Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Autor: Heiner Jüttner (Seite 9 von 13)

Mit ständigem Veto?

In der UN-Generalversammlung vom September 2022 wurde (wieder einmal) über die Zu­sammensetzung des Sicherheitsrates diskutiert. Ziemlich überraschend erhob Kanzler Scholz dort den Anspruch Deutschlands auf einen ständigen Sitz in diesem Gremium. Jahrzehntelang hatte die deutsche Regierung dieses Anliegen vertreten, zeitweise sogar mit dem Wunsch nach einem Vetorecht. 2021 war anscheinend ein Meinungswandel erfolgt. Im Koalitionsvertrag findet sich ein solcher Anspruch nicht mehr. Weiterlesen

Ein Schattendasein

Heute erwartet uns in Norddeutschland eine partielle Sonnenfinsternis. Die heißt zwar so, doch die Sonne wird überhaupt nicht finster. Gemeint ist der Schatten, den der Mond aufgrund seiner Position zwischen Erde und Sonne auf der Erde erzeugt. Die Sonne ist zwar 400 mal so groß wie der Mond, aber auch 400 mal so weit entfernt. Daher kann es passieren, dass der Mond die Sonne völlig verdeckt. Verdeckt der Mond nur einen Teil der Sonne, so kommt es zur partiellen Sonnenfinsternis. Weiterlesen

Doppelte Bürger

Die Regierung will ein „modernes Staatsangehörigkeitsrecht“ schaffen. Die dazu im Koaliti­onsvertrag niedergelegten Ziele sind in der Tat ambitioniert: So soll „die Mehrfachstaatsan­gehörigkeit ermöglicht“ und der Weg zum „Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit ver­einfacht“ werden. Eine Einbürgerung soll in der Regel nach fünf Jahren möglich sein, bei besonderen Integrationsleistungen nach drei Jahren. In Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern werden mit ihrer Geburt deutsche Staatsbürger/innen, wenn ein El­ternteil seit fünf Jahren einen rechtmäßigen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat.

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Naht eine gerechte Welt?

Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat eine Diskussion entfacht, ob und wie dagegen nicht nur militärisch, wirtschaftlich und diplomatisch, sondern auch (straf)rechtlich vorge­gangen werden kann. Grundsätzlich müsste dies möglich sein, denn in den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein Völkerstrafrecht entwickelt, das eine Strafverfolgung durch inter­nationale und nationale Gerichte erlaubt. Als Ausgangspunkt wird das Internationale Mili­tärtribunal in Nürnberg nach dem Zweiten Weltkrieg angesehen. Weitere Meilensteine waren die Prozesse nach dem Jugoslawienkrieg, 1993 in Den Haag; das Internationale Strafverfahren wegen Völkermord in Ruanda, 1994 in Arusha; und das Rote-Khmer-Tribu­nal wegen Verbrechen in Kambodscha, seit 2003 in Pnom Penh. Weiterlesen

Denkpause

Selten hat eine Bezeichnung in kurzer Zeit einen solchen Begriffswandel erlebt wie das Wort „Querdenker“. Bis vor wenigen Jahren galten Personen als Querdenker, die eigen­ständig und originell dachten. Deren eigenwillige Positionen waren meist mit den herr­schenden Ansichten nicht vereinbar und trafen auf Unverständnis oder Widerstand. Doch Neues kann oft nur entstehen, indem man sich von den Routinen befreit und im Zweifel quer zu den herrschenden Grundüberzeugungen zu denken beginnt. Querdenken ist nö­tig, um einen Gegenstand aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Weiterlesen

Keine Brötchen backen

Nahezu täglich wird gemeldet, dass die Bäckereien die steigenden Energiepreise nicht mehr verkraften können, dass der Brotpreis sich demnächst verdoppelt und dass es bei gleichbleibender Entwicklung bald keine Bäckereien mehr geben wird. Wer genauer hinschaut, merkt bald, dass das Stimmungsmache ist. Nehmen wir mal eine seriöse Quelle und betrachten die Kostenstruktur einer Bäckerei: 31% für Löhne und Gehälter, 28% für Material, 7% für Mieten und nur 3,3% für Energiekosten. Weiterlesen

