Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Lesebefehle (Seite 60 von 134)

Maschinenstürmerei des Kapitals

Die hübsche Formulierung dieser Überschrift ist von Dietmar Dath. Ich habe sie bei Matthias Greffrath gefunden, dessen Beiträge zur DLF-Sendereihe “Essay&Diskurs” ich ausgiebig gelobt habe, und die jetzt auch als Buch erschienen sind. Aus diesem Anlass hat bruchstuecke.info einen Greffrath-Text als Wiederholung erneut digital abgesendet. Veraltet ist nichts davon.
Ein unschönes Beispiel für solche Maschinenstürmerei ist das Microsoft-Monopol in der öffentlichen Verwaltung. Weiterlesen

Milliardäre: Irrlichterei und Hybris

Der Deckel auf der Atomenergie schliesst sich – und muss es auch
Selbst die Bibel hat auf die Behauptung verzichtet, der Sohn Gottes habe eine Atomspaltung souverän kontrolliert und zum Fortschritt einer Menschheit vorangetrieben. Die Milliardäre dieser Welt sind da als Erlöser schon weiter. Wenn wir ihnen nur brav folgen würden, ihnen unsere Daten schenken, unsere Widerspenstigkeit gegen die schönsten Techniken aufgäben, würde alles gut.
Wer es zu vielen Milliarden gebracht hat, so lehrt es der real existierende Kapitalismus, muss was Besonderes sein. Weiterlesen

Probleme des “Sozialismus”

Seine reale Existenz ist hierzulande trauriger, als in den USA
Dass ich das noch erleben dürfte, habe ich lange nicht gedacht. In meinem Essener Stadtteil Karnap hatte die älteste Partei Deutschlands über 75%. Ich habe sie gehasst. Jetzt dagegen habe ich Mitleid – das ist in der Politik die unterste Schublade (bei “Hass” gibts immerhin noch Grund, jemandes gefürchteter Gegner/Konkurrent zu sein). Ich kann kaum noch so mitfühlen, wie Heribert Prantl/SZ es versucht, weil ich heute mehr fürchte als hoffe, dass mein einstiges Hassobjekt sich ganz aus der Arena abmeldet. Weiterlesen

Virus / Berlin / “Identitätspolitik”

Sebastian Eder/FAZ interviewt fortlaufend den Darmstädter Lungenarzt Cihan Çelik, der mich beeindruckt durch seine Verbindung von cooler Urteilskraft mit Praxiserfahrung. Als Leser bekomme ich so eine präzisere Lageeinschätzung des “Infektionsgeschehens”, als durch die Verfolgung des täglichen Nachrichtenstroms (7-Tage-Inzidenz Bonn 51,6, 1 Infektion weniger als am Sonntag der Vorwoche).
Berlin feiert den 100. Geburtstag seines früheren Senatsbaudirektors Werner Düttmann. Die Berliner Zeitung hat die Einschätzung ihres Architekturfachmanns Nikolaus Bernau eingemauert; der ist immerhin regelmässig auch in Fazit/DLF-Kultur offen zugänglich zu hören. Weiterlesen

Dosis erhöhen?

“Tabubruch” Antisemitsmus / Aufgabenheft Linkspartei / Waffenhandelsfirma Windsor
Tomasz Konicz/telepolis hat die “tabubrechende” Antisemitismus-Diskussion und das Rollenverständnis einer Kabarettistin zurecht keine Ruhe gelassen. Auch seine Verbindung zur “Cancel Culture”-Debatte ist aus meiner Sicht richtig gezogen.
Dass moralische Positionen zwar richtig sind, allein aber strategisch nicht ausreichend, erklärt Jacobin-Redakteur Loren Balhorn der sich anmassend “Die Linke” nennenden Partei. Manche Passagen Balhorns erinnern mich an vergleichbare Konstellationen in den Grünen. Weiterlesen

