Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Lesebefehle (Seite 57 von 130)

Russland / Spanien

Ute Weinmann/Jungle World interviewt einen linken Moskauer Bezirkspolitiker namens Alexandr Samjatin. Ein sehr informatives Gespräch über Kräfteverhältnisse und Diskussionsstränge in der russischen Opposition. Es holt die aufgeblasene deutsche Medienberichterstattung auf den Boden der Realitäten zurück, ohne zum Putinverstehen zu mutieren. Denn klar ist: wer in diesem Masse auf Polizei und Einschüchterung gegen Andersdenkende setzt, hat paranoiden Schiss um die Aufrechterhaltung seiner Herrschaft.
Was sagt das über den Zustand der spanischen Demokratie? Weiterlesen

Desasterfabriken

Haben Sie schon mal von der “Bundesfinanzpolizei” gehört? Ich auch nicht. MdB Fabio de Masi, der seit dem Wirecard-Skandal eine mindestens für sich selbst (Listenaufstellungen und Wahlen rücken näher) exzellente PR-Arbeit macht, nennt sie Desasterfabrik. Das lese ich in einem Beitrag von Extradienst-Autorin Annette Hauschild für telepolis (Korrekturlesen wäre nicht schlecht gewesen, aber dafür bekommt sie dort wenigstens Honorar). Die Botschaft ihrer Recherche ist (leider) nicht neu: Deutschland ist ein Geldwäscheparadies, insbesondere sein “Immobilienmarkt”. Weiterlesen

Einsamkeits-Pandemie

Zu den Kollateralschäden der Corona-Pandemie gehört die beschleunigte Ausbreitung von Einsamkeit, verbunden mit einer Unterbrechung des Erlernens von sozialem Verhalten. Das erklärte heute morgen, als Sie wahrscheinlich noch geschlummert und geträumt haben, Dr. Susanne Bücker von der Ruhruni Bochum im DLF. Das Interview (Audio 13 min) ist nicht nur hörenswert, weil das Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient.
Das Besondere ist seine inhaltliche und rhetorische Stringenz. Weiterlesen

Zeitverzug

Als das Sars-Cov-2 bekannt wurde, von China am 31.12.2019 an die WHO gemeldet, begann es Gelegenheit zu geben, es näher zu untersuchen. Wie ansteckend? Wie gefährlich? Was ist vorbeugend zu tun? Was, wenn es Menschen befällt? Niemand wusste Antwort auf diese Fragen. Es gab also Anlass, das erforschen zu lassen, um nach den Antworten zu suchen. Mit dem Beginn des vermaledeiten vorigen Jahres hätte damit begonnen werden können. Waren die Ärztinnenschaft und die Krankenhäuser vorbereitet? Das Pflegepersonal hinreichend ausgebildet? Die ersten Monate wurden damit verbracht, das Virus als “chinesisch” zu branden. Weiterlesen

Stamokap

Amazon, Indien, Russland, Guinea, Deutschland/EU
Wie der Stamokap aktuell funktioniert, erklärt Matt Stoller/Guardian (dt. Übersetzung im Freitag) anhand des fettesten aller Beispiele, dem Amazon-Konzern. Stoller hat Hoffnung, dass “die Politik” nach rund 30 Jahren Ignoranz zu handeln beginnt. Schön wärs.
In Indien bilden Bauern und Klimaaktivist*inn*en ein politisches Bündnis, und das Modi-Regime hats gemerkt. Nach der Logik deutscher Nawalny-Politik müssten nun Sanktionen gegen Indien folgen. Weiterlesen

#ZeroCovid-Kritik / Welthandel & Weltmächte

Unter dem Titel “#ZeroCovid und der autoritäre Corona-Staat” setzt sich Karl Reitter/telepolis recht umbarmherzig mit der gleichnamigen linksgelabelten Initiative auseinander. Naja, kein Wunder, der Mann ist Österreicher. Barmherzig können die noch nicht einmal mit sich selbst (Achtung: Vorurteil!). Im inhaltlichen Kern kann ich ihm leider kaum widersprechen (s. auch Alex Demirović: Über die Null hinausdenken in diesem Blog).
Die ganze Debatte wird realpolitisch von einer anderen Tatsache überwölbt: dem geostrategischen Machtkampf der grossen und starken Mächte. Weiterlesen

Hygiene, Epidemie und Politik

Zweifel sind keine Leugnung – aber Hygienebewusstsein ist in vermachteteter Öffentlichkeit und Politik so wichtig, wie bei der Virusbekämpfung
Ein Gastautor schrieb mir kürzlich, die “Berliner Zeitung” sei “z.Z. die beste Zeitung”, weil sie wichtige Debatten lostrete. Ich verfolge sie nur gelegentlich, aber mein Gefühl wächst, dass das stimmen könnte. Hier gibt sie dem Epidemiologen Klaus Stöhr das Wort, der seine Bekanntheit dadurch steigern konnte, dass ihn die Bundeskanzlerin und die MPs (mehrheitlich) nicht unter ihren Berater*inne*n haben wollten.
Mglw. öffnet sich der öffentliche Diskursraum langsam wieder. Weiterlesen

