Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Medien (Seite 133 von 265)

Die guten Nachrichten

Strauchelnde Digitalkonzerne / Richtungsuchende Ampel / Das Beste zur Buchmesse
Da war ich baff. Steht die EU nicht für so viel Schlechtes: Langsamkeit, Bürokratie, Begriffsstutzigkeit, Politik wie Teppichhändlerei? Das war schon immer ein spezielles deutsches Zerrbild. Damit soll überdeckt werden, dass Deutschland – nach dem Brexit mehr als zuvor – der Dominanzhäuptling ist. Bisweilen so penetrant, dass er Widerwillen mobilisiert. Wenn nicht vornerum, dann hintenrum. Mehr darüber erfahren Sie in Paris. Dennoch eine Überraschung, für Leser*innen der Edit-Policy-Kolumne von Julia Reda nicht ganz so gross, wie für alle andern: nach einem Bericht von Alexander Fanta und Harald Schumann für netzpolitik.org kommt das Digitale-Märkte-Gesetz, und ist an überraschend vielen Stellen nicht nur schlecht geworden. Weiterlesen

Ruge

Mehrere Tage grübelte ich, ob und wie ich einen Nachruf zu Gerd Ruge beitragen kann. Ich kam zu keinem Ergebnis, weil sein Journalistenleben so vielseitig war, dass es mir schwerfiel, Schwerpunkte zu finden, die nicht schon andere besser gesehen haben. Nun lieferte Dietrich Leder/Medienkorrespondenz mir mal wieder die Lösung. Sein Nachruf enthält alles, was mir wichtig gewesen wäre. Er wird noch länger Gewicht behalten, über Gerd Ruges 93-jähriges Leben hinaus. Weiterlesen

Orwells Visionen

Redebeitrag auf den 30. Braunauer Zeitgeschichte-Tagen 24.-26. September 2021 „Gegen-Wahrheit(en)“

1 Hintergrund Orwells

Beim Verfassen seines Romans 1984 stand George Orwell im Jahr 1948 unter dem Eindruck von zwei grauenhaften Herrschaftssystemen: Adolf Hitlers Nazi-Herrschaft und Josef Stalins kommunistischem Regime. Die eine Schreckensherrschaft war gerade nach einem mörderischen Krieg besiegt, die andere sollte noch bis zum natürlichen Tod von Stalin fortdauern. Orwell war – nach unseren heutigen politischen Maßstäben – kein Vertreter der parlamentarischen Demokratie und schon gar nicht eines sozialen Kapitalismus. Weiterlesen

Spahn, Reichelt und die „Bild“

Der CDU-Vize-Vorsitzende und Gesundheitsminister Spahn droht in den Strudel des Skandals um den entlassenen „Bild“-Chefredakteur Reichelt und Springer-Chef Döpfner zu geraten. Ein Bericht des „Spiegel“ legt nahe, Spahn sei dem CDU-Kanzlerkandidaten Laschet während des Wahlkampfs in den Rücken gefallen und habe die negative Berichterstattung der „Bild“ über Laschet genährt. Weiterlesen

Deutschland hinkt

Die “Compliance”-Fehlanzeige im Fall Springer/Reichelt dokumentiert die deutsche Rückständigkeit gegenüber den USA – wie die Buchmesse
Die “Süddeutsche” lese ich wegen ihrer irren Paywall-Strategie kaum noch. Wenn sie derzeit in ihren Schlagzeilen zum Fall Springer/Döpfner/Reichelt von “Buberl-Connection” schreibt, dann illustriert diese Verniedlichung vor allem, dass deutsche Verlagsmedien die Sache noch überhaupt nicht verstehen. Sie sind in ihrer Blase gefangen, ohne Kontakt zu den Veränderungen in der Welt. Tragisch. Eine lobenswerte Ausnahme bildet die Berliner Zeitung, deren Verlegermilliardär*in (Ehepaar, beide gemeint) vom (noch) Döpfner-geführten BDZV wie Gesetzlose ausgegrenzt werden. Weiterlesen

“Reichelts” beim SWR

Das sieht nicht gut aus. Die nicht zu agitatorischer Polemik, sondern zu kühler Sachlichkeit neigende taz-Vorständlerin Anne Fromm nagelt die Führung des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) an die Wand. Oberster Boss = Intendant ist der frühere Tagesschau-Chef Kai Gniffke, der mehrfach auch AfD-Einladungen gefolgt ist, weil er meint, mit Rechten müsse mann reden. Mit abhängig Beschäftigten, die mglw. gelegentlich Widerworte geben, sieht er das offensichtlich anders. Weiterlesen

