keine Religion, und sollte auch keine werden. Das wird schnell klar in dem DLF-Kultur-Feature von Tina Hüttl: “Ernährung als Statussymbol – Du bist, was du isst”. Ideolog*inn*en und Missionar*inn*en sollte mann und frau von seinem*ihrem Essen und Trinken fernhalten, wenn es ein Genuss werden soll. Doch damit es das wirklich werden kann, sind hohe Investitionen erforderlich: in Erzeuger*innen, Verarbeiter*innen, empathischen Service und Wohlfühlambiente. Dahinter steckt sehr viel Wissenschaft und Arbeit. Wer geniessen will, muss das wertschätzen. Weiterlesen

Auf der Flucht

Gesichtserkennungs-Gangster / Fracking-Gangster / Stadionnamensdiebe
Kann ein Landesbeauftragter für Datenschutz organisierte Kriminalität zur Flucht in fernes Ausland zwingen? Das war mir bisher neu. Respekt. Jetzt fehlt nur noch eine Datenschutzpolitik in EU und Deutschland, die das mit materiellem Vollzug unterlegt und stützt. Constanze Kurz/netzpolitik berichtet.
By the way: sind die Grünen-Wahlplakate, die ich eben auch in der Beueler City schon sah, ein technischer Trick gegen die Gesichtserkennungspest? Weiterlesen

Pegelstand 5

Das ist nicht die 7-Tage-Inzidenz (die ist in Bonn bei 6,1), sondern der Pegelstand des Rheins: gestern Abend 5,04 m, im Hochsommer. Und ab morgen soll noch drei Tage lang ordentlich was dazukommen. Die Wetterberichter*innen zeigen Karten, die fast genau den ehemaligen Warschauer Pakt in tiefem Rot zeigen. Da ist der Sommer, und zwar mehr, als es der Mensch vertragen kann. Wenig berichtet – fast schon Gewöhnung? – wird, dass in Russland (und Griechenland) wie jedes Jahr die Wälder brennen. Weiterlesen

Paris tut es

Autofahrer*inne*n was wegnehmen? Wie weit traut sich Bonn?
Wenn Paris Tempo 30 einführt, wie die französische Nachrichtenagentur AFP es der Welt meldet, wie lange wird es dann noch dauern, bis Bonn es tut? Früher hätte ich hundert Jahre geschätzt. Aber alle gesellschaftlichen Bereiche sind Beschleunigungstendenzen ausgesetzt. Wie viele Jahre Wartezeit wird also die grüne Oberbürgermeisterin einsparen? Der gute Wille ist dokumentiert. Weiterlesen

Unruhestifterin kommt nach Bonn

Corona-Debatte jetzt führen
Ein weiteres Diskussionspapier, fast schon ein kleines Buch. Die meisten werden ermüdet sein. Sind die Inzidenzen nicht fast schon weg? Sind wir nicht froh, in Ruhe den Sommer geniessen zu können, wieder Freundinnen und Freunde zu sehen, das eine oder andere feiern zu können? Ja, ja, nochmals Ja. Das entbindet in einer Demokratie aber nicht davon, gerade, wenn der Stress endlich geringer ist, zu lernen, Erfahrungen auszuwerten, Argumente zu gewichten, vieles in einem anderen Licht zu sehen. Darum finde ich grundsätzlich gut, wie viel Arbeit sich Ulrike Guérot, Ellis Huber und 14 weitere Personen gemacht haben. Weiterlesen

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