Medienkritik

Nach einer grosszügigen Portion wärmender Hühnersuppe (Bezugsquelle), die ich mir gerne mit Knoblauch und Curry nachwürze, sowie einem sättigenden Matjesstip (Bezugsquelle) mit frischen Linda-Salzkartoffeln gab es zum Nachtisch die 20-Jahre-Jubliläumssendung des entschleunigenden mare-TV, Glückwunsch auch von mir, und als Empfehlung an Extradienst_Leser*innen. Nun also, was mich lesend beschäftigte.
Timo Rieg/telepolis hat eine ausufernde, gelegentlich schwer verdauliche Fleissarbeit zur Medienberichterstattung in der Corona-Pandemie angefertigt. Weiterlesen

Enissa zeigts dem WDR

Und Rupert den Präsidenten / weitere Infos zu Welthandel, Impfpolitik, Northstream2
Sie steigt weiter in meiner Hochachtung: Enissa Amani. Jetzt hat sie dem doofen WDR und der nicht minder doofen Plasberg-Firma kurz mal eben auf eigene Produktionskosten vorgemacht, wie Leute, die Ahnung von der Sache haben, über Rassismus und Sprache schwätzen können. Makaber, wie wenig schwer das ist. Und für unser Haushaltsabgabengeld bekommen wir so ein Minimum an Intelligenz nicht geliefert? Sogar der billige Spiegel hats schon gemerkt.
Ich schäm’ mich so, weil ich “meinen” WDR mal so heiss geliebt und verehrt habe. Weiterlesen

Prantl / Evaristo / Touché

Was für ein Schreck: die ersten Sekunden bei Bewusstsein, die Augen noch gar nicht auf, und aus dem timergesteuert angesprungenen Radio tönt fast durchgehend meine Meinung und Empfindung. Wann hat es das zuletzt gegeben? Es muss die junge Bettina Böttinger gewesen sein. Sie moderierte ein Bonner Radio-Lokalfenster, das es nicht mehr gibt, auf einer WDR-Welle, die es nicht mehr gibt, einen Bonner Lokalpolitiker, den kurz danach verhafteten damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden und Stadtwerkechef in einer Person, Reiner Schreiber – und machte ihn rhetorisch lehrbuchmässig und live auf dem Sender zur Schnecke – das muss damals auch so rund um 7 Uhr herum gewesen sein. Unvergesslich, Pflichtcurriculum für eine gute Journalist*inn*enausbildung.
Heute morgen also Heribert Prantl im DLF. Weiterlesen

V-Mann an der Klimafront

Ist es nun zu warm oder zu kalt? In dieser Frage ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima bereits angelegt. Es ist zu kalt – fürs Rheinland jedenfalls. Mehrere Winter musste ich meine Wohnung nicht heizen, weil ich von meinen Nachbar*inne*n unter über und neben mir hinreichend Abwärme bekam. Das ist jetzt leider nicht mehr so. Trotzdem ist es zu warm. Das erklärt uns Wolfgang Pomrehn/telepolis.
Pomrehn leistet seit Jahren das, was wohlverstandene “Nachrichtendienste” längst hätten leisten müssen: die Klimakrise vorhersehen, analysieren, Strategien dagegen erarbeiten und vorschlagen. Weiterlesen

Iran hat gewonnen

Im Jemenkrieg: was wird besser? / Und: Helden-Demontagen: Nawalny vs. Jawlinski / Klopp
In mehreren Beiträgen, mehrheitlich eingemauert, analysiert die FAZ die strategischen Rahmenbedingungen des verbrecherischen Jemen-Krieges nach der Wahl Joe Bidens zum US-Präsidenten. Der Wechsel in den USA ist einer zu strategischem Realismus. Die Patenkinder des Iran scheinen, obwohl finanziell und militärtechnologsch unterlegen, politisch klar gewonnen zu haben. So geht es aus Informationen hervor, die FAZ-Korrespondent Christoph Ehrhardt von Beirut aus zusammengetragen hat. Weiterlesen

Somalia / Rio / Russland

Es gibt sie noch: Publizistik mit Niveau und ohne Paywall.
Afrika-Korrespondentin unter Pandemie-Bedingungen ist allein schon ein respekteinflössender Schwierigkeitsgrad. Unter solchen Bedingungen Material aus Mogadischu zu ergattern, wow. Ich weiss nicht, ob Bettina Rühl selbst dort war. Vermutlich hat sie Verbindungen genutzt, um Informationen und O-Töne zu beschaffen. Denn nach meiner Kenntnis liegt der Security-Tarif für offensichtliche Nicht-Einheimische in Mogadischu bei 1.000 US-$/Tag. Dafür dürfte das DLF-Honorar kaum ausreichen. Weiterlesen