Kampfbegriffe / Krankenhausbewegung

Sprache ist ein zentrales Mittel politischer Auseinandersetzungen und Kämpfe. Eine zentrale Waffe in diesen Kämpfen ist der Begriff “Verschwörungstheorie” geworden, spätestens seit 9/11 im Jahre 2001. Der Begriff schillert. Denn Verschwörungen gab und gibt es wirklich, seit es Menschen gibt. Doch für die Öffentlichkeit gibt es sie erst dann, wenn eine Theorie bewiesen wird. Oder geglaubt, von einer Mehrheit. Oder einer Mehrheit derer, die die Öffentlichkeit beherrschen. Sie merken schon: je länger jemand darüber nachdenkt, umso komplizierter wird es. Weiterlesen

SPD-Ministerin verweigert Mutprobe

Extradienst-Leser Friedrich Küppersbusch muss nach Berlin. Bedauernswert. Er produziert die Gesprächsreihe “Chéz Krömer”: Kurt Krömer und nur ein Gast. Für die nächste Staffel war eine SPD-Bundesministerin engagiert worden, die kaum jemand kennt, also mit der Chance, dass sie ein paar mehr Menschen kennenlernen; Christine Lambrecht, Ministerin für ziemlich vieles. Jetzt hat sie abgesagt, und darum fiel bei Küppersbusch-TV das Musikrätsel aus. Weiterlesen

Frau kann mehr

Perlen in der TV-Glotze: Marina Weisband und die Fussballfrauen
Die Stärke der gegenwärtigen Frauenbewegung ist, dass sie sich längst aus der zugewiesenen und lange eingespielten Opferrolle befreit hat. An der realen Lebenslage ist bis heute vieles schlimm, menschenrechtswidrig, bisweilen unerträglich. Aber Jammern ändert nichts. Es kommt aufs Handeln an. Gestern hatte dieser Ansatz eine starke personelle Vertretung im Medium der Ü60-jährigen, dem deutschen Fernsehen. Weiterlesen

Klassenkampf um Öffentlichkeit

Mutmachendes aus der Springer-/Reichelt-/Ippen-Affäre
Eigentlich hat sich “nur” Alltägliches ereignet. Ein übergriffiger Chefredakteur. Eine Verlagsspitze, die das nicht juckt. Eine junge Investigativredaktion, die von ihrem Arbeitgeber ausgebremst wird. Ein Kartell von Grossverlegern in ihrem sektenartigen Interessenverband. Es war doch immer so. Warum jetzt diese Aufregung? Antwort: Informationen fliessen dank der Digitalisierung freier, und sind durch ihre “Besitzer” kaum mehr kontrollierbar. Weiterlesen

Ippens Geist

Zeitungsverleger haben einen schönen Beruf. Sie wirken daran mit, die Menschheit zu informieren und aufzuklären. Die einen Verleger mehr, die anderen weniger. Manche manchmal gar nicht. In diese Gruppe reiht sich Ippen ein. Er verbot, einen Artikel zu veröffentlichen, den Journalisten seines Hauses geschrieben haben. Der Beitrag stellt den Chefredakteur der Bild-Zeitung aus dem Konkurrenzverlag Springer bloß. Weiterlesen

“Das regelt alles der Markt”

Der NDR und der Bauernverband werden keine Freunde mehr
Ute Jurkovics und Lars Kaufmann haben dem Deutschen Bauernverband in der NDR-Reihe 45min (Redaktion: Kathrin Becker) einen technischen KO verpasst. Und zwar, weil sie ohne Missionsauftrag fair, ausgewogen und faktensicher, cool operierten. Zwei führende Bauernverbandsvertreter kamen ausführlich zu Wort. Die “Gegenseite” markierten keine Grünen Latzhosentypen, sondern moderne, pragmatische Bäuerinnen und Bauern, die schlicht erkannt haben, dass der Verband ihre Interessen nicht vertritt. Weiterlesen

#metoo: es rummst in Milliardärsverlagen

mit Update abends
Verlagsinterne Zensur sorgt für grössere Öffentlichkeit – mit Paywalls als Stolperdraht
Die Aufmerksamkeit für die Belästigung von Frauen durch den Springer-Chef-Milizionär Julian Reichelt wurde durch den Verlegermilliardär Dirk Ippen reanimiert. Er untersagte seiner Rechercheredaktion eine Berichterstattung darüber, und hat dadurch für umso grössere öffentliche Empörung gesorgt. Wunderbar! So gehen die Dinge voran. Weiterlesen

