Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 43 von 61)

Neuordnung unserer Beziehungen

Nicht nur in aufeinander hockenden Familien und Haushalten sortiert sich derzeit einiges um, mit offenem Ausgang. Noch mehr gilt das für die grosse Welt da draussen. Noch vor der Krise hatten die (engagiertesten) Hörer*innen des Deutschlandfunks das Thema “Dekolonisiert Euch!” zum redaktionellen Schwerpunktthema gewählt. Viele fragen sich gewiss “häh?”. Nun ja, auch wenns in der Schule oft weggelassen wird, war Deutschland Kolonialmacht und Völkermörder, schon vor den Nazis. Weiterlesen

Ein Instrument der Freiheit

Gerade linke Theoretiker von Lenin bis Marcuse haben über die oft als bürgerlich verschriene bildende Kunst nachgedacht. Jens Kastner leistet den ersten großen historischen Überblick
„Sind Sie ein Mann der Kunst, Premierminister?“ In der Netflix-Serie „The Crown“ schüttelt Harold Wilson den Kopf, als ihn Königin Elizabeth bei der Eröffnung eines Kunstmuseums zur Rede stellt. „Nein, ich bin Wirtschaftswissenschaftler“, wehrt der Labour-Politiker die Monarchin ab, „da weiß man, was man hat.“

Linke Theorie und Praxis, dafür ließe sich die fiktive Szene heranziehen, steht unter dem Primat der Ökonomie. Kunst gilt da höchstens als Nebensache. Dass sie im linken Denken aber eine wichtige Rolle spielt, zeigt nun der Soziologe und taz-Autor Jens Kastner in seinem neuen Buch. Weiterlesen

Namedropping & Tearsdropping

mit Heinrich Heine im Anhang
1. HEUTE mittwoch am 1.april 2020 bei meinem regelmässigen
früh-morgendlichen EINKAUF -immer genau der strasse entlang, die von der
frühlings-sonne beschienen wird — keine paare und nur wenige passanten
passierend (ein doppltes PP = für “PFUI Peufel” für den verblödeten
botho strauss) die ihre hunde gassi führen, Weiterlesen

Seehofer torpediert Klöckner

Horst Seehofer, der schon seit mehr als zwei Jahren zurückgetreten sein sollte, ist am Mittwoch wieder in seine Rolle als Grenzschließer und Abschotter zurückgefallen. Sein Erlass, die dringend benötigten Saisonarbeitskräfte für die Landwirtschaft kurz vor der Spargel- und Erdbeersaison, vor allem aber in Erwartung der jährlichen Pflanz- und  Aussaatkampagne auszusperren, könnte die gesamte Versorgung mit Gemüse und Obst im Sommer nicht unwesentlich in Gefahr bringen. Weiterlesen

Das “Saigon” kämpft ums Überleben

In der Bonner Nordstadt gibt es das “Saigon” – seit über dreissig Jahren die erste Adresse für natürliche fernöstliche und vietnamesische Küche. Die kleinen, gebratenen Frühlingsrollen, die selbstgewickelten, vegtarischen Gemüserollen, Salate, Suppen und viele Gerichte mit Koriander, Minze und vielfältigen asiatischen Kräutern sind ein Gedicht. Und im Gegensatz zu manchem “Chinesen” gibt es weder Fleisch, das mit Glutamat weich gequält wurde, noch irgendwelche anderen Geschmacksverstärker und Tricks mit künstlichen Aromen. Schon Jahrzehnte, bevor vegan “in” wurde, hatte das “Saigon” einen veganen Kartenteil. Eine weitere Besonderheit des “Saigon”, das nun wie alle Gastrobetriebe in Bonn um die Existenz kämpft, ist die Geschichte ihrer Besitzerfamilie, über die ich hier schon einmal berichtet habe.  Weiterlesen

Beueler Gastronomie-Unsitte

Viele Gastronomien haben zu. Andere versuchen mit Ausserhausverkauf die Unterlippe über der Wasserkante zu halten. Die Gäste an der Ausgabe kommen auch bei 2 m Abstand gut ins Gespräch, viele froh über die Gelegenheit, und überwiegend guter Stimmung. Dabei tauchte ein Thema auf, von dem ich schon öfter aus diversen Quellen gehört habe. Der Trinkgeld-Betrug (am Gast). Weiterlesen

