Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Lesebefehle (Seite 58 von 134)

Dealer-Schiesserei

Wenn ich nach der Wende 1990 Berlin besuchte, hatte ich einen freundlichen Gastgeber, der zum Politestablishment der Hauptstadt zu zählen war. Er hatte sich in einem der ersten fetten Investorenprojekte in Mitte und Prenzlauer Berg eine schicke Eigentumswohnung in Parklage gesichert. Als er eine Familie gründete und das Besucher*innen*zimmer zum Eigenbedarf wurde, erwarb er in dem Komplex noch eine Besucher*innen*wohnung dazu. Diese hatte ein Fenster zur Parkseite, das ich des nachts zur besseren Belüftung meines Schlafes öffnete. Nunja, viel Schlaf war nicht. Denn in dem Park trafen Dealerbanden aufeinander, und schlugen und schossen ihre Revierkämpfe aus. Weiterlesen

Wer nicht für uns ist ….

Die Pandemie binären Denkens
Fangen wir zur Abwechslung mit dem Wichtigsten an. Ist es sinnvoll, dass sich die EU im globalen Handelskrieg an die Seite der USA stellt, gegen das die Menschenrechte missachtende kommunistische Regime der Volksrepublik China? Was nach dem 2. Weltkrieg schon keine Lösung war, ist heute auch keine, und wird es auch in Zukunft nicht sein. Selbst beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ist die Dringlichkeit der Klimakrise erkannt und höchstrichterlich geadelt worden. Wie soll sie global gelöst werden? Mit globaler Konfrontation ist eins sicher: dass es scheitern wird. Weiterlesen

Hoffnung (II) und Obszönes

Gestern bemerkte es sogar der Spiegel, und heute folgte eine gut informierende Analyse der FAZ-Korrespondenten, was Thomas Pany/telepolis schon vor knapp einer Woche berichtete. Dass deutsche Leitmedien anspringen, liegt vermutlich daran, dass einige Spin-Doktor*inn*en sie darauf gestupst haben; selber merken (oder gar recherchieren) tun sie ja leider nur in Ausnahmefällen. Die genannten Spin-Doktor*inn*en würde ich in der Biden-Administration verorten, die einiges ändert, nicht Weniges zum Besseren. Weiterlesen

Nebel vor den Klassenkämpfen

Alles nur Ablenkung? Einerseits. Andererseits kann es auch der Klarheit dienen: Aufräumen im Kopf, Positionssuche, Positionsbestimmung, Parteinahme. Die Sache mit der Kultur ist keineswegs ein Nebenwiderspruch. Wenn berufsbedingt extrovertierte Persönlichkeiten die Öffentlichkeit an ihrer Positionssuche teilhaben lassen, ist das durchsichtiger, “transparenter”, als der immer klandestiner werdende Politikstil in der Hauptstadt. Eigentore inklusive. Die klügeren Wortmeldungen nehmen zu. Weiterlesen

“Staatsorgan” lebt weiter

Die StaSi war so deutsch, dass sie im Heute weiterlebt
Es wäre zu platt und einfach zu behaupten, was ich schon immer geahnt habe: dass die StaSi von heute sich im Springerkonzern versteckt. Obwohl: komplett abwegig ist es leider auch wieder nicht. Die Kolleg*inn*en von Buzzfeed und uebermedien haben einen Einzelfall in die Finger bekommen und recherchiert, der das nahelegt und dokumentiert. Gute Arbeit, nur ein bisschen spät. Über 30 Jahre ist es her, dass die DDR-Spitzelbehörde (angeblich) aufgelöst wurde. Weiterlesen

Sklaverei und Humanismus

Mein wichtigster Text war heute morgen ein Interview von Miray Caliskan/Berliner Zeitung mit dem Neuropsychologen Lutz Jäncke: “Leben zwischen Online und Offline : Sklaven der Reize: Wie der Mensch sich in sozialen Medien verliert”. Was Jäncke da zusammenträgt sind wichtige Fakten, jedoch mit einem fachlich begrenzten Blickwinkel. Viele der von ihm zurecht beklagten Phänomene gab es schon vor der Internetnutzung (Anorexie, Selbstoptimierung, Mediengeilheit z.B.). Und unerwähnt bleibt in dem Gespräch die radikal verstärkende Wirkung durch die Corona-Lockdowns. Eine Nutzanwendung zu Jänckes Erkentnissen bringt die FAZ in einem Interview mit Unternehmensberater und Coach Peter Modler. Weiterlesen

