Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Medien (Seite 144 von 265)

Der Agent in deinem Bett

Andreas Förster gehört für mich zu den satisfaktionsfähigen Journalisten, wenn es um staatliche Verbrechen und solche ihrer Geheimdienste geht. Er hat das Milieu zu einer Zeit, in der ich bei der Anti-Apartheid-Bewegung lernte, von innen kennen gelernt, und danach den fachlich begründeten Schluss gezogen es abzulehnen. Seitdem, oder zumindest seit ich ihn lese (ca. 1990), bekämpft er es journalistisch. So auch mit seiner Freitaggeschichte über einen Mister “Kennedy”/”Stone”, dessen Untaten es sogar vor ein deutsches Gericht schaffen. Weiterlesen

Kollateralschäden

Die Ärztin Lisa Federle ist neben Boris Palmer das Mediengesicht des “Tübinger Modells”, von dem derzeit wohl niemandem klar ist, ob es nun propagiert werden soll, oder “der Lack abblättert”. Es ist wahrscheinlich beides Quatsch, weil Tübingen erstens zu klein, und zweitens schwäbisch ist, also eine fremde Kultur. Bei einem ihrer zahllosen Medienauftritte, einer der schwer zu ertragenden vormittäglichen Call-in-Sendungen des DLF, nannte Frau Federle beiläufig die Positivquote der in Tübingen zahlreich vorgenommenen Corona-Tests: 1 von 1.000. Weiterlesen

Wirecard: Gegenüberstellung

Und: UK 21 / 700 kg auf 2,7 qm / Medienpolitik killt Kulturradio
Die Staatsanwaltschaft München erhöht die Spannung im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages, wie Michael Maier/Berliner Zeitung berichtet. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht: mich erinnert die Wurstigkeit ihrer juristisch orientierten Stellungnahme irgendwie schon wieder an die deutsche Pandemiepolitik. Zumal das Spielen auf Spielverzögerung hier ausserordentlich aussichtsreich erscheint: mit der Bundestagswahl endet die Amtszeit des Untersuchungsausschusses. Selbst wenn er wieder eingesetzt werden sollte, wird es zu Personalwechseln kommen. Weiterlesen

Ein Montag ohne “Barnaby”

21.47 h – Tagesschau24 gucken
Was für ein Montag: kein Lichtstrahl draussen, es kommt kalt durchs Fenster, Regen ist zu hören. Warum Aufstehen? Mein bester Grund ist der volle Kühlschrank: Reste von den grossen l’Olivo-Pasta-Portionen, vorsorglch eingekauftes Mualle und Gemüse-Curry vom Momo-Bistro. Und für alle, die nach dem Tatort noch nicht schlafengehen wollen, gibts hier jetzt einen TV-Tipp.
Tagesschau24 wiederholt um 21.47 h “Die Dubrow-Krise” von 1969, geschrieben von Wolfgang Menge, Regie Eberhard Itzenplitz. Weiterlesen

Kontrolle zurückgewinnen

Möglich, dass die Menschheit in der Klimakrise die Kontrolle schon verloren hat. Wir wissen es nicht, zum Glück. Bei der Coronapandemie sieht es noch unentschieden aus. Manche Regierungen, die die Globalisierung immer noch nicht verstanden haben, glauben sie national mit Impffortschritten zurück zu erlangen. Wenn sie sich international weiterhin so verantwortungslos verhalten, wofür öffentlich alles spricht, wird es ein böses Erwachen geben. Kluge Krankenhausärzt*inn*e*n wie Cihan Çelik in Darmstadt bereiten sich schon auf das nächste Desaster vor (FAS-Interview).
Die Kontrollverlustparanoia der begüterten Gesellschaften und Länder grassiert schon lange. Gestern strahlte die ARD-Nische One so lautlos wie möglich die britische Produktion The Uncivil War von 2019 aus Weiterlesen