Bistro l’Olivo erhalten

von Michael Kleff
ich komme gerade vom l’Olivo und habe mir dort mein Abendessen geholt. Heute ist er von 17 bis 20 Uhr und morgen und am Sonntag von 12 bis 20 Uhr für Takeout-Bestellungen geöffnet. Dann will Franco sehen, ob er das nächste Woche auch so machen kann. Er wird es schwer haben, diese Situation zu überleben. Also, wenn Du Hunger hast, hol Dir dort etwas. Oder eine andere Idee zur Unterstützung: Weiterlesen

Sozialkontakte

Sollte Ihnen der Medienlärm um das Virus zuviel sein, durchaus verständlich, dann lesen Sie bitte woanders weiter. Die Bundeskanzlerin riet gestern, wo möglich Sozialkontakte zu vermeiden. Daran werde ich mich nicht halten. Meine Sozialkontakte stärken meine Immunabwehr, daher wäre das (für mich) widersinnig. Ich muss dazu ergänzen, dass ich seit 3,5 Jahren nicht mehr angestellt arbeite. D.h. unerwünschte Sozialkontakte werden von mir schon lange vermieden. Die, die ich pflege, sind nur die, die mir guttun. Das wird sowohl von meinen Freund*inn*en und Bekannten als auch von meinem Arzt bestätigt. Weiterlesen

Bild-Zeitung des Internet über “deutsche Pornoindustrie”

Ein besonders alter Witz lautet “Spiegel-Leser wissen mehr”. Aus diesem Grund wird Spiegel-online, das etwas früher am Start war als andere, gerne als “die Bildzeitung des Internet” bezeichnet. Alle gucken, was da steht. Und die meisten glauben es auch. Zwar wurde dort noch nie behauptet, dass die Erde eine Scheibe sei. Aber eine neue Spitzenleistung ist die Behauptung, es gebe eine “deutsche Pornoindustrie”. Diese Theorie ist auf dem gleichen Entwicklungs- und Erkenntnisstand wie die deutsche Medienpolitik. Und da kommt sie auch her. Weiterlesen

Medikamente: Koka, Enten, Staat

Ist es doch gut für die Gesundheit, sich aus dem Zentralorgan des deutschen Grosskapitals, der FAZ zu informieren? Ich bin da etwas hilflos, weil mein Arzt dieses Wochenende noch in Urlaub ist. Urteilen Sie selbst.
Die Koka-Pflanze z.B. ist nicht nur der Rohstoff für Koks, also Kokain. Sie ist auch “reich an Proteinen, Eisen, Vitamin A, Ballaststoffen, Riboflavin, Phosphor und Kalorien”, wie Florian Siebeck im FAZ-QuARTErly schreibt. In diesem Text hat er ein Lob der Politik des bolivianischen Präsidenten Evo Morales untergebracht. Weiterlesen

Die guten Nachrichten

Mitte nach links / Weinstein schuldig / Rambo gekündigt / Ab morgen Fastenbrechen
Hallo liebe Jeckinnen und Jecken, können Sie schon wieder lesen? Oder erst morgen? Während in Hessen Amoktäter dafür erforderlich sind, kommen hier im Rheinland Menschen durch ganz normalen Karneval ums Leben. Eine fiel in Ehrenfeld auf die Gleise, eine kletterte auf die Kupplung einer anfahrenden Strassenbahn. Zu Betrauern sind nicht nur die Toten und ihre Hinterbliebenen, sondern auch die für den Rest ihres Lebens traumatisierten Fahrer*innen und Zuschauer*innen. Auch ohne Karneval hätte das alles passieren können. Darum “lassen wir uns das Feiern nicht verbieten”. Die Technik, Sensoren und Warnsignale für die Fahrer*innen, solche Unglücke zu vermeiden gibt es bereits. In Industrieländern wie Japan oder China wird sie eingesetzt. Für ein Entwicklungsland wie NRW ist sie noch “zu teuer”. Aber ich wollte ja auf die guten Nachrichten kommen. Weiterlesen

