Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Medien (Seite 129 von 265)

„Einen gewissen verbliebenen Kredit“ (2)

Kontinuitäten und Brüche in der fotografischen Selbstdarstellung der Bundesrepublik

Alle Folgen dieses Beitrags: Teil 1 – Teil 2 – Teil 3Teil 4Teil 5

Das Streben nach Kunst

Publikationen der fotografischen Propagandisten der Nazi-Herrschaft in den ersten Nachkriegsjahren eint ein eigentümlicher Konsens in gemeinschaftlicher Weltflucht. Paul Wolff und Alfred Tritschler fotografieren Blumen und Gräser, Wolf Strache fotografiert Blumen und Gräser, Erna Lendvai-Dircksen fotografiert Blumen und Gräser, Walter Hege fotografiert Steine und Gräser, Albert Renger-Patzsch fotografiert Bäume und Steine. Ausnahmen dieser Regel gibt es: Weiterlesen

TV-Reform: Migrant*inn*enkanal, Frauenfussball

von Wilhelm Achelpöhler, Dr. Christoph Schottes, Dietrich Schulze-Marmeling, Dr. Wolfgang Storz, Claus Fokke Wermann, Detlef zum Winkel
Offener Brief an Malu Dreyer

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,
als Vorsitzende der Rundfunkkommission haben Sie dazu aufgefordert, Vorschläge zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu machen. Da hätten wir etwas für Sie. Wir vermissen Sendungen, die in der Vergangenheit von verschiedenen Anstalten ausgestrahlt wurden. Sie richteten sich an ausländische Arbeitnehmer – in deren Sprachen und oft auch mit kurzen Zusammenfassungen in deutsch. Wir hörten also griechische, spanische, italienische, türkische Berichte, Reportagen, Interviews und hatten das Gefühl, in einem mediterranen Café zu sitzen. Diese Sendungen waren auch bei deutschen Zuhörern beliebt. Weiterlesen

„Einen gewissen verbliebenen Kredit“ (1)

Kontinuitäten und Brüche in der fotografischen Selbstdarstellung der Bundesrepublik

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Vorbemerkung

Fotografie ist als Bildmedium an allen Manifestationen politischen Handelns beteiligt und geht dabei über die bloße Aufzeichnung eines Geschehens hinaus: Jedes Dokumentieren geschieht mit einer Absicht, und jedes Dokument wird intentional in der Distribution genutzt. Die folgende Beschreibung konzentriert sich auf produktive Aspekte fotografischen Handelns, auf die Protagonist*innen und deren redaktionelle Umfelder. Selbstverständlich kann auch auf diesem Gebiet nicht von einer Zäsur durch das Ende des Zweiten Weltkriegs ausgegangen werden, sondern sind Brüche wie Kontinuitäten zu konstatieren, sowohl in gestalterischen wie in ökonomischen Aspekten. Weiterlesen

Brutkasten des Misstrauens

Das deutsche Bürgertum ist rechtsoffen. Das ist keine neue Nachricht aus der Coronakrise, sondern seit über 200 Jahren bekannt. Als in Frankreich eine blutige Revolution tobte, um bürgerliche Freiheitsrechte zu erobern, herrschte rechts des Rheins, also hier in Beuel, Untertanengeist. Neben Rheinländer*inne*n, die sich an den von BonapARTE mitgebrachten Rechten erfreuten, liessen sich allzu viele Andere von den Fürsten nationalistisch aufwiegeln, um gegen den Franzmann in den Krieg zu ziehen. 1848 noch mal sowas Ähnliches, 1871 und 1914 noch furchtbarer, mit dem verbrecherisch-mörderischen Gipfel 1933/39/45. Danach nahm sich das westdeutsche Bürgertum die FDP. Weiterlesen

Mediathekperle Ali

Das Werk ist schon knapp einen Monat lang online und bleibt es noch bis 11. März. Heute und morgen strahlt ARTE es linear aus: eine 8-Stunden-Dokumentation über Muhammad Ali, von Sarah und Ken Burns (ihr Vater) sowie David McMahon (ihr Gatte). Die haben einen sehr guten Namen. Wer sich so ausführlich mit diesem grossen Mann beschäftigt, kann keinen Mist bauen. Ich habe vor ca. 15 Jahren ein ähnliches Werk im damals berüchtigten Deutschen Sportfernsehen gesehen, in einer Spielpause des Profifussballs. Jetzt lagert es auf einem alten Festplattenrecorder, dessen Fernbedienung ich nicht mehr finde. Weiterlesen

Bilder kommen vor der Sprache

Die Digitalisierung des Kunstfeldes stellt Kunst und Künst­le­r:in­nen vor ganz neue Herausforderungen. Robert Fleck beschreibt den Weg der Kunst ins 21. Jahrhundert
Hat die Kunst eine Zukunft? Kunstbetriebsfloskeln wie diese sind mit Vorsicht zu genießen. Zerfällt doch die Entität, die damit beschworen wird, bei näherem Hinsehen in hunderttausende Individuen, die nicht mehr unter eine Begriffshaube zu bringen sind. Und ihre Nonkonformität hochhalten. Wer wollte dieser Avantgarde des Eigensinns etwas raten oder gar prophezeien? Weiterlesen

Ist das Sozialismus?