Der ehrliche Schwabe

Geiz oder Offenheit? Oder offener Geiz? Journalist*inn*en fürchten den Berufstod
Da gestern nicht der 1. April war, ist es wohl wahr, was Boris Rosenkranz/uebermedien über die provokativ-“innovative” Schwäbische Zeitung schreibt. Die will doch tatsächlich die Pressemitteilungen von Vereinen und Verbänden nicht nur abschreiben, sondern das sogar optisch kennzeichnen. Und lobt sich selbst für ihre fabelhafte Verankerung in ihrem publizistischen Verbreitungsgebiet. Wenn sie ihre Mitarbeiter*innen weniger an eingeschickten Texten arbeiten lässt, haben alle was davon. Journalismus stört nicht mehr. Weiterlesen

Dokumentarfilm-Streit

Zwei Hinweise zum Zoff um “Lovemobil”
In die Überschrift hätte ich irgendwas mit “Sex”, “Prostitution”, Mord und Totschlag schreiben sollen, ich weiss. Aber auf Clickbaiting bin ich nicht angewiesen. Zu den Unmengen an Trash, die sich zum Streit um den Film “Lovemobil” unter der Spindoktorenanleitung der NDR-PR-Abteilung ausgebreitet haben, möchte ich auf zwei Rosinen hinweisen. “Hanna Lakorny”/Berliner Zeitung und eine Diskussion im NDR selbst. Spektakulärer ist Frau Lakorny. Weiterlesen

Corona und Angst

von Monika Sieverding

Achtung: Zu viele Informationen über Corona können Ihrer Gesundheit schaden! – Corona-Berichte 24/7? Unsere Autorin ist Professorin für Gesundheitspsychologie und rät dazu, im alltäglichen Informationskonsum sehr wählerisch zu sein.

Die Corona-Epidemie hat uns nun seit mehr als einem Jahr im Griff und es ist kein Ende abzusehen. Es gibt täglich oder besser gesagt: stündlich neue Informationen und Berichte in den Medien über das Coronavirus und über die Versuche, die Situation in den Griff zu bekommen. Die Zeitungen sind voll mit aktuellen Zahlen zur Inzidenz, zu den belegten Betten auf Intensivstationen, zu Mortalitäts- und Impfraten, zu lokalen, regionalen, nationalen, internationalen Maßnahmen, Erfolgen und Rückschlägen bei Versuchen zur Eindämmung des Virus. Weiterlesen

WM-Boykott ist machbar

Dass politischer Sportprotest zunehmend choreographiert erscheint, ist nicht zwingend schlecht. Die Glaubwürdigkeit einer von Verbänden und Werbeagenturen, einem inzestuösen System, ausgedachten Inszenierungen ist naturgemäss begrenzt. Es zeigt aber, dass selbst diese selbstreferentiellen Systeme grosser Kapitalzirkulation nicht völlig unabhängig von unserer Welt hier draussen agieren können. Sie müssen emanzipatorische Kämpfe, die an Durchsetzungskraft gewinnen, von #metoo über Black Lives Matter bis zur Klimabewegung rezipieren, und die Klügeren versuchen sie, so gut sie es können, zu inkorporieren. Nicht, weil sie es mögen, sondern weil sie es müssen. Weiterlesen

“Gewaltige Kräfte der Selbstzerstörung”

Medien und ihre Parteien
Hat RTL der ARD jetzt die Klimaaktivist*inn*en weggeschnappt? Möglich ist es. Schlau wäre es. RTL hat es nötig, für gute Schlagzeilen zu sorgen. Im Bertelsmannkonzern der Milliardärsfamilie Mohn wird nämlich unbegrenzt Profit gekackt – ausser von RTL (Umsatzrückgang knapp 10%). Die Sache mit dem Fernsehen geht langsam zuende, beim Streamen laufen sie der Herde hinterher. Das Schlagzeilenmachen beherrschen sie jedenfalls weit professioneller als die ARD, die ja sowas ähnliches wie eine Ministerpräsident*inn*enkonferenz ist. Weiterlesen