Wie die Medienvielfalt im Osten verschwand

Viele DDR-Medien reformierten sich 1989 von Grund auf. Trotzdem hatten sie keine Chance im neuen System. Ein Medienpolitiker blick zurück.
von Heiko Hilker

Von außen schien es unerklärlich: Medien, denen man vor Monaten nicht getraut hatte, wurden plötzlich massenhaft gelesen, gesehen oder gehört. Dabei hatte es in den Redaktionen nur wenige Veränderungen gegeben. Doch im Herbst 1989 reformierten sich viele DDR-Medien schnell und von innen heraus.

Linientreue Chefredaktionen wurde ab- und neue Chefredakteure von den Belegschaften demokratisch an die Spitze gewählt. Weiterlesen

Die uns den Fussball stehlen

Fussball war mal ein komplexer Mannschaftssport, über ein Jahr (Saison mit Sommerpause) ausgespielt, jeder gegen jeden in Hin- und Rückspiel + Pokalspiele im KO-System. Bei keinem dieser Spiele wusste mann (und in wachsender Zahl) frau, wie es ausgeht. Unberechenbare Ereignisse, Spielzüge und Aktionen (die KI hat mittlerweile die Kategorie “exppected goals”/”erwartete Tore” erfunden – die zählen aber bisher nicht, bätsch!) führen in der Summe einer Saison zu einer Tabelle, die nicht lügt: die Besten gewinnen den Meistertitel. Die Kapitalisierung der Fussballwirtschaft hat diese Regeln Stück für Stück demontiert. Weiterlesen

Daten-Verkehr-Wasser

Aktuelle Medienperlen
Constanze Kurz erfreute heute mein Ohr und meinen Verstand in der – immer empfehlenswerten – DLF-Gesprächsreihe “Zwischentöne”. Eine unverkniffen aber inhaltlich scharfe Kritikerin der real existierenden IT- und Digitalpolitik. Mithalten mit ihr kann allenfalls unsere Gastautorin Julia Reda, deren Texte wir dank CC-Lizenz regelmässig mitveröffentlichen können. Starke Frauen, die ich in Umfragen, “wer in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen sollte”, jederzeit benennen würde. Weiterlesen

Scholzomatismen

Das politische Mantra dieser Tage heißt: „2017 darf sich nicht wiederholen.“ Damals war manifest, dass die Gespräche an der FDP und ihrem Vorsitzenden Christian Lindner scheiterten, kurz vor Abschluss, trotz aller Kompromisse. Die Erklärung „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“ hatte Lindner in Druckform aufgeschrieben, sodass ihn Angela Merkel, als der FDP-Chef sie in interner Runde vortrug, mit der Frage konfrontierte, ob er hier eine vorbereitete Presseerklärung vorlese. Weiterlesen

Enttäuschend

Wenn deutscher Journalismus “Porno” recherchiert: wer ist der Böse?
Netzpolitik.org ist gewöhnlich ein substanziell arbeitendes, medienkritisches und unabhängiges Portal. Nicht in Geld schwimmend, aber auch nicht mehr arm. Sie haben sich ihre Reputation hart – und mutmasslich mit reichlich Selbstausbeutung – erarbeitet, so dass es erfreulicherweise eine in der jüngeren Vergangenheit gewachsene Spendenbereitschaft gibt. Und was sie veröffentlichen, ist digital frei zugänglich. Quellen werden – unfassbar, dass das immer noch hervorgehoben werden muss – anständig und nachvollziehbar verlinkt. Weiterlesen

Soziologie-Chinesisch & Praxis

Mark Siemons/FAZ bespricht eine gemeinsame Veröffentlichung der Soziologen Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa. Ich stehe zwischen diesen beiden “Modesoziologen” dem Herrn Rosa sicherlich näher. Darum finde ich es durchaus gefällig, wenn Siemons subtil kritisch darauf hinweist, dass der Herr Reckwitz mit Kategorien hantiert, die für die Marktforschung und Werbewirtschaft entwickelt wurden. Kritische Soziologie wäre was Anderes. Ein Problem habe ich aber mit allen Dreien: diese Sprache. Da gehe ich nicht mit. Weiterlesen

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