Pandemie-Ramadan

Und: “herrschaftsfreier Diskurs” nirgends
Ich fange mit dem Positiven an. Henning Hübbert. In dem Link wird er auf der WDR-Homepage vorgestellt, meistens höre ich ihn im DLF, kenne ihn auch flüchtig vom Telefonieren. Er wohnt in Unkel, wo auch Willy Brandt seine letzten Lebensjahre verbrachte, und die Oma meiner alten Freundin Kerstin Müller mehrere Hochwasser durchmachte. Dort ist es offenbar möglich, als Journalist nicht nur eine klare Haltung zu entwickeln, die Hübbert mit seinen Themensetzungen verrät. Sondern auch ständig neugierig zu bleiben, ehrliches Interesse zu entwickeln, und auf eigene Missionsarbeit weitgehend zu verzichten. Was für ein angenehmer Kontrast (ich komm’ gleich (drauf)! Weiterlesen

Die Welt da draussen

Brasilien / Tschad / Myanmar
“Woanders is’ auch scheisse.” Dazu hier neue Beweise, die in der wehleidigen deutschen Diskusrsarena weitgehend ignoriert werden. Dabei sind sie sowohl für die Pandemie- wie für die Klimawandel-Bekämpfung ausergewöhnlich relevant.
Am wenigsten begründen muss ich das für Brasilien, in dem die grössten Regenwaldflächen der Welt akut bedroht sind. Es hat sich ähnlich “freiwillig”, wie es die USA mit Trump getan hatten, einen dem Faschismus zum Verwechseln ähnlichen Präsidenten frei gewählt, und würde es nach aktuellen Erkenntnissen nicht wieder tun. Weiterlesen

Auch nicht ganz dicht

Datenschutz und Duin
In Klein-Britannien ist eine milliardenschwere Sammelklage gegen das asoziale Netzwerk TikTok eingereicht worden. Darüber berichtet Chris Köver/netzpolitik. Als Erziehungsmassnahme für chinesische Datenpirat*inn*en ist das zweifellos zu begrüssen. An Glaubwürdigkeit gewinnen würde dieser Erziehungsversuch, wenn er auch asozialen Netzwerken, die nicht aus der führenden Weltmacht China operieren, angedeihen würde. Selbstverständlich der armen, süssen, gequälten Kinder wegen.
An gleicher Stelle bewirbt sich Malte Engeler im Interview mit Ingo Dachwitz/netzpolitik öffentlich für den Job des Berliner Datenschutzbeauftragten. Weiterlesen

PR-Battlegrounds

Habecks Wehleid / Berühmte Irrlichter / Antisemitismus
Warum eine Schlagzeile in English? Weil ich bei “Schlachten” zu sehr an fliessendes Blut und Tönnies denken muss. Das englische “Battle” hat einen grösseren Deutungsumfang. Es geht nur um publizistische Strategien, nicht ums Totmachen.
So muss ich heute mein Umdenken über Robert Habeck melden. Unabhängig von politischen Differenzen habe ich seine nun schon recht langjährige PR-Arbeit für die Grünen und sich selbst für hochprofessionell gehalten. Mit seinem Zeit-Interview (Paywall, aber von einem guten Freund mir zugänglich gemacht) muss ich das revidieren. Weiterlesen

Here comes the sun

Gute Beobachtungen: Kinder und Jugend in der Pandemie / Baerbock / Wirecard / Super League
Vorsicht: mein erster Tipp könnte Sie runterziehen. Und hindert Sie an der Ausrede, es “nicht gewusst/geahnt” zu haben. Das von mir während der gesamten Pandemiezeit hochgeschätzte 3sat-Magazin nano berichtete gestern über eine Studie „JuCo I und II“ (= “Jugend und Corona”), deren Ergebnisse nur als alarmierend gesehen werden können – auch wenn das Original von der unvermeidlichen Bertelsmann-Stiftung vermarktet wird. Weiterlesen

Unnormal und unoptimiert

Wäre jetzt Neujahr, wäre das ein schöner Vorsatz. Stattdessen befinden wir uns vor dem endgültigen Ausbruch eines meteorologischen Frühlings. Und einer Ausgangssperre in Bonn – die 7-Tage-Inzidenz ist nahe der 200. Ich weiss, dass unserer OB eine Ausgangssperre zuwider ist. Aber wie lange kann sie das durchhalten? Um Sach- und Fachargumente geht es in der Politik immer nur unter anderem. Das hat Sigbert Gebert/telepolis eben (un-) schön nachgezeichnet. Weiterlesen

“Schaden in der Oberleitung”

Wundersame Bahn LX
Arno Luik hat ein Buch über die Bahn geschrieben und es “Schaden in der Oberleitung” überschrieben. Darunter steht: “Das geplante Desaster der Deutschen Bahn”. Arno Luik ist wahrscheinlich der am besten über die Deutsche Bahn informierte und informierende Journalist in diesem unserem Lande. Autor vieler Bahn-Geschichten u.a. im Stern. Ausgezeichnet für seine Berichterstattung über “Stuttgart 21” mit dem “Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen” des Netzwerk Recherche. Zu S 21 gab er im Jahr 2015 auch Auskunft in einer Anhörung des Deutschen Bundestages. Hier seine damalige Stellungnahme zum nachlesen. Weiterlesen

