Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: ARTE (Seite 11 von 13)

Perlen der Glotze

Wie wir regiert werden / Glücksspielmafia missbraucht die Kinder
Altmeister Bertrand Tavernier gehört zu den besten Regisseuren, die unser Nachbarland Frankreich hervorgebracht hat. Mein Lieblingswerk aus seiner Fabrikation ist “Que la fête commence…” (dt.: Wenn das Fest beginnt), eine treffendere Geschichtsschreibung, als sie die meisten Historiker*innen zustande bringen (nur sehr selten im deutschen TV, noch nicht mal mit eigenem Wikipedia-Eintrag). Mit dem unvergesslichen Philippe Noiret in der Hauptrolle. Vorgestern präsentierte ARTE ein gegenwartsbezogenes Spätwerk von Bertrand Tavernier: “Wildes Treiben am Quai d’Orsay”, leider ohne Mediathekangebot, aber mit einer Wiederholung am Montag um 14 h (programmieren Sie Ihre Videosoftware!). Weiterlesen

Schlechtes Essen macht doof

Dieser Hypothese ging am vergangenen Wochenende eine angestrengte ARTE-Dokumentation nach: “Unser Hirn ist, was es isst” von Raphaël Hitier. Ehrlicherweise behauptete und bewies er es nicht, sondern stellte Wissenschaftler*innen vor, die dieser Hypothese hinterherforschen. Sicher, vieles spricht dafür. Z.B., dass nach meiner Anschauung nur Doofe schlechtes Essen mögen, gutes Essen für Zeitverschwendung halten und lieber schnell irgendwas Anderes erledigen müssen. Aber ich muss zugeben: wissenschaftlich beweisen kann ich das nicht. Weiterlesen

Strassenraub 4.0

Gestern gings bei ARTE um den grossangelegten, berühmteste Eisenbahn- und Bankraube übertreffenden Datenraub, den die hinter Donald Trump sich nur notdürftig verbergenden kriminellen Netzwerke begangen haben: Facebook, Cambridge Analytica, SCL, Robert Mercer u.v.a. Niemand, die*der gerne mitherrschen will, will es sich mit denen verderben. Filmer Thomas Huchon, der schon mit merkwürdigen Experimenten gegen Verschwörungstheorie-Windmühlen zu kämpfen versucht hat, dokumentiert hier selbst eine Verschwörung – keine Theorie, sondern Praxis. Weiterlesen

Vietnam – Somalia

ARTE zeigte in den letzten drei Wochen eine neunteilige Dokumentationsreihe aus der Küche des US-amerikanischen öffentlich-rechtlichen Minisenders PBS über den Vietnamkrieg. Sehr, sehr sehenswert, zum Teil immer noch anrührend. Warum sollte das heute immer noch angesehen werden? Der Vietnamkrieg war einer der letzten, über den besonders viel Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit gelangte. Er begründete so das Konzept des Embedded Journalism, Weiterlesen

Opioide / Massenpflanzenhaltung / Fifa-Kolonialismus / WDR-Filmzensur / S. Berg

Flaut die Opioide-Krise in den USA ab? Den leidenden Menschen ist es zu wünschen. Die Zahl der Todesopfer soll leicht gesunken sein. Die Washington Post hat sich den Zugang zu den Daten der Gesundheitsbehörden erfolgreich erklagen müssen, die FAZ berichtet darüber.
An gleicher Stelle finden sich Klagen der Forstwirtschaft über die Dürreschäden. Alle leiden, that’s Klimapolitik. Die Forstwirtschaft hat ähnliche Fehler wie die Landwirtschaft gemacht: Weiterlesen

Eine neue Fifa: Messi und Rapinoe

Das wäre es. Die gleichermassen über die Fußballkorruption empörten Lionel Messi und Megan Rapinoe sind in einem Fußballer*innen*alter, in dem sie bald mehr Zeit haben. Messi verfügt ausserdem über einen nicht unbeträchtichen Haufen an Kapital, und beide wiederum über weltweit bedeutende Netzwerke. Warum sollten sie nicht einen neuen Weltfussballverband gründen? Die Fifa mit Don Infantino könnten sie aus Zürich vertreiben und ins saudi-arabische Exil schicken. Weiterlesen