50 Jahre Ziel verfehlt

Ist Entwicklungshilfe zweitrangig? Anfang Juli hat die Regierung den Entwurf des Bundes­haushalts 2023 verabschiedet. Mit Ausnahme der rüstungs-, energie- und inflationsbeding­ten Stei­gerungen finden wir nur einen auffälligen Punkt: Die Gelder für Entwicklungshilfe werden erheblich gekürzt. Statt 12,35 Mrd. € wie im Vorjahr gibt es diesmal nur 11,08 Mrd. €, das ist eine Kürzung um 1,27 Mrd. bzw. 10%. Auffallend ist dass die Zuschüsse an in­ternationale Organisationen fast halbiert werden (507 Mio. statt 1 Mrd. €). Weiterlesen

Gut gerüstet

Am 1. September, dem Antikriegstag, hat der Tübinger Menschenrechtsanwalt Holger Rothbauer den diesjährigen Aachener Friedenspreis erhalten. Rothbauer kämpft in der Öf­fentlichkeit und vor Gericht gegen illegale Geschäfte der deutschen Rüstungsindustrie. Zu seinen bekanntesten Fällen gehören die erfolgreichen Klagen gegen zwei große Waffenhersteller. Heckler & Koch exportierte tausende Sturmgewehre illegal nach Mexiko, Sig Sauer zehntausend Pistolen illegal nach Kolumbien. In beiden Fällen wurden Verantwortli­che vom Bundesgerichtshof verurteilt, die illegalen Umsätze in Millionenhöhe wurden ein­gezogen. Durch Klagen nach dem Informationsfreiheitsgesetz und entsprechende Publika­tionen sorgt Rothbauer für öffentliche Transparenz über Rüstungsexporte. Weiterlesen

Sparen bei Frost und Hitze

Minister Habeck empfahl aus Energiespargründen, kürzer zu duschen. Ministerpräsident Kretschmann regte an, an Stelle der Dusche den Waschlappen zu benutzen. Der Vor­schlag, einmal wöchentlich zu duschen, stieß jedoch allgemein auf Unverständnis: Warum so oft? Offenbar bahnt sich ein Wettbewerb um ausgefallene Energiesparvorschläge an. Da kann auch ich etwas beitragen: In meiner Jugend wurde das Badewasser nacheinan­der von allen vier Familienmitgliedern genutzt; der dreckigste kam zuletzt. Wahrscheinlich kann man das auch beim Toilettengang praktizieren: Eine Person nach der anderen, die letzte zieht ab. Weiterlesen

Schleichend progressiv

Die Regierung realisiert aktuell eine Reform der Einkommensteuersätze, um zu verhin­dern, dass Inflation und Einkommenssteigerung unter dem Strich zu einem Minus bei den Steuerpflichtigen und einem Plus bei der Öffentlichen Hand führen. Steigende Löhne und Gehälter haben im mittleren Einkommensbereich automatisch steigende Steuersätze zur Folge. Man spricht dann von einer schleichenden Progression. Auch frühere Regierungen haben solche Entwicklungen korrigiert. Weiterlesen

Lieber gar nicht regieren ….

Jüngst las ich von einer „FDP-FDP-FDP-Koalition“, die in Berlin regiert. Das war zwar Iro­nie, aber auch Anlass zum Nachdenken. Zunächst muss man wohl Christian Lindner ein Kompli­ment für sein Durchsetzungsver­mögen machen. Noch nie hat eine Partei, die bei einer Wahl nur 11,5% erhielt und die nur mit 22% an der Regierungskoalition beteiligt ist, der­art viele Entscheidungen maßgeblich be­einflusst und ihre weitaus zahlreicheren Koaliti­onskollegen „überstimmt“. Damit hat die FDP ihrer Wählerschaft zu unerwarteter (und un­verdienter) Relevanz verholfen. Viele wun­dern sich, dass ihre Stimmabgabe plötzlich doch mal et­was wert ist.