Katastrophengold

Karin Leukefeld lernte ich in Bonn als Ökologiereferentin beim Bundesvorstand der Grünen kennen. Ein gewisses scheinradikales Sektiererinnentum war ihr nicht fremd, womit sie mir damals repräsentativ für ihre Partei zu sein schien. Es waren die 80er Jahre, ich schmunzelte darüber. Seit 2000 arbeitet sie als Korrespondentin aus dem Nahen Osten, und nicht alle sind amüsiert, dass sie auch nach Syrien einreisen darf. Ihr JungeWelt-Stück zum Beiruter Hafen dagegen hätte jede*r andere deutsche Korrespondent*in genauso liefern können. Tun sie aber nicht. So what? Weiterlesen

Verkaufsstrategie II: der Umwerfer

“Es braucht außerdem atomisierte Menschen, die ebenfalls frei kombinierbar und einsetzbar sind und möglichst wenige soziale und kulturelle Beziehungen unterhalten, die ihre Verwertbarkeit beeinträchtigen könnten.” Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Bei diesem Satz dachte ich sofort an die gegenwärtige Pandemiepolitik. Darauf bezieht er sich aber in seinem Kontext nicht (in erster Linie). Er stammt von Fabian Scheidler, der offensichtlich über eine bessere, glaubwürdigere Medienberatung verfügt, als die Grüne Parteispitze. Weiterlesen

“Erschöpfung utopischer Energien”

Diese Begriffsprägung von Jürgen Habermas verwendet der Professor für “Makrosoziologie” Steffen Mau in einem lesenswerten Interview mit der Berliner Zeitung. Der Mann hat ein waches Auge für die gegenwärtig sich tief eingrabenden zwischenmenschlichen Probleme. Aus Maus Sicht ist eine “eine größere Idee, ein(en) Zukunftsbegriff” gefragt, “damit man nicht nur das Gefühl hat, man wurstelt sich von einem Tag zum nächsten durch. Diese Idee muss einem das Gefühl vermitteln, es gibt einen Sinn und eine positive Richtung, sodass es lohnt. Und dann sind Leute auch bereit mitzumachen.”
Treffer! Doch leider ist das nicht lockdownkompatibel. Weiterlesen

“Luca”-App – nackt

Wenn ein schlechtes Produkt durch intelligentes Marketing dennoch gute Geschäfte machen lässt, dann klopfen die was-mit-Marketing-Leute sich gegenseitig auf die Schulter und köpfen das eine oder andere Fläschchen Schaumwein. Das sollten sie aber nur tun, wenn sie ungefähr in meinem Alter sind. Denn mittelfristig graben sie sich mit solchen Ruhmestaten selbst das Wasser ab. Leute in meinem Alter, und wir sind viele, buchen sie als schaumschlagende Gelegenheitslügner ab, denen ich niemals einen Gebrauchtwagen, bzw. in meinem Fall: ein Fahrrad, abkaufen würde. Weiterlesen

Wirecard: Gegenüberstellung

Und: UK 21 / 700 kg auf 2,7 qm / Medienpolitik killt Kulturradio
Die Staatsanwaltschaft München erhöht die Spannung im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages, wie Michael Maier/Berliner Zeitung berichtet. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht: mich erinnert die Wurstigkeit ihrer juristisch orientierten Stellungnahme irgendwie schon wieder an die deutsche Pandemiepolitik. Zumal das Spielen auf Spielverzögerung hier ausserordentlich aussichtsreich erscheint: mit der Bundestagswahl endet die Amtszeit des Untersuchungsausschusses. Selbst wenn er wieder eingesetzt werden sollte, wird es zu Personalwechseln kommen. Weiterlesen

Das Beste aus meiner Osterlektüre

Bakterien sind der KI überlegen – der Mensch ist keine Maschine, und die Natur auch nicht
Schon am Gymnasium lernte ich die Diktatur der Mathematik hassen. In der mündlichen Abi-Prüfung rächte ich mich grausam an meinem Mathelehrer. Ob “4” oder “5” – meine schriftliche Prüfung hatte ich überraschend bestanden – war mir egal. Ich war provokativ schlecht, verweigerte jedes Betreten von Eselsbrücken, und der Lehrer stand bzw. sass vor dem Prüfungskollegium blamiert da. Schulleiter Herbert Sokolowski (bei Paywall gehen Sie über die Suchmaschine), ein fortschrittlicher Sozialdemokrat, von der Stadt einem mehrheitlich reaktionären Kollegium auf die Nase gedrückt, wusste ja, was für ein intelligenter Kerl ich war, hatten wir doch mehrere Jahre – ich war Geschäftsführer der Schülervertretung – exzellent zusammengearbeitet. Weiterlesen

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