Der Vietnamkrieg der Saudis

Ist Trumps USA nur ein Versteigerungsobjekt?
Gestern lief parallel zum Frauenfussball auf ARTE die Dokumentation “Wüste Prinzenspiele – der neue Golfkrieg” (Mediathek-Verfügbarkeit bis Ende Juli). Es geht um die Herren Mohammed Bin Salman (“MBS”, Saudi-Arabien), Muhammad bin Zayid Al Nahyan (“MBZ”, Vereinigte Arabische Emirate, Abu Dhabi), sowie den Herrn Tamim bin Hamad Al Thani (Katar). Mein Eindruck: die Herren MBS und MBZ auf der einen, und der Herr Al Thani auf der anderen Seite stehen in einem Versteigerungswettbewerb um die USA und andere kapitalistische Länder. Ihre überdimensionierten Rüstungsbestellungen dienen diesem Zweck, “unsere” Herrschenden zu kaufen. Es scheint zu klappen. Weiterlesen

Wohnen & Mieten / DFB

Dieses Wochenende wird bundesweit von Protesten gegen Wohnungsnot und Mietwucher gestaltet. Ihnen ist jeder Erfolg zu wünschen. Die deutsche Politik kapiert nur langsam und die Regierungskoalition bisher fast gar nicht. Aus dieser gewollten Kommunikationsstörung wird sich in den nächsten Monaten und Jahren eine gefährliche gesellschaftliche Spannung aufbauen. Unklar ist, ob allen politischen Akteur*inn*en klar ist, was sie da nichttun und zu verantworten haben. Weiterlesen

Kabarett scheitert an Wirklichkeit

Jemand hätte sie warnen müssen. Die Anstalt des ZDF gehört, darüber gibt es in der Branche keine zwei Meinungen, zur Oberklasse deutschen Kabaretts. Politische Recherche, junge und erfahrene Autor*inn*en sowie die zwei Frontmänner Uthoff und Wagner schaffen ein Gesamtbild von hohem professionellem Niveau, von der Konkurrenz auf diesem Level nur selten erreicht. Gestern haben sie sich überhoben: an der irren deutschen Klima-, Nicht-Luftreinhaltungs- und Verkehrspolitik.
Welchen Witzfunken soll Mann oder Frau aus Andreas Scheuer schlagen? Weiterlesen

Traumata / US-“Notstand” / Eisbären

Krieger wie Trump traumatisieren einen grossen, wachsenden Teil der Weltbevölkerung
Die Hilfsorganisation “Save the children” hat 420 Mio. Kinder gezählt, die aktuell durch Kriege und Konflikte traumatisiert werden. Was sich so sachlich anhört, verdirbt den meisten Betroffenen ihr ganzes Leben. Die Alten in Deutschland, die die Nachkriegszeit erlebt haben, wissen, was das bedeutet. Für die Anderen empfehle ich die gestern Abend auf ARTE gelaufene australische Verfilmung “Safe Harbour”, Weiterlesen

NYT / Bots / Stern

Der von mir hochgeschätzte Rene Martens war von der New-York-Times-Dokumentation, die vor einem Monat auf ARTE und im WDR-TV lief (aus den Mediatheken schon rausgeflogen), entschieden begeisterter als ich. Da sein Lob gründlicher ist als meine Kritik, und ausserdem aus der Perspektive eines Journalisten geschrieben, der von seiner Arbeit seinen Lebensunterhalt bestreiten muss, ist es auch ohne den Film gesehen zu haben, wohltuend informativ.
Markus Reuter/netzpolitik.org nimmt den Mythos von Bots, Weiterlesen

Heute bärenstarkes TV-Nachtprogramm

Müssen Sie morgen früh nicht arbeiten? Und haben heute Abend nichts vor? Dann machen Sie heute Mittagschlaf und glotzen heute Abend ARTE. Ab 21.50 h bis 3 h läuft dort der Höhepunkt des künstlerischen Schaffens zweier Filmmänner, von denen der eine kürzlich gestorben ist: Bernardo Bertolucci. Der andere ist Gerard Depardieu, der junge. Sie sind heute in Novecento/1900 zu sehen – beide Teile direkt hintereinander, Weiterlesen

Aus! Aus! Das Spiel ist aus!

Mit dem deutschen Steinkohlebergbau sterben kollektive soziale Hoffnungen aus, für die noch niemand Ersatz gefunden hat
Zunächst bitte ich Sie um Entschuldigung, wenn Sie jetzt auf dem Weg ins Westfalenstadion sind. Nehmen Sie in Dortmund Hbf. die Eurobahn nach Gelsenkirchen, dauert nur 25 Minuten. Vom Hauptbahnhof auf keinen Fall nach Schalke fahren, auch wenn es “Auf Schalke” heisst. Nehmen Sie die U-/Straßenbahn Richtung Buer. Die Stadionkiste steht auf dem Berger Feld. Wenn Sie sich zum Schloss Berge verfahren, können Sie von da aus laufen.
In dieser Stadionkiste wird – gewiss auch heute – noch ein absurder, ritualartiger Steinkohlebergbau-Kult betrieben. Von den 60.000, die heute im Stadion sein werden, hat niemand mehr existenziell mit dem Bergbau zu tun. Weiterlesen