Die gute Fee

Quadirs Auftritt – “Folter IV” / Leben wir in einer Operette, einer schlecht inszenierten?
„Das alte Ägypten, das wir heute kennen, ist in Wirklichkeit ein Märchen, das orthodoxe westliche Historiker seit dem neunzehnten Jahrhundert erfunden haben.“ zitiert der kluge Mark Siemons/FAZ-Paywall aus der aufblühenden Schule chinesischer Geschichtsrevisionisten. Die Pyramiden seien erst im 19. Jahrhundert aus Beton gebaut worden. Dass es das Mittelalter in grossen Teilen gar nicht gegeben habe, habe ich hierzulande auch schon gehört/gelesen. Und die Existenz eines gewissen Jesus von Nazareth, und welche Rolle er nun wirklich gespielt haben soll, ist seit rund 2050 Jahren so umstritten, wie die des vor rund 1.400 Jahren verstorbenen Herrn Mohammed. Instrumentalisierung für Herrschaftsstrategien hat es immer gegeben. Und heute? Weiterlesen

Solidaritäten

Krankenpflege – Behindertenbewegung – Ruhrpott
Jan Latza und Harald Weinberg/Junge Welt liefern unter dem Titel “Gepflegter Widerstand” eine Analyse tariflicher und gewerkschaftlicher Kämpfe in der Krankenpflege. Kompliment, das liest sich informativ und politisch instruktiv. Und ist in seiner Wichtigkeit nach heutiger Kenntnis kaum noch zu überschätzen.
Politisch weit komplizierter, und nicht weniger wichtig ist der Diskussionsbeitrag von Taleo Stüwe/Jungle World: “Die Pro-Choice-Bewegung vermeidet die Auseinandersetzung mit pränataler Diagnostik – Keine Angst vor Komplexität Weiterlesen

Zweifel

Ist Michael Maier ein Irrer? Ich weiss es nicht, weil ich ihn nie persönlich kennengelernt habe. Mein Hinweis auf seinen Bericht aus dem Wirecard-Untersuchungsausschuss, der ja nicht geheim sondern öffentlich tagte, findet anscheinend recht grosses Leser*innen*interesse, obwohl doch nichts daran im journalistischen Sinne exklusiv ist. Maier ist ungefähr so alt wie ich, hat aber schon ein a.o. wildes Journalistenleben gelebt. Als Leser profitiere ich von dem, was er tut. Heute mit seinem Interview mit Stephan Suschke, einem Theatermacher, der mit Heiner Müller zusammengearbeitet hat, und eine Menge von Bertolt Brecht versteht. Weiterlesen

Niedergang vieler Kirchen

Christen, Kapitalisten, Islamisten, und andere Gewalttäter – es geht zuende, zu langsam allerdings
Die kämpferische Christiane Florin/DLF hat der Deutschen Bischofskonferenz gestern abend noch ordentlich einen mitgegeben. Die Frau leistet zweifellos gute Arbeit, gut angelegtes Gebührengeld. Ein mindestens genauso “guter” Grund zum Kirchenaustritt ist allerdings die Weigerung des Caritas-Konzerns, an einem Tarifvertrag für die “systemrelevanten” und kostenlos beklatschten Pflegekräfte mitzumachen.
Auch andere Kirchen des Kapitalismus gehen nieder. McKinsey meldet wachsende Probleme bei seiner Papstwahl. Weiterlesen

Russland / Spanien

Ute Weinmann/Jungle World interviewt einen linken Moskauer Bezirkspolitiker namens Alexandr Samjatin. Ein sehr informatives Gespräch über Kräfteverhältnisse und Diskussionsstränge in der russischen Opposition. Es holt die aufgeblasene deutsche Medienberichterstattung auf den Boden der Realitäten zurück, ohne zum Putinverstehen zu mutieren. Denn klar ist: wer in diesem Masse auf Polizei und Einschüchterung gegen Andersdenkende setzt, hat paranoiden Schiss um die Aufrechterhaltung seiner Herrschaft.
Was sagt das über den Zustand der spanischen Demokratie? Weiterlesen