Es geht (nur) mit Datenschutz

Es gibt Menschen ohne Handy. Ich kenne einen. Bisher gibt es kein Gesetz, das zu seinem Besitz verpflichtet. Ich selbst habe ein Smartphone. Aber kosten- und zeitsparend ohne “Datenoption”. Ich trage es nur bei mir, wenn ich andere Leute treffen und nicht verpassen will. Meistens liegt es auf der Lehne meines Sofas zuhause, am Ladekabel. Nicht selten vergesse ich, es einzustecken, ein Luxus, den ich geniesse. Ich bin weit entfernt davon, das propagieren zu wollen. So wenig, wie ich will, dass andere mir Vorschriften zu machen versuchen. Schrullig? Weltabgewandt? Aber legal!
Heute lese ich, dass Investorengeier den wenig vertrauenswürdigen Datenkonzern Schufa umkreisen. Weiterlesen

Praktikablere Regeln

Edit Policy: Warum die Länder sie zum Urheberrecht fordern – Gerade die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig der digitale Zugang zu Bildung und Wissenschaft ist, meint der Bundesrat. Das Recht müsse angepasst werden.
Der Bundesrat fordert erleichterten Zugang zu Bildung, Kultur und Wissenschaft. Das geht aus der am vergangenen Freitag verabschiedeten Stellungnahme zur Urheberrechtsreform hervor. Die Empfehlungen des Bundesrats zum laufenden Gesetzgebungsverfahren zeigen eindrücklich, wie groß das Bedürfnis der Länder nach praktikablen urheberrechtlichen Regeln für Schulen, Bibliotheken und Universitäten ist. Weiterlesen

Das “Sorry” an Beverly Ranger

46 Jahre benötigte die ARD-Sportschau dafür
Beverly Ranger wurde in diesem Blog schon mehrmals gewürdigt: als verpasste Chance des Bonner SC. Statt, wie in dieser Saison bei den Jungs, von der vierten in die fünfte Liga abzusteigen, hätte er um die Spitze des Fussballs der Bevölkerungsmehrheit, der Frauen, dauerhaft mitspielen können. Unbarmherzig rassistisch peinlich war 1975 die Präsentation der erfolgreichen Sportlerin in der ARD-Sportschau. Jetzt ist 2021, und endlich bittet die Redaktion die Frau um Entschuldigung (Video ab Minute 28). Weiterlesen

Shit happens

Chinapolitik / Naivität der “offenen Gesellschaft” / “Lehrenkrauss des ZDF”
Ist Vernunft eine Alterserscheinung? Für mich kann ich das zurückweisen. Ich habe mich bereits als 15-jähriger für Entspannungspolitik locken lassen, 1972 in Bonn war das, als meine Schulklasse für und mit Willy Brandt und Walter Scheel Freibier auf dem Venusberg trank. Irgendwas ist seitdem furchtbar schief gelaufen. Etwas viel. Lag es daran, dass die Mehrheit der damals lebenden Generationen selbst erlebt hatte, was Krieg ist? Weiterlesen

Wer hat dich nur so ruiniert?

Betriebsklima und Unternehmenskultur in NDR und WDR
Als Extradienst-Gastautor Hans Conrad Zander mir zum ersten Mal im WDR-Programm auffiel (“Rotkohl – das Magazin der Jungkonservativen Bewegung Deutschlands”, mit Georg Bungter), war der WDR für mich noch ein Leitmedium, mit der Anmutung eines Kreativitäts-Treibhauses, mit zeitweiligen Anwandlungen von Widerständigkeit. Zanders unwiderstehliche schweizerische Intonation würde heute niemand mehr ans Radiomikrofon lassen. Darum ist heute ist das meiste Versendete schnell wieder vergessen. Weiterlesen

Stadt zum Verkauf?