Das gibt es: guter deutscher TV-Krimi

Vielleicht haben Sie ihn ja gesehen. Es sollen weit über 6 Mio. gewesen sein, bleiben über 75 Mio., die ihn nicht gesehen haben. Die Reihe heisst “Nachtschicht” läuft im ZDF, und beherrscht einen einfachen Trick: jedes Jahr nur ein Film, vom gleichen Regisseur (= Erfinder) Lars Becker. Das ZDF quetscht das Format offenbar nicht aus, wie die ARD ihre Tatort-Zitrone oder ihr letztes selbstproduziertes Erfolgsformat “Mord mit Aussicht”. Das musste beendet werden, Weiterlesen

Zugelobter Film – Gerechter Preis

Die deutschen Zeitungen haben sich in Vor- und Nachbesprechungen mit Lobeshymnen überschlagen, dabei ist es nur ein überdimensionierter Werbespot der New York Times (NYT): der Dokumentarfilm “Mission Wahrheit” von Liz Garbus. Er wurde gestern von ARTE ausgestrahlt, bleibt dort einen Monat in der Mediathek und wird heute Abend zu späterer Stunde im WDR-TV wiederholt. Trotz Überlänge wird er nicht langweilig, gestern nickte ich nicht weg. Donald Trump hält die Erregungskurve hoch. Für Menschen, die nichts darüber wissen, aber über heutigen Elite-Journalismus in den USA mehr erfahren wollen, ist er informativ.
Wichtige, von Trump unabhängige, aber für heutige Medienarbeit elementare Fragen spart der Film – und vielleicht auch die NYT? – planmässig aus. Weiterlesen

#metoo/WDR: die Debatte ist nicht beendet

Mögen einige gehofft haben, dass während der Herbstferien “die Sau das Dorf” durchquert habe. Aufwachen, der Traum ist beendet. Denn es geht in der Debatte nicht (nur) um skandalöse Einzelfälle. Das Problem ist durch gerichtliche Schuldsprüche, Abmahnungen und Entlassungen nicht aus der Welt. Denn es wird von Systemstrukturen erzeugt, die in einem jahrzehntelangen Prozess herangewachsen sind. Dazu sind jetzt einige erhellende Diskussionsbeiträge erschienen.
Hektor Haarkötter, heute Professor an der Fachhochschule Rhein-Sieg, war mal “freier” Mitarbeiter des WDR und weiss darüber viel zu erzählen. Weiterlesen

Abstieg des Exportweltmeisters

Big Data wird laaaangsam Politikthema
Heute geistert durch die Wirtschaftsnachrichten, dass Google+ dichtgemacht wird. Och, ist das jetzt auch so ein kleiner inhabergeführter Einzelhändler? Nöö, es ist ein Riese, dem Facebook zu gross geworden ist. Wie gross sind im Verhältnis zu den beiden wir? DLF-Kultur sendete gestern ein Feature, aus dem einerseits hervorgeht, dass die heutige Justizministerin Barley in der Big-Data-Politik nicht ganz so unterbelichtet ist, wie ihr Vorgänger, die deutsche und europäische Politik aber noch viel Luft nach oben hat.
Obwohl: sollen wir uns wünschen, dass sie lieber doof bleibt? Weiterlesen

Strategieverwahrlosung

Lutz Hachmeister hat, fast unbemerkt, inhaltlich wieder zugeschlagen. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung hat er zusammen mit seiner Kollegin Justine Kenzler eine treffende Bestandsaufnahme deutscher und europäischer Medienpolitik abgeliefert. Sie kennzeichnet die ganze Provinzialität deutscher Politik, die Weltabgeschiedenheit in Berliner und Landeshauptstadts-Blasen, die banale Unkenntnis, hervorgerufen durch gerade-keine-Zeit-haben und was Wichtigeres tun müssen und im Kopf haben.
Das führt dazu, das sogar ein Sputniknews-Autor wie Andreas Peter besser Bescheid weiss, Weiterlesen

Karsten Krampitz / Marion Jungbluth

Zunächst hatte ich innere Abwehr. Ich hasse Feiertagsgedöns, egal ob kirchlich oder staatlich verordnet, am meisten das Mediengewese drumherum. Das fürchtete ich auch bei der von mir so hochgeschätzten DLF-Reihe “Essay und Diskurs”. Heute “DDR neu erzählen” – gääähn. Wie oft hatten wir das nun schon?
Autor Karsten Krampitz kannte ich bisher nicht. Vielleicht war das ausschlaggebend, dass ichs mir im Bett liegend vor dem Aufstehen doch angehört habe. Und muss nun gestehen: Weiterlesen

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