Desasterfabriken

Haben Sie schon mal von der “Bundesfinanzpolizei” gehört? Ich auch nicht. MdB Fabio de Masi, der seit dem Wirecard-Skandal eine mindestens für sich selbst (Listenaufstellungen und Wahlen rücken näher) exzellente PR-Arbeit macht, nennt sie Desasterfabrik. Das lese ich in einem Beitrag von Extradienst-Autorin Annette Hauschild für telepolis (Korrekturlesen wäre nicht schlecht gewesen, aber dafür bekommt sie dort wenigstens Honorar). Die Botschaft ihrer Recherche ist (leider) nicht neu: Deutschland ist ein Geldwäscheparadies, insbesondere sein “Immobilienmarkt”. Weiterlesen

Einsamkeits-Pandemie

Zu den Kollateralschäden der Corona-Pandemie gehört die beschleunigte Ausbreitung von Einsamkeit, verbunden mit einer Unterbrechung des Erlernens von sozialem Verhalten. Das erklärte heute morgen, als Sie wahrscheinlich noch geschlummert und geträumt haben, Dr. Susanne Bücker von der Ruhruni Bochum im DLF. Das Interview (Audio 13 min) ist nicht nur hörenswert, weil das Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient.
Das Besondere ist seine inhaltliche und rhetorische Stringenz. Weiterlesen

Zeitverzug

Als das Sars-Cov-2 bekannt wurde, von China am 31.12.2019 an die WHO gemeldet, begann es Gelegenheit zu geben, es näher zu untersuchen. Wie ansteckend? Wie gefährlich? Was ist vorbeugend zu tun? Was, wenn es Menschen befällt? Niemand wusste Antwort auf diese Fragen. Es gab also Anlass, das erforschen zu lassen, um nach den Antworten zu suchen. Mit dem Beginn des vermaledeiten vorigen Jahres hätte damit begonnen werden können. Waren die Ärztinnenschaft und die Krankenhäuser vorbereitet? Das Pflegepersonal hinreichend ausgebildet? Die ersten Monate wurden damit verbracht, das Virus als “chinesisch” zu branden. Weiterlesen

Stamokap

Amazon, Indien, Russland, Guinea, Deutschland/EU
Wie der Stamokap aktuell funktioniert, erklärt Matt Stoller/Guardian (dt. Übersetzung im Freitag) anhand des fettesten aller Beispiele, dem Amazon-Konzern. Stoller hat Hoffnung, dass “die Politik” nach rund 30 Jahren Ignoranz zu handeln beginnt. Schön wärs.
In Indien bilden Bauern und Klimaaktivist*inn*en ein politisches Bündnis, und das Modi-Regime hats gemerkt. Nach der Logik deutscher Nawalny-Politik müssten nun Sanktionen gegen Indien folgen. Weiterlesen

#ZeroCovid-Kritik / Welthandel & Weltmächte

Unter dem Titel “#ZeroCovid und der autoritäre Corona-Staat” setzt sich Karl Reitter/telepolis recht umbarmherzig mit der gleichnamigen linksgelabelten Initiative auseinander. Naja, kein Wunder, der Mann ist Österreicher. Barmherzig können die noch nicht einmal mit sich selbst (Achtung: Vorurteil!). Im inhaltlichen Kern kann ich ihm leider kaum widersprechen (s. auch Alex Demirović: Über die Null hinausdenken in diesem Blog).
Die ganze Debatte wird realpolitisch von einer anderen Tatsache überwölbt: dem geostrategischen Machtkampf der grossen und starken Mächte. Weiterlesen