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Ungleich geht die Welt zugrunde

Kürzlich las ich im Internet das Stichwort „Weltungleichheitsbericht“. War das Satire oder Wirklichkeit? Leider Letzteres – es gibt diesen Bericht. Im Dezember 2017 wurde der ers­te World Inequality Report als Ergebnis einer Fachtagung über World Wealth and Income Database (WID) an der Pariser Wirtschaftsschule veröffentlicht. Autoren waren u.a. die in­ternational bekannten Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty, Emmanuel Saez und Gabriel Zucman. Seitdem erfolgt jährlich eine solche Publikation des World Inequality Lab dieser Universität. Zuletzt erschien der Report 2022 im Dezember 2021 mit einem Umfang von 230 Seiten. Weiterlesen

Gewichtig und gewissenhaft

Die automatische Weiterleitung der Daten kurdischer Vereine an Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt ist rechtswidrig. Zu diesem Schluss kommen die Wissenschaft­lichen Dienste des Bundestags. Die Abgeordnete Gökay Akbulut (Linke) hatte im Juni eine Stel­lungnahme zu diesem Thema beantragt. Seit den 1960er Jahren müssen Vereine mit überwiegend ausländischen Mitgliedern Name und Anschrift ihrer Vorstände sowie die Satzung bei den örtlichen Behörden einreichen. Weiterlesen

Umstrittene Sterbehilfe

Am 24. Juni 2022 startete der Bundestag die Neuregelung der Sterbehilfe. Seit 2015 be­drohte § 217 StGB die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttö­tung mit einer Höchststraf­e von drei Jahren Haft. Straffrei blieb, wer nicht geschäftsmä­ßig handelt und entweder An­gehöriger des Betroffenen ist oder ihm na­hesteht. Der Ge­setzgeber wollte damit der Aktivi­tät von Sterbehilfevereinen entgegentre­ten. Diese Rege­lung hat das Bundesverfassungs­gericht am 26.2.2020 wegen Verfas­sungswidrigkeit auf­gehoben. Weiterlesen

Slapp-Klagen: kein Slapstick

Im Koalitionsvertrag der Ampel finden wir den Satz „Wir werden europaweit Maßnahmen gegen Einschränkungen der Freiheitsrechte wie z. B. durch missbräuchliche Klagen (Stra­tegic Lawsuits against Public Participation, SLAPP) unterstützen.“ Was verbirgt sich hinter dieser Ankündigung? Slapp-Klagen sind strategische Klagen gegen öffentliche Kritik an Unternehmen und wirtschaftlicher Betätigung. Vielfach sind sie rechtsmissbräuchlich. Kriti­ker/innen sollen durch solche Klagen und die damit verbundenen (oft hohen) Anwalts- und Gerichtskosten sowie horrende Schadensersatzforderungen eingeschüchtert und mundtot gemacht werden. Weiterlesen

Helena und Gino gehen wählen

1992, also vor 30 Jahren, wurde in Deutschland den Staatsangehörigen der EU-Mitgliedstaaten das Recht zur Mitwirkung an Kommunalwahlen eingeräumt. Ein Recht zur Teil­nahme an Bundestags- oder Landtagswahlen wurde, so die Rechtslage, nicht gewährt. Grund ist, dass Bund und Länder die Kompetenz haben, Gesetze zu erlassen. Nach Art. 20 GG ist (nur) das Staatsvolk der Bundesrepublik Deutschland Träger und Sub­jekt der Staatsgewalt. Folgerichtig setzt das Wahlrecht die Eigenschaft als Deut­sche/r voraus.

Schon jahrzehntelang hatte es Bemühungen gegeben, ausländischen Mitbürger/innen das Wahlrecht zu ermöglichen. Weiterlesen

Bitte nicht klagen

Minister Habeck hat kürzlich den Grundstein für das erste Flüssiggasterminal gelegt. Of­fenbar erfolgt dieser Bau ohne die vorgeschriebenen Planungsschritte wie Bürger- und Verbandsbeteiligung oder Umweltverträglichkeitsprüfung. Um das Projekt nicht zu gefähr­den, hat Habeck die Umweltverbände aufgefordert, auf Klagen zu verzichten. Weiterlesen

Schutz für Verpfeifen

In jüngster Zeit sind mehrfach Skandale über Schäden für die Umwelt, die öffentliche Ge­sundheit und Sicherheit und die öffentlichen Finanzen bekannt geworden, die nur dank der Initiative von Personen publik wurden, die Fehlverhalten und Verstöße meldeten, die sie in Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit bemerkten (Whistleblowing, auf Deutsch: Verpfei­fen). Schätzungen besagen, dass dadurch zwei Drittel aller Fälle von Wirtschaftskriminali­tät aufgedeckt würden. Weiterlesen

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