Ein China-Korrespondent der SZ, Christoph Giesen, gab Nils Zurawski/telepolis ein lebensnahes plastisches Interview über sein Leben und seine Arbeit in China. Nun bin ich selbst gegenüber der deutschen China-Berichterstattung, an der Giesen durchaus führend mitarbeitet, recht reserviert. In diesem Fall bin ich geneigt, seine Interviewaussagen als glaubwürdig zu betrachten. Zumal sie nicht den geringsten Anlass bieten, die Ausfahrt eines Kriegsschiffes in diese Richtung als “diplomatische Mission” zu bezeichnen. Weiterlesen

Amnesieclub

Sagen, was ist
Die Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag des Spiegel nehmen noch kein Ende. Ulrich Gutmair/taz versucht dabei die Riesenkraterlücke zu füllen, die der Spiegel in seiner lückenhaften Eigenbeschreibung hinterlässt. Er nimmt dabei, so wie ich, auf die Arbeiten Bezug, die Lutz Hachmeister geliefert hat. Aber so, wie die taz vorzugsweise immer nur wieder auf sich selbst verlinkt, erwähnt er nur Hachmeister-Texte, die in der taz erschienen sind. Das sieht etwas billig aus. Inhaltlich liegt Gutmair aber komplett richtig. Weiterlesen

Verlierer für Vernunft

Und: Brückendesaster / Manuel Neuer
mit Update abends
Der gute Wille von DLF-Moderator Jürgen Zurheide war erkennbar. Aber hat er auch einen guten Griff getan? Bei seiner beständigen Suche nach Stimmen für aussenpolitische Vernunft stiess er auf einen CDU-Politiker, was ja zweifellos schon mal ein origineller Fund ist. Heute war es Friedbert Pflüger (Audio 12 min). Der war mir schon als RCDSler auf den Fluren und in den Hörsälen der Universität Bonn begegnet, als dankbarer Wahlkampfgegner. Weiterlesen

Nebensache Planetenvernichtung

Ist es ein nebensächlicher Vorgang? Jedenfalls markiert er in seinen kleinen Details tiefgründige Prioritätenverschiebungen in der herrschenden Politik und den herrschenden Medien. Extradienst-Autor Andreas Zumach erklärte mir gestern genauer die Vorgänge um die Absage der NPT-Konferenz (NPT = Non-Proliferation-Treaty, Nichweiterverbreitungsvertrag für Atomwaffen, hierzulande geläufig als “Atomwaffensperrvertrag”, Copyright dieser politischen “Übersetzung”: Konrad Adenauer persönlich) in New York. Atomwaffen, das für die Jüngeren, sind Waffen, mit denen sich in Sekundenschnelle die Erde weit vor dem Klimawandel vernichten lässt, kurz und schmerzvoll. Weiterlesen

Deutsche Verspätung

Coronapolitik: in Deutschland hat nicht nur die Bahn immer Verspätung
Zwischen dem 4. Advent und “Drei Könige” (6.1.) erstirbt im christlich geprägten Deutschland zwar nicht das öffentliche Leben, aber: Politik, Medien, Bürokratie. Alle, die das ganze Jahr Stress veranstalten, machen Pause, selbstorganisierten Lockdown, weil sie selber runterkommen müssen, Ehescheidungen, weglaufende Kinder und bekümmerte Eltern und Grosseltern mit Ableben drohen. So kommt es, dass die ganze Welt über Omikron-Infektionen klagt. Die ganze Welt? Weiterlesen

Sprachfaulheit / Interviewkünstler

Auftritt: Harald Schmidt
Schrieb ich eben über das Wegsparen von Journalismus und Recherche? Es ist noch schlimmer. Die Handwerker der Sprache haben keine Lust, Kraft oder Intelligenz – oder alles zusammen – an ihre handwerkliche Basis noch ganze Gedanken zu verschwenden. Ich denke dabei immer zuerst an den Inlandsgeheimdient, der sich so verfälschend selbst bezeichnet, dass es alle nehmen. Eric Wallis/uebermedien nimmt als Beispiel Teslas Grossfabrik im Brandenburger Wasserschutzgebiet. Weiterlesen