Böhmi gut in Form

Fluchtursachenhersteller profitieren bei Flüchtlingsabwehr doppelt mit
Die Lokomotive deutscher Spitzentechnologie, der Rheinmetallkonzern, hat diese Woche verkündet, sich vom Autozuliefern ab- und noch mehr der Mordtechnologie zuzuwenden. Jeder setzt seine Signale in dieser Zeit, wie er es für richtig hält. Rheinmetall und seine Aktionäre wissen warum. Deutsche Regierungen wenden sich, nachdem sie sich gegen Trump zusammenreissen mussten, so devot dem neuen US-Präsidenten zu, dass sie jeden Preis zu zahlen bereit sind – zu entrichten als Aufrüstung ihrer unproduktiven Rüstungsinvestitionen. Es gibt neben Organisierter Kriminalität nichts, was vergleichbare Extraprofite möglich macht. Weiterlesen

Kriegsspiele

mit Update 5.1.
Jürgen Wagner/telepolis berichtet über ein deutsch-französisches Rüstungsprojekt, das – geschätzt – 300 Mrd. € über 10 Jahre verteilt (und gebunden) von öffentlichen in Aktionärskassen schaufeln soll. Da ist sie also, die “Selbstbehauptung Europas”. Merkwürdig finde ich, dass von Wagner zitierte Rüstungslobbyisten möglichst viel davon “vor der Bundestagswahl” absichern wollen. Was fürchten die? Dass es Wahlkampfthema wird (vielleicht, schön wärs), oder gar die Grünen in der Regierung (sind die so schlecht informiert?)? Weiterlesen

Wie wird mann*frau ….

… EU-Kommissions-Chefin?
Die ehemalige “Zensursula” und “Flinten-Uschi” hat innerhalb kürzester Zeit mit ihren deutschen Berliner Sitten und Gebräuchen den Rest von Europa, also alle ausser Deutschland, gegen sich aufgebracht. Der Brüssel-Korrespondent der taz Eric Bonse berichtet darüber (+ Kommentar). Aber wer sonst? “Das Grundgesetz in die Gesellschaft hineintragen” (70er Jahre Jungdemokraten) würde bedeuten, Pressefreiheit nicht nur zu haben, sondern auch zu nutzen.
… Demonstrant*inn*en-Jäger? Weiterlesen

Die globale Impfpolitik

Es ist nicht alles schlecht beim öffentlich-rechtlichen TV. Solange sich Menschen noch öffentlich ärgern, wenn es schlecht ist, ist noch nicht alles verloren. Denn es zeigt, dass es vielen noch wichtig ist. Es gibt auch Gutes. Gestern Abend z.B. im Schatten des überteuerten ARD-Fussballs versendete der NDR “Panorama – Die Reporter” zum Thema “Wem gehört der Impfstoff?”. Von der Wichtigkeit her, wäre die umgekehrte Programmierung die Richtige gewesen: Impfpolitik nach vorne, Fussball nach hinten. Aber wem sagichdas?
Vorweg eine gute Nachricht für eine mit mir gut befreundete Leserin: es gibt gute Nachrichten aus Dessau. Weiterlesen

Demonstrationen

Über regimekritische Demonstrationen in Russland wurde im hiesigen eingebetteten Journalismus am Wochenende ausführlich berichtet. Russland hat ca. 1,5 mal so viele Einwohner*innen wie Deutschland. Hiesige Demonstrant*inn*en würden sich über ähnlich grosse Medienaufmerksamkeit sicher sehr freuen. Bei “einigen Hundert”, selbst bei “mehreren Tausend”, gelingt ihnen das in der Regel nur, wenn sie was kaputtmachen, oder andere Gesetze brechen. Andernfalls fallen sie aus der Themenliste. Also den Verhältnissen in Russland gar nicht so unähnlich – im Ergebnis. Die Triebkräfte und Motive sind selbstverständlich zu unterscheiden. Weiterlesen

Bewegungen in der Pandemie

Die Pandemie in Bonn dauert an, mildert aber ihre Verlaufsform. In den letzten Tagen ist die 7-Tage-Inzidenz gegen den (scheinbaren) Bundestrend nicht mehr gesunken, gestern bei 104; täglich gemeldete Neuinfektionen bewegten sich um die 50. Sehr erfreulich sank dagegen die Hospitalisierung: waren Neujahr noch 195 Krankenhausbetten belegt, waren es gestern noch 91; auch die Belegung der Intensivstationen hat sich von 54 auf 27 halbiert. Dabei war das Wetter gestern in Bonn so schlecht, dass es niemandem schwergefallen sein dürfte, sich an Kontaktverbote zu halten.
Eine Freundin in Köln plant nun eine Solidaritätsaktion mit dem krankenden Gesundheitswesen. Weiterlesen

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