Hygiene, Epidemie und Politik

Zweifel sind keine Leugnung – aber Hygienebewusstsein ist in vermachteteter Öffentlichkeit und Politik so wichtig, wie bei der Virusbekämpfung
Ein Gastautor schrieb mir kürzlich, die “Berliner Zeitung” sei “z.Z. die beste Zeitung”, weil sie wichtige Debatten lostrete. Ich verfolge sie nur gelegentlich, aber mein Gefühl wächst, dass das stimmen könnte. Hier gibt sie dem Epidemiologen Klaus Stöhr das Wort, der seine Bekanntheit dadurch steigern konnte, dass ihn die Bundeskanzlerin und die MPs (mehrheitlich) nicht unter ihren Berater*inne*n haben wollten.
Mglw. öffnet sich der öffentliche Diskursraum langsam wieder. Weiterlesen

Medienkritik

Nach einer grosszügigen Portion wärmender Hühnersuppe (Bezugsquelle), die ich mir gerne mit Knoblauch und Curry nachwürze, sowie einem sättigenden Matjesstip (Bezugsquelle) mit frischen Linda-Salzkartoffeln gab es zum Nachtisch die 20-Jahre-Jubliläumssendung des entschleunigenden mare-TV, Glückwunsch auch von mir, und als Empfehlung an Extradienst_Leser*innen. Nun also, was mich lesend beschäftigte.
Timo Rieg/telepolis hat eine ausufernde, gelegentlich schwer verdauliche Fleissarbeit zur Medienberichterstattung in der Corona-Pandemie angefertigt. Weiterlesen

Enissa zeigts dem WDR

Und Rupert den Präsidenten / weitere Infos zu Welthandel, Impfpolitik, Northstream2
Sie steigt weiter in meiner Hochachtung: Enissa Amani. Jetzt hat sie dem doofen WDR und der nicht minder doofen Plasberg-Firma kurz mal eben auf eigene Produktionskosten vorgemacht, wie Leute, die Ahnung von der Sache haben, über Rassismus und Sprache schwätzen können. Makaber, wie wenig schwer das ist. Und für unser Haushaltsabgabengeld bekommen wir so ein Minimum an Intelligenz nicht geliefert? Sogar der billige Spiegel hats schon gemerkt.
Ich schäm’ mich so, weil ich “meinen” WDR mal so heiss geliebt und verehrt habe. Weiterlesen

Prantl / Evaristo / Touché

Was für ein Schreck: die ersten Sekunden bei Bewusstsein, die Augen noch gar nicht auf, und aus dem timergesteuert angesprungenen Radio tönt fast durchgehend meine Meinung und Empfindung. Wann hat es das zuletzt gegeben? Es muss die junge Bettina Böttinger gewesen sein. Sie moderierte ein Bonner Radio-Lokalfenster, das es nicht mehr gibt, auf einer WDR-Welle, die es nicht mehr gibt, einen Bonner Lokalpolitiker, den kurz danach verhafteten damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden und Stadtwerkechef in einer Person, Reiner Schreiber – und machte ihn rhetorisch lehrbuchmässig und live auf dem Sender zur Schnecke – das muss damals auch so rund um 7 Uhr herum gewesen sein. Unvergesslich, Pflichtcurriculum für eine gute Journalist*inn*enausbildung.
Heute morgen also Heribert Prantl im DLF. Weiterlesen

V-Mann an der Klimafront

Ist es nun zu warm oder zu kalt? In dieser Frage ist der Unterschied zwischen Wetter und Klima bereits angelegt. Es ist zu kalt – fürs Rheinland jedenfalls. Mehrere Winter musste ich meine Wohnung nicht heizen, weil ich von meinen Nachbar*inne*n unter über und neben mir hinreichend Abwärme bekam. Das ist jetzt leider nicht mehr so. Trotzdem ist es zu warm. Das erklärt uns Wolfgang Pomrehn/telepolis.
Pomrehn leistet seit Jahren das, was wohlverstandene “Nachrichtendienste” längst hätten leisten müssen: die Klimakrise vorhersehen, analysieren, Strategien dagegen erarbeiten und vorschlagen. Weiterlesen

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