Hitler-Festspiele

mit Update 5.1.
Passend zum 75. Geburtstag des Spiegel veranstaltet das ZDF auf seinem Hitler-Festspiele-Kanal ZDFinfo heute wieder seine – nahezu täglichen – Hitler-Festspiele. Gemäss dem (deutschen) Medien-Motto “Hitler geht immer”. Das ZDF liess sich von seinem ehemaligen Haus-Historiker das Archiv damit vollmüllen, und sendet es jetzt kostengünstig permanent ab (Marktanteil 1,8%). Weiterlesen

Morsche Achse

Und: Reiche Kirchen / Armselige ARD
Wie lange geht das noch gut? Am 10. April ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich; zwei Wochen später die wahrscheinliche Stichwahl. Fällt der Vorsitz im EU-Rat dann an die Faschisten? Das wäre wohl die Zeit, in der ich zu Peter Wahls EU-kritischer Position überlaufen muss. Der gegenwärtige Publizitätslärm um die Beurteilung von Atom und Gas durch die EU-Kommission (“Taxonomie”) scheint mir der Vorhang zu sein, der vor was anderes geschoben wird. Weiterlesen

Alter Film – anders gesehen

Das Lebenswerk von Robert Altman habe ich bewundert. In seinen Filmen werden die Produktionsverhältnisse von Kino und TV kritisch reflektiert. In Unkenntnis seiner Persönlichkeit bleiben Fragen offen. Denn er war kein neutraler kritischer Beobachter, sondern ein Teil des Systems. Gestern lief sein Spätwerk “Prêt-à-porter / Ready To Wear” von 1994 in der Glotze. Produziert von Miramax, der Firma der Gebrüder Weinstein. Weiterlesen

Perlen: Zahlemann & Merz

Was soll ich über Olli Dittrich noch schreiben? Sein gutes Werk ist mittlerweile unüberschaubar. Etwas unterschätzt von seinen Lobsängern ist vielleicht “Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres”. Holger Gertz/SZ, Meisterschreiber seiner Redaktion, verlinke ich hier nicht, weil eingemauert, denn Oliver Jungen/FAZ ist ja frei zugänglich. Besser kann ichs auch nicht schreiben. Hier gehts zu Sandro Zahlemann, dem starken Mann hinter Merkel. Weiterlesen

Klassearbeit

Audiothekperle: Medienjournalismus – geht doch
Die herrschende Geschichte ist die Geschichte der Herrschenden. Dazu hat sie einen Konter gesetzt, bravo: Brigitte Baetz/DLF erinnert an vergessene Journalisten der Weimarer Zeit, die zu Opfern des rechten Terrors wurden. Ihre verdienstvolle Arbeit erinnerte mich an vergleichbare Arbeiten Roland Appels über die Linksliberalen jener Zeit. Völlig unverständlich ist mir, warum der DLF ihr Manuskript nicht zum Nachlesen online stellt. So “müssen” Sie es sich anhören (Audio 24 min). Eine Strafe, die in diesen ruhigeren Tagen gut auszuhalten ist und nicht dümmer macht.

#metoo – wie fing es an?

Das Machtgefälle und die Gewalttätigkeit zwischen den Geschlechtern fingen angeblich irgendwann mit der Sesshaftwerdung des Menschen an: das Bild vom Jäger und seiner umsorgenden Frau. Das Christentum übersetzte es sich als Ende des Paradieses, der Ungleichheit von Adam und Eva, und ihren ungeratenen mörderischen Kindern Kain und Abel. Nicht alles daran ist falsch. Das Label #metoo umfasst darüber hinaus das komplexe Zusammenspiel von Geschlechterkrieg und Medienmacht, und ist darum um viele Jahrtausende jünger. Weiterlesen

Und dann geh’ ich auseinander

Mediathekperle: die total perfekte Weihnachtshow – live! – zu diesem Heiligabend
Noch ganz unter dem frischen Eindruck dieses Höhepunktes des Fernsehjahres 2021 gebe ich Ihnen hiermit meine Empfehlung zur Gestaltung des heutigen Heiligabends. Draussen ist es dunkelgrau und gemässigt kalt. Unter dem Eindruck des kommenden Lockdowns – oder ist er doch schon da? – sitzen alle traurig zuhause und betrachten die mickrigen Geschenke des Christkindes sowie die eigenen Drogeneinkäufe und überlegen: was nun? Weiterlesen

GameFace – echt jetzt?

Hier eine weitere Mediathekperle – äh oder doch nicht?
Viel aufgeblasene PR-Prosa wurde im letzten Jahr von ARD und ZDF verbreitet, wenn sie von ihrer Mediathek schwadronierten. In der Tat könnte sowas an Tagen wie diesen und den nächsten ein Segen sein, wenn es funktionieren und gepflegt würde. So entdeckte ich linearer Glotzopa gestern “GameFace” im Nischensender One, eine schon sieben Jahre alte Channel-4-Produktion aus dem gespaltenen Königreich. Weiterlesen

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