Smart-City-Pandemie
Ben Schwan/Technology Review berichtet über Smart-City-Konzepte in Japan. Deutlich wird der brutale Konkurrenzkampf zwischen den Plattformonopolen und den “traditionellen” Technologiekonzernen, die sich längst breit (Autos, Immobilien usw.) aufgestellt haben. Alle sind geil auf unsere Daten und denken sich Geschäftsmodelle aus, mit denen sie möglichst kostengünstig an sie gelangen. Das “Nudging” ist unsere Bequemlichkeit. Weiterlesen

Kanzlerinnen-Format

Signoret – Merkel – Baerbock
Heute wäre sie 100: Simone Henriette Charlotte Kaminker, besser bekannt als Simone Signoret. Der DLF (Autorin Marli Feldvoß) würdigte sie heute in seinem “Kalenderblatt”. Signoret verkörperte ein bewundernswert emanzipatorisches, gleichzeitig realistisches Frauenbild. Ich persönlich verbinde mit ihr meine geradezu traumatische Rezeption ihrer Hauptrolle in dem Film “Die Katze” (1971) von Pierre Granier-Deferre mit Jean Gabin in der weiteren Hauptrolle. Für mich ein epochemachendes Werk, seiner Zeit weit voraus (ich war 14).
Der Film zeigte zwei Paradigmen, die bis heute unsere Wirklichkeit verheeren. Weiterlesen

Wenn Politik Presse macht

Vorwort von Jupp Legrand / Otto Brenner Stiftung
Gastbeiträge von Politiker*innen in ausgewählten Tageszeitungen

„Der Gastbeitrag ist ein ambivalentes Genre“, schrieb René Martens in der Medienkolumne Das Altpapier Mitte Januar anlässlich einer Veröffentlichung des Ex-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg in der FAZ: Einerseits könnten Gastbeiträge immer wieder das „Positionen-Portfolio einer Zeitung“ sinnvoll ergänzen, so Martens, „in unguten Fällen“ würde hingegen „ein Text ins Blatt gehoben, der die üblichen redaktionellen Prozesse nicht überstanden hätte“. Der Gastbeitrag von zu Guttenberg ist ein Beispiel für einen solchen Fall, da er sich nicht nur wie ein Lobbypapier der Finanzindustrie – genauer gesagt: des gescheiterten Konzerns Wirecard – liest, sondern tatsächlich auch auf einem solchen beruht. Weiterlesen

NDR suizidal

mit Update abends
Soziale Distanz und Selbstreferenzialität als Pandemie unserer Zeit
Die Sitzungsgeilheit meiner früheren Arbeitgeberin, der Grünen Ratsfraktion, war u.a. dadurch zu erklären, dass es für die Amateurpolitiker*innen ein karges Sitzungsgeld gab. Für jede Sitzung (es gab eine jährliche Deckelung, die aber nur die “Profis” übertrafen). Ich lästerte seinerzeit häufiger: “Sollen wir nicht zusammenziehen?” So stelle ich mir mittlerweile das Geschehen unter denen vor, die abseits der von der Verfassung vorgesehenen Organe unsere Republik durch die Pandemie manövrieren: die Ähnlichkeiten mit einer krisengeschüttelten Wohngemeinschaft sind unverkennbar.
Das Hauptproblem eines solchen krisengeschüttelten Mikrokosmos ist der Verlust der Aussenkontakte, der Wahrnehmung der Wirklichkeit da draussen. Weiterlesen

Klima vor 8

Die wankenden Männer Buhrow und Erdogan
Der nicht selten überforderte Intendant Tom Buhrow (WDR, und derzeit ARD-Vorsitz) hat der Verlagsgesellschaft der FAZ einen Gastbeitrag “Wo die ARD im Jahr 2030 steht” geliefert, den die FAZ prompt einmauerte. Hat der Intendant den Beitrag kostenfrei geliefert? Wie kann er dann in der Paywall landen? Oder wurde er honoriert? Zu welchen Vertragsbedingungen? Und warum hat sich der von ihm geführte WDR nicht vorbehalten, den Beitrag des von ihm bezahlten Intendanten in den eigenen Medien zu dokumentieren, als selbstverständliche Form der Rechenschaftslegung? Stattdessen nur ein Werbehinweis für die FAZ.
Ich kann ihnen zusammenfassen: Sie haben nicht viel verpasst. Weiterlesen

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