Nutella und Erdogan

Kleiner Ernährungstipp für Kinder und ihre Eltern
Sind Sie besorgte Eltern, denen es Kummer bereitet, dass Ihr*e Kind*er zuviel Nutella fressen, bevor sie morgen wieder in den Klimastreik treten? Da habe ich was für Sie. Gehören Ihre Kinder zu denen, die lesen (nicht alle tun es!)? Auch lange Texte? Dann finden Sie hier die Rettung.
Lassen Sie Ihr Kind LeMonde diplomatique lesen. Nein nicht französisch. Gibt es auch auf deutsch, einmal im Monat. Erscheint morgen gedruckt. Aber das ist natürlich nichts für ein Kind. Gedruckte Zeitung, wenig Bilder, unendlich viele Buchstaben, kleingedruckt, dass es mir als Älterem Schwierigkeiten mit den Augen bereitet.
Die Nutella&Erdogan-Story gibt es auch digital, hier bei der taz frei zugänglich. Weiterlesen

Steinmeiers Nächte sind lang

“Heimatabend“ im Schloss Bellevue – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lädt zum „Heimatabend“ mit migrantischen Künstlern. Auch Almancı tanzen begeistert zu Musik von DJ Ipek.
Dass der Gassenhauer „Kreuzberger Nächte sind lang“ im Schloss Bellevue ertönt, kommt auch nicht alle Tage vor. Insofern war es gewöhnungsbedürftig, als Sultan Tunc am Donnerstagabend die kleine Bühne des dortigen Festsaals bestieg.

Im weißen Nadelstreifen-Anzug, mit coolen Sneakers gab der deutschtürkische Rapper Weiterlesen

Wassersäcke / Polanski / Lanz / U20-Stars

Holländische Wassersäcke sehen gut aus und schmecken nach Nix. Im Einzelhandel werden sie unter der Bezeichnung “Tomaten” vertrieben. Es ist wohl nicht das flache Land oder die salzhaltige Luft schuld. It’s the economy, stupid! DLF-Korrespondentin Kerstin Schweighöfer machte heute morgen darauf aufmerksam (Audio, 6 Min.), was ich auch nicht wusste: die Niederlande seien der weltweite grösste Landwirtschafts-Exporteur nach den USA. Wenn Sie nach Tomaten suchen, die nach was schmecken: versuchen Sie mal die hier.
Roman Polanski, schon in den 70er Jahren als Kindervergewaltiger aktiv, hat wieder einen guten Film abgeliefert. Weiterlesen

Pausieren tut Satiren gut

Es hat etwas von Galeerenarbeit, im Wochenrhythmus Lustiges produzieren zu müssen. Die Nasen, die das auf Bühnen und vor Kameras spielen, haben es noch am besten: alles wirkt, als sei es von ihnen, Ruhm und Gagen werden von ihnen abgesahnt. Richtig grosse Künstler*innen sind jedoch die, die ihnen die Texte und Ideen liefern. Und die sind es auch, denen eine Pause besonders gut tut.
Ich lästere gerne über diese Pausen, weil sie den geizigen Sendern Geld und Kreativität sparen. Für Ideengeber*innen und Texter*innen können sie eine Wohltat sein. Weiterlesen

Ist einfach russisch

berliner szenen
“Vergiss heut Abend Xara nicht. Treffen wir uns vor Rossmann.“ Agnieszkas Messenger-Nachricht ploppt aus meinem Fon, während ich in einer doofen Besprechung brüte. Wie könnte ich die Party vergessen? Eine „Nacht der Liebe“ hat der Schinkelpavillon den Abend genannt. Und das direkt am Kotti.

Sonst stehen vor dem Eingang zu der türkischen Disco im Brutalo-Vorbau vom Zentrum Kreuzberg immer schwarz verkleidete Schränke mit Vollbart. Heute dürfen wir ohne Gesichtskontrolle durch. Weiterlesen

Taken Down

Dieser Hinweis verbessert nicht Ihr Wohlbefinden – 100%-Spoilerwarnung
Die Trüffelschweine von ARTE sind dieses Mal in Irland fündig geworden. Sie haben mal wieder was gefunden, was in Deutschland offensichtlich nicht möglich ist zu produzieren. Vordergründig geht es um das Drama aus Versklavung und Prostitution nigerianischer Flüchtlinge in Europa, in diesem Fall Irland. Im Hintergrund geht es um alles, was uns aktuell bewegt: Sexismus, Rassismus, unfähige europäische Staats- und “Sicherheits”-bürokratien, Folter und Ausbeutung bis zur Kante, an der der Tod wartet; aber auch Weiterlesen

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